Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra von Robin Sloan

Die sonderbare Buchhandlung des Mr Penumbra von Robin Sloan Robin Sloan
Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
Verlag: Karl Blessing
352 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3896674803
ISBN-13: 978-3896674807
19,99 €

Schon das Cover des Buches sollte das Herz eines jeden Buchliebhabers höher schlagen lassen: Es wird von einem riesigen Bücherregal eingenommen, das fast vollständig mit alten Büchern gefüllt ist – nur Buchtitel, Autor und Verlagsname sowie ein alter Computer (mit Diskettenlaufwerk) haben sich ihr eigenes Plätzchen im Regal gesichert.

Nachdem der Webdesigner Clay Jannon weder im Netz noch in den Zeitungen mit seiner Suche nach einem Job erfolgreich war, schaut er sich anderweitig um und landet in der “sonderbaren Buchhandlung des Mr. Penumbra”. Eine kleine Buchhandlung, die bis an die Decke mit alten Büchern gefüllt ist – aber von erstaunlich wenig Käufern frequentiert wird. Tatsächlich scheinen die Stammkunden die Bücher aus dem Laden nur auszuleihen. Ein merkwürdiges Verhalten, dessen Erforschung Clay auf die Spuren eines uralten Geheimnisses führt.

Mich hat Robin Sloan schon mit dem ersten Satz in den Bann seiner Geschichte gezogen, beginnt sie doch auf einer schwankenden Leiter, auf der sich die Hauptperson der Geschichte einem Buch nähert. Die Hauptperson selbst ist eher unspektakulär und ziemlich normal – ganz im Gegensatz zu den Charakteren, die sie umgeben: Sein bester Freund aus Schulzeiten, Leseratte, Rollenspieler und nun Besitzer einer erfolgreichen Softwarefirma, Neel aka Nilric Quarter-Blood; die über eine von Clay geschaltete Werbeanzeige in den Laden gelockte Googlerin Kate, die einen Posten in der Reihe der Projektmanager (PM) von Google anstrebt; und natürlich der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte: Mr. Penumbra und seine seltsame Buchhandlung – wobei ich persönlich eher die Leute, die tagtäglich ein- und ausgehen als seltsam beschreiben würde.

Was die Geschichte vorantreibt sind Neugier und der Durst nach Wissen – Antriebe, die die Menschheit vermutlich schon einige Male vorwärts gebracht haben. Das Geheimnis dieses Buches stammt allerdings aus vergangenen Zeiten – ebenso wie die Methoden, mit denen der Orden der ungebrochenen Buchrücken schon jahrhundertelang versucht, selbiges zu entschlüsseln. Kein Wunder, dass der Einsatz eines Computers dort zu Empörung führt, während manch ein moderner Mensch sich fragt, warum sie darauf verzichten, könnte sich das Problem doch innerhalb eines Vormittages lösen lassen (ganz so einfach ist es natürlich nicht).

Um ans Ziel zu kommen ist nämlich mehr als ein bloßer Entschlüsselungsalgorithmus von Nöten. Kein Wunder, führt doch schon der Weg zum Ziel zu heftigen Diskussionen zwischen Konservativen und Modernen – der Gemeinschaft der Ungebrochenen Buchrücken und der Firma Google. Und zwischen den Fronten steht klein und doch nicht zu übersehen Mr. Penumbra und sein kleiner Buchladen – einer der wenigen Orte, an dem sowohl Modernes als auch Altes gefunden werden kann.

Des Rätsels Lösung offenbart sich erst zum Schluss – und wie das Leben häufig spielt, ist auch diesmal die Lösung so simpel wie einleuchtend. Etwas, das man sowohl im Modernen als auch im Alten finden kann – oder zwischen dem Einband eines guten Buches.

Staubige Bücher gefüllt mit unlesbaren Wörtern, ein Geheimbund auf der Suche nach einem uralten Geheimnis und ein Unbedarfter, der zufällig mitten in diese Suche hineinplatzt – eine Mischung, die eine abenteuerliche, spannende und vielleicht sogar fantastische Reise verspricht. Diese Reise ist jedoch anders, als man anfangs denkt – eine Tatsache, die verwundert, aber nicht weniger zu begeistern versteht. “Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra” ist eine philosophische Mischung aus Historie und Moderne, E-Reader und gebundenem Buch, uraltem Geheimbund und Google. Eine Mischung so seltsam wie die titelgebende Buchhandlung und mindestens genauso fesselnd, wie es eine alte staubige Buchhandlung für Leseratten ist – und so ist auch die Spannung die, die buchstöbernde Leseratten auf Büchermärkten oder in Antiquariaten erwartet. Böse Buben, Schwertkampfduelle oder Schießereien findet man in dieser Geschichte höchstens in den Büchern, die Mr. Penumbra in seinem Laden verkauft.

