Missverstandene Monster von Ingrid Pointecker (Hrsg.)

missverstandenemonster Ingrid Pointecker
Missverstandene Monster
Verlag ohneohren
207 Seiten
E-Book
ASIN: B00N7CFSDC
4,99 €

Ich muss gestehen, dass mich schon der Titel der Anthologie zum Schmunzeln gebracht hat – und das kleine Monsterchen auf dem Cover sieht tatsächlich eher bemitleidenswert als gruselig oder gar monsterlich aus: Winzig klein, mit der Leine eines zerstörten Luftballons in den Klauen, dazu der starre Blick aus dem roten und gelben Auge. Nicht gerade zum Knuddeln, aber auch ganz sicher nicht zum Davonlaufen, im Gegenteil: Es verleitet den Betrachter dazu, das Buch aufzuschlagen und mehr über dieses und die anderen missverstandenen Monster zu erfahren.

Dazu bekommt man auch sehr schnell die Gelegenheit, denn in ihrem „Protestbrief“ an Herrn König (Ludwig der VII., König von Frankreich), nimmt die Drachin Tarasque kein Blatt vor dem Mund und zählt jedes der unlängst passierten „Missverständnisse“ auf – bevor sie sehr desillusioniert das Land verlässt.

Danach geht es über kleine und niedliche Monsterchen (je nach Gemütsfassung), Todesfeen und berufliche Schreckgespenster bis hin zum „Großen Grausamen Tod“. Letzterer ist mit seinem Namen nicht wirklich glücklich, führt er doch dazu, dass er sich stets allein in den Ruinen schleunigst verlassener Städte herum treiben muss.

Und während einige Monster nur ein kleines, ruhiges, menschen- und vor allem kinderfreies Eckchen suchen und dafür sogar an Monstertherapien, einem Treffen der „Anonymen Pädophobiker“ oder einem einfachen „Monster helfen Monster“-Workshop teilnehmen, hoffen andere wie „Willo, das Irrlicht“ aus der Feder von Nina C. Egli, sehnlichst auf Besuch. Ein Ereignis, das trotz allen Einsatzes von Willo wohl nie eintreten wird. Ihn habe ich gegen Ende seiner Geschichte tatsächlich sehr bedauert – trotz der Folgen für die Menschen, die einen Besuch tatsächlich in Erwägung zogen.

Das Zusammentreffen mit Menschen ist in den wenigsten Fällen erfreulich zu nennen: Krux aus „Grässlich bleibt grässlich, da helfen keine Pillen“ Zusammentreffen mit einem Menschen endet trotz eines guten Starts in einem Desaster – ihm hätte die nähere Betrachtung eines Pornos vermutlich weitaus mehr gebracht als die Filmromanze, die er zufällig mit anschauen konnte. Dem Leser bringt sein Versuch allerdings ein höchst vergnügliches Leseerlebnis. Und auch die „Arachne organophilia“ würde die regelmäßigen Zusammenstöße mit der Putzfrau (und ihrem spinnenwebenzerstörenden Staubwedel) sicherlich nur zu gern vermeiden – und das, obwohl man diese Spinne im weitesten Sinne sogar als nützlich erachten muss.

Wenig monströs ist dahingegen Claire aus Sophia Bergs „Ein Katzenschwanz zum Verzweifeln“, tatsächlich ist sie wohl eher süß als monströs zu nennen – und so ist es kein Wunder, dass sie das Verständnis, das sie sucht, sehr zur Verzweiflung ihrer Eltern nicht unter den Monstern findet. Eine wirklich süße (vielleicht auch ein klein wenig kitschige) Geschichte.

Mein absolutes Lieblingsmonster ist allerdings das kleine Monsterchen aus Tanja Rasts „Das aus dem Keller“. Wenn man ihm nicht gerade im Dunkeln begegnet, oder nur sein Scharren und Schnaufen hört, muss man sich einfach in das Kleine verlieben – mein Herz hat es jedenfalls im Sturm erobert.

Und mit der letzten Seite haben zumindest ein paar der Monster ihr Image merklich aufpoliert. Mit dem Streikberater aus Helen B. Krafts Geschichte würde ich allerdings trotzdem nicht tauschen wollen – wer würde schon gerne an einem Monsterstreik teilnehmen, wenn einige der Monster noch von den schönen Zeiten mit den Dörflern und ihren Mistgabeln träumen? Diese Zeiten sind ebenso vorbei, wie das Image des klassischen Monsters passe` ist – spätestens nach der Lektüre dieser Anthologie. Und mit der letzten Seite wird jeder der Leser mit einem leichten Schmunzeln auch sein Monsterbild überdenken. Dafür ist es auch höchste Zeit!

