Hör mein Lied von Brooks Hansen

So, heute bin ich im ganzen Weihnachtsstress endlich wieder zum Lesen gekommen :-).

Brooks Hansen
Hör mein Lied
Verlag: Carlesen
237 Seiten
ISBN-10: 3551580413
ISBN-13: 978-3551580412

Auf dem Cover des Buches kann man vier Spatzen, ein Rentier und eine Gans entdecken. Sechs Tiere, die sich an einem verschneiten Seeufer befinden – schlicht, aber schön.

Die Spatzen Piorello und Bette kommen durch ein Menschenkind zusammen, ein Menschenkind, das die Spatzen regelmäßig füttert. Aus ihrem trauten Zusammensein wird bald mehr. Und so schlüpfen den beiden zwei süße Spatzenküken. Als Piorello von der Futtersuche nicht mehr zurück kommt beschließt Bette, sich auf die Suche nach ihm zu machen.

Das Rentier Caesar ist ebenfalls auf der Suche. Auf der Suche nach seinen Menschenfreunden, denen er einen Schlitten bringen muss. Auf Nachfrage erklärt sich Caesar bereit, Bette und ihre noch nicht flügge gewordenen Jungen mitzunehmen – in seinem Geweih.

In der Zwischenzeit hat es Piorello über den großen Teich verschlagen. Denn das Mädchen, gegen dessen Fensterscheibe er geflogen ist, hat ihn mitgenommen, um ihn wieder aufzupäppeln. Dort freundet er sich schnell mit einem Bernhardiner und einer Schar Gänse an. Diese wollen demnächst über den großen Teich aufbrechen – und Piorello will sie begleiten.

Brooks Hansen hat mit „Hör mein Lied“ ein wunderschönes Märchen für die Weihnachts- und Winterzeit geschrieben. Menschen kommen hier nur am Rande vor, die Hauptpersonen sind die Spatzendame Bette und ihr Gefährte Piorello. Beide nehmen einiges in Kauf, um wieder zueinander zu finden. Und beide finden auf ihrer nicht immer einfachen Suche Unterstützung durch andere Tiere. Sei es das gutmütige Rentier Caesar, das Bette und ihre Kinder auf seinen Geweih durch die verschneiten Ebene trägt, die Gänse, die Piorello unterweisen, damit auch er einen Flug über das Meer schaffen kann oder der Bernadiner, der Piorello das Leben rettet.

Und wenn auch die Wege von Piorello und Bette nicht einfach sind, die Treue, die sie zusammenhält, gibt ihnen die Zielstrebigkeit und Kraft, wieder zueinander zu finden. Ohne die Hilfe anderer Tiere hätten sie es vermutlich nie schaffen können, aber auch das hätte sie von ihrem Versuch nicht abgehalten. Und damit haben sich die zwei ungewöhnlichen Helden, eh‘ man sich versieht, direkt ins Herz geschlichen.

Die fast aussichtlos erscheinende Suche der beiden und die Hilfsbereitschaft der anderen Tiere machen die Geschichte damit absolut passend für die Weihnachtszeit. Aber ich bin sicher, dass sie den Leser auch zu jeder anderen Zeit in den Bann ziehen kann.

Eine Geschichte für all‘ jene – seien sie nun jung oder alt – die sich noch gerne von Märchen verzaubern lassen.

Eine Leseprobe zu dem Buch konnte ich leider nicht finden, aber da es gebraucht relativ günstig erhältlich ist, kann man damit ja auch eigentlich nicht allzu viel verkehrt machen ;-).

Published in: on Dezember 10, 2011 at 4:10 pm  Comments (1)  
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Die Steinsuppe

Ich komme im Moment (mal wieder) nicht so viel zum Lesen, die Geschichte oder das Märchen, die ich heute Morgen im Gemeindebrief gelesen habe möchte ich euch aber nicht vorenthalten:

