Die Bestimmung von Veronica Roth

Veronica Roth
Die Bestimmung
Verlag: cbt
480 Seiten
ISBN-10: 3570161315
ISBN-13: 978-3570161319
17,99 €

Das Covers des Buches ist wirklich gut gelungen: Inmitten des Himmels – der einen Großteil des Covers einnimmt – erhellt ein Flammenkreis, der eine Flammenkugel umgibt (das Zeichen der Ferox), das Cover. Im unteren Teil des Covers kann man die Hochhäuser einer Stadt vor einer grün-blauen Seenlandschaft erkennen.

Beatrice ist fast sechtzehn und steht damit vor der Entscheidung, die ihr restliches Leben bestimmen wird. Sie muss sich für eine der fünf Fraktionen entscheiden: Altruan (die Selbstlosen), Ferox (die Furchtlosen), Ken (die Gelehrten), Candor (die Freimütigen) oder Amite (die Friedfertigen).

Ein Test, den sich jeder Anwärter unterziehen muss, soll ihr helfen, sich für eine der Fraktionen zu entscheiden. Doch Beatrice ist eine Unbestimmte – und damit in höchster Gefahr.

Trotz der Tatsache, dass ihre Eltern den Altruan angehören, entscheidet sich Beatrice für die Ferox. Doch der Initiationsritus ist hart – und nicht jeder Anwärter wird in die Reihen der Ferox aufgenommen.

Beatrice, die sich nun Tris nennt, stellt sich den Herauforderungen. Wird sie es schaffen, dort Aufnahme zu finden?

Beatrice ist eine sympathische Hauptperson. Die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt – und auch wenn sie davon überzeugt ist, nicht wie ihre Eltern zu den Altruan zu gehören, ist sie selbstloser als manch anderer. Auf jeden Fall ist sie hilfsbereit und steht für andere ein. Für sie gibt es nur die Entscheidung zwischen Altruan und Ferox.

Das Leben der Altruan ist hart – wahrhaft selbstlos zu sein ist nicht einfach, besonders, wenn es von einem erwartet wird. Die Lebensart der Ferox bildet da einen starken Gegensatz: Die Ferox sind tollkühn und wagemutig, aber auch hart, um keine Schwäche zu zeigen. Dass es auch mutig ist, eine Herausforderung zu verweigern oder für Schwache einzustehen ist hier leider verloren gegangen – zumindest bei den Meisten. Von dem Leben der Ferox zu lesen ist ziemlich spannend, manchmal aber auch erschreckend brutal: Denn für die meisten der Anwärter zählt nur der Sieg – um jeden Preis.

Ein Großteil des Buches wird von Beatrice Initiationsprüfung und die Vorbereitung darauf eingenommen. Was es mit den “Unbestimmten” auf sich hat, erfährt man als Leser erst später, auch wenn die eine oder andere Nebenperson Beatrice Status schnell erkennt – und jede sie davor warnt, diesen erkennen zu lassen.

Neben Beatrice gibt es aber durchaus noch weitere interessante Charaktere. Besonders gut gefallen hat mir Beatrice Mutter. Sie befürwortet Beatrice Entscheidung – und macht ihr Mut, auch wenn sich die beiden dadurch viel seltener sehen werden. Außerdem wartet sie dem Leser noch mit einer Überraschung auf – den so langweilig, wie sie zu sein scheint, ist sie definitiv nicht.

Wie in den meisten Jugendromanen fehlt es auch hier nicht an einer Liebesgeschichte: Zwischen Beatrice und einem der Ausbilder, Four, knistert es. Dieser Strang der Handlung ist ganz nett, wäre aber nicht unbedingt nötig gewesen. Four ist auch so faszinierend genug und die Geschichte auch ohne die Beziehung zwischen den beiden spannend und unterhaltsam. Motivationen für die Hauptpersonen gibt es genug – auch ohne die Liebe.

Auf den “Höhepunkt” der Geschichte steuert Veronica Roth erst nach dem Abschluss des Initiationsritus zu. Die damit verbundenen Aktionen und Handlungen kamen mir etwas zu plötzlich, das ganze Geschehen wurde viel zu schnell abgehandelt – zumindest wenn man es ins Verhältnis zu den vorangegangenen Ereignissen setzt.

