[Oldies but Goldies] El Mercenario – Der Söldner von Wolfgang Hohlbein und Vicente Segrelles

Für die Reihe „El Mercenario“ haben sich der spanische Illustrator und Comiczeichner Vincente Segrelles und der deutsche Autor Wolfgang Hohlbein zu einem gemeinsamen Projekt zusammengeschlossen. 1992 erzählte Wolfgang Hohlbein die bereits als Comic erschiene Reihe in Romanform neu und macht sie dadurch auch jenseits der Comicszene bekannt. Um die von, bis dato unveröffentlichten, Illustrationen von Vicente Segrelles ergänzt hat das Buch schon damals vermutlich auch den ein oder anderen Comicleser zum Kauf ermutigt.

elmercenario01 Wolfgang Hohlbein
Vicente Segrelles
El Mercenario – Der Söldner
Verlag: Bastei-Lübbe
317 Seiten
ISBN-10: 3404201876
ISBN-13: 978-3404201877

Auch die Titelillustration stammt von Vicente Segrelles. Sie zeigt eine der Buchszenen: Die Flucht des Söldners El Mercenario nach gelungener Rettungsmission auf dem Rücken seines Drachens. Im Hintergrund die feindliche Burg und zwei Drachen samt Reiter, die ihn verfolgen. Ein Cover, das schon einen kleinen Einblick in die Geschichte gibt.

Was als einfache Rettungsmission startet erweist sich bald als Ansammlung massiver Fehlentscheidungen. Dass die zu rettende junge Frau überraschend gut bewacht ist, das eigene Reittier sowohl trächtig als auch bösartig ist und sich die eigene Ausrüstung nicht gerade im Idealzustand befindet sind dabei noch die kleinsten Probleme. Probleme, die dazu führen, dass El Mercenario ungewollt unbekannte Gefilde entdeckt und sich dort mehr als nur den täglichen Herausforderungen eines normalen Söldners stellen muss.

Die Geschichte startet kurz vor der Durchführung der eigentlichen Rettungsmission, zu deren Beginn sich El Mercenario bereits einige Fehler eingesteht – und das in einer Welt „deren Bewohner nur wenige Fehler machten“ eben deshalb, „weil sie nur selten Gelegenheit bekamen, einen zweiten Fehler zu begehen“. Im weiteren Verlauf schlittert El Mercenario von einer brisanten Situation in die nächste, bestehen kann er sie eigentlich immer nur aufgrund seines immensen Glücks und wegen seiner Beharrlichkeit, was die Suche nach einer möglichen Lösung und die sofortige Umsetzung angeht. Ein strahlender Held ist er definitiv nicht: Weder kommt er völlig glimpflich aus den Situationen heraus, noch kann er alle richtig deuten – hier tappt sogar der Leser das ein oder andere Mal in die Falle.

Irgendwie hat „El Mercenario“ damit etwas von einem Western: Vicente Segrelles recht freizügige Illustrationen der weiblichen Figuren – die in der Regel ohne den Helden verloren wären – und der einsame Reiter, der mit dem Ende der Geschichte in den Sonnenuntergang reitet, respektive fliegt. Dieser Eindruck betrifft allerdings eher den groben Rahmen, die Geschichte selbst hat einige überraschende Wendungen und die Figuren sind längst nicht alle so klischeehaft, wie man vermuten könnte. Sie bedienen zwar erst mal die klassischen Klischees des einsamen Kämpfers, der hilflosen Frauen und Dorfbewohner und der unbekannten Bedrohung. Die ein oder andere Figur hat allerdings noch weitere Facetten, die man erst im Verlauf der Geschichte kennen lernt, und die den Leser durchaus auch zu überraschen vermögen.

Tendenziell ist „El Mercenario“ dennoch eher eine Männergeschichte – in Comicform vermutlich noch deutlich stärker als in Buchform – aber auch als Frau kann einen die Geschichte in den Bann schlagen. Man sollte allerdings nicht übermäßig empfindlich sein, was die Darstellung der Frauen in der Geschichte angeht – die Männer sind hier eindeutig das dominierende Geschlecht (auch wenn sie längst nicht mit El Mercenario Schritt halten können).

Die spannenden Kämpfe – ob auf Drachen oder „Mann gegen Mann“ – und die doch immer wieder überraschenden Wendungen im sonst klassischen Plot machen „El Mercenario“ damit auch trotz der eher klischeehaften Figuren zu einem durchaus lesenswerten Roman. Die grafischen Ergänzungen waren für mich persönlich eher von geringem Interesse – zum einen stelle ich mir Drachen lieber etwas anders vorals Vicenten Segrelles, zum anderen habe ich auch kein Interesse daran, freizügig dargestellte Frauen zu betrachten – sie konnten beim Lesen aber problemlos überblättert werden. Insgesamt hat mich die Geschichte trotz des imaginären Stempels „Männerlektüre“ zu unterhalten gewusst und lässt mich der Fortsetzung zumindest nicht ablehnend gegenüber stehen.

Published in: on März 29, 2013 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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