Ascheträume von Maurizio Temporin

Auch mein zweites Ivi-Buch ist mittlerweile gelesen, die Rezension fiel mir allerdings schwerer – aber jetzt ist sie da :-).

Maurizio Temporin
Ascheträume
Verlag: Ivi
464 Seiten
ISBN-10: 3492702449
ISBN-13: 978-3492702447
14,99 €

Das Cover des Buches ist ziemlich interessant: Ein dunkles Cover, vor dem sich der Oberkörper einer Frau abhebt. Bedeckt wird dieser von einer lilafarbenen Blüte, einer Schwertlilienblüte vermutlich, die auf den ersten Blick aber durchaus auch als Kleid durchgehen könnte. Ein Cover, das definitiv einen zweiten Blick wert ist.

Thara leidet seit ihrer Kindheit unter einer merkwürdigen Krankheit, die von den sie behandelnden Ärzten weder erklärt noch behandelt werden kann: Narkolepsie – Eine ständige Müdigkeit, die sie zu den unmöglichsten Zeiten – sei es während eines Date oder bei einer Matheklausur – einschlafen lässt.

Aber das ist nicht das einzige, was sie von ihrem Wunsch, ein normales Leben führen zu können, abhält. Auch ihre Augen sind mehr als einprägsam – sie sind violett. Als sie dann von dem Duft der Schwertlilie – die sie aufgrund der Farbe, die der ihrer Augen gleicht, näher betrachtet – in eine Welt aus Asche getragen wird, ist es mit dem „normalen“ Leben völlig vorbei: Denn dort erwartet sie nicht nur ein faszinierender Junge, sondern auch ein gefährliches Wesen, das nichts mehr möchte, als zurück in Tharas Welt zu gelangen.

Schon mit dem ersten Kapitel wird der Leser mitten in Tharas Welt katapultiert. Ihre Probleme werden dem Leser sehr schnell ziemlich deutlich gemacht: Was könnte man sich als Frau auch schlimmeres vorstellen als während eines ersten Dates einzuschlafen? Dass die Person, mit der sie ausgegangen ist, ein absolutes Arsch ist, ist da wohl nur ein kleiner Trost.

Auch Tharas Freundin, Christine, wird hier eingeführt. Eine junge Frau, die nach außen hin ziemlich schroff und abweisend wirkt – ihre Kommentare tun ein übriges, diesen Eindruck zu verstärken (und den Leser zu amüsieren ;-)) – Thara aber schon mehr als einmal aus der Klemme geholfen hat. Im starken Gegensatz dazu steht ihr Verhalten, als Thara, nachdem sie den Duft der Schwertlilie eingeatmet hat, ohnmächtig wird: Christine lässt Thara einfach dort (in einem fremden Garten) liegen – und überlässt sie der Willkür des Hausherren. Ein Verhalten, das meiner Meinung nach nicht wirklich zu ihr – und dem Rest des Buches – passt.

Die Figuren im weiteren Umfeld, so wie Tharas Date oder seine eifersüchtige Freundin, bedienen größtenteils Klischees – und sind recht oberflächlich beschrieben. Die Figuren, um die sich die Geschichte dreht, diejenigen, die in die Geschehnisse um die Aschewelt verwickelt sind, sind da deutlich detaillierter beschrieben.

Die Aschewelt und Tharas Ausflüge sind überaus faszinierend. Es ist spannend, diese mit Thara zu erkunden – und die Eigenarten der fremden Welt kennen zu lernen. Auch die Bewohner sind ziemlich interessant, allen voran Nate, der Junge mit den regenbogenfarbenen Augen und der geheimnisvolle, düstere – und wirklich schwer einzuschätzende – Ludkar, der mit Hilfe von Thara einen Weg hinaus in Tharas Welt finden möchte.

Für mich sind die Geschehnisse in der realen Welt nach Tharas ersten Besuch in die Aschewelt in den Hintergrund gerückt. Tharas Begegnungen mit Charles – dem zuvor erwähnten Hausbesitzer, mit dem Thara sich schnell anfreundet – waren ganz nett – aber nichts im Vergleich zu ihren Begegnungen mit Nate und ihrem gemeinsamen Versuch, die Geheimnisse der Aschewelt zu lüften.

Insgesamt bietet „Ascheträume“ eine ziemlich interessante Mischung. Das Buch ist melancholisch, manchmal lustig und wird mit Tharas Eintritt in die Aschewelt auch leicht skurril – vielleicht sogar ein bisschen gruselig. Die Beschreibung der realen Welt – und der darin befindlichen Figuren, wenn man mal von Tharas Hauptkontakten absieht, ist etwas blass; die Beschreibung der Aschewelt gleicht das aber ziemlich gut wieder aus.

Die neuen Ideen, kombiniert mit ein paar Klassikern, hebt die Geschichte von anderen Fantasyromanen ab, bietet aber durchaus auch noch etwas Potential, gerade was die Beschreibung der Nebencharaktere – und -schauplätze angeht.

Das Ende der Geschichte ist überraschend – und größtenteils „happy“. Einzig allein der letzte Satz – der das „Happy End“ wieder in Frage zu stellen beginnt – dämpft das wieder ab. Dass es sich bei „Ascheträume“ um den ersten Band eine Trilogie handelt ist bekannt, aber kann man den Helden nicht trotzdem erst mal eine Pause (und dem Leser ein uneingeschränktes Ende) gönnen?

Nach dem Ende des Buches findet man dann noch den Anfang des Folgebandes „Totenträume“ – gelesen habe ich es sicherheitshalber nicht, wer weiß, mit welchem Cliffhanger es aufhört … ;-).

Hier könnt ihr euch selber ein Bild von der Geschichte machen. Comic-Leser können sich alternativ mit der kostenlosen Graphic Novel einen Überblick über die erste Szenen verschaffen.

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Published in: on März 23, 2012 at 7:38 pm  Schreibe einen Kommentar  
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