[Briefkastenfüllungen] KW16

Nachdem ich letzte Woche geschäftlich unterwegs war und den Briefkasten daher nicht im Auge behalten konnte, gibt es jetzt die gesammelte Ausbeute:

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“Odessa und die geheimnisvolle Welt der Bücher” wollte ich schon eine ganze Weile haben – und habe daher nicht im geringsten gezögert, als es bei Tauschticket zu haben war. Schon das Cover trifft genau meinen Geschmack, bin gespannt, ob der Inhalt mithalten kann. “Eis und Dampf” lese ich in einer Leserunde bei Lovelybooks, bisher ist es ziemlich düster, die Welt aber überaus faszinierend.

“Jandra” und “Blasphet” habe ich zu Ostern von meinem lieben Mann bekommen. Zwei Bücher, auf die ich seit “Bitterholz” sehnsüchtig hoffe – und die leider nicht mehr neu zu bekommen sind. Definitiv ein besseres Geschenk als Schokoeier, was meint ihr?

Published in: on April 21, 2014 at 12:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Seeherzen von Margo Lanagan

seeherzen Margo Lanagan
Seeherzen
Verlag: Rowohlt
336 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3499211602
ISBN-13: 978-3499211607
16,99 €

Das Cover des Buches könnte vermutlich zu vielen Geschichten passen, solange sie nur am Meer spielen: Es zeigt die Silhouette einer Frau, die auf steinigen Klippen aufs Meer hinaus schaut, während ihr Schal im Winde weht. Ein poetisches Cover, das gut zur Geschichte passt – auch wenn es den Leser vermutlich etwas anderes erwarten lässt als er dann zwischen den Buchdeckeln findet.

Miskaella ist anders. Eine Andersartigkeit, die sie schon als Kind zu spüren bekommt – umso stärker, als sich ihre merkwürdige Gabe zeigt. Sie kann die Robben rufen und beeinflussen. Einsam, ungeliebt und ausgenutzt lernt sie ihre Magie zu meistern und damit jene zu bestrafen, die ihr einst Unrecht taten: Die Männer und Frauen von Rollrock Island. Ihre Magie treibt Frauen und Männer auseinander, verändert das Schicksal so mancher Menschen und ist doch nicht mehr als das Abbild einer fast vergessenen Zeit.

Magie findet sich in dieser Geschichte nur am Rande, “Robbenliebe” wird sie genannt – und ist zumindest hier vermutlich der Grund für die Geschichten über Meerjungfrauen und Selkies. Eine alte Legende besagt, dass auch die Menschen von Rollrock unter ihren Ahnen welche finden werden – auch wenn dieses Wissen streng gehütet und nicht gern gesehen ist. Wirklich erinnern tun sich nur die wenigsten – und recht ungern, wenn man die Reaktionen auf die Gabe der jungen Miskaella betrachtet. Letztendlich ist es aber weder Miskaellas Gabe noch die Geschichte der Robbenfrauen und -männer, die Margo Lanagan in “Seeherzen” erzählt.

Schon der Klappentext bezeichnet “Seeherzen” als “mehr als allein eine Geschichte”. Das Buch erzählt nicht nur eine, sondern mehre Geschichten über Melancholie, Liebe, Hoffnung und Verzweiflung. Gefühle, die der Leser aus jedem Satz herauslesen, sogar mitfühlen kann. Jede der Figuren, die Margo Lanagan in ihrem Buch zu Wort kommen lässt, gibt dem Leser einen tiefen Eindruck in deren Gefühlswelt – und stellt gleichzeitig einen kleinen Aspekt in der Geschichte der Insel dar.

Dennoch bleibt die Insel so unnahbar, wie ihre Figuren greifbar sind. Rockroll könnte überall sein, die Geschichte der Menschen auf ihr zu jeder Zeit spielen. Und das Schicksal, dass die Menschen ereilt, ist ebenso grausam wie nachvollziehbar. Die Abneigung der Inselbewohner gegenüber der komischen Miskaella ist dabei genauso nachvollziehbar wie Miskaellas Reaktion – beide sind eben einfach menschlich. Aber was bleibt einem Menschen, dem Liebe und Zuneigung verwehrt bleiben? Was wird er verändern, wenn er die Macht hat, Veränderungen zu bewirken – und wie wirken sich die Veränderungen auf die einzelnen Menschen in seiner Umgebung aus? Davon erzählen Margo Lanagans Figuren. Völlig authentisch beschrieben, kann man jede einzelne verstehen – und das, obwohl die Autorin es versteht, die dunklen Seiten eines jeden ans Tagelicht zu bringen. Dunkle und düstere Gefühle überschatten damit die vom rauen Meer und Wind zerklüftete Insel. Liebe und Zuneigung sind hier seltener zu finden als Traurigkeit und Verzweiflung. Und dennoch gibt es immer wieder Hoffnungsschimmer: Gefühle und Taten, die den Leser hoffen lassen – auch wenn diese Hoffnung öfter vergebens ist, als sich bewahrheitet. Dennoch gibt es immer wieder Funken, die sie am Leben halten – und mit der Letzten Seite schwelt es wieder, das Feuer der Hoffnung.