Vielleicht muss man ein bisschen seltsam sein, um die Geschichte zu mögen: Bücher lieben; mit Freunden, Würfel und Papier in fremde Welten abtauchen oder in Verschlüsselungsalgorithmen oder Programmiersprachen versinken können. Ich bin mir sicher, dass Robin Sloan die Geschichte für derart “seltsame” Leute geschrieben hat – und die werden sie (wie ich) sicher mögen.

Hier könnt ihr selbst einen Blick in Mr. Penumbras Buchhandlung werfen – und anschließend vielleicht auch noch ein weniger länger dort verbleiben.

Published in: on Juli 30, 2014 at 12:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Impressionen aus Spanien und [Briefkastenfüllungen] KW29 und 30

Dem ein oder anderen wird vielleicht aufgefallen sein, dass die Briefkastenfüllung letzte Woche gefehlt hat – ich war schon wieder unterwegs (diesmal allerdings geschäftlich). Zeit für ein oder zwei Fotos blieb allerdings schon. Deswegen gibt es jetzt einen Schnappschuss aus der Sierra Nevada – ich habe wieder einmal einen Vertreter der örtlichen Fauna erwischt ;-):

sierranevada

Und während ich in Spanien geschwitzt habe, hat der Postbote hier in Deutschland wohl das gleiche getan und mich fleißig mit Büchern versorgt:

briefkastenfuellungkw2829

“Silver Dragon” habe ich von einer Freundin geschenkt bekommen, die es anstelle eines Krimis geliefert bekommen hat, “Blutschwur” kam als Leihgabe von einer lieben Bloggerkollegin, “Die Stadt der Regenfresser” und “Mein fahler Freund” konnte ich im Leser-Welt-Forum ertauschen (auf letzteres bin ich nach dem Film wirklich gespannt), “Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra” ist ein Rezensionsexemplar, das ich für Claudias Bücherregal rezensieren werde und “Aethersturm” kam mit persönlicher Widmung direkt von der Autorin :-).

Und mit dem Stapel war das Heimkommen gleich noch mal schöner – und das Wochenende auch gleich verplant …

Published in: on Juli 27, 2014 at 9:30 vormittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Nicht menschlich Inc. von Stephanie Linne

nichtmenschlichinc Stephanie Linne
Nicht menschlich Inc.
Verlag: bookshouse
384 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 9963727832
ISBN-13: 978-9963727834
15,99 €

Das Cover des Buches ist in Rottönen gehalten und wird von zwei Augen dominiert, die den Betrachter anstarren. Unterhalb der Augen kann man einige Anzugträger erkennen. Auf mich persönlich wirkt die Covergestaltung eher gruselig und erweckt nicht den Anschein einer Fantasy Romanze, auch wenn es dem Aufdruck nach eine solche ist.

Nachdem Nala di Lorenzo gefühlte Ewigkeiten auf Arbeitssuche war freut es sie, endlich eine Zusage zu bekommen. Allerdings hatte sie sich weder bei der Firma noch auf die nun angebotene Stelle beworben. Die Firma selbst ist ihr und ihren Bekannten trotz der Nähe zu ihrem Heimatort völlig unbekannt. Die Erklärung dafür ist einfach: Die Firma hat ihren Sitz in einer Parallelwelt – und Nalas Job ist, ebenso wie ihre Kollegen, wirklich ungewöhnlich.

Die Hauptperson Nala ist eigentlich nicht im geringsten ungewöhnlich: Eine junge Frau, die wegen ihrer Arbeitslosigkeit zu ihren Eltern zurück gezogen ist – und nun händeringend einen Job sucht. So dringend, dass sie auch eine eher fragwürdige Stelle in Betracht zieht, auch wenn sie sich darauf nicht einmal beworben hat.

