Der Piratensittich

Das Seefahrer-Gewinnspiel bei Christoph Hardebusch ist beendet, gewonnen habe ich leider nichts :-(. Dafür stelle ich euch jetzt das Märchen vor, das ich eigens für das Gewinnspiel kreiert habe:

Der Piratensittich

Es ist Winter. Draußen klirrende Kälte, die eine Schar lachende Kinder ins Haus trägt. Am warmen Kaminofen verpufft die Kälte zu eine leichten Hauch. Vor dem Kamin sitzt der Großvater der Kinder in seinen alten Ohrensessel. Seit die Kinder denken können sitzt er im Winter dort vor dem Kamin.

„Großvater erzählst du uns eine Geschichte?“ fragt das Älteste vorlaut. „Mit Piraten“, ergänzt der Zweitälteste und beginnt mit einem imaginären Gegner ein Fechtduell, „Und mit Tieren“ flüstert ihm seine Enkelin, die es sich gerade auf seinem Schoß bequem macht ins Ohr.
„Eine Geschichte wollt ihr?“ brummelt der Alte, ein Lächeln breitet sich über sein Gesicht aus, als sein Blick über seine Enkelkinder schweift, „Dann sollt ihr auch eine bekommen. Erinnert ihr
euch an meinen alten Wellensittich Fuzzi?“ Die Kinder nicken. „Nun, er entstammt einem stolzen Geschlecht von Piratensittichen.“ Verwirrt blicken ihn die Kinder an. „Ja, Piratensittiche sind selten, es wundert mich nicht, dass ihr noch von keinem gehört habt. Ich werde euch in die Anfänge ihrer Geschichte führen:

Vor langer Zeit lebte auf einer großen Insel im südlichen Meer eine riesige Kolonie bunter Vögel. Aufgrund der bunten Wellen die man erblickte wenn sich der Schwarm in die Lüfte erhob nannte man
sie Wellensittiche. Den lieben langen Tag befassten sich diese Sittiche mit Fressen, Fliegen und Turteln. Und dabei waren sie glücklich. Alle, fragt ihr euch? Nein, nicht alle. Einer dieser Sittiche war mit dem täglichen Fressen, Fliegen und Turteln nicht zufrieden. Sollte das der Sinn des Lebens sein?

Eines Abends entdeckt er beim Abendlichen Grübeln auf seiner Lieblingspalme einen riesigen weißen Fleck am Horizont. Eine Wolke? So nah über dem Meer? Der Fleck hielt auf seine Insel zu und
als er am nächsten Morgen – über das Beobachten waren ihm irgendwann doch die Augen zugefallen – den Fleck am Horizont suchte, entdeckte er eine riesige weiße Fläche die auf den Strand zuhielt. Es dauerte noch eine ganze Weile bis es den Strand erreicht hatte und dann sprangen einige Wesen von Bord, wohl auf der Suche nach Wasser und Nahrung. Neugierig flog unser Sittich näher und landete auf einer großen schwarzen Fläche, die den Kopf eines der Wesen bedeckte. Neugierig beäugten sich die beiden. Da Menschen – nichts anderes waren die Wesen, die unser Sittich entdeckt hatte – und Tiere damals noch die gleiche Sprache sprachen, konnte der Sittich all‘ seine Fragen loswerden. Was war die große weiße Fläche? Wie waren die Menschen damit übers große Meer gekommen? Was machten sie dort? Großzügig beantwortete der Kapitän – wer sonst würde wohl solch einen großen Hut tragen – die Fragen des Wellensittichs. Er und seine Männer waren Freibeuter – Piraten würde manch einer sie wohl nennen – auf der Suche nach Glück, Gold und dem Sinn des Lebens. Wie groß wurden da die Augen des Wellensittichs. Diese Wesen waren genau wie er nicht mit Fressen und Fliegen zufrieden. Sie wollten wie er den Sinn des Lebens entdecken. Und er war sich sicher: Er wollte mit ihnen auf die Suche gehen. Und weil dem Kapitän der Sittich und dem Sittich der Kapitän gefiel nahm der Kapitän unseren Sittich mit auf die Reise.

Heutzutage ist es nicht unüblich, dass Piraten einen Papagei bei sich tragen. Aber unser Wellensittich war der erste Piratenvogel – ein Piratensittich – die anderen, das waren nur Nachahmer. Sicher, die Piraten werden mit ihren Vögel zufrieden gewesen sein, aber der erste Piratensittich, das war ein Vorfahre unseres Fuzzi.“

Mit diesen Worten beendet der Großvater seine Geschichte und blickt seine Enkelkinder an. Sie würden ihre Wellensittiche ab jetzt sicher mit anderen Augen sehen…

Advertisements
Published in: on Oktober 19, 2010 at 11:04 am  Comments (1)  
Tags: ,

The URI to TrackBack this entry is: https://bibliofantastica.wordpress.com/2010/10/19/der-piratensittich/trackback/

RSS feed for comments on this post.

One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. was eine süße Geschichte und du hast damit nicht gewonnen *staun* naja aber schon, dass du sie uns hast lesen lassen 🙂


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: