Rune der Knechtschaft von Ange Guéro

runederknechtschaft Ange Guéro
Rune der Knechtschaft
Verlag: Penhaligon
396 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3764530332
ISBN-13: 978-3764530334

Das Cover des Buches ist ein echter Blickfang: Vor dem roten, mit Runen durchzogenen Hintergrund kann man eine durch einen Mantel verdeckte Gestalt mit erhobenem Schwert erblicken, hinter der ein kreisrundes Portal den Betracher einen Blick auf ein Segelschiff in Küstennähe werfen lässt. Mir gefällt sowohl die Komposition als auch der Bezug zum Buch – ich bin mir ziemlich sicher, dass auf eben jenem Schiff die Geschichte ihren Anfang nimmt.

Nur der Gnade und dem Mut eines Mädchens verdankt der zum Galeerensklaven verurteilte Arekh sein Leben. Dennoch hat er nicht das Gefühl, in Marikanis Schuld zu stehen und hält ihr mehr als einmal die Unvernunft ihrer Tat vor Augen. Trotzdem folgt er ihr in die Berge und schützt sie mal mehr, mal weniger widerwillig vor den kommenden Gefahren. Ob der zu Recht Verurteilte durch sie sein Ziel in der Welt gefunden hat?

Schon mit den ersten Seiten wird der Leser mitten ins Geschehen geworfen. Die Galeere, auf der sich die Hauptperson der Geschichte, Arekh, befindet, geht unter. Er selbst sieht den sicheren Tod vor Augen. Bis ein Mädchen – Marikani – seine Fesseln durchschneidet und ihm so das Leben rettet. Eine Tat, die er ihr schnell vergilt, als ein weiterer der von ihr geretteten Sklaven sie töten will.

Arekh erkennt in Marikani die Prinzessin des Reiches, schiffbrüchig im Land ihres Feindes. Er hat nicht vor, lange an ihrer Seite zu verweilen – und doch ist es ein weiter Weg, den sie zusammen hinter sich bringen. Ein Weg, auf dem Arekh mehrmals gegen seine ursprünglichen Absichten handelt und dem Leser dabei immer sympathischer wird, sodass man, als sich seine Vergangenheit letztendlich enthüllt, noch immer Sympathie für ihn empfindet.

Die wirkliche Hauptperson ist aber wohl Marikani. Obwohl sie selbst nicht zu Wort kommt, ist sie in Arekhs Gedanken ebenso präsent wie in denen der Leser. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Durch ihre Entschlossenheit, ihrem Mut und ihren Prinzipien treibt sie die Geschichte voran, während ganz langsam auch ihre Geheimnisse enthüllt werden. Für mich wäre Marikani allein schon Grund genug, das Buch zu lesen und ihre Geschichte zu verfolgen. Sie ist tatsächlich eine faszinierende Persönlichkeit, die fast allein in der Wildnis ebenso gut zurecht kommt wie in den Palästen und Intrigen des Reiches.

Das Buch hat allerdings noch einiges mehr zu bieten als faszinierende Persönlichkeiten: Magie, spannende Verfolgungsjagden, Schwertgefechte, interessante Alliierte und diplomatisches Geschick vor dem Hintergrund eines seit Jahrtausenden unterdrückten Volkes. “Die Legende von Ayesha” erzählt den Beginn vom Ende dieser Unterdrückung (zumindest will ich das hoffen). Es ist die Geschichte um den Funken, der die Rebellion entzünden wird. Ein Funke, der schon weit länger glüht als man als Leser die Geschichte begleitet, auch wenn der Funkenschlag mit eben jenem Schiff beginnt, der auf dem Cover des Buches dargestellt wird.

Mir hat an diesem Buch tatsächlich alles gefallen, die Figuren, das Setting, der Hintergrund samt den darin enthaltenen Rätseln und der gesamte Plot. Ange Guéro ist es tatsächlich gelungen, mich immer wieder zu überraschen (selbst auf den letzten Seiten noch). Er hat mich mit den Figuren mitzufühlen und ganz und gar in ihrer Welt versinken lassen. Bei ist mir ist der Funke damit definitiv übergesprungen.

Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet ihr hier.

