Das zehnte Königreich von Kathryn Wesley

Vor einigen Jahren lief auf RTL ein Mehrteiler unter dem Titel „Das zehnte Königreich“. Der Film war mir persönlich etwas zu bunt und grell, ist mir aber nicht in schlechter Erinnerung geblieben. Als ich das Buch dann bei MeinBuch-DeinBuch entdeckte, habe ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen..

Kathryn Wesley ist das Pseudonym der Fantasyautoren Dean Wesley Smith und Kristin Kathryn Rusch – von Zweitgenannter habe ich vor kurzem „Die Herzleser“ in meiner „Oldies but Goldies„-Rubrik rezensiert.

Kathryn Wesley
Das zehnte Königreich
Verlag: Piper
528 Seiten
ISBN-10: 3492267807
ISBN-13: 978-3492267809
9,95 €

Das Cover des Buches zeigt eine junge Frau, deren Gesicht auf einer spiegelnden Fläche ruht. In dieser kann man neben dem Gesicht der Frau Teile einer Burg erkennen. Sie scheint einen Blick in eine andere Welt zu werfen. Und auch wenn die Heldin des Buches weit mehr als nur einen Blick in eine andere Welt wirft, ein so passendes Cover findet man selten.

Virgina lebt zusammen mit ihrem Vater, Toni, am Rande des New Yorker Central Park. Er arbeitet als Hausmeister, sie als Kellnerin – nicht gerade ein märchenhaftes Leben. Das ändert sich, als Virginia im Park einen Hund umfährt – denn dieser ist weit mehr als nur ein Hund: Es ist der Prinz des vierten Königreichs, Wendell, den seine böse Stiefmutter in einen Hund verwandelt hat, um ihren Plan, die Herrschaft über alle neun Königreiche an sich zu reißen, in die Tat umzusetzen. Wendell gelingt es, in Virginias Welt (dem 10. Königreich) zu fliehen, aber eine Gruppe Trolle und sogar ein menschlicher Wolf sind ihm dicht auf den Fersen.

Auf der Flucht vor den Trollen folgen Virginia und ihr Vater Wendell durch einen magischen Spiegel in sein Reich. Durch einige unglückliche Ereignisse verlieren sie dort jedoch den Spiegel aus den Augen. Wird es ihnen gelingen, Wendell zu helfen – und den Weg zurück nach Hause zu finden?

„Das zehnte Königreich“ spielt in zwei Welten – der unseren, die die Trolle spontan als „zehntes Königreich“ ausrufen und der Märchenwelt, die aus neun Königreichen bestehen. Hier findet sich die eine oder andere Märchenfigur, wie Aschenputtel oder der Jägersmann aus Schneewittchen, aber auch ihre Spuren. So stößt Virginia mit ihrer Begleitung auf einen Wald von Bohnenranken – von denen die meisten allerdings nicht mehr von Riesen bewohnt sind.

Kathryn Wesley führt den Leser im Schnellgang durch ein Märchenland, in dem sich seit den bekannten Märchen einiges verändert hat. Nur eines ist gleich geblieben: Es gilt, einen Bösewicht – hier in Form der bösen Königin – zu besiegen.

Der Blick des Lesers huscht – wie über das Märchenreich selbst – nur kurz über die meisten Orte und Figuren hinweg. Es gibt so viel zu entdecken, aber viel zu wenige Buchseiten. Wirklich detailliert beschrieben werden nur Victoria und Toni, sowie ihre (fast) ständige Begleitung, der menschliche Wolf Wolf. Dieser ist mein persönliches Highlight. Er verliebt sich auf den ersten Blick in Virginia und steht ihr im Märchenland – bewaffnet mit Unmengen von Selbsthilfe-Büchern aus unserer Welt – tapfer zur Seite. Dabei ist er manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich – aber auch als Leser sollte man nie vergessen, dass er eben ein Wolf ist ;-).

Durch Tonis Eigenschaft, das Pech wie ein Magnet anzuziehen, wird es nicht einfacher, den magischen Spiegel zu finden – und Wendell zu seinem Thron zu verhelfen. Wenn man es genau betrachtet, ist der magische Spiegel sogar ihr geringstes Problem. Aber was wäre ein Märchen ohne ein „und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende“? Auch „Das zehnte Königreich“ hat eines. Nur bis dahin gibt es einiges zu schmunzeln und zu entdecken – und sei es nur die romantische Ader eines Wolfes.

Hier könnt ihr einen ersten Blick ins Buch werfen.

Published in: on Mai 30, 2012 at 6:23 pm  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich finde, man merkt bei diesem Buch sehr, dass es ein Buch zum Film ist. Deswegen ist es auch so oberflächlich und – wie du sagst – die Handlung huscht am Auge des Lesers vorbei…

    • Ich fand es trotzdem ganz nett – auch wenn man sicherlich mehr daraus machen könnte.

      Liebe Grüße,
      Melanie


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