Vollstrecker der Königin – Das grüne Tuch von Angelika Diem

dasgruenetuch Angelika Diem
Vollstrecker der Königin – Das grüne Tuch
Verlag: Machandel
234 Seiten
E-Book
ASIN: B00IY2AG1O
1,65 €

„Das grüne Tuch“ ist Angelika Diems zweites Buch aus der Reihe „Vollstrecker der Königin“.

Das Cover ähnelt vom Stil her dem von „Der Baeldin-Mord„, die Szenerie ist allerdings eine ganz andere: Im Hintergrund kann man auf einer grünen Wiese inmitten eines Gebirges ein von einigen Nadelbäumen umsäumtes Fachwerkhaus erkennen. Im Vordergrund sind zwei Hände zu erkennen, die ein durchscheinendes, fast gasförmiges grünes Tuch halten. Das Tuch, das dem Buch seinen Namen gibt.

„Das grüne Tuch“ umfasst drei Kurzgeschichten, die in der Zeit vor „Der Baeldin-Mord“ angesiedelt sind. Eine Zeit, in der Caitlynns Dasein als Vollstreckerin noch in den Sternen steht.

Schon als Kind weist Caitlynn die Ansätze einer Vollstreckerin auf, auch wenn ihre Eltern nicht den Wunsch hegen, sie in diesen Amt auszubilden zu lassen – auch nicht, als sie sich für den Heiratsmarkt als untauglich erweist. Um sie von der Ausbildung abzuhalten, ersinnt ihre Mutter einen Plan, der Caitlynns Wege in andere Bahnen verlaufen lässt. In der ersten Kurzgeschichte, „Das grüne Tuch“, setzt sie diesen Plan in die Tat um und stellt Caitlynn damit vorerst vor unverrückbare Tatsachen, was ihre weitere Zukunft angeht.

In „Halbe Hand“ wird Caitlynn von einem in der Nachbarschaft lebendem Fürsten entführt, um damit ihre Großmutter, die Heilerin Melana, dazu zu bringen, die Krankheit des Fürsten zu behandeln. Eine Krankheit, hinter der weit mehr steckt, als es auf den ersten Blick scheint – und die nicht nur für den Fürsten tödliche Folgen haben könnte.

In der letzten Kurzgeschichte sind Caitlynns kombinatorische Fähigkeiten gefragt: Auf dem Festmarkt wird eine junge Frau niedergeschlagen – und da kurz vorher die Feindseligkeiten zwischen den Dorfbewohnern und den benachbarten Waldsiedlern eskaliert sind, kommen einige für die Tat in Frage. Kann Caitlynn den Täter finden und weitere Eskalationen verhindern?

In „Der Baeldin-Mord“ begleitet der Leser die Vollstreckerin Caitlynn bei einer ihrer Aufklärungen und der anschließenden Vollstreckung. In „Das grüne Tuch“ lernt man ihre Familie und ihre Welt weiter kennen – und das fast völlig abseits von ihrer Bestimmung als Vollstreckerin. Demnach sind die drei Kurzgeschichten auch eher fantastisch als kriminalistisch zu nennen, auch wenn zumindest die letzte der drei ein Opfer und einen Täter aufweist. Ich bin mir trotzdem sicher, dass die Erfahrungen, die sie in diesen Geschichten macht, sie zu einer besseren Vollstreckerin lassen werden.

Über Caitlynns direkte Familie erfährt man, abgesehen von ihrer Mutter, nur durch Caitlynns Erzählungen und Gedanken. Dennoch kam man sich so zumindest ein besseres Bild von ihrer Familie machen, die in „Der Baeldin-Mord“ tatsächlich nur ganz am Rande erwähnt wird. Caitlynns Mutter und ihre Tat machen sie nicht wirklich sympathisch, im weiteren Verlauf der Geschichten lernt man dennoch, sie zumindest ansatzweise verstehen. Caitlynns Großmutter hingegen ist, ebenso wie ihre Gesellen, absolut liebenswert – und auf den wenigen gemeinsamen Seiten wachsen sie einem fast so sehr ans Herz wie Caitlynn selbst.

Auch das Wissen um die Gaben der Menschen wird in den Geschichten weiter vertieft. Das Charisma, die Fähigkeit, andere Menschen zu Marionetten zu machen, kennt der geneigte Leser schon aus „Der Baeldin-Mord“. Jetzt wird die dort einfach nur angewandte Fähigkeit weiter beleuchtet – und man bekommt auch den Eindruck, dass Caitlynns Mutter, was die Einschätzung ihrer Tochter angeht, nicht ganz so gut liegt, wie sie glaubt. Eine mindestens genau so wichtige Gabe wie die des Charismas ist die Heilkraft der Menschen. Mit Hilfe einer Gabe, die man „das grüne Tuch“ nennt, ist es möglich zu heilen. In der Kurzgeschichte gleichen Namens wird Caitlynn von ihrer Großmutter in eben dieser Gabe unterwiesen.

„Halbe Hand“ entführt den Leser in die Gefilde der Adligen. In der Geschichte erfährt der Leser unter anderem, was unter einer „Halben Hand“ zu verstehen ist und wie die Hierarchie innerhalb des Landes geregelt ist: Im Adelsbereich einzig und allein über die Macht des Charismas – letztendlich kann jeder Fürst oder gar König werden. Die Geschichte liest sich allerdings nicht als Aneinanderreihung langweiliger Fakten, diese ergänzen einfach nur gekonnt die Geschichte, während sie gleichzeitig das Hintergrundwissen des Lesers vertiefen. Letztendlich geht es bei „Halbe Hand“ um eine gemeine Entführung, Recherchearbeiten, eine leicht pointierte Aufklärung (diesmal bekommt der „Bösewicht“ das, was er verdient) und Caitlynns nächste Schritte in ihre Zukunft.

„Schmerztrinker“ führt Caitlynns Weg letztendlich auf alte Bahnen zurück. In dieser Geschichte werden einmal mehr ihre kriminalistischen Fähigkeiten gefragt, auch wenn dieser Fall zum Glück ohne Tote auskommt. Vor dem fantastischen Hintergrund des „Sternkäferfestes“ geht Caitlynn an der Seite eines älteren Vollstreckers ihren Recherchen nach, während ihr gleichzeitig die Gefahren und Schattenseiten des Vollstreckertums bewusst werden.

Mich hat Angelika Diem mit ihrer Kurzgeschichtensammlung im Nu wieder in den Bann gezogen. „Der Baeldin-Mord“ hat mich gefesselt, war aber viel zu schnell zu Ende und hat unzählige Möglichkeiten für die Hauptfigur offen gelassen und dem Leser einen viel zu kurzen Blick in Caitlynns Welt beschert. Mit „Das grüne Tuch“ holt die Autorin dieses „Versäumnis“ nach. An Caitlynns Seite hat man nun die Möglichkeit, die verschiedenen Facetten ihrer Gaben kennen zu lernen; mehr über sie, ihre Familie und über die Welt, in der sie lebt, zu erfahren. Meiner Meinung nach eine Gelegenheit, die sich keiner, dem der „Baeldin-Mord“ gefallen hat, entgehen lassen sollte. Ich würde allerdings auch empfehlen, diesen zuerst zu lesen, zumindest der Prolog spielt vor „Das grüne Tuch“ und ist meiner Meinung nach für das Verständnis der Geschichte essentiell.

Reinstöbern könnt ihr hier hier, den Prolog vom Baeldin-Mord findet ihr hier.

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Published in: on April 2, 2014 at 12:30 pm  Comments (1)  
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