Published in: on Oktober 1, 2014 at 12:30 nachmittags  Comments (1)  
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Briefkastenfüllungen KW39

Auch diese Woche hat der Postbote den Weg zu mir (und meinen Briefkasten) gefunden und gleich zwei Bücher im Gepäck gehabt:

briefkastenfuellungkw39

“Butter bei die Fische” ist ein Buch, dass man im Süden von Deutschland vermutlich höchst selten antreffen wird, da es eine Kurzgeschichtensammlung von Schleswig-Holsteinern für Schleswig-Holsteiner ist. Veröffentlicht wurde das Buch von der Union-Bank und der Ostanagler Versicherung und ist auch nur dort erhältlich. Glücklicherweise hat mir Tanja Rast, die mit ihrer Geschichte “Moorfeuer” ebenfalls in der Sammlung vertreten ist, eines der Exemplare besorgt :-). Das Buch ist ein kleines Schmuckstück in Plankenoptik (vielleicht kann man es auf dem Bildausschnitt hier etwas besser erkennen) und wird schon allein wegen Tanja Rasts Widmung und ihrer Geschichte einen Ehrenplatz im Regal erhalten.

plankenoptik

Zu “Meltworld Shanghai” gibt es keine so ausführliche Hintergrundgeschichte, auch wenn schon das Cover versteht, die Blicke auf sich zu ziehen und auch die Geschichte definitiv etwas besonderes ist (die Rezension folgt natürlich noch).

Published in: on September 28, 2014 at 12:00 nachmittags  Comments (1)  
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Blutschwur – Die Söhne des Drachen von Stefanie Mühlsteph

blutschwur Stefanie Mühlsteph
Blutschwur – Die Söhne des Drachen
Verlag: Thorsten Low
382 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3940036234
ISBN-13: 978-3940036230
13,90 €

Sowohl das Cover als auch der Titel des Buches sind ziemlich blutig: Ich zumindest habe mit den roten Schlieren, die das Cover durchziehen und das darauf befindliche Schwert bedecken, eindeutig mit selbigem assoziiert. Auf Liebhaber düsterer und blutiger Geschichten wirkt das sicher einladend, mich hätte das Cover eher von einer näheren Betrachtung des Buches abgehalten.

Mit dem brutalen Tod ihres Hundes endet Catherines bis dahin recht überschaubares Leben als pazifistische Geschichtsstudentin. Verfolgt von düsteren Gestalten wird sie in eine Welt hineingestoßen, an die sie vor dem kürzlich Erlebten niemals geglaubt hätte. Als Schlüssel zu der Erweckung von Graf Dracula bleibt ihr allerdings nicht viel Zeit, sich an diese neue Welt zu gewöhnen.

Mit dem Prolog hat mich Stefanie Mühlsteph schnell in den Bann ihrer Geschichte gezogen: Wer ist der Fremde, dessen Gedanken man lauschen kann, und wer die dunkle Schönheit, die er beobachtet? Die Antwort kann man auch mit dem Ende des Buches nur vermuten.

Mit der Einführung der Hauptperson wird der Leser allerdings abrupt aus dieser fantastisch-melancholischen Stimmung gerissen, denn fantastisch ist das Leben der mit ihrem Studium und dessen Finanzierung ausgelasteten Studentin definitiv nicht zu nennen. Mit der brutalen Ermordung ihres Hundes wird ihr Studentenalltag jedoch jäh unterbrochen. Und damit beginnt der düstere Teil der Geschichte, der Kampf von Kresnik und Kudlak, in dessen Mitte Catherine unfreiwillig steht: Eine Bluttransfusion hat sie zur letzten Hoffnung für die Erweckung von Graf Dracula – für die historisch bewandte Studentin besser bekannt als Vlad, der Pfähler – gemacht, eine Erweckung, die von seinen Anhängern, den Kudklaks, sehnlichst gewünscht wird, während die ihnen gegenüberstehenden Kresniks sie mit aller Macht verhindert wollen.

