Rebellen der Ewigkeit von Gerd Ruebenstrunk

Mit etwas gutem Willen kann man „Rebellen der Ewigkeit“ als Dystopie laufen lassen – aber eigentlich ist es wohl Science Fiction. Da es aber im SUB-Post schon erwähnt wurde – und die Idee doch ziemlich interessant ist – hier die Rezension.

Gerd Ruebenstrunk
Rebellen der Ewigkeit
Verlag: ArsEdition
416 Seiten
ISBN-10: 3760765394
ISBN-13: 978-3760765396
17,99 €

Das Cover des Buches zeigt Unmengen von Zahnrädern – und ist bis auf ein orangefarbenes Auge in einem der Zahnräder komplett in weiß und grau gehalten. In dem Auge kann man innerhalb der Iris zwei rennende Menschen erkennen – vielleicht die Hauptpersonen der Geschichte? Besonders auffällig ist außerdem der Buchschnitt des Buches, er ist komplett in orange gehalten – und damit ziemlich auffällig und definitiv mein Fall :-).

Gemeinsam mit ihrem langjährigen Freund, dem Physiker Ricardo Reming, hat die Mathematikerin Amanda Reisz eine Maschine entwickelt, die es ermöglicht, Lebenszeit von einer Person auf eine andere zu übertragen – doch die Auswirkungen dieser Maschine könnten katastrophal sein. Amanda ist nicht bereit, dieses Risiko einzugehen, kann jedoch während des Disputes mit ihrem Partner um eben diese Auswirkungen nur knapp einem Mordanschlag entgehen.

18 Jahre später ist der Einsatz der Maschine über den Konzern Tempus Fugit kommerzialisiert und der Verkauf von Lebenszeit für die ärmeren Menschen gängige Praxis. So auch für die siebzehnjährige Valerie, die darin ihre einzige Chance sieht, die für ihre Mutter lebensnotwendige Operation zu bezahlen.

Wie es der Zufall so will, stößt Valerie nach Abwicklung des Lebenszeitverkauf mit jemanden zusammen: Karelia Simms – Privatdetektivin im Auftrag von Tempus Fugit. Sie soll eine Bedrohung für den Konzern aufdecken und lokalisieren. Eh‘ Valerie es sich versieht sind sie und der junge Fahrradkurier Willis mitten in eben diesen Ermittlungen verstrickt.

Aber ist der Zeithandel wirklich so sicher, wie Tempus Fugit behauptet? Wer sind die geheimnisvollen Rebellen der Ewigkeit, die den Konzern um jeden Preis stoppen wollen?

Als ich zum ersten Mal von „Rebellen der Ewigkeit“ gehört habe, habe ich sofort an „Momo“ und die grauen Herren gedacht, auch wenn diese die Zeit der Menschen stehlen und nicht kaufen. „Die Rebellen der Ewigkeit“ ist jedoch ganz anders. – Nicht fantastisch, sondern technisch und kriminalistisch.

Gerd Ruebenstrunk beginnt seine Geschichte vor der Gründung von Tempus Fugit. Er erzählt aus Amandas Sicht, wie sie versucht, die Kommerzialisierung ihrer Erfindung zu verzögern, da die Risiken noch nicht überschaubar sind. Ein Versuch, der scheitert und dazu führt, dass Amanda untertauchen muss.

Nach einer Zeitunterbrechung von achtzehn Jahren führt Gerd Ruebenstrunk die Geschichte an einem anderen Ort aus einer anderen Perspektive weiter. Szenerie und Perspektive wechseln aber auch im weiteren Verlauf der Geschichte regelmäßig. So kommen unter anderem die Hauptpersonen, Privatdetektivin Karelia Simms, der junge Will, Valerie und auch der Bösewicht der Geschichte, Ricardo Reming, zu Wort.

Die Figuren der Geschichte sind schwarz-weiß, gut oder böse – Grauzonen gibt es eigentlich keine. Und auch wenn die Helden der Geschichte dadurch ziemlich sympathisch wirken, fehlt es ihnen irgendwie an Tiefe – vielleicht war hier der regelmäßige Perspektivenwechsel etwas zu viel des Guten. Die Art der Figuren macht die Geschichte etwas vorhersehbar, die Szenen, die mich überrascht haben – Karelias spontanes Einlenken bei einer Aktion, die eigentlich völlig gegen ihre Berufsehre verstößt und die Wahrheit über Willis Eltern – haben mich eher negativ überrascht, meines Erachtens wären sie so nicht unbedingt nötig gewesen.

Die im Verlauf des Buches immer wieder eingeführten Schilderung
von Erlebnissen völlig unbekannter Personen, die sich plötzlich in eine für sie völlig unerklärliche Realität wiederfinden, haben mir dahingegen ziemlich gut gefallen: Ein Pilot, dessen Flugzeugträger plötzlich verschwunden ist, ein Sekretär, der sich plötzlich einem ihm völlig unbekannten Präsidenten gegenübersteht, oder eine Frau, deren Hausbäckerei plötzlich verschwunden ist. Diese Schilderungen führen dem Leser die Auswirkungen der Arbeit von Tempus Fugit ziemlich deutlich vor Auge – und erklären nur zu gut den Antrieb der „Rebellen der Ewigkeit“.

Über die Rebellen der Ewigkeit hätte gerne noch weit mehr gelesen. Trotz ihrer titelgebenen Funktion spielen sie eigentlich so gut wie keine Rolle.

Der Vorgang des Zeitübertragens – und auch deren negativen Auswirkungen werden von Gerd Ruebenstrunk physikalisch erklärt – und klang zumindest für mich als Physiklaie nachvollziehbar und logisch; dass dabei nicht wirklich ins Detail gegangen wurde hat dies vermutlich stark unterstützt. – Hier war weniger ganz sicher mehr :-).

Der Verlauf der Geschichte war ziemlich wechselhaft. Der Auftakt spannend wie ein Thriller, danach ging es in zufallsorientierte Ermittlungen – als Nicht-Krimi-Fan für mich nicht wirklich begeisterungsfördernd – und die Entstehung der Beziehung zwischen Valerie und Willis, die ruhig etwas tiefer hätte beschrieben werden können. Anschließend geht es mit ein paar kleineren Überraschungen ins Finale – hier wird es wieder spannend und rasant, es gilt schließlich, das Ende der Welt aufzuhalten.

Das Ende des Buches beendet dann die Ereignisse um Tempus Fugit und Die Rebellen der Ewigkeit. Für die „guten“ Hauptpersonen gibt es ein Happy End – auch wenn das nicht ganz ausfiel wie erwartet.

Damit ist „Rebellen der Ewigkeit“ ein futuristisch anmutener Krimi – was nicht ganz meinem Lesegeschmack entspricht. Die Idee dahinter ist aber ziemlich interessant und auch gut umgesetzt. Einzig die Figuren hätten noch etwas Tiefe vertragen – und für mich persönlich hätte es einfach etwas fantastischer und weniger kriminalistischer sein müssen.

Reinlesen könnt ihr hier.

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Published in: on April 24, 2012 at 6:00 am  Schreibe einen Kommentar  
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