Die Steinsuppe

Es ist Krieg. Ein sehr hungriger Soldat kommt in ein kleines Dorf in den Bergen. Da er nichts zu essen hat, bittet er die Leute, ihm etwas zu geben. Aber niemand ist bereit ihm zu helfen. Sie alle haben selbst nicht genug für sich und ihre Familien.
Da geht der Soldat auf den Marktplatz und entfacht ein Feuer. Von einem der Dorfbewohner leiht er sich einen großen Topf, füllt ihn mit Wasser und setzt ihn aufs Feuer.
Unter den misstrauischen und neugierigen Augen der Dorfbewohner holt er einen Stein aus der Tascher hervor und riecht entzückt an ihm. Dann wirft er ihn zum Erstaunen aller in das kochende Wasser. Er rührt in dem Topf und ab und zu probiert er einen Löffel.
Den verwunderten Dorfbewohnern erklärt er: „Ich koche eine köstliche Steinsuppe. Aber leider fehlt noch ein wenig Salz.“
Einer der Dorfbewohner bringt ihm ein bisschen Salz. Dann schmeckt der Soldat erneut die Suppe ab und sagt: „Mmmh, das ist schon nicht schlecht. Wenn ich jetzt noch ein klitzekleines Stück Karotte hätte, dann wäre die Suppe wohl perfekt.“
Und ein anderer Dorfbewohner bringt ihm ein Stück Karotte. Auf dieselbe Weise bittet der Soldat auch um Petersielie und ein Stück Speck und um allerhand Zutaten für eine köstliche Suppe. So trägt nach und nach jeder etwas bei. Um am Ende können alle eine leckere Suppe miteinander teilen.

(Verfasser unbekannt)

Published in: on Dezember 3, 2011 at 11:18 am  Kommentar verfassen  
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Die Feengabe von Barbara Schinko

Nachdem mein alter Rechner aktuell wieder funktioniert (warum, verstehe ich immer noch nicht) werde ich versuchen, den Rezensionsstau wieder aufzuholen. Los geht es mit „Die Feengabe“:

Barbara Schinko
Die Feengabe
Verlag: Mondwolf
300 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 395030021X
ISBN-13: 978-3950300215
14,55 €

Das Cover des Buches gefällt mir. Mit seinem Aussehen hebt es sich deutlich von den anderen Mainstream-Covern ab: Der Hintergrund ist in orange-braun gehalten, darauf befindet sich ein pergamentfarbenes Bild, auf dem ein Turm gezeichnet ist. Im Hintergrund kann man Bäume erahnen. Die Zeichnung ist von einer grünen Rankenbordüre umgeben, der Titel ist in gelber, eher altertümlicher Schrift über das Bild gedruckt.

Mavie und Stella, die Töchter des Gouverneurs der Insel Dalin, kommen nach einem herrlichen Sommer bei ihrer Großmutter Grannie zurück nach Dalin. Dort träumt Stella nur von ihrem angehenden reichen Ehemann – den es noch gar nicht gibt – während der Wildpfang Maevie die Gegend unsicher macht. Bei einem nächtlichen Streifzug beobachtet sie den örtlichen Geisterer bei einem Ritual zur Abwehr der Feen, die nur zu gerne Menschen ins Feenreich entführen.
Zu dem Ritual gehört auch der Tod einer Katze, doch das junge Kätzchen, dass der Geisterer für sein Ritual ausgewählt hat, gehört dem Sohn des Daliner Abeckers, Sorley. Dieser hat – genau wie Mavie – etwas gegen ihre Opferung und gemeinsam verhinderen sie das Ritual und den Tod der Katze.

Eine Tat, die nicht ohne Folgen bleibt: Mavies Schwester Stella wird vom Elfenprinz in sein Reich gelockt. Da Mavie Stella trotz der ständigen geschwisterlichen Streiterein liebt, hat sie nun nur noch ein Ziel: Die Schwester aus dem Feenreich zurück nach Dalin zu holen.

Barbara Schinko schreibt die Feengabe so, wie Märchen erzählt werden. „Die Geschichte [Die Feengabe] trug sich vor langer Zeit zu …“, so beginnt Maevie die Geschichte aus ihrer Kindheit. Und eh‘ sich der Leser versieht befindet er sich an Maevies Seite zu der Zeit, als Maevie ihr großes Abenteuer erlebte – ein Sommer, in dem sie einiges lernt – über die Liebe, die Feen, die Freundschaft, aber auch über sich selbst.

Die zum Teil altertümliche Sprache könnte den ein oder anderen ins Stocken bringen – ich bin mir nicht sicher, ob jeder Leser (gerade Jüngere) mit Begriffen wie Abdecker oder Geisterer (der Begriff kam auch mir nicht im Geringsten bekannt vor) etwas anfangen können. Aber zu einem Märchen passen diese Begriffe, sie sind eben einfach märchenhaft 😉 – und da sich die Meisten aus dem Kontext erschließen, sollte es, abgesehen von leichten Anfangsschwierigkeiten, keine Probleme geben.