Während Catherine die Ereignisse erst nicht wahrhaben will, lassen Kresnik und Kudlaks sie nicht aus den Augen. Tatsächlich kommen ihr einige sogar sehr nah – eine Nähe, die Catherine nicht unbedingt unangenehm ist. Die klassische Dreiecksbeziehung ist damit auch in dieser Geschichte untergebracht. Meine Sympathie war hier schnell vergeben – allerdings wohl nicht an den Richtigen, zumindest wenn es nach dem Ende des Buches geht. Da mir Catherine selbst auch nicht übermäßig sympathisch war, vermutlich kein Verlust. Schon ihre Persönlichkeit hat mir nicht zugesagt – ihre Freundin Jessie wäre da schon eher auf meiner Wellenlänge – und spätestens mit ihrer radikalen und blutdürstigen Abkehr vom Pazifismus hatte Catherine bei mir alle Sympathiepunkte verloren. Und damit hatte dann auch die Geschichte schnell einiges von ihrem Reiz eingebüßt.

Eigentlich schade, der Hintergrund der Geschichte hat mir nämlich durchaus gefallen: Die Spaltung von Kresnik und Kudlaks (vereinfacht gesagt gute und böse Vampire) und ihre Geschichte, die die Autorin gekonnt in einen historischen Kontext gesetzt hat. In Kombination mit einer Protagonistin, mit der ich einfach nicht warm werden konnte – die einzigen Figuren, die ich tatsächlich mochte, waren Catherines Freundin Jessie und mein Sympathieträger aus der Dreiecksbeziehung – hatte dieser allerdings keine Chance, mich vom Gesamtwerk zu überzeugen.

Zum Glück gab es keine langatmigen Durststrecken: In diesem Buch überschlagen sich die Ereignisse, gelingt der Protagonisten in wenigen Wochen, wofür andere Helden Jahre brauchen (das Meistern von uralter Kampftechnik zum Beispiel). So kommt es dann auch schnell zum finalen Showdown, bevor die Geschichte durch die Benotung von Catherines historischen Recherchen und einen kleinen Blick hinter den Schleier von Kresnik und Kudlak abgerundet wird.

Da es letztendlich nur Rahmen und Hintergrund waren, die mich bei diesem Buch überzeugen konnten, kann ich das Buch nicht wirklich weiterempfehlen – wer mag, kann es trotzdem gerne mit dem Buch versuchen, ich geb’ es im Austausch für eine Rezension gerne an einen anderen Fantasyleser weiter.

Published in: on September 26, 2014 at 12:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Flammenwüste von Akram El-Bahay

flammenwueste Akram El-Bahay
Flammenwüste
Verlag: Bastei-Lübbe
528 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3404207564
ISBN-13: 978-3404207565
9,99€

Das Cover des Buches lässt den Betrachter auf eine Wüstenlandschaft blicken, in die ein riesiger schwarzer Drache bedrohlich auf drei Wanderer hinab blickt. Mich hat das Cover ziemlich neugierig gemacht, die Kombination von Wüste und Drachen ist schließlich nicht gerade üblich und verleitet damit im Nu dazu, einen Blick ins Buch zu werfen.

Heimlich träumt Anûr ed-Din davon, selbst der Held einer der Geschichten zu sein, die er und sein Großvater Nûr ed-Din den Menschen erzählen, während sie ihrem Broterwerb als Geschichtenerzähler nachgehen. Als die Soldaten des Kalifen den Geschichtenerzähler Nûr ed-Din suchen um ihn in den Palast den Kalifen zu führen, gibt sich Anûr als sein Großvater aus, um einmal den Palast von innen zu sehen. Mit der Entschlüsselung uralter Rätsel und der Suche nach einem Drachen beginnt dann tatsächlich Anûrs eigene Geschichte.

Die Art der Geschichte gefällt mir ebenso wie die unzähligen Ideen, die Akram El-Bahay in seinem Buch untergebracht hat. Der Gedanke an eine Bibliothek der ungeschriebenen Bücher gefällt mir, nur zu gern würde ich mal einen Blick in eine solche Bibliothek werfen. Und auch die Völker in dieser Geschichte sind in klassischen Geschichten eher seltener zu finden, vom Volk der Sucher (den Hütern der Bibliothek der ungeschriebenen Bücher) habe ich zum Beispiel noch nie gehört. Drachenmenschen kennt man schon eher, die Nori als solche nicht. Und auch wenn Drachen, Ghule, Dschinne und Ifriten dem Leser fantastischer Romane wohl nicht fremd sind, ist die Kombination selbiger etwas Neues.

