Der Nebelkönig von Susanne Gerdom

dernebelkoenig Susanne Gerdom
Der Nebelkönig
Verlag: Ueberreuter
334 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 380005566X
ISBN-13: 978-3800055661
14,95 €

Ein alter Spiegel, durch den man den Blick auf ein dunkles, von Nebel verborgenes Herrenhaus und zwei glühenden Katzenaugen erhaschen kann, ist es, der das Cover des Buches ziert. Damit sind drei wichtige Faktoren der Geschichte im Cover enthalten – ohne, dass dem Leser wirklich viel verraten wird. Ein passendes Cover, wenn es auch ein wenig düsterer wirkt, als das Buch tatsächlich ist.

Die vierzehnjährige Sallies ist ein einfaches Küchenmädchen, das in ihrer Arbeit völlig aufgeht und damit rundum zufrieden ist. Ein Zufall bringt sie als Serviermädchen an die Tafel des Hausherrn und rückt sie damit ins allgemeine Interesse – oder war sie das vorher schon? Jedermann warnt sie vor Verrat, dabei weiß sie nicht einmal, weshalb man sie verraten könnte. Einzig die Bücher können ihr weiterhelfen, aber kann man dem geschriebenen Wort mehr trauen als dem gesprochenen?

Die Hauptperson Sallie ist ein einfaches Küchenmädchen, ein recht naives Ding, das denkt, dass die Welt einzig und allein aus dem Herrenhaus, in dem sie arbeitet, und dem angrenzenden Garten besteht. Ein sonderliches Mädchen, das mit Katzen redet und sich immer wieder in die Bibliothek stiehlt, um Geschichten von der Katzenkönigin und dem Nebelkönig zu lesen. Mit einer dieser Geschichten beginnt Susanne Gerdoms “Der Nebelkönig”, und im weiteren Verlauf kommen weitere hinzu: Aus Büchern, aber auch durch Erzählungen weiterer Figuren. Und mit jeder Geschichte kann der Leser ein weiteren Teil ins Gesamtbild einfügen (oder umsortieren). Es ist ein Rätsel, das man zusammen mit Sallie lösen muss – ehe es zu spät ist.

Ein Rätsel, das einen durch die hintersten Winkel des düsteren Herrenhauses führt. Durch magische Gänge, dunkle Keller und zu den merkwürdigsten Gestalten. Gestalten, die vermutlich nicht einmal selbst wirklich wissen, ob Sallie ihnen trauen kann, denn die Erinnerungen der Bewohner verbergen sich hinter einem Schleier aus Nebel.

Dass die Geschichte des Nebelkönigs irgendwie mit Sallies Schicksal verbunden ist, wird schnell klar. Was das Wie und das Warum angeht, hat man als Leser auch zügig einige Vermutungen, die sich zumeist im Verlauf der Geschichte bestätigen. Man erkundet an Sallies Seite nicht nur die hintersten und düstersten Winkel des Herrenhauses, sondern ist auch stets bemüht, das Gesamtbild nicht aus den Augen zu verlieren, jede Figur darin ein- und umzusortieren, um dann herauszufinden, welches Schicksal Sallie erwartet.

Die Aufklärung erwartet den Leser am Ende des Buches. Ein Ende, das den Grundstein für einen Neuanfang legt – und der Bogen zu der Geschichte am Anfang des Buches schlägt. Ein schönes Ende (fast ein wenig kitschig), das mit der letzten Seite noch ins Humorvolle übergeht, sodass man das Buch seufzend, aber auch mit einem Lächeln auf den Lippen abschließen kann.

Nicht ganz so düster wie erwartet und für regelmäßige Leser von Susanne Gerdoms Romane vielleicht auch ein wenig vorhersehbar bietet “Der Nebelkönig” eine spannende Schnitzeljagd an der Seite einer sympathischen Heldin, durch einen diesmal recht kleinen und doch überraschend weitläufigen Schauplatz (ein einzelnes Herrenhaus eben). Eine Geschichte, die sicher nicht nur jüngere Leser zu fesseln vermag.

Die erste Geschichte über den Nebelkönigs (den Prolog des Buches) findet ihr hier hier.

