Ein Tag im Piper Verlag oder Wie ein Buch entsteht

Mein Wochenende war fantastisch. Beim Piper Fantasy Treffen in München hatte ich – zusammen mit einigen anderen ausgewählten Personen – die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulisse des Verlags zu werfen. Eine Kulisse, die schon auf dem ersten Blick ziemlich eindrucksvoll wirkt, hat der Piper Verlag doch seinen Sitz in einer 1880 von Architekten August Thiersch erbauten Villa.

piperverlag_georgenstraße

In dem ehemaligen Büro des Verlagsgründers Reinhard Piper hatten wir dann die Gelegenheit, die Mitarbeiter rund um die Fantastik persönlich kennen zu lernen und löchern zu dürfen. Und so weiß ich jetzt ziemlich genau, wie aus einem Manuskript ein Buch wird – auch wenn natürlich nicht jedes Schreibwerk diesen Schritt schafft.

Drei Lektoren sind tagtäglich auf der Suche nach neuen Lesestoff für Piper Fantasy und IVI; eine Suche, bei der sie nicht nur auf die Angebote von verschiedenen Agenturen oder Autoren zurückgreifen, sondern auch die Weiten des Netzes durchforsten. Indieautoren sind dabei ebenso interessant wie die zahlreichen Bewertungen von fremdsprachiger Literatur, unter anderem auch auf Goodreads. Auch Aktionen wie der von wattpad und dem Piper Verlag gestartete #erzählesuns können neue Autoren in den Verlag spülen. Tatsächlich lesen die Lektoren sogar die unangefordert eingesandten Manuskripte – bisher hat es allerdings nur eines davon in das Programm des Verlags geschafft.

Ein Großteil der Manuskripte lesen die Lektoren in ihrer Freizeit, die Liebe zum Buch und zur Fantastik sollte für den Job also durchaus vorhanden sein. Dafür wird man aber auch mit einem wirklich fantastischen Büro belohnt. Welche Leseratte würde nicht davon träumen?

piperverlag_lektorat

Gefällt ein Manuskript einem der Lektoren, lesen es alle und entscheiden anschließend gemeinsam, ob das Buch veröffentlicht werden kann. Man steigt in die Verhandlungen ein und mit etwas Glück (oder viel Geld ;-)) hat der Verlag dann die Rechte am Buch.

Weiter geht es mit Autoren- und Buchbetreuung von A-Z. Eine Aufgabe, die mit deutschen Autoren natürlich deutlich einfacher ist als mit fremdsprachigen. Man spart sich nicht nur die Übersetzung, sondern hat auch deutlich leichteren Zugriff auf den Autor. Das Manuskript wird lektoriert und korrigiert, anschließend muss ein Cover für das Buch gefunden werden. Dafür gibt es im Piper Verlag tatsächlich ein zweiseitiges Formular, das mit ein paar Bildvorschlägen ausgefüllt an eine Grafikagentur geht. Und nicht immer kommt das zurück, was sich der Lektor wünscht.

Ist das Buch erst einmal im Satz, kommen Presse und Marketing zum Einsatz. Das Buchprogramm muss erstellt und präsentiert werden; Online- und Printkampagnen ins Leben gerufen werden; Redaktionen, Blogger und Buchhandel informiert werden. Dadurch, dass der fantastische Bereich im Feuilleton eher ein Schattendasein fristet, spielen wir Blogger und Leser hier tatsächlich eine recht große Rolle. Messen, Lesereisen und der Autor selbst machen das Buch noch bekannter, ebenso wie Merchandiseprodukte und Events wie dieses hier (das mit dem Blick hinter die Kulissen noch lange nicht vorbei war – mehr dazu folgt in Kürze).

Letztendlich sorgt aber der Leser dafür, dass ein Buch wirklich erfolgreich wird – durchs Kaufen, Lesen und Weiterempfehlen. Und damit sind wir doch alle zumindest einer kleiner Teil des großen Buchsystems.