Die Feen – die Fay – sind so beschrieben, wie ich mir die kaltblütigen Feen aus den irischen Sagen vorstelle: Sie entführen Menschen, ohne ein Gedanken an diese oder ihre Hinterbliebenen zu verschwenden – genau so, wie sie es mit Maevies Schwester Stella machen. Aber trotz allem sind sie auch schön, magisch und verführerisch. Es ist nicht schwer zu verstehen, dass auch Mavie und Sorley ihrem Bann erst einmal erliegen. Aber wie in den alten Märchen gibt es immer eine Chance, die Feen zu besiegen – eine Chance, die auch Sorley und Maevie haben und die man ihnen als Leser auch wirklich gönnt. Schließlich sind die beiden trotz – oder gerade wegen ihrer Macken – äußerst liebenswert.

Ein rundum gelungenes Märchen für Liebhaber von Feengeschichten oder irischen Sagen. Ein Buch, auf das man sich einlassen muss – aber wenn man es tut, erwartet einen ein märchenhaftes Lesevergnügen – ob man es nun nur für sich liest oder beim Vorlesen mit jemandem teilt.

Reinlesen könnt ihr hier.

Published in: on Oktober 5, 2011 at 9:34 pm  Kommentar verfassen  
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Drachen fliegen – ein fast realistisches Märchen von Matthias Czarnetzki

Nachdem mich die Leseprobe zu dem Buch auf Matthias Czarnetzkis Homepage doch ziemlich neugierig gemacht hat, habe ich ihn nach einem Rezensionsexemplar gefragt – und das Buch prompt als PDF zugestellt bekommen – noch mal vielen Dank dafür :-).

Matthias Czarnetzki
Drachen fliegen – ein fast realistisches Märchen
Verlag: lulu.com
108 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 1446157377
ISBN-13: 978-1446157374
8,90 €

Das Cover des Buches ist ziemlich einfach gehalten. Wenn es nur nach dem Cover gehen würde hätte ich das Buch nicht in die Hand genommen, obwohl ich zugeben muss, dass der Drache ziemlich witzig aussieht, ich dem Cover also wahrscheinlich zumindest einen zweiten Blick gegönnt hätte.

Der letzte Drache seiner Art, eine Prinzessin, die nicht heiraten möchte, und ein Prinz, der sie vor dem „bösen“ Drachen beschützen möchte. Klingt nach einem klassischen Märchen – ist es aber nicht.

Denn der Drache ist nicht böse und die Prinzessin nicht in Not. Sie wird sogar richtig sauer, als sie feststellt, dass der Prinz versucht, ihn zu töten.

Als dann auch noch der König vergiftet wird ist es sowohl für den Prinzen als auch für den Drachen Zeit, ihren Wert zu beweisen …

Das Buch ist weder realistisch noch ein Märchen – oder aber beides. Es fängt da an, wo andere Bücher enden: Mit dem Ende, „für alle die es nicht lassen können und das Ende zuerst lesen“.

Die Hauptpersonen sind klassische Märchenfiguren: Die Prinzessin, Mariam, der Prinz, Ferris, der Drache, Brutus, der König, sein persönlicher Berater K’Nigge und das Kräuterweib, auch Hexe bzw. seit neustem auch Heilpraktikerin gennant und damit in die Gesellschaft der Steuerzahler integriert.

Trotzdem ist es kein normales Märchen. Die Anmerkungen des Autors, die sich als Fußzeilen auf den Seiten finden. Die Einschübe, die die Märchenwelt mit unserer verbinden – auf eine ironische und witzige Art und Weise – machen es zu etwas Besonderen, wenn auch nicht unbedingt realistisch – realistischer allerdings als so manch‘ anderes Märchen mit dem typischen „und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende“.

So findet man in diesem Märchen neben einem sprechendem Vogel auch eine Souvenirbude auf einem weit entfernten Berg – auch wenn dort eigentlich nie Touristen vorbeikommen.

Die Figuren als solche sind von ihrer Bezeichnung her klassisch, aber damit hört es auch auf. Denn warum sollten Drachen und Hexen immer böse, Großwesire (oder Berater) immer intrigant und Prinzessinen hilflos sein? Man sollte diese Vorurteile natürlich nicht einfach über Bord werfen – vielleicht stimmen sie ja doch – aber hinterfragen, zumindest in diesem Buch.