Veröffentlicht in: on April 13, 2013 at 12:30 nachmittags  Kommentare deaktiviert  
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Das Haus am Abgrund von Susanne Gerdom

8666_C_Haus_Abgrund.indd Susanne Gerdom
Das Haus am Abgrund
Verlag: bloomoon
400 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3760786669
ISBN-13: 978-3760786667
14,99 €

Das Cover des Buches ist ziemlich dunkel gehalten. Es zeigt ein dunkles Haus mit von bläulichem Licht erhellten Fenstern auf einer nachtschwarzen Klippe. Im unteren linken Teil des Covers befindet sich ein bläulich durchscheinender Schmetterling, vor der Klippe fliegt eine Motte mit grüngelb schimmernden Flügeln. Ein leicht gruselig wirkendes Cover, aber auch eines, das neugierig macht: Auf das, was in dem Haus und in den Klippen verborgen ist.

Der sechszehnjährige Adrian hat es nicht leicht mit seinem Leben: In seinem Kopf sitzt ein Tumor und an seiner Seite befindet sich eine Sammlung von Menschen, die nur er sehen kann – eine Auswirkung seines Tumors, so vermuten zumindest die Ärzte. Ob das Mädchen November auch nur eine dieser “Fantasiegestalten” ist?

Wenn man vom dunklen Prolog aus Sicht des geheimnisvollen “Bräutigams” absieht, erzählt Susanne Gerdom die Geschichte aus der Sicht von zwei Personen, November und Adrian. Der Fokus liegt dabei auf Adrian, einem wirklich sympathischen Jungen mit einigem Schreibtalent. Kein Wunder, schließlich sind die Bücher seines Vaters berühmt – zumindest die, die er unter dem Pseudonym Erica Mooreland veröffentlicht. Als Leser macht man sich schnell ein Bild von Adrian, der Einblick in seine Gedankenwelt lässt einen als Leser aber wirklich verwirrt zurück. Seine Schilderungen der Gestalten, die einzig und allein von ihm wahr genommen werden, lassen diese völlig lebendig erscheinen. Adrians Reaktionen auf sie lassen Adrian dann wirklich krank erscheinen (ich hätte ihm spontan Schizophrenie diagnostiziert). Als Leser steckt man damit in der gleichen Zwickmühle wie Adrian und kann selber nur schwer einordnen, was denn nun wirklich “real” ist. Auch November kann man nicht gerade als durchsichtig beschreiben. Sie ist abweisend und geheimnisvoll – und was einen als Leser wirklich irritiert sind die Tagebuchfragmente aus Novembers Tagebuch, die nur annähernd mit dem übereinstimmen, was tatsächlich passiert. Auch die Widersprüche bei den verschiedenen Begegnungen zwischen Adrian und November geben einem zu denken – und lassen den Leser immer wieder an Adrians (vielleicht sogar dem eigenen) Verstand zweifeln. Ein Zustand, den man eher von einem Thriller oder Drama als von einem Fantasyroman erwarten würden.

Ebenso wenig greifbar wie die Figuren ist die dunkle Aura, die das Haus auf den Klippen umgibt. Düstere Legenden ranken sich um das Haus, viele Gerüchte kursieren um das Haus und die Familie Vandenbourgh, der es gehört. Greifbare Informationen gibt es nur wenige. Die einzig wirkliche Quelle ist ein verbitterter und ziemlich heruntergekommener Journalist, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Geschichte des Hauses zu dokumentieren. Eine Aufgabe, die ihm eine Unmenge an Papier (dessen Zusammenhänge sich wohl nur ihm selbst erschließen), einen schlechten Ruf und jede Menge Ärger eingebracht hat. Aber gerade diese wenigen Informationsschnipsel lassen auch dem Leser einen kalten Hauch über den Rücken streifen, wenn das Haus ins Gespräch kommt – erst recht, wenn ein Besuch des Hauses (bzw. der Ruine) angedacht ist. Auch hier ist es schwer, die Realität im Auge zu behalten, zwischen ihr und dem Aberglaube der Dörfler zu unterscheiden.

Susanne Gerdom versteht es wirklich gut, den Leser zu verwirren. Eine ganze Geschichte aus Sicht eines Verwirrten zu erzählen kann man durchaus als Glanzleistung bezeichnen – auch wenn ich mir sicher bin, dass dies etwas ist, was nicht jedem gefallen wird. Ich persönlich bin mir auch jetzt noch nicht sicher, ob mir die Geschichte gefällt. Sie ist spannend – dadurch, dass man als Leser bis kurz vor Schluss nicht weiß, woran man ist – mysteriös, düster und nicht im Geringsten vorhersehbar. Allerdings ist es eher eine Kost für Liebhaber von Mystery, für Leser, die nichts gegen einen leichten Hauch von Grusel einzuwenden haben und es lieben, über geheimnisvolle Geschehnisse nachzugrübeln. Klassische Fantasy ist “Das Haus am Abgrund” definitiv nicht, interessant ist es allemal.