Hier könnt ihr selbst einen ersten Schritt auf die „Missverstandenen Monster“ zugehen.

Published in: on September 10, 2014 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
Tags: , , , , , , ,

AvaNinian – Erstes Buch von Ina Norman

green rusty vintage texture Ina Norman
AvaNinian – Erstes Buch
Pomaska-Brand Verlag
654 Seiten
E-Book
ASIN: B00BC4K20G
3,99 €

Das Cover des Buches ist in Gelbtönen gehalten. Neben Titel und Autor zeigt es eine reich verzierte und kunstvoll gebaute Stadt oder Tempelanlage, auf der der Blick des Betrachters sicherlich nicht nur kurz verweilen wird. Ein interessantes Cover, das definitiv Interesse weckt, auch wenn ich mir die Handlungsorte ganz anders vorstelle.

Benannt nach den zweigeteilten Göttinen Ava und Ninian und bedacht mit den Gaben der Erdmutter ist die Fürstentochter Avaninian in mehr als nur einer Hinsicht etwas Besonderes. Um ihre Kräfte zu schulen wird sie in das Haus der Weisen geschickt. Auch den jungen Dieb Jermyn verschlägt es trotz allen Sträubens dorthin, seine Kräfte sind zu gewaltig, um ihn ungeschult durch die Lande ziehen zu lassen. Das Aufeinandertreffen dieser zwei setzt Ereignisse im Gang, mit denen die wenigsten – allen voran Avaninian und Jermyn – jeh gerechnet hätten.

Auch wenn Avaninian die titelgebende Figur ist, hat doch Jermyn mindestens ebensoviel Anteile an der Geschichte wie sie. Damit ist Avaninian eine Geschichte über zwei Heranwachsende und der Bindung, die zwischen den beiden entsteht. Eine Bindung, die – anders als in den meisten Romanen – langsam entsteht und damit für den Leser durchgängig absolut nachvollziehbar ist, als Leser spürt man mit den zwei Protagonisten, wie das Band zwischen den beiden geknüpft wird. Dieses Band ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Das, was die beiden Protagonisten vorantreibt, sie auseinander- und wieder zusammenführt und sowohl allein als auch gemeinsam einige Abenteuer erleben lässt.

Sowohl Avaninian als auch Jermyn machen im Laufe des Buches eine Entwicklung durch, auch wenn Avaninians deutlich extremer ist. Zu Beginn verabscheut sie den Teil ihres Namens, der von der draufgängerischen und rebellischen Göttin Ninian stammt und lässt sich von allen nur Ava nennen. Einzig Jermyn nennt sie Ninian und ermuntert sie immer weiter, auch diesen Teil ihres Namens – und ihres Charakters – auszuleben. Jermyn selbst bleibt im Innersten vermutlich die Person, die er war. Er wird allerdings deutlich reinlicher und durch seine Ausbildung im Haus der Weisen auch um einiges mächtiger und gefährlicher.

Der Plot ist einfach und schnell zusammengefasst: Eine junge Fürstentochter verliebt sich in einen gleichaltrigen Dieb und sieht und erlebt die Welt dadurch mit anderen Augen. Ina Normann schafft es dennoch, die Geschichte zu etwas Besonderen zu machen. Zum einen durch die gefühlvolle Darstellung der Protagonisten, ihrer Gedanken und Gefühle, zum anderen durch die facettenreiche Beschreibung der Orte, an denen die Geschichte spielt. Damit hat man als Leser sowohl die Figuren – egal ob Neben- oder Hauptfigur – als auch die Orte, an denen sie unterwegs sind, wahrhaft wirklich bildlich vor Augen. Und die Orte, die man an der Seite der Figuren besucht, sind vielfältig: Alte Ruinen, längst vergessene Orte, aber auch gut besuchte Plätze und Tempelanlagen – und Jermys Profession geschuldet hin- und wieder auch Orte, die in der Regel die wenigsten zu sehen bekommen.

Wirklich brenzlig wird es trotz Erdbeben, Wegelagerer, mächtiger Feinde und weitgesponnener Intrigen eher selten – dank ihrer Gaben sind sowohl Avaninian als auch Jermys für die meisten Situation mehr als gewappnet.

Insgesamt ist das Buch damit eher ruhig, zumindest wenn man von gelegentlichen Konflikten zwischen den Lieben absieht. Es ist eine Geschichte für Leser, die sich von der Atmosphäre und den Gefühlen der beiden jungen Protagonisten mitreißen lassen wollen. Wer es eher abenteuerlich und gefährlich mag, sollte allerdings lieber zu einem anderen Buch greifen.

Hier könnt ihr euch selbst einen ersten Eindruck verschaffen.

Published in: on August 20, 2014 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
Tags: , ,