Mir hat das Buch gefallen, allerdings nicht wegen des Plots – wie gesagt, das Geschehen, auf das die Geschichte hinspielt, wurde viel zu schnell abgehandelt – sondern wegen der Welt, die Veronica Roth für “Die Bestimmung” geschaffen hat. Nach den “Ferox” würde ich jetzt gern auch mehr über die anderen Fraktionen erfahren – Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob der nächste Band der Reihe diesen Wunsch erfüllen wird. Ich vermute eher, dass hier der eigentliche Plot weitergeführt wird und die mit dem Ende des Buches gestarteten Ereignisse um Beatrice weitergeführt werden. Lassen wir uns überraschen.

Hier könnt ihr einen ersten Blick ins Buch werfen.

Published in: on Mai 15, 2012 at 6:00 vormittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Delirium von Lauren Oliver

Lauren Oliver
Delirium
Verlag: Carlsen
416 Seiten
ISBN-10: 3551582327
ISBN-13: 978-3551582324
18,90 €

Das Cover von “Delirium” hat mich nicht ganz überzeugt, aber es hat das gewisse Etwas: Das Cover zeigt das Gesicht einer Frau vor bordeaux-rotem Hintergrund, aber das ist nicht das Besondere. Das Besondere (das gewisse Etwas) ist die über das komplette Cover gehende Beschriftung, es folgt “Liebe” auf “Liebe”.

Die siebzehnjährige Lena lebt in einer Gesellschaft, in der die Liebe als Krankheit gilt, Amor Deliria Nervosa. Um die Menschen vor den Folgen dieser Krankheit zu schützen, wird mit dem Beginn des achtzehnten Lebensjahrs eine Operation vorgenommen, die einzig sichere Methode gegen diese „Krankheit“. Aber manche Menschen erwischt es schon früher.

Lena freut sich auf ihre Operation, sie lebt in ständiger Angst, sich mit Amor Deliria Nervosa zu infizieren – und wie ihre Mutter daran zu sterben. Aber dann lernt sie Alex kennen – und plötzlich muss sie das, woran sie ihr Leben lang geglaubt hat, in Frage stellen.

Die erste Hälfte des Buches hat mich nicht wirklich mitgerissen. Der Schreibstil der Autorin ist gut – und war zu diesem Zeitpunkt das einzige, was mich am Lesen gehalten hat. Die Welt, die Lauren Oliver gezeichnet hat, war mir viel zu befremdlich, das Verhalten der Personen, auch Lenas, einfach nicht nachvollziehbar. Besonders erschreckt hat mich das Verhalten der Eltern gegenüber ihren Kindern: So ist für Lenas Schwester die Lungenentzündung des Kindes einfach nur eine kleine Unannehmlichkeit – wie kann man nur so abgestumpft sein? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich unsere Welt so entwickeln könnte.

Nachdem sich Alex und Lena jedoch näher kennengelernt haben und man als Leser langsam mehr über die Welt außerhalb des Systems – und die dunklen Seiten innerhalb des Systems – erfahren hat, bin auch ich mit der Geschichte warm geworden. Für mich ist Lauren Olivers Welt damit wieder ins rechte Lot gerückt worden – und die verliebte Lena ist mir weitaus sympathischer, als es die vom System überzeugte je war.

Aber nicht nur, dass die Geschichte mich ab diesem Zeitpunkt überzeugt hat, mit der Wende nimmt sie auch einiges an Spannung auf. Alex und Lena bewegen sich jetzt jenseits der Legalität und man muss ständig fürchten, dass sie entdeckt werden.

Mit dem Ende des Buches steuert Lauren Oliver die Geschichte dann auf einen Höhepunkt hin – und endet ziemlich dramatisch. Das macht die Geschichte realistischer, lässt mich als Leser jedoch ziemlich schockiert, wenn auch nicht hoffnungslos, zurück. Eines hat das Buch damit aber definitiv geschafft: Mich ziemlich neugierig auf “Pandemonium” zu machen, den zweiten Band der Reihe.

Eine Leseprobe findet ihr hier, aber wie gesagt: Richtig los geht es eigentlich erst in der zweiten Hälfte des Buches.

Published in: on Mai 9, 2012 at 12:30 nachmittags  Kommentare (3)  
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Starters von Lissa Price

Lisssa Price
Starters
Verlag: Ivi
400 Seiten
ISBN-10: 3492702635
ISBN-13: 978-3492702638
15,99 €

Das Cover des Buches gefällt mir: Es ist komplett in dunklen Farben gehalten, vor dem schwarzen Hintergrund kann man Kopf und Schulter einer sich im Schatten befindlichen Frau (oder eines Mädchens) erkennen. Es ist nicht allzuviel, was man erkennen kann – aber gerade das macht neugierig auf den Inhalt des Buches.