Die Hauptpersonen sind nicht einfach nur märchenhaft. Und neben ihrer Aufgabe als Märchenheld müssen sie auch mit ganz alltäglichen Problem kämpfen, wie zum Beispiel damit, eine sture (Prinzessinen-)Tochter zur Einsicht zu bringen.

Und damit bietet das Buch eine gekonnte Mischung aus Märchen, Realität und einem guten Schuss Humor. Ein Buch, das man lesen kann, wenn man etwas Aufmunterung braucht, Abwechslung sucht oder einfach Lust auf ein paar gute Lacher hat. Es ist definitiv kein klassisches Märchen – eher das Gegenteil, aber das macht es nicht minder gut. Sondern besser.

Published in: on September 16, 2011 at 7:59 pm  Kommentar verfassen  
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Kissed von Alex Flinn

Nachdem mir Beastly so gut gefallen (die DVD sollte es übrigens ab heute in unserer Videothek geben :-), konnte ich „Kissed“ nicht widerstehen, nachdem ich es beim Buchhändler im Regal entdeckt hatte.

Alex Flinn
Kissed
Baumhaus
368 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 3833900210
ISBN-13: 978-3833900211
EUR 12,99

Das Cover von „Kissed“ ist eher schlicht gehalten und kommt im Gegensatz zu den meisten neuen Fantasy-Romanen völlig ohne Frauengesicht auf dem Cover aus :-):
Auf dem ganz in schwarz gehaltenem Cover befindet sich einzig und allein ein grasgrüner Frosch auf einem Seerosenblatt. Ein paar dunkle Ornamente lockern das Ganze noch ein wenig auf.

Nach dem plötzlichen Verschwinden seines Vaters ist das Geld bei Johnny und seiner Familie knapp. Um seine Mutter zu unterstützen arbeitet Johnny daher in seiner „freien“ Zeit im familieneigenen Schuhladen in Miami. In der kundenfreien Zeit geht Johnny seinem Traum nach: Er will Schuhdesigner werden und hat auch schon ein erstes Modell entworfen (und genäht) – ein Schuh, den seine Kindheitsfreundin Meg nur allzu gerne tragen würde.

Sein Leben ändert sich schlagartig, als die Prinzessin von Aloria, Victoria, in dem Hotel gegenüber dem Schuhladen unterkommt. Sie bittet Johnny um seine Hilfe: Ihr Bruder ist von einer bösen Hexe in einen Frosch verwandelt worden und wurde zuletzt auf einem Containerschiff Richtung Florida gesehen.

Nicht ganz überzeugt, aber von der guten Bezahlung in Versuchung geführt (neben Geld winkt auch die Hand der Prinzessin) beschließt Johnny, Victoria zu helfen.

Im Gegensatz zu „Beastly“ werden in „Kissed“ mehrere Märchen erzählt. Über Johnny hängen sie irgendwie alle miteinander zusammen: „Der Froschkönig“, „Die sechs Schwäne“ (ich kenne sie auch als Variante mit Raben), „Der goldene Vogel“ und „Die Wichtelmännchen“.

Auch hier liegt die Magie direkt vor der Haustür, man muss nur in der Lage sein, sie zu sehen. So sind die sechs Schwäne im gegenüberliegenden Hotel sechs Geschwister, die von ihrer bösen Stiefmutter verwandelt wurden. – Auch sie würden gerne den Chat aus „Beastly“ in Anspruch nehmen, sind aber aufgrund ihrer Flügel und des eher genügsamen Nachtportier (der zu ihrem Leidwesen die ganze Nacht an seinem Platz sitzen bleibt) leider nicht in der Lage, daran teilzunehmen.

Die Hauptperson der Geschichte, Johnny, ist ein einfacher Schusterjunge – der jedoch zu Größeren bestimmt ist. Er nimmt die Gelegenheit eines Abenteuers und die Chance auf die Prinzessin war, ohne zu sehen, dass das Glück doch eigentlich vor der Haustür liegt – was die Geschichte jedoch nicht minder lesenswert macht.

Ein netter Geschichte, bei dem man auf einige Bekannte aus den diversen Märchen trifft (auch wenn man nicht jeden sogleich erkennt). Das scheinbar im Vordergrund stehende Märchen „Der Froschkönig“ liegt dabei jedoch nicht wirklich am Haupterzählstrang, vielmehr folgt ein Märchen auf das andere. Hier wäre vielleicht ein Märchen weniger – dafür etwas vertiefter – besser gewesen.