Ihren ersten Arbeitstag beginnt sie mit einer Ohnmacht ob eines unglücklichen Käferflugs in ihr Auge – und das ist nicht das letzte Mal, dass sie mit Käfern dieser Art zusammenstößt – sind sie doch die einzige (und für die wenig käferliebende Nala ziemlich gewöhnungsbedürftige) Möglichkeit, zu ihrer Arbeitsstelle zu gelangen.

Nalas Job ist auf den ersten Blick relativ einfach: Die Überprüfung von Krankmeldungen, inklusive persönlichen Besuch und Foto des Betroffenen. Definitiv nicht Nalas Fall. Der hilfsbereite und gutaussehende Hausmeister macht – neben dem Ende der Arbeitslosigkeit – dieses Defizit allerdings ziemlich wett.

Nalas weitere Kollegen sind ziemlich klischeehaft und leicht überzeichnet, ein weiterer Punkt, der immer wieder zu einem Grinsen führt, etwa wenn die Unmenge an Callcenter-Mitarbeitern gemeinsam durch die Flure zieht oder Nala versucht, mit ihren völlig in der IT-Welt versunkenen Sitznachbarn zu kommunizieren.

Man könnte fast vergessen, dass man sich in einer Parallelwelt befindet – wäre da nicht auch einige ungewöhnlichere Figuren. Die Sekretärin Stacey zum Beispiel, eine Halbteufelin, deren Hintern ein gut sichtbarer Schwanz entwächst oder Nalas neuer Chef, ein waschechter Kobold.

Nalas Büroalltag und die Charaktere, denen sie begegnet, machen einen Großteil des Buches aus. Der Plot selbst ist nämlich eher einfach: Eine verschwundene Mitarbeiterin, deren Krankmeldung Nala überprüft hat und sich nun auf die Suche nach eben jener macht – nicht ohne das ein oder andere Fettnäpfchen mitzunehmen und immer wieder über die in der Parallelwelt herrschenden Konventionen hinweg zu trampeln. Die Indizien weisen eindeutig auf eine bestimmte Person hin; aber ganz so simpel wie es anfangs scheint ist es – nicht nur der Welt wegen, in der Nala unterwegs ist – dann doch nicht.

Der auf dem Cover beworbene Romantikanteil ist eher kurz, auch wenn Nalas Gefühle – schon dadurch, dass die Geschichte aus ihrer Sicht geschrieben ist – ziemlich eindeutig und sehr direkt sind. In der Geschichte selbst kommt es neben der einen oder anderen Nalarettung jedoch nicht zu mehr als ein paar Küssen. Für den nächsten Teil ist damit wohl noch einiges an Luft nach oben.

Wenn man vom fantastischen Hintergrund und den humorvoll gezeichneten Figuren einmal absieht handelt es sich bei dem Buch um klassisches Chick-Lit, dementsprechend ist auch der Plot nicht übermäßig anspruchsvoll. Mit ihrem humorvollen Schreibstil, der Welt, in der die Geschichte spielt und den Charakteren verleiht Stephanie Linne der Geschichte allerdings ihren eigenes Flair und bietet dem Leser so ein paar amüsante Lesestunden.

Hier könnt ihr selbst einen Blick ins Buch werfen.

Published in: on Juli 25, 2014 at 7:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Krieger von Ann-Kathrin Karschnik und Torsten Exter (Hrsg.)

krieger Krieger
Verlag: Thorsten Low
398 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3940036218
ISBN-13: 978-3940036216
14,90 €

“Krieger” heißt diese Anthologie aus dem Hause Thorsten Low und von Kriegern aus unterschiedlichen Epochen und Welten handeln die Geschichten in dieser Anthologie.

Schon das Cover des Buches harmoniert gekonnt mit dem Inhalt: Im Vordergrund kann man einen Krieger mit gezogenem Schwert erkennen, während der Hintergrund von Flammen, zerfetzten Standarten, Blut und Tod durchzogen ist. Der Zeppelin am Himmel deutet an, dass dieses Buch nicht nur von altertümlichen Kriegern zu berichten weiß. Der düstere Klang des Covers verspricht nicht allzu viele Geschichten mit Ausgang – aber wann ist ein Krieg schon gut?

Ist das Cover noch nicht eindrücklich genug, sollte spätestens der Klappentext den potentiellen Leser vorwarnen, spricht es doch von Blut, Tod, Alptraum und Verdammnis. Man sollte sich also keiner Illusionen hingeben; das Handwerk des Kriegers ist blutig – und beileibe nicht friedlich.