Published in: on Februar 2, 2015 at 12:30 pm  Comments (4)  
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Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra von Robin Sloan

Die sonderbare Buchhandlung des Mr Penumbra von Robin Sloan Robin Sloan
Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
Verlag: Karl Blessing
352 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3896674803
ISBN-13: 978-3896674807
19,99 €

Schon das Cover des Buches sollte das Herz eines jeden Buchliebhabers höher schlagen lassen: Es wird von einem riesigen Bücherregal eingenommen, das fast vollständig mit alten Büchern gefüllt ist – nur Buchtitel, Autor und Verlagsname sowie ein alter Computer (mit Diskettenlaufwerk) haben sich ihr eigenes Plätzchen im Regal gesichert.

Nachdem der Webdesigner Clay Jannon weder im Netz noch in den Zeitungen mit seiner Suche nach einem Job erfolgreich war, schaut er sich anderweitig um und landet in der „sonderbaren Buchhandlung des Mr. Penumbra“. Eine kleine Buchhandlung, die bis an die Decke mit alten Büchern gefüllt ist – aber von erstaunlich wenig Käufern frequentiert wird. Tatsächlich scheinen die Stammkunden die Bücher aus dem Laden nur auszuleihen. Ein merkwürdiges Verhalten, dessen Erforschung Clay auf die Spuren eines uralten Geheimnisses führt.

Mich hat Robin Sloan schon mit dem ersten Satz in den Bann seiner Geschichte gezogen, beginnt sie doch auf einer schwankenden Leiter, auf der sich die Hauptperson der Geschichte einem Buch nähert. Die Hauptperson selbst ist eher unspektakulär und ziemlich normal – ganz im Gegensatz zu den Charakteren, die sie umgeben: Sein bester Freund aus Schulzeiten, Leseratte, Rollenspieler und nun Besitzer einer erfolgreichen Softwarefirma, Neel aka Nilric Quarter-Blood; die über eine von Clay geschaltete Werbeanzeige in den Laden gelockte Googlerin Kate, die einen Posten in der Reihe der Projektmanager (PM) von Google anstrebt; und natürlich der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte: Mr. Penumbra und seine seltsame Buchhandlung – wobei ich persönlich eher die Leute, die tagtäglich ein- und ausgehen als seltsam beschreiben würde.

Was die Geschichte vorantreibt sind Neugier und der Durst nach Wissen – Antriebe, die die Menschheit vermutlich schon einige Male vorwärts gebracht haben. Das Geheimnis dieses Buches stammt allerdings aus vergangenen Zeiten – ebenso wie die Methoden, mit denen der Orden der ungebrochenen Buchrücken schon jahrhundertelang versucht, selbiges zu entschlüsseln. Kein Wunder, dass der Einsatz eines Computers dort zu Empörung führt, während manch ein moderner Mensch sich fragt, warum sie darauf verzichten, könnte sich das Problem doch innerhalb eines Vormittages lösen lassen (ganz so einfach ist es natürlich nicht).

Um ans Ziel zu kommen ist nämlich mehr als ein bloßer Entschlüsselungsalgorithmus von Nöten. Kein Wunder, führt doch schon der Weg zum Ziel zu heftigen Diskussionen zwischen Konservativen und Modernen – der Gemeinschaft der Ungebrochenen Buchrücken und der Firma Google. Und zwischen den Fronten steht klein und doch nicht zu übersehen Mr. Penumbra und sein kleiner Buchladen – einer der wenigen Orte, an dem sowohl Modernes als auch Altes gefunden werden kann.

Des Rätsels Lösung offenbart sich erst zum Schluss – und wie das Leben häufig spielt, ist auch diesmal die Lösung so simpel wie einleuchtend. Etwas, das man sowohl im Modernen als auch im Alten finden kann – oder zwischen dem Einband eines guten Buches.

