Diebesgeflüster 3

Mit „Diebesgeflüster 3“ hat der Aeternica Verlag nun den dritten Band aus seiner fantastischen Anthologie-Reihe über Diebe, Gauner und Ganoven veröffentlicht.

diebesgeflüster3 Diebesgeflüster 3
Verlag: Aeternica
117 Seiten, E-Book
ASIN: B00CSAINAO
2,99 €

Das Cover des dritten Bandes ähnelt denen der zwei vorangegangen Bände: Diesmal schleicht der dunkle Schatten jedoch nicht durch die düsteren Gänge einer Burg, sondern ist an dem Rand eines hell erleuchteten Platz zu sehen. Ich vermute, dass dieser Dieb sich noch ein wenig mehr bemühen muss als die auf den Covern der anderen zwei Bände.

Diebesgeflüster 3 enthält, ebenso wie Band eins und zwei, vier Geschichten aus der Welt der Diebe:

„Paternoster“ von Lea Giegerich
Während sich mancher nicht einmal sicher ist, ob der heilige Gral nicht doch nur eine Legende ist, plant eine Gruppe ungewöhnlich begabter Diebe bereits dessen Diebstahl. Ein Coup, für den sie sich in die geheimsten Ecken der römischen Kirche vorwagen.

„Diebesbanner“ von Tanja Rast
Auf frischer Tat ertappt sieht Tebby sich schon vor dem Richter stehen – und ihre kleinen Brüder verhungern. Anstelle der Strafe wird ihr jedoch eine ungewöhnliche Offerte gemacht: Ein Diebstahl im Auftrag des Großfürsten, der nicht nur einen Krieg verhindern, sondern ihr und ihren Brüdern auch ein sorgenfreies Leben sichern sollte.

„Das geflunkerte Funkeln“ von Flo P. Schmidt
Ausgerüstet mit nicht mehr als einem Beutel Wasser planen Samjon und Bunlag einen sehr gewinnträchtigen Raub: Die Diamanten des Lords of Willshire sind ihr Ziel – und sein besonderes Interesse an exotischen Gütern die Tür, die die zwei in seine Schatzkammer führt.

„Der Schatz des Eisdrachens“ von Susanne Haberland
Ein drohender Krieg ruft nicht nur Händler und Krieger, sondern auch Glücksritter auf den Plan. Eine Gruppe selbiger plant ihr Glück inmitten des umkämpften Gebietes zu machen, in der Heimat der Eisdrachen: Das Gold eines Drachenhorts sollte schließlich jedermann reich machen können.

Im dritten Band ist es überraschenderweise nicht Tanja Rasts Geschichte, die es zu meinem persönlichen Highlight geschafft hat, sondern „Paternoster“ von Lea Giegerich. Eine Geschichte, die auch unter dem Titel „Gottes Wege sind unergründlich“ laufen könnte, beileibe jedoch keine moralische Standpauke ist. Vielmehr ist sie eine Geschichte über eine Gruppe von Menschen mit ungewöhnlichen Gaben, die die unterschiedlichsten Beweggründe in Fabrizios Diebesbande geführt haben. Auf wenigen Seiten lernt man die komplette Diebesbande kennen und sieht aus den Augen jedes einzelnen, wie sie sich im Verlauf der Geschichte und ihres gut geplanten Beutezugs weiterentwickeln. Mit einem wirklich überraschenden und guten Ende stellt Lea Giegrich den Leser rundum zufrieden – sowohl was die Beute, als auch das weitere Schicksal der Personen angeht. Und mit den letzten Sätzen bekommt man dann noch einen kleinen lateinischen Exkurs in Form des lateinischen Paternosters – wie gesagt „Gottes Wege sind [nun mal] unergründlich“.

Den Plot zu Tanja Rast „Diebesbanner“ würde ich schon fast als klassisch bezeichnen: Der Dieb, der um seinen Kopf zu retten einen Diebstahl im Auftrag des Herrschers vollbringen soll. Der Dieb ist jedoch recht ungewöhnlich, ebenso wie der ihm zur Seite gestellte Begleiter, der Hofdiener des Großfürsten. Ein Diener, der sein eigenes Geheimnis hütet. Für mich war das Geheimnis allerdings ziemlich offensichtlich – und die Geschichte damit zumindest in diesem Punkt recht vorhersehbar. Die sympathischen Figuren machen sie dennoch lesenswert.

Bei Flo P. Schmidt „Das geflunkerte Funkeln“ gefällt mir besonders der Einfallsreichtum der zwei Gauner. Mit nichts als einem Beutel Wasser in eine gut gesicherte Schatzkammer zu kommen ist wahrhafte Diebeskunst. Blöd, dass nicht immer alles nach Plan läuft. Die zwei Diebe haben allerdings noch einige Alternativpläne in der Hinterhand – und das macht ihr Abenteuer wirklich amüsant und lässt den Leser im Nu durch die Geschichte fliegen.

Wie auch schon bei Diebesgeflüster 2 war mir die letzte der Geschichten dann zu düster. Susanne Haberlands Protagonisten sind keine Helden und ihre Taten beileibe nicht edelmütig. Mit dem Ende der Geschichte bekommen sie die Quittung präsentiert, gut ist das Ende damit jedoch nicht – auch wenn man zugeben muss, dass es den Protagonisten durchaus Recht geschieht. Ich hätte mir allerdings neben der Strafe auch einen Lichtblick für das Opfer ihrer Taten gewünscht – und bin wirklich ungern mit nichts als einem Namen zurückgeblieben.

Die Mischung von „Diebesgflüster 3“ hat mich damit nicht ganz so begeistern können wie die aus den zwei vorangegangen Bänden. Wirklich begeistert hat mich nur Lea Giegerichs „Paternoster“. Die Pläne der Schurken aus „Das geflunkerte Funkeln“ haben mich allerdings öfter zum Grinsen bringen können und auch die anderen zwei Geschichten sind wirklich gut geschrieben und unterhaltsam (selbst die über Susanne Haberlands finsteren Schurken). Meines Erachtens fehlt letzteren aber das „gewisse Etwas“, der zündende Funke oder eben die humorvolle Pointe am Schluss. Zu empfehlen ist „Diebesgeflüster 3“ trotzdem, ich wüsste (abgesehen von Diebesgeflüster 1 und 2) keine bessere Möglichkeit, in die so vielfältigen Welten der Diebe einzutauchen.

Die ersten Seiten findet ihr hier.

Published in: on Juli 6, 2013 at 9:00 am  Schreibe einen Kommentar  
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