Und so sind auch die Geschichten in der Anthologie eher düster und die wenigsten von ihnen gehen gut aus: Ob nun die Protagonisten mit den ehrenwerten Zielen am Ende der Geschichte im blutigen Staub liegen, die Gebeine der zu rettenden Jungfer bereits in der Sonne bleichen oder man den Sieg einer Partei erlebt, der man ihn niemals wünschen würde. Von Jungen, die noch lernen müssen: Lernen was es bedeutet, ein Krieger zu sein, dass die Taten ihrer Vorfahren längst nicht so ruhmesvoll sind wie es den Anschein hatte und dass einem keine noch so gute Ausbildung zum Krieger werden lässt. Eine Geschichte lehrt, dass ein Deserteur mehr Ehre haben kann als man ihm zutraut – auch wenn ich mir durchaus vorstellen könnte, das der Spruch “Wenn du den Weg zur Schlacht suchst, dann folge einem Helden. Wenn du den schnellsten Weg in die andere Richtung brauchst …” seine Berechtigung hat. Jeder dieser Geschichten ist spannend zu lesen – und die Botschaften, die ihnen stecken, haben alle ihre Berechtigung. Mir persönlich lagen am Ende jedoch einfach zu viele Helden im Staub, wurde zu viel Blut vergossen.

Einige der Geschichten sind zum Glück ein bisschen humorvoller und hellen das düstere Feld damit ein wenig auf. Auf dem “letzte[n] Schlachtfeld”, vom dem Susanne Gerdom erzählt, treffen zum Beispiel zwei feindliche Krieger aufeinander und bringen gemeinsam etwas in Erfahrung, das selbst den Leser verwundert. “Die Armee der Frau Strack”, von der Nina Sträter erzählt, ist wahrhaft wunderlich – auch wenn Frau Strack sich eigentlich keine solche Armee gewünscht hatte (zum Amüsement des Lesers findet sie jedoch schnell eine gute Verwendung für diese). Und auch das Ende, das Heike Schrapper den “Gotteskrieger[n]” in ihrer Geschichte zudenkt, ist zumindest für den Leser (wenn auch nicht für die Krieger) sehr amüsant.

Die letzte Geschichte hat mir am besten gefallen, hier kommt der fast schon klassische kriegsmüde Held zum Einsatz und erlebt sein (vorerst) letztes Abenteuer – ein Abenteuer, das mir mindestens so gut gefällt wie die Worte, mit denen Torsten Scheib seine Geschichte beendet “Einmal ein Krieger, immer ein Krieger”.

Alles in allem hält die Anthologie was sie verspricht: Sie erzählt von Kriegern und blutigen Schlachten – und lässt den Leser darüber hinaus an der Sinnhaftigkeit ihres Tuns zweifeln. Denn auch, wenn die meisten Bücher vom strahlenden Helden und glorreichen Schlachten erzählen, sind die wenigsten Kämpfe so wie es die Geschichten, Sagen, Lieder und Legenden berichten – die Autoren dieser Anthologie schauen hinter dieses Bild und berichten davon.

Aber obwohl die einzelnen Geschichten gut zusammen passen und gemeinsam ein stimmiges Bild zeichen hätten es mir persönlich mehr Spass gemacht von strahlenden Helden zu lesen oder die Botschaften etwas weniger direkt vermittelt zu bekommen. Mit einigen humorvollen Geschichten mehr oder zumindest ein paar Geschichten über klassischen Helden hätte mir die Anthologie noch deutlich besser gefallen.

Published in: on Juli 23, 2014 at 12:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Eine Feder für Wölfe von Swantje Berndt (Hrsg.)

einefederfuerwoelfe Swantje Bernd (Hrsg.)
Eine Feder für Wölfe
Verlag: Weltenschmiede
400 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3944504119
ISBN-13: 978-3944504117
14,90 €

Die Wolfsanthologie “Eine Feder für die Wölfe” ist das Ergebnis des Projektes “Eine Feder für Tiere“. Ziel des Projektes ist es, bedrohte und schützenswerte Tierarten in den Fokus zu rücken und zu fördern – daher geht das Honorar der Autoren komplett an den Naturschutzbund NABU, passend zum Thema an das Projekt “Willkommen Wolf”.