Es ist eine bittersüße Geschichte, die Margo Lanagan erzählt. Eine Geschichte, die nur leicht fantastisch, eher märchenhaft zu nennen ist, die die Gedanken der Leser beschäftigt und mit der letzten Seite sehr nachdenklich zurück lässt. Wer weiß schon, ob sich die Geschichte so oder so ähnlich nicht wiederholen wird oder schon wiederholt hat? Nichtsdestotrotz lässt die Geschichte den Leser auch mit Hoffnung im Herzen zurück. Dann, wenn sich mit der letzten Seite die ersten leichten Fäden eines Happy Ends erahnen lassen und sich zeigt, dass in jeder Figur einige der positiven Gefühle hausen.

“Seeherzen” ist keine einfache Geschichte, keine leichte Kost und definitiv keine typische Fantasy – eher ein poetisches Märchen, ein Buch zum Nachdenken, Grübeln und Fühlen. Aber auch eine Geschichte, die den Leser mitreißt und selbst mit der letzten Seite noch nicht loslässt. “Seeherzen” ist eben mehr “als allein eine Geschichte”: Ein Buch, für das man sich Zeit nehmen muss, nur dann kann einen die Geschichte mitreißen, in einem Strudel aus Gefühlen, durchmischt von einem leichten Hauch Magie.

Hier könnt ihr selbst einen ersten Blick auf die Insel erhaschen.

Published in: on April 19, 2014 at 9:00 vormittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Die Köche – Der kleine Hobbykoch von Ulrich Burger (Hrsg.)

diekoeche03 Ulrich Burger (Hrsg.)
Die Köche – Der kleine Hobbykoch
Verlag: Ulrich Burger
167 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 3943378160
ISBN-13: 978-3943378160
12,00 €

“Der kleine Hobbykoch” ist die dritte Anthologie der “Köche”-Reihe aus dem Ulrich Burger Verlag. Wieder einmal gut gefüllt mit Rezepten und fantastischen Geschichten.

Das Titelbild ist ein altbekanntes: Schon Band eins und zwei zierte die Portion Spaghetti mit Fleischklößen, aufgespießt durch eine eindrucksvolle Gabel, die einem Dreizack ähnelt. Von den anderen Covern unterscheidet es sich in der Farbe – diesmal ist der Hintergrund grün – und der kleinen Schriftrolle, die eine Auswahl der Autoren nennt, die in der Anthologie vertreten sind.

Diesmal sind nicht nur deutsche, sondern auch englischsprachige Autoren in der Anthologie vertreten, den Anfang macht Dan Wells mit seinem Rezept “Dan’s Chiles Rellenos”, das Ende Stan Nicholls mit “A Trio” – einem von ihm empfohlenen Drei-Gänge-Menü. Beides leider nur Rezepte, keine Geschichten, dafür aber sowohl im Original als auch in Deutsch.

Auch nach dem “Verzehr” des Buches ist und bleibt Dianna Kinnes “”Godsmart – Wenn Götter einkaufen gehen” meine Lieblingsgeschichte. Der Einkaufsbummel von Jörd und ihrem kleinen Racker Thor ist einfach nur köstlich zu nennen. Weniger köstlich, aber mindestens genauso amüsant ist “Feuerei” von Stephan Russbült, eine Geschichte, die trotz aller Mühe, die sich die Gnome mit ihrem Gericht geben, nicht wirklich gut ausgeht. Von dieser Art düsteren Humors und Rezepten hat die Anthologie noch einige zu bieten, unter anderem “Die Ludisuppe” von Alexander Lohmann oder die Waldschratsuppe aus “Die Rache der Meerschweinchen” von Diana Mensching. Richtig böse wird es mit “Ess-Ethik” von Markus Heitz – definitiv nicht meine Lieblingsgeschichte, auch wenn ich ihm zu Gute halten muss, dass ich mit dem Ende absolut nicht gerechnet hätte.