Die ersten Seiten findet ihr hier.

Veröffentlicht in: on März 22, 2013 at 12:30 nachmittags  Kommentare (2)  
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Welten ohne Engel – Geschichten aus dem Schattenreich von Carola Kickers (Hörbuch)

Carola Kickers
Welten ohne Engel – Geschichten aus dem Schattenreich
MCK
Hörbuch, 1 CD
ISBN-10: 3938625457
ISBN-13: 978-3938625453
EUR 12,90

Die Hülle des Hörbuchs ist auf jeden Fall ausgefallen, anstelle der Trackliste blickt dem Betrachter auf der Rückseite die CD entgegen. Die Trackliste kann man erst beim Öffnen der Hülle entdecken. Das Cover des Hörbuchs zeigt eine schiefe Holzbank bei Nebel und Mondschein. Es wirkt geheimnisvoll und vielleicht auch ein kleines bisschen schaurig.

Die auf dem Hörbuch vertonten Kurzgeschichten würde ich bis auf eine Ausnahme der Dark Romance oder dem Gothikbereich zuordnen. Es sind Geschichten über Vampire, Geister und den Tod: In “Maskerade” haben zwei Werbemanagerinnen Kontakt mit einem uralten Fluch, in “Sterbende Rosen” hat eine Schriftstellerin eine ungewöhnliche Begegnung in dem von ihr gemieteten Cottage, “Desiderata – wenn Engel fallen” erzählt von der Versuchung, der die angehende Nonne Desiderata anheim fällt und “Weg der Verdammten” von einer unheimlichen Beobachtung, die ein junges Pärchen während ihres Urlaubes in Polen macht. Einzig “Der letzte seiner Art” fällt etwas aus dem Raster und besitzt einen etwas düsteren Humor.

Insgesamt sind die Geschichten jedoch eher tragisch, für manche Hauptpersonen tödlich und oft von den Opfern ziemlich romantisch verklärt. Einige Formulierungen stören allerdings hin und wieder die Stimmung, wie zum Beispiel die Beschreibung von Mitdreißigern als “junge Frauen” oder der Begriff “Teenager” in sonst eher altertümlich wirkenden Beschreibungen. In den meisten Fällen schaffen es die Sprecher jedoch, eine Atmosphäre zu erzeugen, die einem als Hörer einen kleinen Schauer über den Rücken rieseln lassen. Die leichten Effekte wie das Miauen einer Katze, Schnauben von Pferden oder Ballmusik in einem alten Haus untermalen die Geschichten gelungen. Eine kleine Pause am Ende jeder Geschichte hätte diese Stimmung allerdings noch etwas länger anhalten lassen können – durch den abrupten Übergang brauchte man als Hörer immer wieder ein wenig Zeit, um sich auf die neue Geschichte einzustellen.

Insgesamt ist “Welten ohne Engel” (und Engel kommen tatsächlich nicht vor ;-) ) eine Geschichtensammlung, die es schafft, eine schaurige Atmospähre komplett ohne “richtige” Schocker aufrecht zu erhalten. Eine Sammlung für Hörer, die auf leichte und stimmungsvolle, aber düstere Gruselkost stehen: Auf ein Happy End zu hoffen braucht man nicht – sonst wären es ja auch eher Schauermärchen als -geschichten.

Reinschnuppern könnt ihr hier.

Veröffentlicht in: on November 25, 2012 at 10:22 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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Sträflingskarneval von Anette Eickert

Anette Eicker
Sträflingskarneval
Verlag: AAVAA
311 Seiten
ISBN-10: 3845902442
ISBN-13: 978-3845902449
11,95 €

Der Titel des Buchs “Sträflingskarneval” ist etwas irreführend – zumindest für geschichtlich nicht allzu bewandte Menschen (so wie mich ;-) ). So habe ich mit dem Titel spontan einen Krimi assoziiert – und das ist “Sträflingskarneval” definitiv nicht.