Nach zwei Einleitungen – eine von der Begründerin des Projekts “Eine Feder für die Tiere” zum Hintergrund der Anthologie, die zweite über den Wolf an sich und den Wolf in Deutschland beginnt die bunte Sammlung von Wolfgeschichten, die über Dystopien, Fantasy und Märchen, ganz “normalen” Wolfgeschichten bis hin zu Science Fiction reicht.

Mir persönlich haben es vor allem die fantastischen und märchenhaften Geschichten angetan, einige von ihnen könnten tatsächlich alten (indianischen) Legenden entsprungen sein. Meine Favoriten sind “Luperus Rex – Könige der Wölfe” von Claudia Romes und “Wolfenreiter” von Cairiel Arie. In der Erstgenannten erzählt eine Großmutter ihrer Enkelin die wahre Geschichte ihres verschollenen Bruders, eine Geschichte um uralte Wölfe und ihre Verbindung zum Menschen. Zweitere handelt von einer Bindung zwischen Mensch und Tier, die über den Tod hinausgeht. Eine Geschichte, die mich an eine griechische Sage um einen Jungen und einen Delphin erinnert hat und mindestens genau so gut zu unterhalten wusste.

Aber nicht alle Geschichten scheinen alten Legenden entsprungen zu sein, manche könnten durchaus auch im realen Leben passieren. Ein Trunkenbold, den die Begegnung mit einem Wolf auf den rechten Pfad bringt, wie in “Wolfschnee” von Fianna Cessair. Oder ein Junge wie der aus Bianca Sigwarts “Wächter des Waldes”, der erst einen Anstoß braucht, um die Welt der Wölfe zu verstehen. In “Heimkehrer” von Laila Mahfouz ist es ein naturbegeisterter Onkel und die Begegnung mit einem echten Wolf, die die Liebe eines Jungen zu den Tieren entfacht.

Manche der Autoren entführen den Leser in fremde Welten oder auch in die Zukunft. In “Das Vermächtnis der weissen Wölfin” gerät der Leser an der Seite der jungen Heldin in den alten Kampf zwischen Schatten und Licht, zwischen weißen und schwarzen Wölfen. Die Visionen der Zukunft, die Ane Schönyan, Swantje Berndt oder auch Ly Fabian zeichnen. sind düster – echte Wölfe kommen in keiner der Geschichten vor. Genmanipulation und zerstörte Welten stehen hier auf der Tagesordnung – aber auch diese Geschichten zeigen, dass Menschen und Wölfe (oder deren Nachkommen) “Rücken an Rücken” stehen können, genau so, wie es Swantje Berndt in ihrer Geschichte beschreibt.

Aber es nun Geschichten über Gestaltenwandler, waschechte Wölfe, Traum- oder Fantasiegestalten sind, jede der Geschichten weiß den Leser auf ihre Art zu bewegen und lässt den Leser über die Beziehung zwischen Wolf und Mensch nachdenken. Mir haben nicht alle Geschichten gut gefallen – Anthologien, die das schaffen, sind wahrlich selten – wohl aber die Intention, die in jeder einzelnen Geschichte steckt. Man muss kein Wolfsfreund sein um sie zu mögen, auch wenn man nach der Lektüre durchaus einer werden könnte. Und wenn nicht, hat man zumindest kurz eine schöne Zeit unter Wölfen verbringen können.

Einen kleinen Eindruck verschaffen könnt ihr euch hier.

Published in: on Juli 18, 2014 at 12:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Æthersturm von Susanne Gerdom

aethersturm Susanne Gerdom
Æthersturm
Verlag: Ueberreuter
400 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3764170123
ISBN-13: 978-3764170127
16,95 €

Das Cover des Buches ist wie sein Vorgänger, Æthermagie, in Blautönen gehalten. Es zeigt einen Magier mit Feuerball und kleinem Luftwirbel (oder auch einen Mensch mit seinen elementaren Begleitern). Der Mann steht auf einer von Wasser umgebenen Eisentreppe, im Hintergrund verläuft eine eiserne Brücke, auf der der Name der Autorin abgebildet ist. Mir persönlich gefällt das Cover des Vorgängers deutlich besser, aber letztendlich ist es ja der Inhalt, der zählt – und der gefällt mir definitiv.

