[Oldies but Goldies] Seedämonen von Laurence Yep

„Seedämon“ ist ein wirklicher Oldie. Die englische Originalausgabe erschien 1977 unter dem Titel „Seademon“. Die deutsche Erstveröffentlichung ist von 1989. In Ermangelung eines Coverbildes stellt euch der kleine Häkeldrache das Buch vor (wirkt deutlich besser als ein mühsam zusammengeschnipseltes Foto, oder? ;-)).

seedämon Laurence Yep
Seedämonen
Verlag: Heyne
223 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3453038959
ISBN-13: 978-3453038950

Schon am Cover merkt man dem Buch sein Alter an: Die Frau, die darauf zu sehen ist, trägt ein ziemlich kurzes Kleid; dazu Stiefel, die bis über die Knie reichen. Insgesamt ist das Cover jedoch ziemlich authentisch. Die Bewaffnung der Frau ist ebenso passend wie die schwarzen Wesen – Seedämonen – die sich vom Wasser her auf das Land zubewegen. Insgesamt ist das Cover nicht gerade hübsch zu nennen, aber irgendwie hat es doch was.

Es ist eine denkwürdige Nacht, in der die Siedler von merkwürdigen Dämonen um einen ihrer Feldroboter gebracht werden – und im Austausch ein fremd wirkendes Mädchen zurücklassen: Maeve. Aufgewachsen unter denen, die die Siedler als Dämonen bezeichnen ist sie vor allem eins: anders.

Mit „Seedämon“ hat Laurence Yep eine Geschichte geschrieben, die ebenso anders ist wie ihre Hauptperson. Über Maeves Herkunft kann man als Leser ebenso wie die Siedler nur spekulieren – auch, wenn man als Leser deutlich weniger abergläubisch und voreingenommen ist. Fest steht nur eines: Sie ist in Freundschaft mit den Wesen verbunden, die die Menschen als Seedämonen kennen. Und ihre Herkunft hat sie mit ganz anderen Werten und Bräuchen aufwachsen lassen als die, die bei menschlichen Zivilisationen üblich sind.

Erzählt wird die Geschichte jedoch nicht aus ihrer Sicht, sondern aus Sicht der jungen Cieran, der Tochter des Lords. Offener als so mancher der Siedler verbindet sie fast so etwas wie Freundschaft mit der Fremden, aber selbst sie kann Maeve nicht immer verstehen. Wenig Toleranz bei den Siedlern und Maeves Andersartigkeit machen diese schnell zur Außenseiterin – und zum Sündenbock. Und durch stures Festhalten an bekannte Werte (auf beiden Seiten) werden die Gemüter immer weiter aufgeheizt: Bis zu den ersten Toten ist es dann nicht mehr weit.

Laurence Yep nimmt in „Seedämon“ keine Rücksicht auf romantisch verklärte Leser. Die Geschichte, die er erzählt, ist fantastisch, wirkt aber erschreckend real. Als Beobachter hat man das erschreckende Gefühl, eine herannahenden Katastrophe auf sich zukommen zu sehen; eine Katastrophe, die man nicht verhindern kann und es dennoch nicht schafft, die Augen davon abzuwenden.

„Seedämon“ ist harte Geschichte. Eine Geschichte, die ohne Beschönigung zeigt wie wenig tolerant Menschen gegenüber Andersartigkeit sind – und welche Folgen das haben kann. Laurence Yep ist allerdings nicht so grausam, den Leser mit dem Ende ganz ohne Hoffnung zurück zu lassen. Den Menschen sind vor allem fähig zu lernen – eine Tatsache, die mit der letzten Seite zumindest für die nächste Generation etwas Besseres verspricht.

Mich hat das Buch damit von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Es ist keine typische Lektüre und keine Geschichte für Happy-End-Leser (auch wenn es ein deutlich schlimmeres Ende hätte geben können). Es ist eine Geschichte für Leser, die nach etwas Anderem suchen – und tolerant genug sind, die Andersartigkeit wirklich kennen zu lernen. Main-Stream ist „Seedämon“ damit nicht – aber definitiv lesenswert.

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Published in: on September 11, 2013 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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