Überraschend romantisch kam Christian von Asters “Der Unnachahmliche Jadetrunk der vollkommenen Vollendung” daher, ein kulinarisches Märchen mit Happy End. Auch die kurze, leicht melancholische Geschichte “Der Rabe” von Gesa Schwartz hat mir gut gefallen – und vielleicht werde ich bei Gelegenheit auch ihre Rabentaler mal testen. Ebenfalls sehr melancholisch, vor allem jedoch düster ist Ann-Kathrin Karschniks “Aufgezogen im Feld” – eine Geschichte, die mir vermutlich im nächsten Herbst wieder in Erinnerung gerufen wird (ich vermute fast, dass die Autorin genau das beabsichtigt hat).

Luci van Orgs Anleitung “Wie man eine Göttin bewirtet” sollte man fast schon jedem Mann als Pflichtlektüre empfehlen – auch wenn mir persönlich das zugehörige Rezept nicht ganz zusagt. Stil und vor allem die Pointe der Geschichte bzw. des Rezepts sind jedenfalls einfach klasse.

Aber auch klassische Gerichte wie Maultaschen oder Creme Brulee haben ihren Platz in der Anthologie gefunden – mal fast schon urschwäbisch mit einem kleinen Hauch Fantastik zubereitet, mal absolut fantastisch und eher ungewöhnlich gekocht – schließlich hat nicht jeder Haushalt einen “handelsüblichen Drachen” zur Hand.

Insgesamt bietet “Der kleine Hobbykoch” wieder einmal eine bunte Mischung aus Rezepten und Geschichten. Mir persönlich wären etwas weniger Rezepte und dafür mehr oder auch längere Geschichten lieber, aber letztendlich ist es eine fantastische Kochanthologie – und ohne Rezepte würde ihr definitiv etwas fehlen. Die Geschichten (und selbst die Rezepte) sind so unterschiedlich wie die Autoren selbst. Und ich bin mir sicher, dass jeder Fantasyleser ein paar für ihn interessante Geschichten finden wird, vielleicht sogar ein paar Rezepte zum nachkochen – ich jedenfalls habe sie gefunden.

Published in: on April 16, 2014 at 12:00 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Berlin Werwolf – Blutsbrüder von Rainer Stenzenberger

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Berlin Werwolf – Blutsbrüder
Verlag: be.bra Verlag
256 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3814801954
ISBN-13: 978-3814801957
14,95 €

Das Cover des Buches ist relativ einfach gehalten: Dunkle Schwarztöne dominieren das Bild, das einzig Helle ist der von dunklen Wolken umgebenen Vollmond. Durch diesen schwarzen Hintergrund ziehen sich die Abdrücke einer Klaue, die es so wirken lassen, als wäre das Buch einem Werwolf (oder vielleicht auch einem Hund) in die Klauen geraten. Ein interessantes Cover, das trotz seiner Schlichtheit das Interesse des Betrachters weckt.

Gero von Sarnau ist ein Werwolf, der mehr Probleme hat, als er an einer Hand abzählen könnte: Jeden Vollmond verwandelt er sich in ein menschenfressendes Monster, er hat keinen Job, sein Mustang benötigt dringend wieder eine Reparatur, seine Freundin hat seinetwegen Ärger mit ihrer Familie, sein letztes Geld hat er ohne mit den Wimpern zu zucken verzockt und seine Selbstbeherrschung hat Grenzen, die die gutaussehende Anwältin aus der Bar bei weitem überschreiten. Ob ein Raubüberfall bei dem Vater seiner Freundin Abhilfe schafft? – Zumindest die finanziellen Probleme von Gero und seinen Freunden sollten sich im Erfolgsfall in Luft auflösen.

Schon am Prolog merkt man, dass sich zumindest Gero mit der geplanten Aktion ziemlich weit in die Scheiße geritten hat. Im Rückblick erzählt er, wie es zu der blöden Situation gekommen ist, in der er sich jetzt befindet. Dabei bekommt der Leser nicht nur einen Überblick über Geros Freunde, sondern auch über Geros aktuelle Situation. In seinem Umfeld gibt es nach den ersten paar Seiten genau zwei Figuren, die ich wirklich mag: Sammy, einen Straßenjunge, dem Gero gelegentlich unter die Schultern greift und Geros Freundin Suna.

