Drachen fliegen – ein fast realistisches Märchen von Matthias Czarnetzki

Nachdem mich die Leseprobe zu dem Buch auf Matthias Czarnetzkis Homepage doch ziemlich neugierig gemacht hat, habe ich ihn nach einem Rezensionsexemplar gefragt – und das Buch prompt als PDF zugestellt bekommen – noch mal vielen Dank dafür :-).

Matthias Czarnetzki
Drachen fliegen – ein fast realistisches Märchen
Verlag: lulu.com
108 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 1446157377
ISBN-13: 978-1446157374
8,90 €

Das Cover des Buches ist ziemlich einfach gehalten. Wenn es nur nach dem Cover gehen würde hätte ich das Buch nicht in die Hand genommen, obwohl ich zugeben muss, dass der Drache ziemlich witzig aussieht, ich dem Cover also wahrscheinlich zumindest einen zweiten Blick gegönnt hätte.

Der letzte Drache seiner Art, eine Prinzessin, die nicht heiraten möchte, und ein Prinz, der sie vor dem „bösen“ Drachen beschützen möchte. Klingt nach einem klassischen Märchen – ist es aber nicht.

Denn der Drache ist nicht böse und die Prinzessin nicht in Not. Sie wird sogar richtig sauer, als sie feststellt, dass der Prinz versucht, ihn zu töten.

Als dann auch noch der König vergiftet wird ist es sowohl für den Prinzen als auch für den Drachen Zeit, ihren Wert zu beweisen …

Das Buch ist weder realistisch noch ein Märchen – oder aber beides. Es fängt da an, wo andere Bücher enden: Mit dem Ende, „für alle die es nicht lassen können und das Ende zuerst lesen“.

Die Hauptpersonen sind klassische Märchenfiguren: Die Prinzessin, Mariam, der Prinz, Ferris, der Drache, Brutus, der König, sein persönlicher Berater K’Nigge und das Kräuterweib, auch Hexe bzw. seit neustem auch Heilpraktikerin gennant und damit in die Gesellschaft der Steuerzahler integriert.

Trotzdem ist es kein normales Märchen. Die Anmerkungen des Autors, die sich als Fußzeilen auf den Seiten finden. Die Einschübe, die die Märchenwelt mit unserer verbinden – auf eine ironische und witzige Art und Weise – machen es zu etwas Besonderen, wenn auch nicht unbedingt realistisch – realistischer allerdings als so manch‘ anderes Märchen mit dem typischen „und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende“.

So findet man in diesem Märchen neben einem sprechendem Vogel auch eine Souvenirbude auf einem weit entfernten Berg – auch wenn dort eigentlich nie Touristen vorbeikommen.

Die Figuren als solche sind von ihrer Bezeichnung her klassisch, aber damit hört es auch auf. Denn warum sollten Drachen und Hexen immer böse, Großwesire (oder Berater) immer intrigant und Prinzessinen hilflos sein? Man sollte diese Vorurteile natürlich nicht einfach über Bord werfen – vielleicht stimmen sie ja doch – aber hinterfragen, zumindest in diesem Buch.

Die Hauptpersonen sind nicht einfach nur märchenhaft. Und neben ihrer Aufgabe als Märchenheld müssen sie auch mit ganz alltäglichen Problem kämpfen, wie zum Beispiel damit, eine sture (Prinzessinen-)Tochter zur Einsicht zu bringen.

Und damit bietet das Buch eine gekonnte Mischung aus Märchen, Realität und einem guten Schuss Humor. Ein Buch, das man lesen kann, wenn man etwas Aufmunterung braucht, Abwechslung sucht oder einfach Lust auf ein paar gute Lacher hat. Es ist definitiv kein klassisches Märchen – eher das Gegenteil, aber das macht es nicht minder gut. Sondern besser.

Published in: on September 16, 2011 at 7:59 pm  Kommentar verfassen  
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