Nichts desto trotz eine gelungene Geschichte, wenn sie auch nicht mit „Beastly“ mithalten kann. Ich bin schon gespannt auf das nächste Märchen aus Alex Flinns Federn (das bereits in englischer Sprache erschienen ist) „A Kiss in Time“ – hier schreibt Alex Flinn eine moderne Version von Dornröschen.

Eine Leseprobe zu „Kissed“ findet ihr hier.

Published in: on August 8, 2011 at 7:54 pm  Comments (1)  
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Die Tochter der Wälder von Juliet Marillier

Juliet Marillier
Die Tochter der Wälder
Knaur
656 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 3426509067
ISBN-13: 978-3426509067
EUR 9,99

Das Cover des Buches zeigt eine Frau in einem weißen Kleid, die in der Dämmerung an einem Schwanensee entlang läuft. Das Cover wirkt geheimnisvoll und märchenhaft – so wie das Buch.

Mit „Die Tochter der Wälder“ beginnt der Zyklus um die Menschen von „Sevenwaters“:

Zusammen mit ihren sechs Brüdern wächst Sorcha mutterlos und von ihrem Vater kaum beachtet in Sevenwaters und den umherliegenden Wäldern auf. Es ist ein freies und ungezwungenes Leben, das mit der erneuten Heirat ihres Vaters ein jähes Ende nimmt.

Sorchas Stiefmutter verwandelt ihre Brüder in Schwäne, nur Sorcha kann ihrem Fluch entkommen. Doch obwohl der Fluch das Leben ihrer Brüder überdauern soll, gibt es noch Hoffnung: Die Herrin des Waldes teilt Sorcha mit, wie der Fluch zu lösen ist, Sorcha muss für jeden ihrer Brüder ein Hemd spinnen und nähen – ein Hemd aus stacheligen Mieren. Doch obwohl dies allein schon schweres Unterfangen ist, wird Sorcha noch eine weitere Pflicht auferlegt: Bis sie die Hemden gefertigt hat darf kein Laut über ihre Lippen kommen.

Juliet Marillier lässt das Märchen um das Mädchen mit ihren in Schwäne verwandelteten Brüder im alten Großbritannien neu aufleben. Dabei gelingt es ihr, das Märchen und unsere Vergangenheit fließend ineinander zuweben. So vermischen sich Wahrheit und Legende, Märchen und Fakten zu einer faszinierenden Geschichte.

Erzählt wird die Geschichte aus Sorchas Sicht (es wäre auch schwer, sie aus Sicht eines Schwanes niederzuschreiben ;-)). Mit ihr erlebt der Leser das jähe Ende ihrer Kindheit, entdeckt aber auch die Stärke, die in ihr steckt.

„Die Tochter der Wälder“ ist ein Märchen mit allem, was dazu gehört: Eine böse Stiefmutter, eine schier unmögliche Aufgabe aber auch „gute Feen“ (oder einfach gute Menschen) die beim Lösen der Aufgabe behilflich sind. Aber die „Tochter der Wälder“ ist nicht nur ein Märchen, sondern auch eine magische Geschichte aus unsere Vergangenheit. In jedem Märchen steckt ein wahrer Kern – warum nicht auch in diesem?

Eine wundervolle Geschichte für all‘ diejenigen, die die Fähigkeit zu Träumen noch nicht verloren haben (oder sie wiederfinden wollen). Ein Märchen, das einen für kurze Zeit aus unserer Welt entführt, um sie danach mit mit anderen Augen zu sehen.

Wenn ihr euch auch verzaubern lassen wollt, könnt ihr
hier einen Blick ins Buch werfen.

Published in: on August 5, 2011 at 9:01 pm  Comments (2)  
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Beastly von Alex Flinn

Alex Flinn
Beastly
RM Buch und Medien
336 Seiten, Taschenbuch
Bestellnummer: 116552076
EUR 12,99

Ich hatte mir die Clubausgabe des Buches ertauscht. Das Cover ähnelt dem der DVD, wahrscheinlich wird das Buch als „Buch zum Film“ verkauft.

Kyle Kingsbury hat alles, was sich mit Geld kaufen lässt, und ein blendendes Aussehen. Er ist an der Spitze und genießt seine Position, um auf die weniger glücklichen herabzusehen, seien sie hässlich oder „nur“ arm.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem er eine Hexe der Lächerlichkeit preisgibt. Zur Strafe verflucht sie ihn. Er soll als Bestie umherwandern und nur die Liebe kann ihn erlösen. Wenn er innerhalb von zwei Jahren ein Mädchen findet, das ihn trotz seines Aussehens liebt und ihn küsst wird er sein früheres Aussehen zurückbekommen, ansonsten wird er eine Bestie bleiben – für den Rest seines Lebens.