Damit sind dann aber auch schon alle Sympathiepunkte verteilt. Geros gelegentliche Ausflüge als Werwolf kann ich ihm – trotz zum Teil tödlichen Ausgangs – noch verzeihen, immerhin hat er nicht die geringste Kontrolle über seine Wolfsgestalt und kann sich schlussendlich nicht einmal an die Taten erinnern. Damit sind die Momente sowohl vor als auch nach der Verwandlung ziemlich übel für ihn – wer möchte schon nackt irgendwo in der Kälte aufwachen, ohne genau zu wissen, wie man dorthin gekommen ist? Hier hat man als Leser eindeutig einen Vorsprung: Rainer Stenzenberger lässt Geros Lupus (seine Werwolfgestalt) den Teil der Geschichte erzählen, den Gero “verpasst”. Eine ziemlich interessante Art der Erzählweise, da der Lupus eher trieb- und instinktgesteuert handelt, wenn auch deutlich intelligenter und planender, als ich es ihm zugetraut hätte.

Geros Verhalten als Mensch ist erst einmal ziemlich unreif – vor allem dafür, dass er knapp vierzig ist – und übertrieben “männlich”. Themenschwerpunkte sind Fußball, Frauen und natürlich Geld – das fehlt schließlich sowohl ihm als auch seinen Kumpeln. Die Pläne, die sie schmieden um an Geld ranzukommen, sind nicht gerade zimperlich: Nicht nur, dass sie einen Überfall planen, das Opfer ist – wenn auch selbst kriminell – zudem noch Sunas Vater. Suna selbst wird von Gero gleich mehrfach betrogen, mit verschiedenen Frauen und eben jenem Plan. Man kann ihm zu Gute halten, dass er sich bewusst ist, dass es nicht gerade die feine Art ist und zumindest ein schlechtes Gewissen hat. Nichtsdestotrotz ist er damit ein ziemliches Arschloch. Allerdings ein Arschloch, das für seine Freunde einsteht und sogar sein Leben für sie riskiert.

Der Plot selbst ist überlagert von Fehlschlägen, Versuchungen (denen nachgegeben wird) und jeder Menge unglücklicher Zufälle, die die Truppe immer weiter in die Scheiße reiten. Eine Tatsache, die Rainer Stenzenberger wirklich spannend und absolut fesselnd gestaltet und dass, obwohl schon mit dem Prolog fragwürdig ist, ob die Geschichte gut ausgeht. Mit jeder gelesenen Seite lässt der Autor diese Hoffnung weiter schwinden. Auf ein Happy End braucht damit wirklich keiner zu hoffen – auch wenn es natürlich (noch) schlimmer hätte kommen können. Vielleicht tut es das ja im nächsten Band?

Was mir gefallen hat ist Rainer Stenzenbergers Idee, eine Geschichte über einen “echten” (nicht romantisch verklärten) Werwolf zu schreiben. Auch die ungewöhnliche Erzählperspektive und das Berliner Setting fand ich klasse. Die Hauptperson selber war mir dann allerdings trotz einiger weniger netter Züge deutlich zu unsympathisch. Das hat dem Lesefluss zwar keinen Abbruch getan, schlägt sich aber insgesamt recht negativ auf mein Gesamturteil aus. Um die Geschichte wirklich zu mögen, muss man meiner Meinung nach auch Gero mögen – und dafür fehlen mir sowohl das Verständnis für seine “männlichen” Gedankengänge als auch für sein Verhalten. Leser, die nichts gegen untypische, unromantische und eher unsympathische Protagonisten haben, werden an dem Buch aber ganz sicher ihre Freude haben – und wer sich nicht sicher ist, kann es ja einfach mal mit “Blutsbrüder” versuchen. Die ersten Seiten findet ihr hier.

Published in: on April 12, 2014 at 9:00 vormittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Phantasmen von Kai Meyer

phantasmen Kai Meyer
Phantasmen
Verlag: Carlsen
400 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3551582920
ISBN-13: 978-3551582928
19,90 €

Das Cover des Buches zeigt Ausschnitte von vier unterschiedlichen Gesichtern, Alt und Jung, männlich und weiblich. Bei zweien kann man die abwesenden, in die Ferne blickenden, hellen Augen erkennen. Ich vermute, dass es die Gesichter einiger der Geister sein sollen, die im Buch beschrieben werden. Der abwesende Blick und der grünliche, fast fahle Hintergrund lassen die Menschen zumindest geisterhaft und auch ein bisschen schaurig wirken. Schön würde ich das Cover damit nicht nennen, aber es ist definitiv passend.