Der Autorin nach versteht man unter “Sträflingskarneval” die öffentliche Folterung eines Gefangenen, um aus ihm ein Geständnis herauszupressen – sei er nun schuldig oder nicht (aus einem Interview auf Solitarys Rezensionsprotokoll). Und da in dem Buch Ähnliches passiert, ist der Titel wiederum sehr passend (wenn man es denn weiß).

Das Cover des Buches ist ziemlich interessant: Dunkle Wolken am Himmel, zwei aneinander gekettete Hände, eine schroffe Klipppe und ein junger Mann, den Kopf nachdenklich auf die Hand gestützt. Ein Cover, das abgesehen von der die Hände umgebenden, lilafarbenen Lichtspiegelung fast komplett nur in Grautönen gehalten ist. Auf mich wirkt es irgendwie mystisch und geheimnisvoll – und hat mich weit mehr angesprochen als der Titel.

Die alten keltischen Druidenorden haben überlebt, bis ins 21. Jahrhundert hinein agieren sie im geheimen – und bewahren alte Geheimnisse.

Aber nicht jedes Mitglied ist dem Orden treu ergeben. Verrat muss bestraft werden – aber wie hart? Und geben außergewöhnliche Situationen dem Großmeister des Ordens das Recht, mittelalterliche Regeln und Zustände wieder ins Leben zu rufen?

Der junge Druide Ryan Tavish ist sich da nicht so sicher…

Das Buch startet mit einer Gerichtsverhandlung. Der junge Aidan MacGrath soll für seinen Verrat gegenüber den Orden, den Druida Lova, verurteilt werden. Eine Verhandlung, die nicht mehr als eine Farce ist – das Urteil stand schon im Vorhinein fest.

Obwohl der junge Ryan Tavish fest davon überzeugt ist, dass Aidan für seinen Verrat bestraft werden muss – auch sein Großvater, der Großmeister des Ordens, kam durch den Verrat ums Leben – ist er erschreckt von der Vorgehensweise des Rates. Als er später die Folgen des Urteils mit eigenen Augen sieht, wird aus seinem anfänglichen Entsetzen über die Behandlung seines ehemaligen Schul”kameraden” schnell mehr.

Im weiteren Verlauf des Romans werden Schritt für Schritt weitere Geheimnisse ans Licht gebracht, während sich die Grausamkeiten auf Kosten der Verurteilten anhäufen. – Grausamkeiten, von denen man sich nur schwer vorstellen kann, dass sie heute so innerhalb von Europa noch vorkommen könnten. Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob das so wirklich passieren könnte – egal wie abgeschieden der Orden lebt (ich hoffe auf jeden Fall, dass nicht).

Trotzdem kam mir die Geschichte beim Lesen nicht im Geringsten unwirklich vor, es hat irgendwie alles zusammen gepasst – auch wenn ich mir die Ereignisse so in der Nachbarschaft nicht vorstellen könnte (aber ich wohne ja auch nicht auf den britischen Inseln ;-) ).

Die Hauptpersonen waren mir durchweg sympathisch – auch wenn ich Ryans Beweggründe nicht immer nachvollziehen konnte. Ryans Freundin Kim ist vielleicht ein bisschen zu gut für die Welt – aber das macht sie nicht minder sympathisch, im Gegenteil.

Die in die Geschichte eingebettete Liebesgeschichte (nein, es sind nicht Ryan und Kim, die ein Paar werden) hat mir gut gefallen. Sie hat die Geschichte wunderschön ergänzt, ohne dabei zu viel Raum einzunehmen. Sie gehörte einfach dazu – und ist vielleicht auch ein weiterer Antrieb für die Hauptpersonen.

Letztendlich geht es in der Geschichte um das Bewahren von Geheimnissen, das Einstehen für Freunde und um Beweggründe, die noch weit tiefer gehen.

“Sträflingskarneval” ist eine wirklich gelungene Mischung aus Mystik, Spannung, Freundschaft und Intrigen. Es ist dabei nicht übermäßig temporeich, sondern gleicht eher einem geheimnisvollem Puzzle. Stück für Stück enthüllt sich dem Leser das Gesamtbild, um sich dann zum Ende hin dem Leser völlig zu enthüllen.

Mit dem Puzzle beginnen könnt ihr hier.

Veröffentlicht in: on April 28, 2012 at 8:00 vormittags  Kommentare (4)  
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Dark Angels Summer – Das Versprechen von Kristy und Tabita Lee Spencer

Auf “Dark Angels Summer” wurde ich durch die zum Buch gehörige Blogtour aufmerksam gemacht. Die Einstufung als Fantasy-Roman und der doch eher nicht in diese Kategorie passende Klappentext haben mich neugierig gemacht.

Kristy und Tabita Lee Spencer
Dark Angels Summer – Das Versprechen
Verlag: Arena
475 Seiten
ISBN-10: 3401067842
ISBN-13: 978-3401067841
18,99 €

Das Cover des Buches ist in hellen, gelben und beigen Tönen gehalten. Es zeigt einige Blumen und vom Himmel fallende schwarze Federn. Die beiden Mädchen in der unteren linken Ecke des Covers passen so gar nicht ins Bild (oder heben sich einfach deutlich ab). Das Cover passt zum Buch, der deutliche Stilbruch (oder -wechsel) zwischen der Darstellung der Mädchen und dem restlichen Cover gefällt mir persönlich allerdings nicht so gut.

Nachdem die Schwestern Indie und Dawna ihre Granny seit Jahren nicht gesehen haben und auch nicht zu ihrer Beerdigung durften, kommt ihrer Mutter plötzlich auf die Idee, in das von ihr geerbte Gut in Whistling Wing zu ziehen. Ein weiterer Umzug von vielen, der Grund dafür ist den Schwestern mal wieder nicht ersichtlich. Das ändert sich kurz nach dem Einzug: Die Ursachen liegen bei Shantani, dem neuste Spleen (und Lover) ihrer Mutter. Er ist ein Medium, das ihrer Mutter und weiteren Seminarteilnehmern, die sie auf das Gut ihrer Großmutter eingeladen hat, helfen will, Kontakt zu ihren Schutzengeln herzustellen.

Die Verrücktheiten ihrer Mutter sind Dawna und Indie gewohnt, nicht jedoch die Merkwürdigkeiten, die sie in Whistling Wing erwarten: Das merkwürdige Gefühl, ihre Großmutter zu spüren, der unheimliche Schwarm großer schwarzer Vögel, der seit kurzem die Gegend unsicher macht, und das starke Gefühl, dass Shantani nicht Gutes im Schilde führt.

Kristy und Tabita Lee Spencer erzählen die Geschichte abwechselnd aus Indies und Dawnas Sicht. Zwei Schwestern, die im Alter weniger als ein Jahr auseinander liegen und sich sehr nah stehen. Egal wer von beiden berichtet, die Gedanken der anderen Schwester werden erahnt und sie sind nie weit voneinander entfernt, auch wenn die beiden selbst völlig verschieden sind.

Die Mutter der Schwestern ist einfach nur weltfremd. Sie scheint nicht das Gefühl zu haben, sich um ihre Kinder kümmern zu müssen und wenn sie an die beiden denkt, hat es meistens nichts mit ihren Töchtern zu tun. Mütterliche Fürsorge scheint ihr völlig fremd zu sein.

Die anderen Personen in dem Buch sind schwer einzuschätzen. Als Leser ist man sich nie sicher, wem Indie und Dawna vertrauen können. Aber auch die Geschehnisse in Whistling Wing erschließen sich sowohl Dawna und Indie als auch dem Leser nur sehr langsam. Das einzige, was man wirklich weiß ist, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht.

Das Buch hat einige fantastische Elemente, so können sich die beiden Schwestern zum Beispiel verständigen, ohne zu reden – Telepathie. Die spürbare Nähe zu der toten Großmutter kann ebenfalls als fantastisch bezeichnen. Diese Elemente passen aber genau so gut in jeden Mysterythriller oder Horrorroman. Und genau hier würde ich “Dark Angels Summer” viel eher einordnen als in den fantastischen Bereich – auch wenn sich der Gruseleffekt in Maßen hält (und ich bin da wirklich empfindlich). Ich würde das Buch Lesern von Carlos Ruiz Zafón und seinen Romanen “Der Fürst des Nebels” und “Der dunkle Wächter” empfehlen – eben Lesern, die auf leicht unheimliche, den Leser lange im Dunklen haltende Geschichten stehen. Mein Fall war das Buch eher nicht.

Hier könnt ihr euch selber einen ersten Eindruck verschaffen.

Veröffentlicht in: on Februar 18, 2012 at 10:33 vormittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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