Staubige Bücher gefüllt mit unlesbaren Wörtern, ein Geheimbund auf der Suche nach einem uralten Geheimnis und ein Unbedarfter, der zufällig mitten in diese Suche hineinplatzt – eine Mischung, die eine abenteuerliche, spannende und vielleicht sogar fantastische Reise verspricht. Diese Reise ist jedoch anders, als man anfangs denkt – eine Tatsache, die verwundert, aber nicht weniger zu begeistern versteht. „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ ist eine philosophische Mischung aus Historie und Moderne, E-Reader und gebundenem Buch, uraltem Geheimbund und Google. Eine Mischung so seltsam wie die titelgebende Buchhandlung und mindestens genauso fesselnd, wie es eine alte staubige Buchhandlung für Leseratten ist – und so ist auch die Spannung die, die buchstöbernde Leseratten auf Büchermärkten oder in Antiquariaten erwartet. Böse Buben, Schwertkampfduelle oder Schießereien findet man in dieser Geschichte höchstens in den Büchern, die Mr. Penumbra in seinem Laden verkauft.

Vielleicht muss man ein bisschen seltsam sein, um die Geschichte zu mögen: Bücher lieben; mit Freunden, Würfel und Papier in fremde Welten abtauchen oder in Verschlüsselungsalgorithmen oder Programmiersprachen versinken können. Ich bin mir sicher, dass Robin Sloan die Geschichte für derart „seltsame“ Leute geschrieben hat – und die werden sie (wie ich) sicher mögen.

Hier könnt ihr selbst einen Blick in Mr. Penumbras Buchhandlung werfen – und anschließend vielleicht auch noch ein weniger länger dort verbleiben.

Published in: on Juli 30, 2014 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
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Besinnliche Weihnachtszeit

Morgen beginnt nun „offiziell“ die Adventszeit (auch wenn die Läden sich gefühlt schon seit Monaten in Weihnachtsstimmung befinden). Eine eher ruhige Zeit, die man (wenn man Zeit dafür hat – eigentlich sollte man sie sich nehmen) bei Kerzenschein, Weihnachtsliedern, selbst gemachten Plätzchen und dem ein oder anderen guten (Weihnachts-)Buch verbringen sollte.

Bei mir ist es dieses Jahr mit der Zeit etwas knapp. Und damit die Weihnachtszeit nicht zurückstehen muss, werde ich im Dezember mit dem Bloggen etwas kürzer treten. Ganz los werdet ihr mich allerdings nicht, einmal die Woche sollte ich schon zum Bloggen kommen.

Und damit euch in der Zeit nicht der Lesestoff ausgeht, habe ich euch hier eine kleine Auswahl von fantastisch weihnachtlichen oder winterlichen Büchern aus meinem Rezensionspool zusammengesucht.

Winterliche Fantasy
Der Spiegel von Feuer und Eis
Der Kuss des Kjer (noch ohne Rezension, vielleicht gibt es eine nach einem Re-Read in diesem Winter)
Frostblüte

Märchenhaft
Hör mein Lied (mein absoluter Favorit in dieser Kategorie)
Winterwelt
Ice – Hüter des Nordens

Romantisch (und ein wenig fantastisch)
Ein Highlander zu Weihnachten

Schokoladig (und vielleicht wegen der ganzen Pralinen auch ein kleines bisschen vorweihnachtlich)
Meleons magische Schokoladen

Und der Weihnachtsklassiker schlechthin (zumindest, wenn man der Anzahl an Wiederholung der Verfilmung um Weihnachten Glauben schenkt)
Das letzte Einhorn

Für Leute mit wenig Lesezeit gibt es außerdem noch eine Kurzgeschichte
Zwei Seelen

und zwei Anthologien, einmal weihnachtlich (zumindest ein wenig)
Werwölfe zu Weihnachten

und einmal winterlich fantastisch
Stille Nacht.