Seit dem Tag Null tauchen sie überall da auf, wo Menschen gestorben sind: Tausende von Geistern – Durchsichtige leuchtende Wesen in der Gestalt der gestorbenen Menschen. Um sich von ihren bei einem Flugzeugabsturz gestorbenen Eltern zu verabschieden, reisen Emma und Rain zu dem Ort, an dem diese gestorben sind. Ihre Eltern tauchen wie geplant auf, aber dann beginnen sie – wie alle anderen Geister weltweit – zu lächeln; ein böses Lächeln, das allen Menschen im unmittelbarem Umfeld das Leben raubt. Ein Effekt der anhält und immer mehr Menschen das Leben kostet. Aber als Rain und Emma dem nachgehen, begeben sich in noch weitaus größere Gefahr.

Im Anschluss an den nachdenklichen Prolog folgt die eigentliche Geschichte, Rains Geschichte. Auf einen kurzen Abriss der letzten sechsunddreißig Monate – der Zeit seit dem Absturz der Maschine ihrer Eltern und dem darauf folgenden Erscheinen der Geister – folgt ein noch kürzerer Abriss ihrer eigenen Lebensgeschichte. Dann beginnt die eigentliche Geschichte inmitten von Europas einziger Wüste. Durch diese Wüste brausen oder zockeln Rain und Emma mit einem alten Mini, um zur Absturzstelle zu kommen. Eine kurze Fahrt, die den Lesern schnell einen Eindruck der beiden unterschiedlichen Geschwister vermittelt. Und spätestens mit der Ankunft an der Absturzstelle hat Emma schon mein Herz erobert. Ihre Reaktionen auf die Umgebung sind meine absoluten Highlights im Buch. Aussagen wie “Wir könnten ihn [einen völlig Fremden] fragen, ob er noch zwei von diesen Hüten hat” stehen an der Tagesordnung, ebenso wie ihre Antworten auf (völlig berechtigte) kritische Nachfragen “Was soll er wohl mit drei davon anfangen?” – “Eben. [...] Deshalb kann er uns ja die anderen beiden geben.” Diese Art von “Gespräch” zieht sich durch das ganze Buch – und jedes davon ist immer wieder klasse. Außerdem machen sie jede im Buch passierende Handlung absolut nachvollziehbar (zumindest für Emma und Leute, die ähnlich denken oder denken wollen) – Rain hat, ebenso wie der Leser, jedenfalls keine andere Wahl als Emma zu folgen.

Die dritte Hauptperson, Tyler, hatte einen ähnlichen Plan wie Rain und Emma. Er wollte sich von seiner Freundin verabschieden. Er hat allerdings den berechtigten Verdacht, dass mit dem Absturz einiges nicht stimmt. Und nachdem er Emma und Rain vor einigen Söldnern, die genau das vertuschen wollen, rettet, hängen ihm die zwei an den Fersen. Von Söldnern verfolgt und lächelnden Geistern umgeben machen sich die drei daran aufzuklären, warum die geliebten Menschen sterben mussten – und was das ganze mit dem Erscheinen Geistern zu tun hat. Eine gefährliche Aufgabe, die sie durch Europa bis nach Amerika führt und dabei Stück für Stück die Hintergründe des Debakels enthüllt.

Das Verhalten der Gesellschaft bei diesen Phänomen ist simpel und ziemlich nachvollziehbar: Erst einmal wird das Erscheinen der Geister angezweifelt, dann arrangiert man sich und später werden sie so gut wie es eben geht ignoriert. Als es gefährlich wird, ist es dann zu spät und die Welt versinkt im Chaos – und damit haben wir den klassischen Ausgangspunkt einer Dystopie, auch wenn die Ursache (die Geister) ziemlich ungewöhnlich ist.

Die Protagonisten geraten eigentlich nur durch Zufall in das Ganze hinein – über die verstorbenen Eltern beziehungsweise die Freundin. Dass der Wunsch nach Wahrheit über der potentiellen Lebensgefahr rangiert, ist blinde Liebe, in Emmas Fall einfach typisch chaotisch und verrückt. Die Umstände, mit denen sie zu Recht kommen müssen, sind hart (selbst für den Leser): Die Geister sind unheimlich, der Tod, den sie mitbringen, noch viel schlimmer – damit wimmelt es in dem Buch nur von Toten und dazu kommen noch ein Haufen ziemlich zielstrebiger Irrer, die das Trio im Visier haben. Die Spannung kommt damit definitiv nicht zu kurz – auch wenn sich der Gruselfaktor zum Glück in Grenzen hält.