Durch eine Seuche leben auf der Erde nur noch sehr junge und sehr alte Menschen: Starters und Enders. Während die Starters quasi rechtlos sind und ohne ältere Verwandten keine Chance auf ein annehmbares Leben haben, leben die Enders ziemlich gut.

Callie und ihr jüngerer Bruder Tyler haben keine älteren Verwandten, sie leben illegal in einem alten Wohnblock. Um an Geld zu gelangen lässt sich Callie auf die Body Bank ein. Eine Bank, die den Körper junger Starter an alte, nicht mehr so mobile Enders vermietet. Das Geld, das Callie für nur drei Mieten bekommen kann, würde ihr und ihrem Bruder ein deutlich besseres Leben bescheren.

Die ersten zwei “Aufträge” klappen wie am Schnürchen, beim dritten und letzten ist jedoch nichts wie es sein sollte…

Schon mit dem ersten Kapitel wird man als Leser mitten in das Geschehen hineingestoßen: Die Hauptperson Callie befindet sich bei der Body Bank – und lässt sich deren Konzept vorstellen. Sie braucht Geld und die Body Bank bietet ihr diese Möglichkeit. Die Hintergründe für ihr Tun erfährt man erst im weiteren Verlauf der Geschichte. Man sieht die ziemlich harte Welt aus Callies Augen. Als Starter bleiben ihr nicht viele Möglichkeiten zu überleben – und nur die wenigsten sind legal.

So brutal Lissa Price Callies Welt schildert, so sympathisch schildert sie ihre Figuren. Die Hauptperson der Geschichte, Callie, ist verantwortungsbewusst und liebevoll. Der kleine Bruder krank, schutzbedürftig und trotzdem sehr tapfer. Und auch Michael, der Nachbarjunge, ist mehr als nur nett. Während Callies Abwesenheit passt er auf Tyler auf und versorgt diesen. Auch wenn er das sicher nicht um Tyler Willen macht ;-) .

Aber nicht nur die Starters sind sympathisch. Auch die Enders, die Callie kennenlernt, haben einiges für sich – selbst diejenigen, die regelmäßig über die Bodybank den Körper jüngerer Starter mieten.

Über Callies erste Mieterinnen erfährt man als Leser gar nichts. Erst mit der dritten Mieterin, Helen Winterhill, wird alles anders. Die ursprüngliche Programmierung funktioniert nicht mehr, Callie erwacht auch während des Mietzyklus und befindet sich plötzlich in Helens Welt. Aber was hat diese vor? Ihre Pläne enthüllen sich Callie und dem Leser nur langsam – aber eines ist sicher, es ist gefährlich und definitiv illegal (wie auch die Bodybank an sich).

Wirklich heftig wird es dann, als sich die Hintergründe für Helens Taten auftun. Denn die Machthaber hinter der Bodybank haben einen Plan, der den Starters jegliche Zukunft nimmt. Ein Plan, der sich dem Leser nur Stück für Stück enthüllt – wie in einem guten Krimi.

Vorhersehbar ist die Geschichte dabei nicht im Geringsten. Als Leser erlebt man immer wieder Überraschungen, manche gut, manche definitiv nicht: So muss man auch mit dem Tod lieb gewonnener Menschen rechnen, denn Callies Welt ist ziemlich brutal.

Aber die Geschichte ist nicht nur brutal. Sie ist spannend und ziemlich actionreich. Ruhige Szenen gibt es nur wenige, eigentlich passiert fast immer etwas. So bleibt der Leser stets mitten im Geschehen und bekommt nur selten Pausen, um Atem zu holen.

Lissa Price zeichnet mit “Starters” eine dunkle Zukunftsvision, in der sie eine wirklich fesselnde Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die einiges zu bieten hat: Spannung, Action, einen leichten kriminalistischen Hauch und eine Spur von Romantik. Das einzige was fehlt sind ein paar mehr Hintergrundinformationen zu dem Wandel der Gesellschaft, das macht die Geschichte aber nicht im Geringsten weniger lesenswert.

Das Ende ist für den ersten Band einer Reihe relativ abgeschlossen. Es gibt keinen Cliffhanger, nur ein paar noch offene Handlungsstränge – die dem Leser zugegebenermaßen noch einiges zum Nachdenken geben, ihn aber sicher nicht frustriert zurücklassen.