Published in: on November 30, 2013 at 9:00 am  Comments (5)  
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Taberna Libraria – Die Magische Schriftrolle von Dana S. Eliott

magischeschriftrolle Dana S. Eliott
Die Magische Schriftrolle
354 Seiten
Ebook
ASIN: B007W8R51K

Bei diesem Buch sind schon Titel und Cover wirklich gelungen. Während der Titel einen Lesegenuss für jede Leseratte verspricht, zeigt das Cover eine solche vor pergamentbraunem Hintergrund. Was die Ratte vor sich hat, kann ich leider nicht erkennen, das tut dem Cover allerdings auch keinen Abbruch.

In Woodmoore-by-the-Sea kommen die Freundinnen Corrie und Silvana ihrem Traum von einem eigenen Buchladen endlich näher. Die Lage scheint nicht gerade perfekt, schließlich ist Woodmoore doch relativ klein, aber der alte Buchladen, der zum Verkauf steht, scheint geradezu für die zwei geschaffen zu sein.
Die merkwürdigen Vorbestellungen der Dorfbewohner halten die zwei erst für einen Scherz – bis sie durch das Portal im hinteren Bereich ihres Ladens in einem weiteren Buchladen landen. Einem Laden, der definitiv nicht von ihrer Welt ist.

Schon mit dem Prolog wird der Leser in die Welt hineingeworfen, die Corrie und Silvana erst im weiteren Verlauf des Buches kennen lernen: Einer der Schriftgelehrten von „drüben“ erlebt, vermutlich fast so überrascht wie Corrie und Silvana, wie sich das Portal in unsere Welt wieder öffnet.

Die eigentliche Geschichte beginnt ein paar Wochen zuvor. Corrie und Silvana besuchen den Makler, der ihnen den kleinen Buchladen im Ort angeboten hat. Ein Buchladen, in den sich Corrie (und ebenso der Leser) vom ersten Moment an verliebt. Das kleine Örtchen und seine Bewohner tun ihr übriges, Leser und Protagonisten zu verzaubern, sodass der Buchladen doch sehr schnell den Besitzer wechselt. Die Geheimnisse des Buchladens kommen erst kurz vor der Eröffnung ans Licht – und das auf relativ spektakuläre Art und Weise: Auf der Flucht vor einem Rudel Feuerwölfe poltern Corrie und Silvana durch das Portal nach drüben. Und der Buchladen auf der anderen Seite ist definitiv ein Traum für jede Leseratte. Denn die Bücher dort sind beinah lebendig. Manche wirken so, als wären sie es tatsächlich. Ich habe mich bei diesem Ausflug unsterblich in ein Exemplar von Berolins Lehren verliebt. Nach einem echten Buchkampf, der durch den Leiter der Buchhandlung schnell beendet wird, konnte ich dem sich schüchtern hinter einem Hosenbein versteckenden Buch jedenfalls nicht böse sein.

Mir persönlich hätte der Ausflug in den Buchladen drüben ja gereicht, „Taberna Libraria“ hat allerdings noch mehr zu bieten als die Auswahl der Bücher von hier und drüben. Es gilt fünf magische Bücher zu finden und vor dem Zugriff eines bösen Magiers zu schützen. Eine Aufgabe für Schatzjäger, nicht für Buchhändlerinnen. Dennoch stellen sich die zwei dieser Aufgabe, eine Aufgabe, die sie beileibe nicht alleine erfüllen müssen. Und so treffen die zwei auf allerlei magische Gestalten, haben knifflige Rätsel zu lösen und machen einige spannende Entdeckungen. Der Betrieb ihrer Buchhandlung ist dabei fast schon Nebensache.