Die Verbindungen, die sich langsam herauskristallisieren sind interessant, ebenfalls spannend, aber vor allem schrecklich – ich hoffe, dass die Menschen von dieser Art Verhalten noch weit entfernt sind. Und dass wirklich niemand bereit ist, sehenden Auges den Weltuntergang in Kauf zu nehmen. In “Phantasmen” geht es letztendlich gut aus – oder zumindest nicht schlecht. Schrecklich genug sind die im Buch geschilderten Ereignisse trotzdem. Und die Katastrophe ist sicherlich nicht nur der Spannung wegen absolut knapp und mit herben Verlusten abgewendet worden. Zum Glück bleibt dem Leser auch diesmal ein Hoffnungsschimmer für die Protagonisten im Buch und für ihre Welt – und damit auch für unsere eigene.

Mich hat die Geschichte erschreckt, die Protagonisten – allen voran Emma – überzeugt und der Plot, trotz seiner eigentlichen Schlichtheit, von der ersten bis zur letzten Seite im Bann gehalten. Die geschilderten Ereignisse sind selbst für eine Dystopie heftig, auch wenn der Autor zum Glück nicht wirklich ins Detail geht. Das Buch ist damit insgesamt ziemlich gut.

Hier könnt ihr euch selbst einen ersten Eindruck verschaffen.

Published in: on April 9, 2014 at 12:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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[Briefkastenfüllungen] KW14

Diesmal hat es der Postbote gut mit mir gemeint und gleich drei Bücher vorbeigebracht:

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“Seeherzen” werde ich einer Leserunde bei Lovelybooks lesen – und nach dem Vermerk “Ein Roman für geübte Leser, die sich mehr von einem Buch wünschen als allein eine Geschichte” bin ich schon echt gespannt auf den Inhalt. Die anderen zwei Bücher sind über fictionfantasy bei mir eingetrudelt, besonders gefreut habe ich mich über “Zara von Asphodel” – mit dem Buch hatte ich schon auf der Buchmesse geliebäugelt.

Published in: on April 7, 2014 at 6:00 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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[Bloggertreff] 4. Bücher- und Blubberstammtisch in Stuttgart

Schon zum vierten Mal lud die liebe Anka von Ankas Geblubber zum Bloggertreff ein. Diesmal traf man sich in gemütlicher Atmosphäre mit einigen Buchbloggern und Thomas Thiemeyer, der kurz vorbeischaute, fleißig signierte, zum Fotoshooting bereitstand und für Anka sogar spontan die Rolle der Losfee übernahm, zum Brunch im Cafe Planie in Stuttgart.

Nachdem die Nahrungsaufnahme abgeschlossen war, gingen wir zu den wirklich wichtigen Themen über: Bücher

In lustiger Runde wurde quasi gebuchwichtelt. (Fast) jeder war Ankas Aufruf gefolt und hatte ein “altes” Buch lieb verpackt zum Austausch dabei. Mit vielen Würfelwürfen wechselt die Bücher nach links und rechts, kreuz und quer über den Tisch – bis alle ausgepackt und gehörig bewundert worden waren.

4bloggertreffenstuttgart

Danach ging es an den “Buchkampf”, es wurde weitergewürft und diesmal wusste man, welche Schätze den Besitzer wechselten. Die Favoriten waren schnell gefunden und so umrundeten manche Bücher gleich mehrmals den Tisch. Ich kann mit meiner letztendlichen Ausbeute durchaus zufrieden sein: Nachdem die Zeit rum war, hielt ich gleich zwei Bücher in den Händen! Das Lesezeichen, das im Buch steckt, habe ich von Nizumi von licentia poetica bekommen, sie hatte die tolle Idee, diese anstelle von Visitenkarten zu verteilen – und sich (und ihren Blog) damit ziemlich fest in meinem Bücherregal verankert.

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Bevor sich das Treffen dem Ende neigte und die verschieden Blogger Richtung Stuttgarter Buchläden verschwanden, stellte noch jeder seine aktuelle Lektüre vor. Ich überlege jetzt tatsächlich, ob ich Kiera Cass “Selection”-Reihe auf Englisch lesen soll, habe eine buchige Geschenkidee und denke außerdem darüber nach, wieder mal einen Ausflug in andere Genre zu unternehmen. Vielleicht mal wieder einen Kurzausflug in die Science Fiction?