Das Einbringen von orientalischen Märchen und Geschichten, die Anûr oder sein Großvater erzählen oder erzählt bekommen, erinnert an die Märchen aus Tausendundeine Nacht – auch wenn die Haupthandlung hier weitaus länger und wichtiger ist als die in der orientalischen Märchensammlung. Hier umrahmen die kurzen Geschichten nur die Haupthandlung und verleihen ihr so etwas mehr orientalisches Flair.

Der Plot selbst ist relativ gradlinig, auch wenn mich das Auftauchen der verschiedenen Figuren doch immer wieder überraschen konnte. Die Helden selbst sind ziemlich jung, Jugendliche, die den Großteil ihres Lebens noch vor sich haben und denen einiges an Erfahrung fehlt. Abgesehen von Anûr bleiben sie allerdings relativ blass – und selbst Anûr, dessen Gedankengänge dem Leser nicht verschlossen bleiben, konnte mich nicht wirklich mitreißen. Die Gefahren, die er und seine Gefährten meistern müssen sind überwältigend (zumindest bei der ersten Erwähnung), letztendlich werden sie aber doch relativ einfach gemeistert. Damit fand ich die Geschichte insgesamt nicht übermäßig spannend. Trotzdem hat die Geschichte doch ein besonderes Flair und viele Kleinigkeiten, die in Erinnerung bleiben: Der ausgelassene fliegende Teppich, die Bibliothek der vergessenen Bücher, die Sucher und ihre Sammlung und die Geschichten der Geschichtenerzähler (zumindest einige davon).

Wirklich überzeugen konnte mich das Buch allerdings nicht. Vielleicht bin ich einfach schon zu belesen, um mich vom jungen Anûr und seiner Geschichte mitreißen zu lassen und vielleicht ist gerade für jüngere Leser der glatte Verlauf genau das Richtige – für mich war es das trotz des wundervollen Settings und der schönen Ideen leider nicht.

Published in: on September 24, 2014 at 12:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Briefkastenfüllungen KW38: Post aus Libropolis – Teil 2

Wer mir bei Facebook folgt, hat es vermutlich schon gesehen: Diese Woche habe ich ganz besondere Post bekommen, ein Überraschungspäckchen von Fischer Verlag.

ueberraschungspost

Darin enthalten war die offizielle Bestätigung, ein Bibliomant zu sein, und dazu alles, was der Leserherz rund um “Die Seiten der Welt” begehren könnte: Die Schuberedition des Buches, ein “Die Seiten der Welt”-Notizbuch, das Hörbuch und eine Autogrammkarte von Kai Meyer – alles von ihm persönlich signiert :-).

bibliomant

Ich bin immer noch am Bewundern…

P.S.: Wer das Buch noch nicht sein eigen nennt, kann bei Zeilensprung – Literatur erleben vorbeischauen. Dort besteht die Möglichkeit, eines von zwei signierten Exemplare des Buches zu gewinnen.

Published in: on September 21, 2014 at 10:00 vormittags  Comments (5)  
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[Aufgestöbert] Schwarzwald-Fantasy

Immer wieder stößt man auf diversen Blogs auf die unterschiedlichsten Neuerscheinungen, die dem Blogger oder der Bloggerin ins Auge gefallen sind. Aber nicht immer sind es die Neuerscheinungen, die interessant sind (auch wenn sich dort durchaus immer wieder einige Bücher für die Wunschliste finden lassen), manchmal findet man die Schätze in den staubigen Winkeln alter Antiquariate, in einer Bücherkiste auf dem Flohmarkt oder in den Bücherregalen einer Freundin.

Deswegen habe ich beschlossen, unter “Aufgestöbert” Bücher zu posten, die mir ins Auge gefallen sind. Das können durchaus Neuerscheinungen sein, aber eben auch ältere Bücher, die mir aus dem ein oder anderen Grund interessant erscheinen.