Von mir bekommt das Buch schon wegen der zwei Buchhandlungen eine volle Leseempfehlung – von den Exemplaren der Buchhandlung von „drüben“ sollte eigentlich jeder Mal gelesen haben. Die sympathischen Figuren (und die gehen weit über die Hauptfiguren hinaus), die fantastische Welt und die kniffligen (aber auch süßen) Rätsel tun ihr übriges, den Leser bei den Seiten zu halten.

Hier könnt ihr selbst einen ersten Versuch wagen. Und für die Leute ohne E-Reader gibt es ebenfalls gute Nachrichten, ab Dezember ist das Buch im Knaur Verlag auch als greifbare Version erhältlich

Published in: on September 4, 2013 at 12:30 pm  Comments (5)  
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[Rumpelkammer] Die fliegendes Bücher des Mister Morris Lessmore

Durch merci dans le cinema und den dortigen Beitrag zu Blogger schenken Lesefreude bin ich auf ein ziemlich interessantes Buch – und den dazugehörigen Kurzfilm – gestoßen: „Die fliegendes Bücher des Mister Morris Lessmore“.

Nachdem ich den Kurzfilm in den Weiten des Webs aufgestöbert habe, möchte ich ihn euch nicht vorenthalten.

Ein Film, der sicherlich so manches Leserherz erwärmen wird.

Published in: on April 28, 2013 at 9:00 am  Comments (2)  
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[Blick über den Tellerrand] Die dreizehnte Geschichte

Vielleicht hat sich der ein oder andere gewundert, wo meine Artikel bleiben. Ich war voll und ganz in „Die dreizehnte Geschichte“ abgetaucht. Und weil mir das Buch echt gut gefallen hat, gibt es heute mal wieder einen Blick über den Tellerrand.

Ich habe es in der gebundenen Ausgabe (mit roten Lesebändchen, wie das Buch auf dem Cover) gelesen, da diese aber neu nicht mehr erhältlich ist, gebe ich bei den Buchdaten die Daten der Taschenbuchausgabe an.

Diane Setterfield
Die dreizehnte Geschichte
Heyne Verlag
528 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 3453405498
ISBN-13: 978-3453405493
EUR 9,99 €

Das Cover des Buches zeigt einen Stapel sehr alter Bücher – aus dem das Lesebändchen, das aus einem der Bücher ragt, stark heraussticht. Definitiv ein Cover für Buchliebhaber (wie mich).

Es ist ein Brief, der die Buchhändlerin Margaret Lea aus ihrem Alltag reißt. Ein Brief, den sie von Englands beliebtester Schriftstellerin, Vida Winter, bekommt. Eine Autorin, deren Leben ein einziges Geheimnis ist – und eine Autorin, von der Margaret noch kein einziges Buch gelesen hat.

Vida Winter bittet Margaret darum, ihre Biographie zu schreiben. Eine Bitte, von der sich Margaret nicht sicher ist, ob sie ihr nachkommen möchte – kursieren doch schon zu viele Geschichten über ihren Lebenslauf.

Aber Vida Winter gelingt es, Margaret zu überzeugen. Und so entführt Vida Winter Margaret in ihre wichtigste Geschichte – oder sogar mehr als das?

„Die dreizehnte Geschichte“ hat mich schon mit den ersten Seiten gefesselt – und das, obwohl nur das Öffnen eines Briefes beschrieben wird. Eine Andeutung von etwas geheimnisvollen, das Rätsel um eine faszinierte Persönlichkeit, hat mich, ebenso wie Margaret, gleich in den Bann geschlagen.

Aber schon das Öffnen des Briefes und die darauf folgende Erzählung über Margarets Hintergründe sind eine Geschichte für sich, „Margarets Geschichte“ – und so lautet auch der Titel dieses Kapitels.

Beim Zusammentreffen von Margaret und Vida Winter kommen diese zu eine Übereinkunft. Margaret wird die Geschichte schreiben, vom Anfang hin bis zum Ende, ohne Unterbrechungen und Fragen, so wie Vida die Geschichte erzählt. Im Ausgleich dafür erhält Margaret überprüfbare Antworten auf drei von ihr gestellte Fragen.