Ich bin definitiv gespannt, wie es in “Enders” weitergeht.

Reinlesen (leider nur in Starters ;-) ) könnt ihr hier.

Published in: on April 14, 2012 at 10:59 vormittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Cassia & Ky – Die Flucht von Ally Condie

Ally Condie
Cassia & Ky – Die Flucht
Verlag: FJB
464 Seiten
ISBN-10: 384142144X
ISBN-13: 978-3841421449
16,99 €

Das Cover des Buches gefällt mir, es ist eine direkte Fortsetzung des Covers des Vorgängerbandes: Befand sich die Person auf dem Cover – vermutlich Cassia – bei “Die Auswahl” noch innerhalb einer Glaskugel, wird diese auf dem Cover von “Die Flucht” durch einen gezielten Faustschlag zerstört. – “Die Flucht” kann beginnen.

Cassia hat ihren Plan, sich auf die Suche nach Ky zu machen, in die Tat umgesetzt. Sie befindet sich nun in einem Arbeitslager in den äußeren Territorien und hofft, hier mehr über Kys Verbleib zu erfahren.

Ky wird mittlerweile mit einigen anderen Aberrationen als “Lockvogel” für feindliche Angriffe eingesetzt. Eine Tätigkeit, die nach 6 Monaten enden soll, aber so lange hat noch keiner der Lockvögel überlebt. Da Ky nicht vorhat, für die Gesellschaft zu sterben, plant er seine Flucht.

Der Schwerpunkt von Band zwei der Reihe um Cassia und Ky liegt deutlich auf eben diesen beiden. Die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt und damit werden dem Leser ihre Gefühle und ihr gemeinsames Ziel sehr stark verdeutlicht: Cassia und Ky wollen wieder zu einander finden – um jeden Preis.

Was Ally Condie in die detaillierte Beschreibung der Gedanken, Gefühle und auch Vergangenheit der beiden hineinsteckt fehlt meines Erachtens aber bei der Beschreibung der Nebenfiguren. Alte Bekannte aus den vorherigen Geschehnissen sind nicht weiter wichtig und werden nur noch am Rande erwähnt, selbst Xander kommt nur in einem sehr kurzen Teil der Geschichte vor.

Mit den den neu eingeführten Nebenfiguren wurde ich beim Lesen einfach nicht warm. Auf mich wirkten sie farblos, nicht weiter wichtig – und das, obwohl Cassie zum Beispiel von Indie über ihre ganze Suche hinweg begleitet wird.

Cassia und Kys Bemühen einander zu finden scheint innerhalb der Geschichte unter einem überaus guten Stern zu verlaufen: Die plötzliche Strategieänderung der Gesellschaft, nun auch Mädchen als Lockvögel einzusetzen, die Tatsache, dass sowohl Cassia als auch Ky – zumindest nicht zeitgleich – genau an den selben Ort verlegt werden, an dem ihnen beiden kurz hintereinander die Flucht gelingt – Das sind nur einige der Punkte, die das ganze Geschehen etwas unglaubwürdig erscheinen lassen.

Gut gefallen haben mir die überall versteckten – und auch in den hintersten Winkeln der Gesellschaft vorkommenden – Hinweise auf die Erhebung, die in Gedichten und Liedern von Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden. Diese lassen sowohl dem Leser als auch den Charakteren des Buches einiges an Gedankenfreiraum und machen die Erhebung – die Revolution gegen die Gesellschaft – dadurch ziemlich interessant.

Der fesselnde Schreibstil hat mich trotz der oben genannten Mankos am Buch gehalten – aber eben nicht wirklich überzeugen können. Das sehr offene und auch etwas deprimierende Ende (keine Angst, weder Cassia noch Ky sterben) hat sein übriges getan, mich vom Kauf des balb folgenden dritten Bandes abzubringen.

Wer trotzdem wissen will, wie es nach “Die Auswahl” weitergeht, findet hier eine Leseprobe.

Published in: on März 13, 2012 at 4:30 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Schiffsdiebe von Paolo Bacigalupi

Paolo Bacigalupi
Schiffsdiebe
Verlag: Heyne fliegt
352 Seiten
ISBN-10: 3453529197
ISBN-13: 978-3453529199
14,99 €

Der Großteil des Covers wird vom Bug eines alten, verrosteten Tankers eingenommen, der schon einige Macken und Löcher hat. Hinter dem Tanker kann man nur noch einen Teil des Himmels und ein paar Vögel – vermutlich Möwen – erkennen. Ein Cover mit eindeutigem Bezug zum Buch, das es durchaus versteht, Interesse zu wecken – zumindest meins.