Beginnen möchte ich mit diesem hier:

bloodred Mercedes Lackey
Blood Red
Verlag: Titan Publishing Group
400 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 1783292784
ISBN-13: 978-1783292783
9,49 €

Mir ist das Buch aus zwei Gründen ins Auge gefallen: Zum Einen, weil ich die Autorin Mercedes Lackey mag, zum anderen, weil die Geschichte im Schwarzwald (“the ancient Black Forest of Germany”) spielt. Eine fantastische Version der Rotkäppchengeschichte, mit Magiern, Werwölfen und einer mutigen Heldin – zumindest wenn man dem Klappentext Glauben schenken mag ;-).

Published in: on September 20, 2014 at 9:00 vormittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Das Lied des Blutes von Anthony Ryan

1266_01_SU_Ryan_LiedDesBlutes.indd Anthony Ryan
Das Lied des Blutes
Verlag: Klett-Cotta
775 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3608939253
ISBN-13: 978-3608939255
24,95 €

Schon das Cover des Buches lässt die Geschichte eines Schwertkämpfers vermuten, zeigt es doch den von zwei Händen umfassten Knauf eines Schwertes. Von der Person die das Schwert umfasst kann man nicht viel erkennen, ihre Kleidung lässt jedoch vermuten, dass es sich um einen Ritter oder Edelmann handelt, vermutlich um eben jenen Schwertkämpfer, dessen Geschichte Anthony Ryan im Buch erzählt.

Es soll die letzte Reise des Hoffnungstöters sein, ein Duell, bei dem er sein Leben lassen soll. Und Lord Vernies, der Geschichtsschreiber des Kaiserreiches, soll diesem denkwürdigen Tag beiwohnen. Ein Schiff soll den gefangenen Ordensbruder ans Ziel dieser Reise bringen und Lord Vernies ihn begleiten. Und obwohl Lord Vernies den Hoffnungstöter, Vaelin Al Sorna, hasst, kann er sich dessen Geschichte nicht entziehen.

Es ist ein fast schon klassischer Einstieg, mit dem Anthony Ryan beginnt. Eine Rahmenhandlung, die den Held der Geschichte zurück in seine Vergangenheit führt – nur dass der Erzähler sich noch in der Blüte seiner Jahre befindet und seine Geschichte nicht etwa den Enkeln oder Freunden erzählt, sondern einem Mann, der ihn hasst. Und ebenso wie Vaelin diesen Mann mit seiner Geschichte in den Bann zieht, zieht der Autor den Leser in seinen Bann.

Getragen von den Worten Vaelins selbst wird man an die Seite eines Jungen geführt, dessen Vater ihn ohne Erklärung im Haus des sechsten Ordens zurück lässt. Zu einer Ausbildung, die mehr als einen Jungen den Tod finden lässt und die übrigen fester zusammenschweißt, als es Blutbande je könnten. Bande, die sie und den Leser durch das ganze Buch hindurch begleiten und jeden der Jungen einen kleinen Platz im Herz des Lesers sichern. Denn ohne seine (Ordens-)Brüder wäre Vaelin sicherlich nicht der, der er heute ist.

Schon die Ausbildung der jungen Krieger ist hart und vom Tod überschattet, dennoch bewahrt sich Vaelin stets sein Mitgefühl und seine Ideale – auch wenn er ihnen nicht immer treu sein kann. Es sind allerdings nicht nur Kampf und Tod, sondern auch Intrigen und Machtgier, die den Lauf dieser Geschichte bestimmen. Und während Vaelin noch versucht die Hintergründe zu begreifen, schieben ihn die Mächtigen wie eine Spielfigur über das Feld.

“Das Lied des Blutes” ist damit weit mehr als eine Geschichte von Blut, Tod und Hass. Auch weit mehr als die Geschichte einer einzelnen Figur. Freundschaft, Ehre, Barmherzigkeit und Güte haben in ihr ebenso einen Platz wie jeder der sechs Orden des Reiches. Tatsächlich ist da sogar noch mehr. Etwas, das der Autor gut unter der Struktur seiner Welt verborgen hat: In der Geschichte des Glaubens von Vaelins Volk, in den Grundlagen der sechs Orden, die den Glauben auf ihre Art bewachen (der Weg des Kriegers ist nur einer davon), aber auch in der Geschichte der Ungläubigen, den Anhängern der dunklen Gabe und in den Märchen, die darüber erzählt werden.

