Infinity – Der Turm von Wolfgang Hohlbein

Anlässlich des Jubiläumsjahrs von Wolfgang Hohlbein habe ich ein paar seiner Bücher wieder aus dem Regal gekramt. Eines davon war “Infinity – Der Turm”, das ich vor zwei Jahren (zu Beginn meiner Bloggerzeit) bereits rezensiert habe (die “alte” Rezension findet ihr hier). Ich fand, dass die Rezension einen Neuanstrich (ich glaube, es ist eher eine Renovierung geworden :-)) verdient hat – und die findet ihr jetzt hier:

infinity Wolfgang Hohlbein
Infinity – Der Turm
Verlag: Piper
624 Seiten
ISBN-10: 3492702236
ISBN-13: 978-3492702232
19,95 €

Passend zum Titel zeigt das Cover des Buches einen riesigen schwarzen Turm. Ein Turm, dessen Ende zumindest auf dem Cover nicht ersichtlich ist und bis in den Himmel hineinragt. Am Fuße des Turmes befindet sich eine einzelne Person, die von einem hellen Licht umgeben ist, dass den Turm ähnlich eines Blitzschlages hinaufläuft und ihn zu halbieren scheint. Ein faszinierendes Cover, das einige Fragen aufwirft – und damit ziemlich neugierig auf den Inhalt des Buches macht.

Eine junge Frau, die bald die Königin des die Welt beherrschenden Turmes R‘Achernon sein soll und ein einzelner Mann, der an der Spitze der Stadt „Belagerung“ steht und die Herrschaft des Turmes ein für alle Mal beenden will. Eine Waffe – der Planetenzerstörer – die einmal gezündet nahezu unaufhaltsam in ihrer Zerstörung ist. Vor ihr scheint eine Flucht ebenso unmöglich wie das Aufbringen einer Waffenruhe zwischen der Stadt und R’Achernon – und doch treibt die Bewohner des Turmes nur eine Frage: Wie konnte die Waffe in die Hände der Belagerer geraten?

In „Infinity“ stößt Wolfgang Hohlbein seinen Leser ohne jegliche Erklärung in eine fremde und doch vertraute Welt. Direkt hinein in Geschehnisse, von denen der Leser weder die Ursache noch die Ziele kennt. Ein interessantes Konzept, dass von Beginn an einen ziemlich hohen Spannungspegel kreiert. Als Leser fliegt man nur durch die Seiten, um eine Antwort auf die stetig zunehmenden Fragen zu bekommen. Viele Antworten bekommt man nicht, allerdings einen Einblick in die verschiedensten Wesen, die diese Welt bevölkern, und den Zustand in dem sich der ganze Planet befindet.

Obwohl die Geschichte aus diversen Sichten erzählt wird, waren für mich die zentralen Handlungsstränge die von Craiden, dem Anführer der Belagerer, von Arion, Prinzessin Infinity und zukünftige Herrscherin des Turms, und von dem geheimnisvollen Mädchen Gea. Der Handlungsstrang um Gea war für mich der bei Weitem interessanteste: In diesem Handlungsstrang trifft Gea auf den jungen Craiden. Hier bekommt der Leser einen Einblick in Craidens Vergangenheit, es wird gezeigt, wie die Umgebung des Turms vor dem Zünden des Planetenzerstörers aussah. Besonders ein Wesen, der Katzenkäfer Mana hat es mir hier angetan – ich frage mich, wo er im zweiten Zeitstrahl abgeblieben ist. Eine weitere Frage, die mich noch über das Ende hinaus beschäftigt hat ist: Wie hängen Gea und Arion zusammen? Eine Frage, die sich vermutlich auch der ältere Craiden beim traditionellen Besuch im Turm stellt – ich vermag allerdings nicht zu sagen, ob sein Schluss der Richtige ist.

Die Flucht des General Mardu, dem Entzünder des Planetenzerstörers, durch die nunmehr zerstörten Ruinen vor den Wächtern des Turms gibt einen Einblick in den aktuellen Zustand der Welt. Die Auswertungen des Turm und die situationsgetriebenen Debatten der im Turm lebenden Senatoren tun ihr übriges, dem Leser die Situation zu verdeutlichen – und lassen die handelnden Figuren nicht gerade im besten Licht erscheinen. Von einer klassischen Schwarz-Weiß-Skizzierung ist man allerdings meilenweit entfernt: Es sind eher festgefahrene Gedanken und Handlungsweisen, die die Aktionen der Figuren bestimmen, durchschaubar sind jedoch selbst dann nicht, wenn die Geschehnisse aus ihrer Sicht erzählt werden.

Ein Teil der verwendeten Werkzeuge (von den außerhalb des Turms lebenden Wesen als Techmagie bezeichnet), die Funktionalitäten des Turms und die Bezeichnung der Ruinen (besonders einprägsam ist hier der „Himmelsbahnhof“) lassen auf eine früher hochtechnologisierte Gesellschaft schließen. Zumindest die Menschen im Turm sind es noch, auch wenn sie ebenso wie die Menschen außerhalb des Turms nicht mehr in der Lage sind, diese Technologie zu verstehen und damit auch dem Leser kein genauer Eindruck in der Funktionsweise gewähren. Verwendet werden die verbleibenden Technologien (größtenteils Waffen) allerdings von jedermann mit einer absoluten Selbstverständlichkeit.

Insgesamt macht gerade der ständige Perspektivwechsel – der aufgrund der Kennzeichnung jedoch nicht allzu verwirrend ist – und die den Leser ständig umgebende Unwissenheit einen Großteil des Reizes an der Geschichte aus. Dadurch, dass der Leser nicht weiß, was ihn erwartet, und die Situationen für ihn genauso unvorhergesehen sind wie für die Akteure, wird der Spannungspegel über das komplette Buch auf hohen Niveau gehalten. Langfristig kann dies allerdings auch zu Frustration führen: Und zwar dann, wenn sich dem Leser der Zusammenhang der Geschichte selbst mit dem Ende kaum erschließt. Das Buch hat definitiv ein Ende, die Fragen, die im Laufe der Geschichte aufkommen, sind jedoch längst nicht beantwortet. Ein Folgeband, in dem diese geklärt werden und das den Hintergrund etwas mehr beleuchtet, würde den Lesespaß noch um einiges steigern.

Mit „Infinity“ lässt Wolfgang Hohlbein den Leser einen Blick auf eine apokalyptische Zukunkfsvision erhaschen – und an der Seite der Figuren sogar selbst miterleben. Es ist ein spannender Roman, der allerdings viele Fragen aufwirft und nur wenige beantwortet. Wer die Geschichte wirklich begreifen möchte, sollte mit dem Lesen auf einen Folgeband warten in der Hoffnung, dass sich dort noch einiges klären wird – alle anderen können jetzt schon einen Ausflug in Prinzessin Infinitys und Craidens düstere Welt wagen und sich dann selbst an die Beantwortung der Fragen machen.

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Published in: on März 23, 2013 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  

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