Published in: on April 6, 2014 at 9:00 vormittags  Kommentare (9)  
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[Rumpelkammer] Buchhaltestelle

Bei einer kleinen Tour durch die deutschen Städte sind mein Mann und ich unter anderem auch in Hamburg gelandet – und haben in den öffentlichen Verkehrsmitteln etwas wirklich tolles entdeckt: Die Buchhaltestellen!

buchhaltestelle

Kleine rote Bücherregale, die laut Anzeige im Bus bereits seit vier Jahren in einigen Hamburger Bussen mitfahren. Mittlerweile sind mehr als eine halbe Millionen Bücher in den Bussen unterwegs. Ich habe leider spontan kein Buch in den Regalen entdecken können – es wäre mit dem Zurückgeben allerdings auch schwieriger geworden ;-).

Auf jeden Fall eine tolle Idee, die ruhig auch in einigen anderen Städten umgesetzt werden könnte. Was meint ihr dazu?

Published in: on April 4, 2014 at 12:30 nachmittags  Kommentare (4)  
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Vollstrecker der Königin – Das grüne Tuch von Angelika Diem

dasgruenetuch Angelika Diem
Vollstrecker der Königin – Das grüne Tuch
Verlag: Machandel
234 Seiten
E-Book
ASIN: B00IY2AG1O
1,65 €

“Das grüne Tuch” ist Angelika Diems zweites Buch aus der Reihe “Vollstrecker der Königin”.

Das Cover ähnelt vom Stil her dem von “Der Baeldin-Mord“, die Szenerie ist allerdings eine ganz andere: Im Hintergrund kann man auf einer grünen Wiese inmitten eines Gebirges ein von einigen Nadelbäumen umsäumtes Fachwerkhaus erkennen. Im Vordergrund sind zwei Hände zu erkennen, die ein durchscheinendes, fast gasförmiges grünes Tuch halten. Das Tuch, das dem Buch seinen Namen gibt.

“Das grüne Tuch” umfasst drei Kurzgeschichten, die in der Zeit vor “Der Baeldin-Mord” angesiedelt sind. Eine Zeit, in der Caitlynns Dasein als Vollstreckerin noch in den Sternen steht.

Schon als Kind weist Caitlynn die Ansätze einer Vollstreckerin auf, auch wenn ihre Eltern nicht den Wunsch hegen, sie in diesen Amt auszubilden zu lassen – auch nicht, als sie sich für den Heiratsmarkt als untauglich erweist. Um sie von der Ausbildung abzuhalten, ersinnt ihre Mutter einen Plan, der Caitlynns Wege in andere Bahnen verlaufen lässt. In der ersten Kurzgeschichte, “Das grüne Tuch”, setzt sie diesen Plan in die Tat um und stellt Caitlynn damit vorerst vor unverrückbare Tatsachen, was ihre weitere Zukunft angeht.

In “Halbe Hand” wird Caitlynn von einem in der Nachbarschaft lebendem Fürsten entführt, um damit ihre Großmutter, die Heilerin Melana, dazu zu bringen, die Krankheit des Fürsten zu behandeln. Eine Krankheit, hinter der weit mehr steckt, als es auf den ersten Blick scheint – und die nicht nur für den Fürsten tödliche Folgen haben könnte.

In der letzten Kurzgeschichte sind Caitlynns kombinatorische Fähigkeiten gefragt: Auf dem Festmarkt wird eine junge Frau niedergeschlagen – und da kurz vorher die Feindseligkeiten zwischen den Dorfbewohnern und den benachbarten Waldsiedlern eskaliert sind, kommen einige für die Tat in Frage. Kann Caitlynn den Täter finden und weitere Eskalationen verhindern?

In “Der Baeldin-Mord” begleitet der Leser die Vollstreckerin Caitlynn bei einer ihrer Aufklärungen und der anschließenden Vollstreckung. In “Das grüne Tuch” lernt man ihre Familie und ihre Welt weiter kennen – und das fast völlig abseits von ihrer Bestimmung als Vollstreckerin. Demnach sind die drei Kurzgeschichten auch eher fantastisch als kriminalistisch zu nennen, auch wenn zumindest die letzte der drei ein Opfer und einen Täter aufweist. Ich bin mir trotzdem sicher, dass die Erfahrungen, die sie in diesen Geschichten macht, sie zu einer besseren Vollstreckerin lassen werden.