Der junge Nailer lebt ausschließlich von den alten Tankern, die in regelmäßigen Abständen an die Küste gespült werden. In einer “leichten Kolonne” ist er mit dafür zuständig, leichtes verwertbares Material zu suchen und zu bergen. Eine gefährliche Arbeit, die gerade so für sein Überleben reicht – nicht mehr.

Als er mit seiner Kameradin Pima einen gestrandeten Klipper findet, scheinen mit einem Schlag alle Sorgen vergessen und unermesslicher Reichtum in greifbarer Nähe zu sein – bis sie an Bord ein lebendes Mädchen finden, die rechtmäßige Besitzerin des Schiffes. Nailer überredet Pima dazu, dem Mädchen zu helfen. Eine Tat, die mehr als nur den Verlust des auf dem Schiff befindlichen Reichtums bedeutet.

Schiffsdiebe ist ein Buch über Familie und Freundschaft, über Ehrlichkeit und Treue – zu anderen und zu einem selbst.

Die Hauptperson, Nailer, lebt mit einem gewalttätigen, unberechenbaren Vater zusammen. Und trotz der täglichen Schläge rettet er seinen Vater, als erneut ein Tornado die Küste heimsucht. Nailer ist anders als sein Vater, er hält seinen Freunden die Treue. Freunden wie Pima und ihre Mutter, die ihm immer ein sichern Platz bieten und jederzeit für ihn bürgen. Aber er ist auch ein Junge, der in Armut aufwächst und nun mit dem Fund des Segelschiffes vor eine Entscheidung gestellt wird: Reichtum oder Menschlichkeit.

Die Welt, in der Nailers Geschichte spielt, ist anders als unsere, aber doch sehr vertraut: Die Armen schuften, damit einige wenige auf der Welt noch ein luxuriöses Leben führen können. Die Welt ist aber nicht die unsere (und ich hoffe sie wird es nie sein). Die Arbeit, der die Menschen um Nailer – und auch er selbst – nachgehen ist völlig anders als die heutige, die Welt hat sich drastisch verändert: Metalle und Rohstoffe werden aus alten, an die Küste gespülten Tankern gewonnen. Für diese Arbeit gibt es einen Hungerlohn, mit dem Verschiffen der Güter lassen sich jedoch Millionen machen – ebenso wie mit den Verkauf von Halbmenschen, genetisch veränderte, unglaublich starke und ihrem Herrn bis in den Tod ergebene Wesen.

In diese Welt wird man von Paolo Bacigalupi schon mit der ersten Seite des Buches hineingezogen. Es gibt keine langen Erklärungen, das Buch beginnt mit einem normalen Arbeitstag in Nailers Leben, bei dem ihm der Leser direkt über die Schulter oder sogar durch seine Atemmaske hindurch beobachten kann. Schon in dem ersten Kapitel wird die Härte der Welt in der Nailer lebt klar. Nur knapp springt er hier dem Tod von der Schippe – und trotz allem kann er noch froh um seinen Job sein. In seiner Welt zählt nicht nur der Verstand, nur die von den Parzen gesegneten – die Glückspilze – können hier überleben.

In so einer Welt bleibt nicht viel Platz für Loyalität und Freundschaft – und doch gibt es sie. Überall in dem Buch verstreut kann man Funken davon erkennen. Keine der Personen ist uneingeschränkt gut, auch Nailer nicht – aber in jedem steckt zumindest ein guter Kern (auch wenn er manchmal tief verborgen ist).

Ist es erst die düstere, erschreckend real wirkende Welt die den Leser fasziniert, sind es später die Menschen (und Halbmenschen), die die Geschichte am Leben erhalten. Zu wenig ist vorhersehbar, Gut und Böse liegen dicht bei einander – auch wenn es hier natürlich per Definition einen Schurken gibt ;-) . Auf eine Romanze muss der geneigte Leser in “Schiffsdiebe” allerdings verzichten – sie wird höchstens angedeutet. Paolo Bacigalupis Schwerpunkt liegt eindeutig auf Kameradschaft und Familienzugehörigkeit. Das tut der Geschichte allerdings keinen Abbruch – im Gegenteil.