Alex Flinn erzählt die Geschichte aus Kyles Sicht, immer wieder unterbrochen durch einen Chat in einer Art „Selbsthilfegruppe für ungewollte Gestaltänderung“.

Alex Flinn schafft es, die ursprüngliche Geschichte (von der es ihrer Anmerkung zufolge einige gibt) in die heutige Welt zu versetzen, ohne dass es unpassend oder gar merkwürdig wirkt. Wenn es Magie in unserer Welt gibt (und das hoffe ich stark ;-)), dann kann die Geschichte genauso durchaus passiert sein: Ein arroganter Junge, den ein Schicksalsschlag (so kann man die Verwandlung in eine Bestie durchaus bezeichnen) zu verändern beginnt. Ein Mädchen, für das nicht das Äußere, sondern das Innere zählt – auch wenn sie sich zu Beginn dennoch von seinem Aussehen abschrecken lässt. Aber auch oberflächliche Menschen, für die nur das Äußere zählt. Dazu eine Prise Magie und eine vielleicht nicht ganz so „böse“ Hexe.

Der Chat, der die Geschichte immer wieder unterbricht, stört nicht im Geringsten, sondern lässt vermuten, dass noch mehr Magisches in unserer Welt existiert (der Gruppenleiter des Chats heißt übrigens Mr. Anderson – ob da eine Verbindung zum bekannten Märchenautor besteht?).

Alles in allem eine wunderbare Umsetzung des altbekannten Märchens „Die Schöne und das Biest“ im heutigen New York. Ich bin gespannt auf weitere „Märchen“ aus Alex Flinns Feder (ich habe gerade entdeckt, dass vor kurzem „Kissed“ beim Bastei-Lübbe Verlag erschienen ist). Lesespass ist hier garantiert :-).

Reinlesen könnt ihr hier. – Ich werde derweil versuchen irgendwo an den Film ranzukommen (vielleicht hat ihn ja die örtliche Videothek).

Published in: on Juli 21, 2011 at 1:28 pm  Comments (1)  
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Die Grimm Akten – Auf der Spur des Riesen von Michael Buckley

Das Buch hier ist mir am Sonntag auf einem Flohmarkt in die Hände gefallen und war dann auch recht schnell gelesen…

Michael Buckley
Die Grimm Akten – Auf der Spur des Riesen
Baumhaus Verlag
362 Seiten, Hardcover
ISBN-10: 9783833937385
ISBN-13: 978-3833937385
12,90 €

Das Cover des Buches zeigt zwei Kinder, die auf der Flucht vor einem Riesen (von dem man nur die Hand sieht) durch den Wald laufen. – Da ist der Riese wohl eher ihnen auf die Spur als sie ihm ;-).

Nach dem mysteriösen Verschwinden ihrer Eltern werden Sabrina und Daphne von einer Pflegefamilie in die nächste geschoben. – Bis sich ihre tot geglaubte Großmutter meldet, um die beiden in Pflege zu nehmen.

Eine Tatsache, der Sabrina äußerst skeptisch gegenübersteht, hatten ihre Eltern doch gesagt, dass ihre Großmutter schon längst verstorben sei. Dass die vermeintliche Großmutter an Märchen glaubt, in einem winzigen Haus voller Bücher lebt und ihnen empfiehlt, nachts bloß nicht nach draußen zu gehen (und deswegen die Fenster vernageln lässt), macht die Sache nicht einfacher.

Als sie dann jedoch am lebendigen Leibe erleben, dass Märchen wirklicher sind als gedacht – ihre Großmutter wird von einem Riesen entführt – machen sich die beiden mit Hilfe weiterer Fabelgestalten auf, ihre Großmutter zu retten…

Michael Buckley hat es schon mit der ersten Seite geschafft, mich in den Bann zu ziehen: Die Beiläufigkeit, mit der Daphne ihre missmutige Sozialarbeiterin in den Wahnsinn treibt; Sabrinas vergebliche Versuche, vernünftig mit eben dieser Sozialarbeiterin zu kommunizieren und dass diese offensichtlich froh ist, die beiden loswerden zu können. – Das zeigt auch ihre Auswahl der vorherigen Pflegefamilien, die im ganzen Buch immer wieder erwähnt werden: Sei es, um einen Grund dafür zu finden, sich bei ihrer Großmutter nicht wirklich wohl zu fühlen, sei es, um eine Flucht aus einer gefährlichen Situation zu wagen. – Eine Beschreibung, die es leicht macht, sich die Situationen vorzustellen und die einem die beiden Mädchen einfach sympathisch macht.

