Dark Canopy von Jennifer Benkau

Jennifer Benkau
Dark Canopy
Verlag: Script5
524 Seiten
ISBN-10: 3839001447
ISBN-13: 978-3839001448
18,95 €

Ich finde den englischen Titel ungewöhnlich, schließlich handelt es sich bei dem Buch um einen deutschsprachigen Roman einer deutschen Autorin. Im Verlauf der Geschichte stellt man allerdings schnell fest, dass der Titel passt. Im Nachhinein gefällt er mir ziemlich gut.

Auch das Cover des Buches gefällt mir: Es zeigt die Silhouette einer Frau vor der Sonne, die durch schwarzen Nebel langsam verdeckt wird. Ein Cover, das ebenso wie der Titel ziemlich gut zum Inhalt des Buches passt.

Die Welt wird von den Percents beherrscht. Nur wenige Menschen leisten noch Widerstand und leben außerhalb des von den Percents imitierten Systems. Für diese Rebellen ist das Leben hart, aber ihre Freiheit ist ihnen jede Entbehrung wert. Unter den Rebellen lebt auch die 20-jähirge Joy. Als eines ihrer Gruppenmitglieder, Amber, bei dem Versuch eines Tauschhandels von den Percents gefangen genommen wird, plant sie eine Rettungsaktion – auch gegen den Willen ihres Anführers. Doch die Aktion geht schief, mehrere Rebellen werden getötet und auch Joy wird gefangen genommen.

Sie wird dem jungen Percent Neel zugewiesen, der sie zu seiner Soldatin ausbilden soll. Anfangs noch von starker Abneigung geprägt – Neel hält genau so wenig davon, eine Frau zu einer Soldatin auszubilden, wie Joy davon, einem Percent zu dienen – lernen die beiden bald, einander zu verstehen. Denn der Unterschied zwischen Percents und Menschen ist bei Weitem nicht so groß, wie er scheint.

Die Geschichte beginnt mit einer Ereignis, das dreieinhalb Jahre vor der eigentlichen Geschichte spielt: Joys erste Begegnung mit einem Percent – ein Ereignis, das dem Leser einen ersten Blick in Joys Welt – unserer Welt in einer hoffentlich nie existierenden Zukunft – erlaubt. Es gibt einiges was an die Vergangenheit erinnert, wie auch der Ort, in dem sich die Rebellen um Joy verstecken: Ein alte Coca Cola Fabrik. Aber die Percents und ihre Herrschaft machen die Welt zu einer Anderen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Joys und Matthials – ein Junge aus Joys Rebellenclan und ein guter Freund – erzählt. Joy, die Hauptperson der Geschichte, ist nach außen hin ziemlich hart und selbstsicher, als Leser erfährt man allerdings einiges mehr über sie, als ihre Umwelt es tut. Schon mit den ersten Seiten des Buches merkt man, das Joy mindestens genau so unsicher ist wie alle anderen auch – sie kann es nur deutlich besser verbergen.

Matthial ist der Sohn des Anführers ihres Clans. Eine Position, die ihm die offensichtliche Liebe seines Vaters nimmt und viel Verantwortung überträgt – allen scheint klar zu sein, dass er der nächste Anführer wird. Die Position des Anführers wird ihm allerdings viel früher zu Teil als geplant: Durch den von Joy geplanten Rettungsversuch spaltet sich der Clan.

Während Joy im Lager der Percents zur Soldatin ausgebildet wird und einiges an neuen Eindrücken verarbeiten muss, lernt Matthial stark zu werden und Verantwortung zu übernehmen: Er wird Clanführer.

Die Percents, die auf den Leser zu Anfang eher wie Tiere oder gefühlskalte Monster wirken, verlieren im Lauf der Geschichte ihren Schrecken. Denn Neel ist gar nicht so viel anders als Joy. Über die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen Joy und Neel gewinnt man ihn sogar richtig lieb – genau wie Joy, auch wenn sie sich dagegen sträubt (schließlich ist er der Feind).

Aber nicht nur die Hauptpersonen haben ihre Geschichte und ihre Charakterzüge. Von Neel gewinnt man durch sein Verhalten Joy gegenüber schnell einen Eindruck, aber auch Nebencharaktere wie Amber, der Clanfüher der Rebellen – Mars – oder auch ein paar der Percents werden sehr gut beschrieben. Sie sind so vielschichtig, dass man manche Schichten nicht mal erahnt, bis sie zum Vorschein kommen.

Am Rande erwähnte Gegenstände oder Ereignisse, die die Geschichte oder die Figuren einfach realistischer wirken lassen, ihnen noch mehr Tiefe geben, spielen im weiteren Verlauf der Geschichte hin und wieder noch eine wichtige Rolle, man sollte also auch als Leser nichts außer Acht lassen. Denn Jennifer Benkau zeichnet mit „Dark Canopy“ nicht einfach nur eine Dystopie unserer Welt und der Menschen die dort leben könnten. Sie hat eine spannende Geschichte in eben dieser Welt geschrieben. Eine Geschichte, die einen mitreißt, den Atem raubt – und immer wieder überrascht. Eine Geschichte, die man nicht leicht aus der Hand legen kann.

Das einzige Manko ist das wirklich grausame Ende – ein Ende, das sicherlich jeden Romantiker oder auch nur leicht gefühlvollen Menschen schocken wird. Ein Cliffhanger ohnegleichen, der einen mit fast keiner Hoffnung für die Hauptpersonen zurücklässt. Es besteht noch Hoffnung, aber diese Hoffnung ist verschwindend gering. Die Tatsache, dass man die Hoffnung nun auch noch über ein Jahr am Leben erhalten muss, bevor man erfährt, ob sie wirklich begründet ist, macht es nur noch schlimmer.

Trotzdem würde ich den Lesegenuss nicht missen wollen. Ich hoffe, dass ich meine Hoffnung am Leben erhalten kann – und dass der Nachfolgeband ganz schnell erscheint.

Hier. könnt ihr selber einen ersten Blick hineinwerfen, aber Achtung, könnte sein, dass ihr hängen bleibt … ;-).

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Published in: on März 30, 2012 at 6:30 pm  Comments (1)  

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  1. […] Die ersten Seiten von “Dark Destiny” findet ihr hier, ich empfehle aber unbedingt, vorher “Dark Canopy” zu lesen (meine Rezension findet ihr hier). […]


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