Über Caitlynns direkte Familie erfährt man, abgesehen von ihrer Mutter, nur durch Caitlynns Erzählungen und Gedanken. Dennoch kam man sich so zumindest ein besseres Bild von ihrer Familie machen, die in “Der Baeldin-Mord” tatsächlich nur ganz am Rande erwähnt wird. Caitlynns Mutter und ihre Tat machen sie nicht wirklich sympathisch, im weiteren Verlauf der Geschichten lernt man dennoch, sie zumindest ansatzweise verstehen. Caitlynns Großmutter hingegen ist, ebenso wie ihre Gesellen, absolut liebenswert – und auf den wenigen gemeinsamen Seiten wachsen sie einem fast so sehr ans Herz wie Caitlynn selbst.

Auch das Wissen um die Gaben der Menschen wird in den Geschichten weiter vertieft. Das Charisma, die Fähigkeit, andere Menschen zu Marionetten zu machen, kennt der geneigte Leser schon aus “Der Baeldin-Mord”. Jetzt wird die dort einfach nur angewandte Fähigkeit weiter beleuchtet – und man bekommt auch den Eindruck, dass Caitlynns Mutter, was die Einschätzung ihrer Tochter angeht, nicht ganz so gut liegt, wie sie glaubt. Eine mindestens genau so wichtige Gabe wie die des Charismas ist die Heilkraft der Menschen. Mit Hilfe einer Gabe, die man “das grüne Tuch” nennt, ist es möglich zu heilen. In der Kurzgeschichte gleichen Namens wird Caitlynn von ihrer Großmutter in eben dieser Gabe unterwiesen.

“Halbe Hand” entführt den Leser in die Gefilde der Adligen. In der Geschichte erfährt der Leser unter anderem, was unter einer “Halben Hand” zu verstehen ist und wie die Hierarchie innerhalb des Landes geregelt ist: Im Adelsbereich einzig und allein über die Macht des Charismas – letztendlich kann jeder Fürst oder gar König werden. Die Geschichte liest sich allerdings nicht als Aneinanderreihung langweiliger Fakten, diese ergänzen einfach nur gekonnt die Geschichte, während sie gleichzeitig das Hintergrundwissen des Lesers vertiefen. Letztendlich geht es bei “Halbe Hand” um eine gemeine Entführung, Recherchearbeiten, eine leicht pointierte Aufklärung (diesmal bekommt der “Bösewicht” das, was er verdient) und Caitlynns nächste Schritte in ihre Zukunft.

“Schmerztrinker” führt Caitlynns Weg letztendlich auf alte Bahnen zurück. In dieser Geschichte werden einmal mehr ihre kriminalistischen Fähigkeiten gefragt, auch wenn dieser Fall zum Glück ohne Tote auskommt. Vor dem fantastischen Hintergrund des “Sternkäferfestes” geht Caitlynn an der Seite eines älteren Vollstreckers ihren Recherchen nach, während ihr gleichzeitig die Gefahren und Schattenseiten des Vollstreckertums bewusst werden.

Mich hat Angelika Diem mit ihrer Kurzgeschichtensammlung im Nu wieder in den Bann gezogen. “Der Baeldin-Mord” hat mich gefesselt, war aber viel zu schnell zu Ende und hat unzählige Möglichkeiten für die Hauptfigur offen gelassen und dem Leser einen viel zu kurzen Blick in Caitlynns Welt beschert. Mit “Das grüne Tuch” holt die Autorin dieses “Versäumnis” nach. An Caitlynns Seite hat man nun die Möglichkeit, die verschiedenen Facetten ihrer Gaben kennen zu lernen; mehr über sie, ihre Familie und über die Welt, in der sie lebt, zu erfahren. Meiner Meinung nach eine Gelegenheit, die sich keiner, dem der “Baeldin-Mord” gefallen hat, entgehen lassen sollte. Ich würde allerdings auch empfehlen, diesen zuerst zu lesen, zumindest der Prolog spielt vor “Das grüne Tuch” und ist meiner Meinung nach für das Verständnis der Geschichte essentiell.

Reinstöbern könnt ihr hier hier, den Prolog vom Baeldin-Mord findet ihr hier.

Published in: on April 2, 2014 at 12:30 nachmittags  Kommentare (1)  
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[Briefkastenfüllung] KW 13

In der letzten Woche hat es tatsächlich wieder ein Buch in den Briefkasten geschafft:

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“Phantasmen” von Kai Meyer als Rezensionsexemplar vom Carlsen Verlag. Und nach seiner Lesung auf der Leipziger Buchmesse bin ich echt gespannt auf das Buch – hoffentlich ist es nicht allzu gruselig.

Published in: on März 31, 2014 at 12:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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