Ein Buch, dass trotz aller Spannung jedem Leser, der bereit ist zuzuhören, eine Botschaft mitgibt (vielleicht sogar mehrere). Ziel sollte es sein, eine Zukunft wie die, die Paolo Bacgalupi beschreibt, zu verhindern. Aber selbst in solch einer Zukunft gibt es Hoffnung. – Und das macht Mut.

Damit ist “Schiffsdiebe” nicht nur ein Buch für Liebhaber düsterer Dystopien, sondern auch für unverbesserliche Optimisten, denn auch hier finden sie einen Funken Licht. Und selbst wenn man nicht über die Geschichte nachdenken möchte wird man gut unterhalten: Durch die Suche nach Reichtum, klassischen Verfolgungsjagden auf Segelschiffen – das ruft die guten alten Piratenromane wieder in Erinnerung ;-) – und mutige Helden, wie es sie (hoffentlich) nicht nur in Romanen gibt.

Published in: on März 5, 2012 at 12:01 vormittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Gegen das Grau: Herbst-Gewinnspiel

Jetzt wartet das zweite Exemplar von “Das verbotene Eden” schon eine Weile darauf, seiner Bestimmung zugeführt zu werden.

Und bei der aktuellen Wetterlage – grauer Himmel und jeder Menge Regen – gibt es sicher jede Menge Leute, die Zeit und Lust haben, ihm dabei zu helfen ;-) .

Was ihr für das Buch tun müsst? Ganz einfach: Etwas Abwechslung in das tägliche Grau bringen, indem ihr mich und die anderen Leser mit einer bunten Geschichte erfreut.

Was würdet ihr tun, wenn ihr und euer Partner die einzigen wären, die von der Nebenwirkung des in “Das verbotene Eden” erwähnten Grippemittels nicht betroffen sind? (Wenn ihr von dem Mittel und seine Wirkung noch nichts gehört habt einfach mal hier einen Blick in die Leseprobe werfen).

Postet eure Idee hier als Kommentar. Die bunteste Geschichte gewinnt. Solten mehrere Kommentar in Frage kommen wird ausgelost.

Teilnehmen könnt ihr bis zum Herbstäquinoktium diesen Jahres (23.09.2011 11:04).

Wegen der Portokosten kann ich leider nur Teilnehmer aus Deutschland zulassen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Published in: on September 18, 2011 at 2:24 nachmittags  Kommentare (15)  
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Das verbotene Eden von Thomas Thiemeyer

Thomas Thiemeyer
Das verbotene Eden
Verlag: PAN
464 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 3426283603
ISBN-13: 978-3426283608
16,99 €

Das Cover des Buches gefällt mir nicht ganz so gut, obwohl ich zugeben muss, dass man hier die Personen auf dem Cover gut als Hauptpersonen des Buches identifizieren kann – etwas, das leider viel zu oft nicht der Fall ist. Meiner Meinung nach passen die beiden Personen im Vordergrund allerdings nicht ganz so gut zum Hintergrund, auch wenn die Idee mit der grün hinterlegten Landkarte wirklich gut ist. :-)

Eine verheerende Katastrophe machte Männer und Frauen zu Feinden. Ein gemeinsames Leben als Mann und Frau ist undenkbar geworden.

In dieser Welt wachsen David und Juna auf. David im Kloster des heiligen Bonifazius, Juna in der Hauptstadt der Frauen, Glanmor. Beide werden mit dem Wissen aufgezogen, dass das andere Geschlecht der Feind ist. Und nun bedrohen die aktuellen Ereignisse den momentanen Waffenstillstand, den man fast als Friede bezeichnen könnte.

Ein Krieg scheint unvermeidlich, Friede ist so undenkbar, wie die Liebe zwischen Mann und Frau.

Thomas Thiemeyer schildert eine Zukunft, wie sie durchaus vorstellbar ist. Schon der Prolog schlägt die Brücke zwischen unserer Welt und der, in der Juna und David aufwachsen. Aus dem Gedankenspiel des Mediziners im Prolog ist bitterer Ernst geworden.

Die beiden Hauptpersonen sind mir richtig schnell sympathisch geworden. Sowohl der Stubenhocker und Bücherwurm David, als auch die kriegerische Juna.