Und im dem Rest des Buches erzählt Vida Margaret ihre Geschichte, die weit vor ihrer eigenen Geburt begann. Eine Geschichte, die nicht nur von Vidas Krankheit – einer der Gründe dafür, dass sie nun ihre „wahre“ Geschichte erzählen will – und Margarets Nachforschungen unterbrochen wird, sondern auch von zufälligen Begegnungen und nächtlichen Entdeckungen. Und jede davon hat innerhalb von Diane Setterfields Geschichte ihren Grund, denn am Ende laufen alle Fäden zusammen.

Vida Winter ist eine Geschichtenerzählerin, nicht umsonst ist sie die beliebteste Autorin Englands, und so erzählt sie auch ihr Leben als Geschichte. Und auch, wenn ihrer Meinung nach Leser Narren sind, wenn sie glauben, „alles was man schreibt, sei autobiografisch“ bleibt sie diesmal dicht an der Wahrheit. So dicht, dass man als Leser zumindest diesmal den von ihr geschimpften Narren gleicht.

Die restliche Wahrheit aufzudecken liegt damit allein bei Margaret. Bewaffnet mit den drei Fakten, die Vida ihr genannt hat, begibt sie sich auf die Suche. Eine Suche, bei der sie viel findet, die Zusammenhänge jedoch unklar bleiben. Mit jedem Stückchen ihres Lebens, das Vida preisgibt, rücken Fiktion und Fakten jedoch näher zusammen und man kann einen Blick auf die wahre Vida Winter erhaschen.

Vidas Leben ist eine Geschichte innerhalb einer Geschichte – umgeben von Büchern. Margaret Lea betreibt mit ihrem Vater eine antiquariatische Buchhandlung, eine Buchhandlung, in der sie sacuh einen Großteil ihrer Kindheit verbaucht hat. Vida Winter erzählt Margaret ihre Geschichte inmitten ihrer Bibliothek. Und eines von Vidas Bücher, „Die dreizehnte Geschichte“, ist titelgebend für Diana Setterfields Buch.

Damit ist „Die dreizehnte Geschichte“ nicht nur ein Buch für Liebhaber rätselhafter und geheimnisvoller Geschichten, sondern ein Buch für all jene, die Bücher lieben. Seien es nun Leser von Arthur Conan Doyle oder Charlotte Brontë. Ein Buch, das in keinem Bücherregal fehlen sollte.

Die ersten Seiten findet ihr hier.

Published in: on Mai 13, 2012 at 11:54 am  Comments (2)  
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Die Bibliothek der Schatten von Mikkel Birkegaard

Nachdem mich eine üble Erkältung für einige Tage aus dem Verkehr gezogen hat bin ich mittlerweile nur noch ein wenig verschnupft und wieder zum Lesen bereit :-).

Ich habe mich dann relativ spontan für „Die Bibliothek der Schatten“ entschieden, nachdem ich entdeckt habe, dass es morgen wieder zurück in die Bibliothek muss…

Mikkel Birkegaard
Die Bibliothek der Schatten
Verlag: Page & Turner
512 Seiten
ISBN-10: 3442203627
ISBN-13: 978-3442203628
19,95 €

Schon der Titel des Buches hat mich fasziniert, obwohl ich zugeben muss, dass mir der dänische Originaltitel „Libri di Luca“ noch um einiges besser gefällt.

Das Cover des Buches zeigt ein einzelnes Buch. Ein Buch, dass allein auf einem Rednerpult liegt, hinter ihm ein dunkler Vorhang. Ein Cover, dass ein Buch in den Vordergrund hebt ist mir bisher noch nicht untergekommen – aber es gefällt mir. Und ich vermute, dass es die Interesse eines jeden Bibliophilen zu wecken vermag.