Seit dem Tod seiner Mutter muss der Halbengel Jenö allein zurecht kommen – zumindest, was menschliche oder engelhafte Begleitung angeht. Ganz allein ist er nicht, stehen ihm doch seine vier Elementarfreunde zu Seite, die ebenso wie er unter seinem Leben in der Kanalisation und der ständigen Flucht leiden. Denn in Zeiten des Krieges zwischen Engel und Menschen sind Halbengel bei den wenigsten gern gesehen. Und doch macht sich Jenö genau zu dem Mann auf, der den Krieg durch die Gefangenname der Elementarwesen verursachte: Dem Zeitmeister Horatius Tiez.

Jenös Geschichte beginnt einige Wochen bevor Æthermagie zu einem Abschluss kommt und führt die dort begonnene Geschichte geschickt fort.

Die Welt ist dieselbe wie zuvor, allerdings kann man durch die Augen des Gassenjungen Jenö einen ganz anderen Blick auf das kaiserliche Reich und seine Bewohner werfen. Ein Reich, das kurz vor dem Krieg zwischen Engeln und Menschen steht, weil die Menschen ihre Energie durch die Versklavung der Ætherwesen gewinnen – Wesen wie Jenös und Katos Gefährten. Katos Gefährten hat man schon im letzten Band kennen und lieben gelernt, Jenös Gefährten erinnern ob ihrer Herkunft ein wenig an selbige, haben aber doch ganz eigene Charakterzüge. Mir persönlich ist vor allem der immer hungrige Gnom Brokk ans Herz gewachsen – er begleitet Jenö aufgrund seiner Stärke auch durch die meisten Abenteuer – aber auch die anderen drei haben sich schnell einen Platz in meinem Herzen gesichert – schon dadurch, dass Susanne Gerdom sie anfangs, anstatt Namen zu benutzen, durch ihre auffälligste Eigenschaft beschreibt: Der Dunkle, die Hitzige, Der Fließer, Die Singende.
Jenö selbst ist dem Leser des vorherigen Bandes unbekannt, wächst dem Leser aber fast genauso schnell ans Herz wie seine Gefährten. Durch ihn bekommt der Leser außerdem einen ganz anderen Blickwinkel auf einige bekannte Figuren, wie etwa auf den Zeitmeister Horatius Tiez oder den Engel Belpharion.

Nach Jenös Aufeinandertreffen mit den zwei genannten werden langsam auch die Handlungsstränge aus dem vorherigen Band weitergeführt. Der Leser trifft auf weitere liebgewonnene Bekannte, allen voran die zwei Milans, Kato, Luca und die kaiserliche Prinzessin Mizzy. Neben Jenö, der aus dem Verborgenen immer wieder da auftaucht, wo man ihn nicht erwartet, sind sie es, die die Geschehnisse vorantreiben und dem Leser damit so manches Geheimnis enthüllen.

Es sind allerdings nicht nur die Geheimnisse und Rätseleien, die den Leser am Ball halten. Letztendlich gilt es, mit den Auswüchsen des drohenden Kriegs zurecht zu kommen, selbigen durch die Befreiung der Elementare und der kaiserlichen Hoheit zu verhindern und nebenbei zu vermeiden, dass die Welt durch den kollabierenden Zeitkorridor von Professor Tiez in Stücke zerrissen wird. Aufgaben, für die jede mögliche Hilfe genutzt werden muss – trotz aller Befindlichkeiten. Und damit gibt es genügend Konflikte, aber auch hehre Ziele, um mehr als nur ein Buch zu füllen. Susanne Gerdom schafft es jedoch, alle in diesem einem Buch abzuhandeln – und damit strotzt die Geschichte nur so von Spannung, Action und Geheimnissen. Viel Zeit zum Verschnaufen (oder gar zum Unterbrechen des Buches) bleibt damit nicht – als Leser kann man es schließlich nicht verantworten, die Protagonisten in solch heiklen Situationen allein zu lassen. Sie belohnen es mit stetigem Einsatz, überraschenden Enthüllungen und in den wenigen ruhigen Minuten mit ein paar romantischen und emotionalen Szenen.

Die Auflösung ist dann so überraschend wie logisch, das fehlende Puzzlestück, das die gesamten Geschehnisse ins rechte Licht rückt und der Geschichte einen würdigen Abschluss verleiht. Die Andeutungen, was den weiteren Lebensweg unserer Helden angeht, können die Geschichte nun enden oder die Autorin ein neues Kapitel aufschlagen lassen – ich hoffe auf Letzteres. Diese Geschichte hier ist jedenfalls jede einzelne Seite und jede Minute Lesezeit wert – ihr solltet sie euch nicht entgehen lassen.

