Stuart Horten – Acht Münzen und eine magische Werkstatt von Lissa Evans

Lissa Evans
Stuart Horten – Acht Münzen und eine magische Werkstatt
Verlag: Mixtvision
352 Seiten
ISBN-10: 3939435538
ISBN-13: 978-3939435532
13,90 €

Das Cover des Buches ist in schwarz-weiß gehalten. Neben Titel und Autorennamen zeigt es eine Ansammlung von Zahnrädern – die sicherlich irgendeine magische Erfindung antreiben, eine „Three Pence“ – Münze und einen kleinen Jungen, der auf einer Bühne steht. Auf der Rückseite ist ein Portal aufgedruckt, in dessen Bogen man, mit etwa Kombinationsgabe (einige der Buchstaben fehlen), die Bezeichnung der magischen Werkstatt entziffern kann. Auf mich wirkt das Cover ein wenig skurril, macht aber definitiv neugierig – und passt perfekt zur Geschichte.

Der zehnjährige Stuart Horten hat es wirklich nicht leicht. Mit einer recht geringen Größe für sein Alter und einen Namen geschlagen, der den Spitznamen Shorty nahe legt, beschließen seine Eltern nun noch zu Beginn der Sommerferien, von ihrer Heimatstadt nach Beeton zu ziehen. Damit drohen ihm die wohl langweiligsten Sommerferien seines Lebens.

Ein Zustand, der sich schnell ändert, als er bei einer „Exkursion“ mit seinem Vater das Haus seines Großonkels, einen berühmten, aber leider verschollenen Magier, entdeckt. Eine alte Geldschatulle, die sein Vater damals von ihm geschenkt bekam, bringt ihn auf die Spur einer magischen Werkstatt – und etwas Spannung in die erst so langweilig anmutenden Sommerferien.

Lissa Evans erzählt die Geschichte aus der Sicht des zehnjährigen Stuart. Ein Junge, der vor allem unter seiner geringen Größe, aber auch unter der mangelnden Vernunft seiner Eltern leidet. Stuart zufolge sind „seine Eltern außergewöhnlich schlau. Aber schlaue Leute sind nicht immer vernünftig“, dies hat seiner Meinung sowohl zu seinem unmöglichen Namen als auch zu dem Umzug nach Beeton zum „denkbar schlechteste[n] Zeitpunkt“ geführt. Seine leicht ironisch wirkenden Schilderungen (die er vermutlich völlig ernst meint) der Ereignisse haben bei mir zu viel Schmunzeln geführt.

Stuarts Reaktionen – auf den Umzug oder die doch recht aufdringlichen Nachbarsmädchen – sind dabei völlig glaubhaft. Seine Gedanken lassen sich (auch als älterer Leser) nur zu gut nachvollziehen – und mal ehrlich, wer hatte als Kind nicht mal den Gedanken, dass seine Eltern nicht immer vernünftig sind? Und auch dass aus anfänglichen Misstrauen und Streit unter Kindern schnell eine Freundschaft entsteht, ist nicht im Geringsten verwunderlich. Eh‘ man es sich versieht wundert man sich mit Stuart über das Verhalten der Erwachsenen, erleidet mit ihm die diversesten Peinlichkeiten (seine Eltern sind da sogar das kleinste Problem) und versucht zusammen mit April, einer der Nachbarstöchter, an seiner Seite die Lösung des Rätsel um die magische Werkstatt zu finden.

„Stuart Horten“ ist ein Kinderbuch und damit ist die Sprache, abgesehen von den „seltsamen“ Worten wie zum Beispiel „Exkursion“, die Stuarts Eltern ständig benutzen, recht einfach gehalten. Aber auch mit dem einfachen Stil schafft es Lissa Evans, die Figuren perfekt zu skizzieren, auch wenn einige durch Stuarts Darstellung leicht skurril wirken – vielleicht durch die Mischung aus „seltsamen“ Worten und einfacher Darstellung. Auch die Bedrohungen sind von eher einfacherer Art: Eine missglückte Flucht wird vermutlich zu nichts Schlimmerem als Hausarrest und Ärger mit den Eltern führen.

Nichtsdestotrotz ist das Buch auch für ältere Leser wirklich gut geeignet. Neben der humorvollen Erzählweise, die das Buch an sich schon überaus lesenswert macht, erzeugt Lissa Evans auch mit den kleineren Bedrohungen einen starken Spannungsbogen – und schafft es dabei immer wieder, den Leser zu überraschen. So, dass man sich bis zum Ende des Buches hin nicht sicher ist, ob Stuarts Onkel nun einfach nur ein begabtes Technikgenie mit einiges Tricks oder ein echter Zauberer war.

Und auch das Ende ist nicht ganz wie erwartet. Schlüssig und glücklich, aber offen genug, um den Leser mit einem „alten“ Zeitungsartikel erst zum Schmunzeln zu bringen und dann mit starker Neugier auf den Nachfolgeband, der Anfang 2013 erscheinen soll, zurück zu lassen.

Eine Geschichte zum Vorlesen und selber lesen, zum Schmunzeln und Nachdenken – auf jeden Fall aber zum Genießen.

Eine Leseprobe, leider nur in englischer Sprache, aber sonst eigentlich genau wie die deutsche Ausgabe – die Übersetzerin hat ihre Aufgabe echt gut gemacht – findet ihr hier.

Update 10.09.2012
Wie ich soeben vom Mixtvision-Verlag erfahren habe, gibt es jetzt auch eine deutsche Leseprobe – und zwar hier.

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Published in: on September 9, 2012 at 9:20 am  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Sehr schöne Rezi! Sie macht richtig neugierig auf das Buch, ich hab es soeben auf meine Wunschliste gestellt.
    Ich finde das Cover auch sehr gelungen, das Schwarz-Weiß macht sich gut.

    • Ja, die Cover scheinen eine Faible des Mixtvision-Verlags zu sein – bisher haben sie mich damit noch immer überzeugen können. 🙂


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