Die Hauptperson des Buches, Jon Campelli, ist ein Anwalt. Ein Anwalt, dessen Schlussplädoyer von seinen Gegnern mehr als gefürchtet sind. Ein Mann, der in seinem Beruf aufgeht und sicher nicht vorhat, ihn zu wechseln. Eine Entscheidung, die er mit dem Tod seines Vaters – mit dem er seit seinem 18. Lebensjahr keinen Kontakt mehr hatte – überdenken muss. Denn sein Vater hat ihm sein Antiquariat, das „Libri de Luca“ vermacht. Und an diesem Vermächtnis hängt nicht nur das Geschäft, sondern weit mehr, als Jon je zu ahnen gewagt hätte.

Mikkel Birkegaard beginnt sein Buch mit dem Tod von Luca Campelli. Seinen Worten nach starb Luca Campelli so, wie er es sich wünschte, „umgeben von seinen geliebten Büchern“. Ein Tod, der als Herzversagen deklariert ist, aber dem Leser trotz allem vielleicht etwas merkwürdig erscheinen mag.

Merkwürdigkeiten, die sich im Verlauf des Buches häufen und Jon Campelli relativ früh erklärt werden. Alles beruht auf eine Gabe, die einige Menschen schon seit Jahrhunderten bewahren. Die Gabe, Menschen durch geschriebenes Wort zu beeinflussen. Eine Gabe, die nicht nur zum Guten genutzt werden kann. Und mit seinen Nachforschungen, diesen Missbrauch betreffend, scheint Luca jemanden Mächtigen ziemlich nahe gekommen zu sein – zu nah.

Nun ist es an Jon, sich in dieser neuen, fantastischen Welt zu Recht zu finden. Seine Gabe zu aktivieren, den Tod seines Vaters aufzuklären und die Menschen mit ihren literarischen Gaben dazu zu bringen, wieder an einem Strang zu ziehen.

Die Welt, in der Jon lebt, ist die unsere. Die Gaben, von denen er erfährt, sind geheim, die Begabten bleiben im Verborgenen. Das lässt das Geschehen fast real wirken – und pflanzt dem Leser die Idee von Geschichten ein, die mehr sind als nur Geschichten. Durch die Begabten beeinflussen sie aktiv unser Leben – und tun sie das nicht schon heute?

Die Figuren, von denen Mikkel Birkegaard schreibt, sind ganz normale Menschen, nicht alle in der Lage zu lesen, auch wenn sie das geschriebene Wort täglich erleben. Eine von ihnen ist Katharina, eine sympathische Frau – und Legasthenikerin. Eine Legasthenikerin, die in einem Antiquariat arbeitet. Klingt seltsam, ist aber völlig logisch – zumindest in diesem Buch.

Mit ihr an seiner Seite entdeckt Jon seine eigene – überaus stark ausgeprägte – Gabe. Und macht sich auf, die Verschwörung aufzudecken, der schon sein Vater auf der Spur war. Eine Verschwörung, die ihren Ursprung zu den Zeiten der Bibliothek von Alexandria hat – und nun ihre Fühler nach nicht weniger als der Weltherrschaft ausstreckt.

Was zunächst nach einem typischen Thriller mit phantastischem Einschlag klingt, wird durch die Bedeutung des geschriebenen Wortes schnell mehr. Aber nicht das geschriebene Wort macht den Unterschied, sondern der für den Leser alltäglichen Griff zum Buch, zur Zeitung oder nur zum Blatt Papier – denn genau dort werden wir beeinflusst, von den Menschen, über die dieses Buch geschrieben ist.

Ein spannender Thriller für alle Lesebegeisterten. Phantastisch ist hier allerdings nur die Gabe der Hauptakteure. Aber Achtung, durch das Lesen des Buches könnten sie euch beeinflussen ;-).

Die ersten Seiten findet ihr hier.

Published in: on November 25, 2011 at 9:11 pm  Kommentar verfassen  
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