Die verschiedenen Märchenfiguren, die in der Geschichte auftauchen sind jedoch nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Hier lässt Michael Buckley den Leser oft noch einige Zeit im Dunklen. Nur bei längerer Betrachtung, etwas Nachdenken oder in Extremsituationen (dann nehmen die Märchenfiguren ihre wahre Gestalt an) kann man diese enttarnen – auch wenn sie dann nicht gerade ihr übliches Verhalten an den Tag legen: So können die Helden und Schurken aus dem Märchengeschichten hier durchaus auch gegensätzliche Rollen übernehmen.

Alles in allem eine spannende und abwechslungsreiche Geschichte, die mit einer guten Mischung aus Märchen, Krimi, Humor und liebenswerten Figuren aufwartet. – Ein Buch, an dem nicht nur Kinder ihren Spaß haben werden.

Published in: on April 8, 2011 at 11:26 am  Comments (1)  
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Drei Engel für Armand von Jim C. Hines

Jim C. Hines
Drei Engel für Armand
Verlag: Bastei-Lübbe
448 Seiten , Taschenbuch
ISBN-10: 340420607X
ISBN-13: 978-3404206070
9,99 €

Das Cover zeigt drei einsatzbereite Kriegerinnen vor einem Torbogen in einer Burg. Die Frauen haben ihre Waffen gezückt, ihre Haare, ihre Kleidung und die in der Burg hängenden Fahnen flattern im Wind. Ein Cover, das einiges an Action verspricht. – Da passt dann auch der Titel: „Drei Engel für Armand“, der doch sehr an den Actionfilm „Drei Engel für Charlie“ erinnert.

Was passiert mit den Märchenfiguren, wenn die Geschichte zu Ende und das „Happily Ever After“ ausgesprochen ist? Leben sie wirklich „glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage“?
Nun, im Fall von Danielle Whiteshore (Aschenputtel) ist dem nicht so. Das Leben als Prinzessin ist nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatte und nun ist auch ihr Ehemann – Armand – verschwunden. Ihre eifersüchtigen Stiefschwestern haben ihn mit Hilfe von Magie entführt.

Gemeinsam mit dem königlichen Geheimdienst – von dem sie bisher nicht das geringste geahnt hatte – macht sich Danielle auf den Weg, ihren Prinzen zurückzuerobern: Ihr zur Seite stehen Talia (Dornröschen) und Schnee (Schneewittchen). Auch ihre Märchen endeten nicht so, wie es die Märchenbücher zu erzählen wissen. Beide haben in Aschenputtels Reich Unterschlupf gefunden und bringen ihre Fähigkeiten – Talia ist eine Meisterin des Kampfes und Schnees beherrscht die Spiegelmagie – nun bei der Rettung von Armand ein.

Die Idee, die bekannten Märchen weiterzuführen und die Hauptpersonen von einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten ist gut, aber nicht wirklich neu. Das Einbringen von Szenen und Geschehnissen aus den ursprünglichen Märchen in die Geschichte ist gut umgesetzt. Trotzdem hat mich die Geschichte nicht wirklich überzeugt, der Funke ist einfach nicht übergesprungen. Das Buch war interessant, aber definitiv nicht fesselnd – ich hatte nicht das Gefühl im Geschehen zu sein, sondern eher, das Geschehen von einem weit entfernten Punkt zu betrachten.

Alles in allem eine Geschichte, mit der man sich gut einen Nachmittag vertreiben kann. Wenn man sie nicht gelesen hat, hat man allerdings auch nicht allzu viel verpasst.

Published in: on Februar 22, 2011 at 6:47 pm  Kommentar verfassen  
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Der Piratensittich

Das Seefahrer-Gewinnspiel bei Christoph Hardebusch ist beendet, gewonnen habe ich leider nichts :-(. Dafür stelle ich euch jetzt das Märchen vor, das ich eigens für das Gewinnspiel kreiert habe:

Der Piratensittich

Es ist Winter. Draußen klirrende Kälte, die eine Schar lachende Kinder ins Haus trägt. Am warmen Kaminofen verpufft die Kälte zu eine leichten Hauch. Vor dem Kamin sitzt der Großvater der Kinder in seinen alten Ohrensessel. Seit die Kinder denken können sitzt er im Winter dort vor dem Kamin.

