Im Bann des Fluchträgers von Nina Blazon

„Im Bann des Fluchträgers“ ist der erste Band der Woran-Saga von Nina Blazon. Wer (wie ich) die „Sturmrufer“ schon gelesen hat, kann sich jedoch schon auf ein Zusammentreffen mit alten Bekannten freuen, denn auch, wenn die Bücher völlig unabhängig voneinander sind, spielen sie doch in derselben Welt.

Nina Blazon
Im Bann des Fluchträgers
Verlag: Ueberreuter
441 Seiten
ISBN-10: 3800050617
ISBN-13: 978-3800050611

Das Cover des Buches zeigt eine Festung, in deren Mauern man vom Schrecken gezeichnete Gesichter erkennen kann, die sich von den Grundmauern der Festung nach oben ziehen – vielleicht die Festung des finsteren Badok? Ein düsteres Cover, aber da auch die Geschichte stellenweise recht düster ist, passt es gut zur Geschichte.

Um seinen Bruder Jolon zu retten, der nach der Berührung mit einem merkwürdigen Stein in einen tiefen Schlaf gefallen ist, aus dem ihn niemand erwecken kann, macht sich Ravin auf, Rettung für seinen Bruder zu finden.

Die Zauberer am Hofe der Königin, von denen er sich die Rettung seines Bruders erhoffte, machen ihm wenig Hoffnung: Der Stein, den Jolon berührte, ist ein Fluchträger – und ein Fluch führt unweigerlich zu Tod. Einzig die „Quelle der Skaardja“, eine Heilquelle, die „sogar Tote aus ihrem Reich jenseits der lichten Grenze zurückrufen könne“, könnte Jolon noch retten. Und so macht sich Ravin in Begleitung des Zauberschülers Darian, auf den Rücken zweier Regenbogenpferde, auf den gefahrvollen Weg ins düstere Skaris, um dort die mysteriöse Besitzerin der Quelle zu finden.

Auch bei diesem Buch hat Nina Blazon mich ab der ersten Seite, mit Ravins Eintreffen in der Regenburgenburg und am Hofe der Königin, in den Bann geschlagen. Die Hoffnung ist es, die Ravin dorthin führte, und die Hoffnung ist es, die ihn seine Reise weiterführen lässt. Nur mit dem optimistischen (abgesehen davon, was seine Zauberkünste betrifft) Zauberschüler Darian an seiner Seite beginnt er seine Queste. Aber schon in den Wäldern des Grenzlands finden sie neue Verbündete, eine Gruppe von Waldmenschen um die Halbworan Amina – und stoßen auf erste Feinde. Begegnungen, die Ravin und Darian verändern, sie jedoch nicht ihr Ziel (zumindest nicht für lange) aus den Augen verlieren lassen. Wer das Ziel allerdings aus den Augen verlieren könnte ist der Leser, wartet Nina Blazon in „Im Bann des Fluchträgers“ nämlich nicht nur mit einem Handlungsstrang auf – und das, obwohl wir stets an der Seite des Helden Ravin unterwegs sind – sondern mit mehreren. Im weiteren Verlauf der Geschichte gilt es nämlich nicht mehr allein, Jolon zu retten, sondern auch Aminas Gruppe vor den Schergen des finsteren Balok zu bewahren. Als sich dessen Ziel, ein Krieg gegen Ravins Königin, offenbart, gilt es einen weiteren Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen.

Einen Wettlauf, der Ravin erst durch die Grenzlande nach Skaris, später nach Dantar – hier gibt es dann auch die Begegnungen mit alten Bekannten aus „Die Sturmrufer“ – und dann weiter durch den Jum-Kanal bis zurück an die Regenbogenburg führt. Eine Reise, die den Leser langsam mit Ravins Welt und den Wesen, die darin leben, vertraut macht. Mein Liebling unter diesen Wesen ist die Feuernymphe Naja, die sich wohl ein wenig in Ravin verliebt hat – und ihm durch ihren Kuss ein dauerhaftes Andenken mitgegeben hat (wie man sich so ein Zusammenstoß mit etwas Feuer in Form eines Kusses eben vorstellt ;-)). Aber auch die unheimlichen Hallgespenster, die Baroks Gefolge vorangehen, die Naj, die Wassermenschen, die in Flüssen oder den Meeren leben und die Regenbogenpferde, die die Naj und die Menschen verbinden, verleihen Nina Blazons Welt ihren eigenen Glanz.

Ein Glanz, der vielleicht manchmal von der Traurigkeit der Helden – nicht für alle geht es gut aus – getrübt wird, in der Regel jedoch durch ihren Mut und ihre Bereitschaft zu handeln verstärkt wird. Denn nicht nur die Welt, durch die Ravin reist, ist facettenreich, sondern auch die Menschen, die darin leben. Jeder von ihnen hat seine Geheimnisse und Probleme, viele davon bleiben dem Leser bis zur Auflösung am Ende verborgen. Und genau das macht die Geschichte lesenswert. Immer wieder schafft es Nina Blazon, den Leser zu überraschen, die Geschichte bleibt unvorhersehbar – und ist doch am Ende völlig schlüssig.

Sympathische Helden, eine faszinierende Welt und eine spannende Geschichte, damit trägt „Im Bann des Fluchträgers“ zu Recht den Titel „Meister der Fantasy“. Mir hat es, neben jeder Menge Lesespaß, gleich zwei neue Bücher für die Wunschliste gebracht, die Chance auf weitere Ausflüge in diese Welt werde ich mir nämlich sicher nicht entgehen lassen.

Reinlesen könnt ihr hier.

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Published in: on September 23, 2012 at 6:00 pm  Comments (4)  
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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich fand es auch sehr spannend, die Gemeinsamkeiten von diesem Buch und „Die Sturmrufer“ zu entdecken, ich liebe es, wenn Autoren ihre eigene kleine Welt erschaffen! (Bzw. als ‚klein‘ kann man diese Welt eigentlich nicht bezeichnen!) 🙂

    • Ich finde es auch immer wieder schön in Bücher auf alte Bekannte zu stoßen – und da ich Band zwei und drei der Woran Saga noch vor mir habe hoffe ich noch auf weitere Wiedersehen :-).

      Liebe Grüße,
      Melanie

  2. Den dritten Band habe ich auch noch nicht gelesen, aber beim zweiten ist deine Hoffnung nicht unbegründet! 🙂

    • Ein Grund mehr in schleunigst zu besorgen 😉


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