Die ersten Seiten findet ihr hier, zur Rezension von Band eins geht es hier entlang.

Published in: on Juli 16, 2014 at 12:30 nachmittags  Comments (2)  
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[Briefkastenfüllung] KW28

Der Briefkastenträger hat mir diese Woche kein Buch vorbeigebracht, dafür habe ich von meinem lieben Mann eins bekommen :-):

briefkastenfuellungkw28

Den zweiten Teil der Druidenchronik von Kevin Hearne – ein Buch, das ich gar nicht erst auf den SUB legen werde ;-).

Published in: on Juli 13, 2014 at 12:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Flammenmädchen von Samantha Young

flammenmädchen Samantha Young
Flammenmädchen
Verlag: Darkiss
368 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 395649007X
ISBN-13: 978-3956490071
10,99 €

Das Cover des Buches zeigt das von Flammen umgebene Gesicht eines jungen Mädchens. Die Augen des Mädchens glühen rot wie Feuer, ihr Gesichtsausdruck ist eher starr. Im Hintergrund kann man außerdem einen Beschwörungskreis und einige Symbole erkennen. Mich lässt das Cover damit an Magie und Feuer denken – Dinge, die im weitesten Sinne tatsächlich auch zur Geschichte passen. Trotzdem finde ich das Cover etwas zu starr, ich weiß nicht, ob es mich dazu bewegen könnte, das Buch in die Hand zu nehmen – dafür hat bei mir der Name der Autorin gesorgt.

Bisher waren die Probleme ihres besten Freundes Charlie Aris größtes Problem. Etwas, das sich mit ihrem achtzehnten Geburtstag schlagartig ändert. Ein Wunsch führt sie nach Mount Qaf, dem Reich der Dschinn – und zu ihrem Vater, der mit ihrer Hilfe die Herrschaft des Reiches an sich reißen möchte. Etwas, das – genau wie ihre Dschinnenmagie – eigentlich absolut keinen Platz in Aris Leben hat. Leider lässt sich diese Magie nicht unterdrücken und auch der Dschinn, der ihr seit ihrem Ausflug nach Mount Qaf zu Seite steht, um sie zu beschützen – löst sich leider nicht in Luft auf.

Die Heldin ist – ebenso wie der ganze Plot – ziemlich 08-15: Eine normal aufgewachsene Jugendliche, die plötzlich von ihrer magischen Herkunft erfährt, magische Kräfte entwickelt und damit zwischen den Welten und zwei Jungs hin- und hergerissen ist. Außerdem liegt das Schicksal der Welt nun in ihren Händen.

Damit unterscheidet sich die Geschichte nur an wenigen Punkten von vielen anderen jugendlichen Fantasyromanen. Der größte dieser Punkte ist wohl der Hintergrund der Geschichte, die Vermischung von unserer modernen Welt mit der der Dschinn. Die Dschinn und ihre Vergangenheit sind es auch, die der Geschichte trotz des recht vorhersehbaren Plot ihren Reiz und etwas Tiefe verleihen. Die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart machen die Geschichte ebenso wie die Tatsache, dass Dschinn nicht nach menschlichen Maßstäben bewertet werden können – außer vielleicht Aris Wächterdschinn Jai und seine Familie – um einiges interessanter. Die eher flachen Figuren – und mit dieser Bewertung muss ich leider auch die menschlichen Protagonisten einschließen – können damit leider nicht ausgeglichen werden.

Die menschlichen Charaktere bleiben durchweg oberflächlich, mir hat es bei ihnen einfach an Gefühlen und Tiefe gefehlt. Nicht, dass die Autorin nicht über die Gefühle schreiben würde – sie sind einfach für den Leser nicht greifbar. Und die zum Teil nicht nachvollziehbaren Handlungen machen sie dem Leser auch nicht sympathischer.

Einzig die Dschinn und ihre rätselhaften Motive verleihen der Geschichte etwas an Spannung, verleihen ihr etwas Geheimnisvolles und Magisches. Die sich daraus ergebenden Handlungsfäden werden mit dem Ende des Buches allerdings nicht aufgelöst, es wird nur die weitere Richtung angedeutet. Und sie wären für mich der einzige Grund, noch in die Fortsetzung hineinzulesen.

