Jandra von James Maxey

jandra James Maxey
Jandra
Verlag: Blanvalet
605 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3442266416
ISBN-13: 978-3442266418
15 €

„Jandra“ ist der zweite Band der Bitterholz-Reihe von James Maxey. Eine Tatsache, die schon ein kurzer Blick auf das Cover deutlich macht. Wie schon sein Vorgänger ziert aus dieses Band ein riesiges Drachenauge, in dessen gelb glühender Mitte eine Frau mit wogenden Haaren und feurigen Händen steht: Jandra. Ein schmuckes Cover, das sowohl zum Titel als auch zum Inhalt passt.

Der Drachenkönig ist besiegt, die Menschen befreit. Und der Nachfolger des Drachenkönigs plant, Menschen und Drachen unter seiner Herrschaft völlig gleichberechtigt zu behandeln. Ein Plan, der nur bedingt auf Zustimmung stößt – sowohl bei den Menschen, die für jahrhundertelange Knechtschaft Rache wollen, als auch bei einigen Drachen, die nicht gedenken, ihre Macht zu teilen. Und inmitten dieses Zwists stehen nun diejenigen, die für die neue Welt kämpfen und sich jetzt doch für die eine oder andere Seite entscheiden müssen: Menschen oder Drachen.

Mit dem Ende von „Bitterholz“, ja sogar mit dem Anfang von „Jandra“ könnte man meinen, der Krieg zwischen Mensch und Drache sei Geschichte. Eine Hoffnung, die mit jeder Seite mehr an Bestand verliert. Angst, Machtgier und Tradition stehen der Vision des neuen Drachenkönigs im Weg – und ergreifen auch von ihm langsam Besitz.

Inmitten dieser diplomatisch vertrackten Situation stehen die Pro- und Antagonisten aus Bitterholz ebenso wie die von James Maxey neu eingeführten Figuren, Menschen wie Drachen: Jandra, die Ziehtochter des alten Drachenmagiers, die zwischen Drachen und Menschen hin- und hergerissen ist und, wo es nötig und möglich ist, zwischen diesen vermittelt. Der Frauenliebling Pet, der seine Rolle als „Bitterholz“ spielt und sich ebenso wie Jandra bemüht, zwischen Menschen und Drachen zu vermitteln – und währenddessen versucht, die Beziehung zwischen ihm und Jandra auf eine andere Ebene zu bringen.

Auch der Himmelsdrache Graxen kommt während seiner Aufgabe als Bote mit der Macht in Berührung, die die Menschen als Liebe kennen – und von den Drachen seit Generationen unterdrückt wird. Eine der alten Traditionen, die für die Drachenmatriarchin unverrückbar ist – ebenso wie die Herrschaft der Drachen über die Menschen.

Bitterholz und Zeeky sind derweil auf anderen Pfaden unterwegs. Sie suchen ihre Familie und machen dabei Kontakt mit einer alten Göttin, Jazz, deren Macht der Jandras nicht ganz unähnlich ist. Eine Macht, die in dieser Welt Magie genannt wird – deren Ursprünge jedoch in der Zukunft unserer Welt liegen. Was in „Bitterholz“ angedeutet wurde, wird durch Jazz weiter erläutert und vertieft das Bild, das sich der Leser im voran gegangenen Band gemacht hat.

Jazz ist jedoch nicht die einzige, die sich als Göttin verehren lässt. Auch der Mördergott Blasphet, der im Folgeband wohl noch eine wichtige Rolle spielen wird, gewinnt langsam seine alte Stärke zurück und nutzt sie, um die Kluft zwischen Menschen und Drachen zu vergrößern. Damit ist er eindeutig der finstere Bösewicht der Geschichte – ohne ihn wäre die Geschichte vermutlich um einiges ruhiger (und langweiliger). Mit seinen Anhängern schürt er nicht nur das Feuer zwischen den Parteien, sondern ist auch immer wieder für böse Überraschungen gut. Aber auch bei den Menschen gibt es solche, die den Krieg vorantreiben: Der menschliche Prophet Ragnar ist dabei, eine Armee aufzustellen und damit gegen die Drachen zu ziehen.

So verschieden die einzelnen Figuren und Stränge auch sind, sie laufen gemeinsam auf einen sich immer deutlicher abzeichnenden Konflikt hin, der von den einen – gewollt aber auch ungewollt – geschürt wird, während andere alles tun, ihn zu vermeiden. Aber auch, wenn dieser Konflikt sämtliche Einzelschicksale überschattet, sind es diese, die den Leser in den Bann schlagen. Mich hat vor allem Graxens Schicksal bewegt, ein Drache, der alle Ideale eines Drachen verinnerlicht und nur wegen seiner Schuppenfarbe geächtet wird. Und spätestens, nachdem er die zarten Bande der Liebe entdeckt, hat er mich völlig in den Bann geschlagen. Er und das Objekt seiner Begierde sind neben Jandras schuppigem Gefährten Hex allerdings die einzigen Drachen, die wirklich sympathisch sind. Aber auch bei den Menschen sind die wirklich sympathischen Figuren überschaubar – und fast alle schon aus den Vorgängerbänden bekannt.

Mit dem Ende des Buches sind die Fronten geklärt, jeder hat seine Position im Gefüge gefunden. Die Figuren haben an Tiefe gewonnen und die Welt als solche ist dem Leser bis hin zu ihrer Vergangenheit deutlich klarer geworden. „Jandra“ liest sich damit als Bindeglied zwischen „Bitterholz“ und „Blasphet“. In „Bitterholz“ überwogen die Kämpfe und die Spannung, in „Jandra“ bekommt den Leser den Blick für das große Ganze. Damit ist das Buch tatsächlich nur für die Leser des Vorgängers zu empfehlen. Diese werden an der Geschichte – auch wenn sie ruhiger ist – sicher ihre Freude haben. Richtig zur Sache geht es dann vermutlich wieder in „Blasphet“ – und darauf bin ich wirklich gespannt.

Den Beginn von „Jandra“ findet ihr hier.

Published in: on Mai 17, 2014 at 9:00 am  Kommentar verfassen  
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