Nichtsdestotrotz ist es Vaelins Geschichte. Und mit jedem Abschnitt seines Lebens, den der Lord Vernies erzählt, beginnt man zu ahnen, wie Vaelin dorthin kam, wo er zu Beginn des Buches ist. Denn auch wenn Vaelin weit über sein Land hinaus bekannt ist, ist er doch der Hoffnungstöter, der mehr als einem Mann den Tod brachte. Und wer den Tod seines Liebsten bedauert, wird sich nicht mit den Idealen des Mörders trösten können. Und so wird Vaelin zwar vielerorts Respekt entgegengebracht, der Hass auf ihn wird dadurch jedoch höchstens gemindert (bei manchen Menschen nicht einmal das). Vaelin selbst kann das weit besser verstehen als der Leser, sieht er sich doch selbst trotz all seiner Ideale und Moralvorstellungen als “Mörder” an. Diejenigen, die ihn schätzen und lieben, wissen es weitaus besser.

Es ist eine vielschichtige Geschichte, die Anthony Ryan mit dem “Lied des Blutes” erzählt. Eine Geschichte vom Aufstieg eines Kriegers, die mehr zu bieten hat als Kämpfe und Tod. Eine Geschichte über Kameradschaft und Glaube, ja sogar Liebe – und das, obwohl diese den Ordensbrüdern untersagt ist. Es ist eine Geschichte die mich, einmal in den Bann geschlagen, nicht losgelassen hat, bis ich die letzte Seite des Buches gelesen hatte. Und selbst damit hat mich Vaelins Geschichte noch nicht vollends aus ihren Bann entlassen. Das Ende ist zwar absolut stimmig und passend (eines Kriegers würdig) und tatsächlich sogar ziemlich abgeschlossen, es ist aber auch offen genug, um den Leser über weitere Kapitel nachdenken zu lassen – zum Glück tut dies auch der Autor, sodass man hoffen kann, bald mehr vom “Lied des Blutes” zu lesen.

Den Anfang findet ihr hier.

Published in: on September 19, 2014 at 12:30 nachmittags  Comments (2)  
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[Fantastische Orte] Festival Mediaval in Selb

Keine Ahnung, ob ein Festival ein Ort ist, Selb ist jedenfalls einer und das Festival Mediaval, das einmal im Jahr dort statt findet, zumindest eine Erwähnung wert.

Es ist eine Mischung aus Festival und Mittelaltermarkt, auf dem durchaus auch das ein oder andere fantastische zu finden ist, ein feuerspeiender Drache zum Beispiel.

festival_drache

Außerdem verschiedene Gaukler wie Bauchtänzerin, Feuerspucker und natürlich jede Menge Händler, bei denen man schon die ein oder anderen Schmuckstücke entdecken kann: Drachen zum Beispiel :-).

Als Festival war das Event natürlich trotz der ganzen fantastischen und mittelalterlichen Gestalten, die sich dort rumtrieben, auch der Musik gewidmet. Und auch wenn ich kein typischer Festivalbesucher bin (das hier war mein erstes Festival) habe ich tatsächlich auch ein paar Bands gefunden, die mir gefallen haben. Und wenig überraschend kommen meine Lieblinge von den britischen Inseln:

Die einen eher ruhig und romantisch (je nach Lied) …

… die anderen laut, rockig mit Liedern, die in anderen Versionen den meisten sicher bekannt sind …

Vielleicht werde ich mich tatsächlich noch mal nach Selb wagen und es war sicher nicht der letzte Mittelaltermarkt und auch nicht das letzte Festival, auf dem ich mich herumtreiben werde.