Insgesamt konnte mich “Flammenmädchen” trotz des gelungenen Hintergrunds einfach nicht überzeugen. Mit einem typischen Plot und eher flachen Hauptfiguren ist die Geschichte einfach nichts Besonderes. Man kann durchaus ein paar nette Lesestunden damit verbringen, wirklich mitreißen konnte (zumindest mich) die Geschichte nicht.

Eine Leseprobe findet ihr hier.

Published in: on Juli 11, 2014 at 12:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Legend – Das Prequel von Marie Lu

legendprequel Marie Lu
Legend – Das Prequel
Verlag: Loewe
44 Seiten
Ebook
ASIN: B00K9RYMOO
0,00 €

Wie der Titel schon verrät, handelt es sich bei dem Ebook um die Vorgeschichte zur “Legend”-Reihe von Marie Lu. Es enthält zwei Kurzgeschichten, eine für jede der zwei Hauptpersonen der Reihe.

Einzig die Hintergrundfarbe – schwarz – und der Titel unterscheiden das Cover von dem des ersten Bandes, “Legend – Fallender Himmel”: Es zeigt das goldgelbe Symbol der Republik.

Allein und auf sich gestellt versucht der zwölfjährige Day sich mit Diebstählen über Wasser zu halten. Bis er am Hafen die junge Charlie trifft.

Die überaus begabte zwölfjährige June hat ihren ersten Tag an der Drake-Universität, als jünge Studentin die jemals zugelassen wird. Eine Tatsache, die nicht allen ihrer Mitkommilitonen schmeckt – und sie gleich zu Anfang durch deutlich mehr auffallen lässt, als ihr Alter.

Die Geschichten sind relativ kurz gehalten, versorgen den Leser aber gleich zu Anfang mit allen nötigen Informationen, sodass man die Geschichten auch lesen kann, ohne eines der Bücher der Reihe gelesen zu haben. Für alle die es haben, ordnet die Autorin die Geschichten chronologisch ein und setzt sie in Bezug zu dem Rest der Reihe.

Überraschenderweise sind beide Geschichten gleich spannend – und das, obwohl Day bereits damals tagtäglich ums Überleben kämpfen musste und June nur ein Tag an der Universität bevorsteht. Außerdem hängen beide zeitleich sehr eng aneinander.

Days Geschichte lässt ihn einen ersten Schritt in die Richtung gehen, die ihm zu den Helden und stärksten Gegner der Republik werden lässt. Sie gibt ihm einen Grund zu kämpfen, der über das tagtägliche Überleben hinausgeht – und erzählt, wie er zu seinem ersten Kuss kommt.

Junes erster Tag an der Universität beginnt mit einer Verspätung – warum, kann man Days Geschichte entnehmen – und endet mit einer Art Belobigung und einer Verwarnung. Schon der erste Tag lässt damit auf ihren restlichen Studienverlauf blicken.

Viel zu kurz ruft “Das Prequel” dem Leser die zwei Protagonisten noch einmal in Erinnerung und lässt sie einen noch tiefer ins Herz schließen. Wer die beiden noch nicht kennt bekommt eine kleine Ahnung davon, was ihn in Legend zu erwarten hat. Ich könnte mir gut vorstellen, dass einige (wie ich) danach Lust bekommen, gleich im Anschluss mit der Reihe weiterzumachen.

Über die Homepage des Verlages kommt ihr zu den diversen Online-Buchhändlern, bei denen ihr das Ebook kostenlos herunterladen könnt. Und hier geht es zu meiner Rezension zu Band 1.

Published in: on Juli 9, 2014 at 12:30 nachmittags  Comments (2)  
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Urlausbimpression und [Briefkastenfüllungen] KW27

Spätestens nach dem SUB-Post letzte Woche wird euch wohl aufgefallen sein, dass ich unterwegs war – in sonnigen und warmen Gefilden und einer etwas anderen Flora und Fauna – habt ihr den Vertreter letzterer schon auf dem Bild entdeckt?

urlaubsimpressionen2014

Der Postbote war wohl nicht im Urlaub, zumindest hat er mir in der Zwischenzeit gleich drei Bücher vorbeigebracht. “Flammenmädchen” als Rezensionexemplar von FictionFantasy, “Wenn du mich siehst” und “Sephira” als Tauschbücher via Lovelybooks.

briefkastenfuellungkw27

Published in: on Juli 6, 2014 at 9:00 vormittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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