Richtig gut gefällt mir, dass es auf beiden Seiten, sowohl bei den Frauen, als auch bei den Männern “gute” und “böse” Menschen gibt: Menschen, die die einzige Lösung im Krieg sehen, weil sie das andere Geschlecht pauschal verdammen, aber auch Menschen, die dem anderen Geschlecht relativ offen gegenüberstehen und die bestehenden Dogmen “Frauen sind Hexen” und “Männer sind Teufel” in Frage stellen. Und selbst diejenigen, die das andere Geschlecht verdammen haben durchaus ihre Gründe dafür. – Damit zeichnet Thomas Thiemeyer eine Welt, die nicht nur aus Schwarz und Weiß besteht, sondern auch Grautöne zulässt und damit lässt er die Figuren – und die Welt – um einiges realistischer wirken.

Aber trotz der eher verhärrteten Fronten kommt auch die Romantik nicht zu kurz. Das Buch “Romeo und Julia” spielt eine wichtige Rolle – man könnte sagen, es bringt das, was zwischen David und Juna entsteht, erst ins Rollen. Und wem das gegenseitige Vorlesen aus “Romeo und Julia” nicht romantisch genug ist, dem sei verraten, dass auch der ein oder andere Kuss ausgetauscht wird ;-) .

Eine spannende Geschichte, eine faszinierende (wenn auch düstere) Welt, junge Liebe und der Kampf um eine bessere Zukunft – damit bietet das Buch wohl alles, was eine gute Geschichte braucht. Ein Buch, das sowohl Romantiker als auch Abenteurer überzeugen sollte.

Hier könnt ihr euch selbst ein Bild von der Geschichte machen.

Published in: on September 1, 2011 at 8:58 nachmittags  Kommentare (6)  
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Deadline 24 von Anette John

Anette John
Deadline 24
Beltz & Geldberg
374 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3407810814
ISBN-13: 978-3407810816
EUR 16,95

Das Cover des Buches zeigt ein Mädchen in einem Feld, im Hintergrund sind Bäume zu erkennen. Das ganze Bild ist überschattet von einem Feld aus Sechsecken – ich würde vermuten, dass es sich dabei um eine der Kuppeln, unter denen die Menschen des Buches leben, handelt.

Sally kennt kein anderes Leben als das unter der Kuppel, unter der sie und ihre Familie auf ihrer Farm leben. Die Kuppel schützt sie vor den gefährlichen menschenfressenden Hybriden (Flugwesen) und so ist es die wichtigste Aufgabe der Bewohner, diese Kuppel intakt zu halten. Eine Aufgabe, die einer der Bewohner, Vigo, nicht ernst genug genommen hat und mit dem Tod bezahlen muss, da die Hybrid in die Farm eindringen. Die übrigen Bewohner überleben nur dank eines Helikopters, der sich mit einem Organismus verbunden hat, der die Energie für den Helikopter zur Verfügung stellt. Dieser Organismus macht den Helikopter zu einem überaus gefährlichen Aufenthaltsort, sorgt aber auch für die Zerstörung der im Umkreis befindlichen Hybriden.

Als die Crew des Helikopters die Farm verlässt, verschwindet auch Sallys Bruder Paul, der die Gunst der Stunde genutzt hat, um im Helikopter aus der Kuppel herauszukommen. Doch draußen warten nicht nur die Hybriden, sondern auch die Lords, die Jagd auf den Helikopter und die damit einhergehende Macht machen. Sally macht sich auf den Weg, ihren Bruder zu warnen und zurück zu bringen.

Anette John schreibt die Geschichte aus Sicht der dreizehnjährigen (im Verlauf des Buches dann vierzehnjährigen) Sally, die meiner Meinung nach für ihr Alter ziemlich reif ist, aber das bringt das beschwerliche und gefährliche Leben auf der Kuppelfarm wahrscheinlich mit sich. Das Leben in ihrer Welt wird nebenher aus Sallys Augen beschrieben, durch ihre Reflektion und den Alltag, den sie durchlebt. – Ein Alltag, der durch das Eindringen der Hybride und die Ankunft der Helikoptercrew jäh durchbrochen wird.

Ab hier beginnt sich das Leben für Sally zu verändern. Erst die Helikoptercrew, dann das Verschwinden ihres Bruders und schließlich das Eindringen der Lords. All das wird überschattet durch den Herzanfall ihres Großvaters. Die einzige Hoffnung sind die Visionen ihrer Mutter vom Windmann. Er allein verspricht ein Ende bei dem “alles gut” wird. Aber wer der Windmann ist – real oder Einbildung, gut oder böse – erfährt man erst gegen Ende des Buches.

Das Ende wartet übrigens nicht nur mit der Wahrheit über den Windmann, sondern auch mit der Wahrheit über Sallys Welt als solche auf. Eine Wahrheit, die der Leser so sicherlich nicht erwartet hat, auch wenn im Verlauf des Buches einige Hinweise auf diese hindeuten. Verstehen kann man sie als Leser jedoch erst mit den Erklärungen des Windmanns.

Eine gute Story mit einem wirklich überraschenden Ende. Die Geschichte bietet einige unvorhersehbare Ereignisse, die trotz allem schlüssig sind und wirklich gut in die Geschichte hineinpassen.

Eine Leseprobe und weitere Infos zum Buch findet ihr hier.

Und auf besonderen Wunsch: Dieses Buch habe ich über Blogg dein Buch erhalten.

Published in: on Juli 24, 2011 at 2:54 nachmittags  Kommentare (1)  
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Die Enklave von Ann Aguirre

Auch wenn ich es quasi direkt nach dem Auspacken gelesen habe, hat die Rezension etwas auf sich warten lassen (es lebe die LoRe ;-) ), jetzt ist sie da :-) .

Ann Aguirre
Die Eklave
Blanvalet
352 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 3442268125
ISBN-13: 978-3442268122
EUR 16,90

Bei diesem Buch war es das Cover, das meine Aufmerksamkeit erregt hat. Es hat mich irgendwie an “Tinker” erinnert und damit an der Angel gehabt. Es zeigt eine Frau (wahrscheinlich “Zwei”, die durch eine verbogene Metallwand nach draußen (in Richtung des Lesers) blickt. Am Metall kann man eine Ranke erkennen, das Metall scheint also recht alt zu sein.

“Zwei” ist in der Enklave geboren und aufgewachsen. Sie ist stolz, dass sie das Ritual ihrer Namensgebung zu einer “Jägerin” macht, auch wenn sie sich einen anderen Jagdgefährten als “Bleich” ausgesucht hätte.
Ihre gemeinsamen Jagdausflüge aus der Enklave hinaus in die umliegenden Tunnel (und darüber hinaus) schweißen sie jedoch schnell zusammen. Als “Zwei” für ein Verbrechen (laut den Gesetzen der Enklave), das sie nicht begangen hat, verbannt wird, folgt “Bleich” ihr in die Verbannung. Er weiß nämlich etwas, was die Bewohner der Enklave nicht wissen (und auch nicht wissen wollen): Das Leben an der Oberfläche ist nicht gefährlicher als das in den Tunneln. Und auch dort gibt es sichere Orte. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, diesen Ort zu finden…

Ann Aguire beschreibt in ihrem Roman eine Zukunft, die, so düster sie auch scheinen mag, tatsächlich Wirklichkeit werden könnte: Eine Katastrophe, die das Leben in bestimmten Gebieten unmöglich macht, Reiche und Mächtige werden evakuiert, die restlichen Menschen werden ihrem Schicksal überlassen. Einige überleben – mehr oder weniger menschlich – aber alles hat sich verändert. Neue Kulturen entstehen, sowohl auf als auch unter der Erde. Nicht alles wurde zerstört und “Artefakte” aus der alten Welt sind wertvolle Handelsware. In dieser Welt leben “Zwei” und “Bleich” – auch ihre Namen sind Teil der neuen Kultur, in der sie leben.

Die Geschichte wird aus der Sicht von “Zwei” geschrieben, für die die Welt “oben” völlig neu ist. Gemeinsam mit ihr entdeckt der Leser, was aus der Erde geworden ist und bekommt durch “Zwei”s Augen einen völlig neuen Blickwinkel auf altbekannte Gegenstände.

Das Verhalten der Menschen (egal ob “oben” oder “unten”) ist anders als unseres, aber durchaus nachvollziehbar – es ist vorstellbar.

Das Buch ist gut recherchiert und wirklich durchdacht, die Figuren wirken fast real und die Geschichte ist einfach spannend. Auch wenn die Geschichte ein klares Ende hat, war ich froh, als ich festgestellt habe, dass die Autorin bereits an einem Nachfolgeband schreibt: “Outpost”.

Reinlesen könnt ihr hier.

Published in: on Juli 2, 2011 at 4:20 nachmittags  Kommentare (1)  
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