Published in: on September 17, 2014 at 12:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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[Briefkastenfüllungen] KW37

Mit leichter Verspätung (ich war am Wochenende unterwegs) gibt es jetzt die Briefkastenfüllungen der letzten Woche:

briefkastenfuellungkw36

“Das Lied des Blutes” ist über Vorablesen bei mir eingezogen – und längst verschlungen (die Rezension gibt es am Mittwoch Freitag, ich muss vor der Rezension noch einen anderen Artikel posten). “Flammenwüste” kam als Rezensionsexemplar von FictionFantasy und wird vermutlich als nächstes gelesen. “Fantastische Kreaturen” habe ich bei Tauschgnom ertauschen können, es sind einige bekannte Autoren darin zu finden – und ich ziemlich gespannt auf ihre Schöpfungen.

Published in: on September 15, 2014 at 6:00 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Die Frauen von Nell Gwynne’s von Kage Baker

diefrauenvonnellgwynnes Kage Baker
Die Frauen von Nell Gwynne’s
Verlag: Feder und Schwert
160 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3867620741
ISBN-13: 978-3867620741
9,95 €

Dass es sich bei den “Die Frauen von Nell Gwynne’s” um einen Steampunk-Roman handelt, kann man schon auf dem ersten Blick erkennen, auch wenn keine Zahnräder oder ähnliches auf dem Cover zu finden sind: Die Kleidung der auf dem Cover befindlichen Frau, aber vor allem die dunkle Gestalt im Hintergrund wirken doch recht steampunkig.

Was passiert einer jungen Frau aus gutem Hause, wenn sie sich nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters allein durch eine feindliche Umgebung schlagen muss? Das Überleben ist das eine, die Rückkehr in alte Gewohnheiten undenkbar. Aber Lady Beatrice hätte es schlimmer treffen können: Ein alter Bekannter vermittelt sie an eine Organisation, die den Geheimnisträgern unterschiedlichster Schichten auf ihre Art ihre Geheimnisse entlockt.

Das Schicksal der Lady Beatrice ist hart, auch wenn die Autorin in ihrer Erzählung definitiv nicht die mitfühlende Ader des Lesers anschlägt. Tatsächlich beschreibt sie sowohl Kriegsgräueltaten als auch Hurerei (auf diese Art schaffen es die Frauen, den Männern ihre Geheimnisse zu entlocken) sehr unpersönlich zu schildern, sodass tragische Ereignisse hier einfach nur wie Fakten wirken. Nichtsdestotrotz hat mich die Geschichte der wohlherzogenen Lady, die zur gefallenen Frau wird und dann in der Organisation eine neue Heimat findet, in ihren Bann gezogen. Etwas, das bei einer detaillierten Schilderung ihres Schicksals vielleicht nicht der Fall gewesen wäre.

Auf den wenigen Seiten bleibt Kage Baker nicht viel Zeit, die Figuren und ihre Umgebung bis ins kleinste Detail auszuarbeiten. Dennoch hat man trotz der eher faktischen Erzwählweise nicht das Gefühl, von gesichtslosen Figuren umgeben zu sein. Tatsächlich schafft es die Autorin immer wieder, Feinheiten einzubringen, die die Geschichte mit einem steampunkigen Charme versehen. Kleinigkeiten wie das verlorene Augenlicht der Leiterin der Organisation, Mrs. Corvey, oder die kleinen Erfindungen, die das Leben der Agentinnen erleichten, lassen im Kopf des Lesers wie kleine Spotlights Bilder von wichtigen Figuren und der Umgebung, in der sie unterwegs sind, entstehen.

Der Plot könnte einem altem Spionageroman entnommen sein, die Szenerie passt in jede beliebige Steampunkwelt, trotzdem versteht es Kage Bake zu punkten: Mit einer sympathischen Heldin, kleinen steampunkigen Accessoires und einem schlussendlich doch recht überraschenden Ende.

Vom Umfang her hätte “Die Frauen von Nell Gwynne’s” eher in eine Steampunkanthologie als in ein eigenes Buch gepasst. Das macht sie jedoch nicht minder lesenswert. Mir hat der – zugegeben recht kurze – Ausflug in Kage Bakers Geschichte jedenfall gefallen, ich könnte mir durchaus vorstellen, ein weiteres Abenteuer an der Seite ihrer Mädchen zu erlesen.

Published in: on September 12, 2014 at 12:30 nachmittags  Comments (2)  
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