Frostkuss von Jennifer Estep

Gestern sind zwei Rezensionsexemplare von ivi druckfrisch bei mir eingetroffen. Beim ersten kurzen Reinschnuppern bin ich in Frostkuss hängen geblieben – bis zur letzten Seite ;-).

Jennifer Estep
Frostkuss
Verlag: ivi
464 Seiten
ISBN-10: 349270249X
ISBN-13: 978-3492702492
14,99 €

Das Cover des Buches – inklusive des kleinen ivi Labels sowohl auf der Vorderseite als auch auf dem Buchrücken – gefällt mir. Das Cover ist einfach gehalten, aber einprägsam. Auf dem weißen Hintergrund kann man eisblaue Augen, schneeweißes Haar und eine Nase erkennen – der Rest des Gesichtes bleibt verborgen. Über den unteren Teil des Buches ziehen sich rauchig-blaue Schlieren, über denen das blaue ivi-Symbol schwebt.

Nach dem Tod ihrer Mutter wird Gwen Frost (man betrachte den Titel des Buches ;-)) von ihrer Großmutter an die Mythos Akademy – eine Akademie für die Nachfahren mythischer Krieger wie Spartaner, Amazonen oder Walküren – geschickt. Aber Gwen ist nicht wie die anderen Schüler. Sie ist eine Gypsy, keine Kämpferin – ein Mädchen mit der Gabe, durch Berührungen Erinnerungen und Gedanken von Personen zu lesen – sei es durch Körperkontakt oder über einen Gegenstand, den die Person berührt hat.

Nach dem Mord an einer Mitschülerin ist Gwen die einzige, die sich nicht mit den Erklärungen und Vermutungen der Lehrer zufrieden gibt. Sie ermittelt auf eigene Faust.

Auf den ersten Blick klingt „Mythos Akademy“ nach einem weiteren fantastischen Internatsroman, aber „Frostkuss“ ist weit mehr.

Schon mit den ersten Seiten des Buches zieht Gwens Geschichte den Leser in den Bann. Es gibt keinen Prolog, keine Einleitung; die Geschichte beginnt mit einer Konfrontation auf einem Mädchenklo. Gwen bietet einer Walküre ihr Schweigen über einen Diebstahl an – im Austausch für das Diebesgut, dessen Besitzer sie beauftragt hat, es für ihn ausfindig zu machen. Ein guter Tausch für beide: Gwen bringt er 200 Dollar, die Walküre – Daphne – umgeht damit eine unliebsame Enthüllung. Dem Leser bringt diese Szene eine Vorstellung von der Heldin, ihren Mitschülern, der Mythos Akademy und dem flotten Schreibstil der Autorin (hier könnt ihr euch selbst davon überzeugen).

Die Hauptperson der Geschichte, Gwen, ist, abgesehen von ihrer Gabe, ein völlig normales Mädchen. Inmitten von mythisch geprägten Wesen ist sie jedoch ein Außenseiter, nicht mehr als ein Freak. Besonders einprägsam sind ihre Gedanken diesbezüglich im Zusammenhang mit dem Verhalten ihrer Mitschüler. „Sie hatte einen Lieblingsdolch? Ehrlich? Und sie hielt mich für einen Freak.“ Ein Mädchen, das erst langsam begreift, zu was für einer Welt sie gehört – und dass diese real ist – auch, wenn sie ihr so oft wie möglich durch einen heimlichen Besuch bei ihrer Großmutter entflieht. Ein Mädchen, mit dem man sich als Leserin leicht identifizieren kann.

Gwen lernt erst im weiteren Verlauf der Geschichte, auf ihre Instinkte zu vertrauen und ihnen nachzugehen. Dadurch kommt es zu einprägsamen Begegnungen – und ersten Freundschaften.

Auch wenn die Geschichte aus Gwens Sicht erzählt wird kommen die Nebenfiguren nicht im Geringsten zu kurz. Sie sind bis ins kleinste Detail ausgearbeitet: Sei es die auf Rosa stehende, technikverliebte Walküre, der Gwen immer wieder im Weg stehende Spartaner, die fast allwissende Direktorin oder der griesgrämige, Schüler hassende Bibliothekar.

Trotz der detaillierten Beschreibung legt Jennifer Estep einen flotten Erzählstil an den Tag. Als Leser kommt man innerhalb der Geschichte keinen Moment dazu, Atem zu schöpfen, immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken oder zu erleben: Ob es nun das Zimmer einer Mitschülerin – heimlich oder in deren Anwesenheit – die Verfolgung von verdächtigen Mitschülern oder sogar der Kampf mit mythischen Wesen ist.

Die Geschichte selbst ist schwer einzuordnen, auch wenn vordergründig ein Mordfall aufzudecken ist würde ich sie eher als fantastische Internatsgeschichte ansehen. Was sie in jedem Fall ist, ist spannend und unterhaltsam. Einfach ein klasse Fantasyroman, der es schafft, altbekannte Elemente mit neuen zu vermischen und damit etwas komplett Eigenes zu schaffen. Ein Geschichte, die definitiv mehr als nur einen Blick wert ist.

Published in: on März 14, 2012 at 6:00 am  Comments (1)  
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  1. […] heutem früh die Rezension zu Frostkuss online gegangen ist, gibt es hier noch ein kleines […]


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