„Großvater erzählst du uns eine Geschichte?“ fragt das Älteste vorlaut. „Mit Piraten“, ergänzt der Zweitälteste und beginnt mit einem imaginären Gegner ein Fechtduell, „Und mit Tieren“ flüstert ihm seine Enkelin, die es sich gerade auf seinem Schoß bequem macht ins Ohr.
„Eine Geschichte wollt ihr?“ brummelt der Alte, ein Lächeln breitet sich über sein Gesicht aus, als sein Blick über seine Enkelkinder schweift, „Dann sollt ihr auch eine bekommen. Erinnert ihr
euch an meinen alten Wellensittich Fuzzi?“ Die Kinder nicken. „Nun, er entstammt einem stolzen Geschlecht von Piratensittichen.“ Verwirrt blicken ihn die Kinder an. „Ja, Piratensittiche sind selten, es wundert mich nicht, dass ihr noch von keinem gehört habt. Ich werde euch in die Anfänge ihrer Geschichte führen:

Vor langer Zeit lebte auf einer großen Insel im südlichen Meer eine riesige Kolonie bunter Vögel. Aufgrund der bunten Wellen die man erblickte wenn sich der Schwarm in die Lüfte erhob nannte man
sie Wellensittiche. Den lieben langen Tag befassten sich diese Sittiche mit Fressen, Fliegen und Turteln. Und dabei waren sie glücklich. Alle, fragt ihr euch? Nein, nicht alle. Einer dieser Sittiche war mit dem täglichen Fressen, Fliegen und Turteln nicht zufrieden. Sollte das der Sinn des Lebens sein?

Eines Abends entdeckt er beim Abendlichen Grübeln auf seiner Lieblingspalme einen riesigen weißen Fleck am Horizont. Eine Wolke? So nah über dem Meer? Der Fleck hielt auf seine Insel zu und
als er am nächsten Morgen – über das Beobachten waren ihm irgendwann doch die Augen zugefallen – den Fleck am Horizont suchte, entdeckte er eine riesige weiße Fläche die auf den Strand zuhielt. Es dauerte noch eine ganze Weile bis es den Strand erreicht hatte und dann sprangen einige Wesen von Bord, wohl auf der Suche nach Wasser und Nahrung. Neugierig flog unser Sittich näher und landete auf einer großen schwarzen Fläche, die den Kopf eines der Wesen bedeckte. Neugierig beäugten sich die beiden. Da Menschen – nichts anderes waren die Wesen, die unser Sittich entdeckt hatte – und Tiere damals noch die gleiche Sprache sprachen, konnte der Sittich all‘ seine Fragen loswerden. Was war die große weiße Fläche? Wie waren die Menschen damit übers große Meer gekommen? Was machten sie dort? Großzügig beantwortete der Kapitän – wer sonst würde wohl solch einen großen Hut tragen – die Fragen des Wellensittichs. Er und seine Männer waren Freibeuter – Piraten würde manch einer sie wohl nennen – auf der Suche nach Glück, Gold und dem Sinn des Lebens. Wie groß wurden da die Augen des Wellensittichs. Diese Wesen waren genau wie er nicht mit Fressen und Fliegen zufrieden. Sie wollten wie er den Sinn des Lebens entdecken. Und er war sich sicher: Er wollte mit ihnen auf die Suche gehen. Und weil dem Kapitän der Sittich und dem Sittich der Kapitän gefiel nahm der Kapitän unseren Sittich mit auf die Reise.

Heutzutage ist es nicht unüblich, dass Piraten einen Papagei bei sich tragen. Aber unser Wellensittich war der erste Piratenvogel – ein Piratensittich – die anderen, das waren nur Nachahmer. Sicher, die Piraten werden mit ihren Vögel zufrieden gewesen sein, aber der erste Piratensittich, das war ein Vorfahre unseres Fuzzi.“

Mit diesen Worten beendet der Großvater seine Geschichte und blickt seine Enkelkinder an. Sie würden ihre Wellensittiche ab jetzt sicher mit anderen Augen sehen…

Published in: on Oktober 19, 2010 at 11:04 am  Comments (1)  
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