Gehetzt von Kevin Hearne

gehetzt Kevin Hearne
Gehetzt
Verlag: Klett-Cotta Verlag
350 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 360893930X
ISBN-13: 978-3608939309
16,95 €

Bei diesem Buch hat der Verlag das Originalcover nahezu eins zu eins übernommen: Es zeigt einen jungen rothaarigen Mann, der über seinem T-Shirt einen altmodischen Schwertgurt trägt. Mit der rechten Hand zieht er das Schwert hinter sich hervor – und lässt den Betrachter dabei einen Blick auf das Tattoo an seinem Arm erhaschen. Ein helles Licht erhellt den dunklen Hintergrund und lässt die Klinge des Schwertes erstrahlen. Eine Szene, die (bis auf das T-Shirt der Hauptperson) einem Schlachtenepos entsprungen sein könnte – und dem Betrachter einen harten Kampf verspricht. Mich hat sie damit im Nu zu einem Blick ins Buch verleitet.

Seit Jahrhunderten ist Atticus O’Sullivan auf der Flucht vor dem Aenguhus Og, dem es nach Atticus Tod und nach seinem Schwert verlangt. Amerika schien für Jahre ein sicherer Hafen – Elfenhügel und alte irische Bäume sind rar in der kargen und wüsten Gegend, in der er sich niedergelassen hat. Und da er relativ normal aussieht – eher wie das Mitglied einer Rockband als wie der Druide, der er ist – kann er relativ unauffällig in Tempe (Arizona) seinen Geschäften nachgehen. Aber auch die modernen Zeiten habe ihre Tücken – und so wird Atticus letztendlich doch von den Tuatha de` Danann gefunden.

Schon auf den ersten Seiten lernt man zwei von Atticus herausragenden Fähigkeiten kennen, er ist freigiebig mit Wissen – vor allem um alte Götter – und verdammt anpassungsfähig. Gekonnt setzt er sowohl moderne Techniken – wie das Internet und sein Handy – als auch alte druidische Magie und (mehr oder weniger) schlichten Schwertkampf ein. Von seinen Fertigkeiten in letzterem bekommt man schon zu im ersten Kapitel einen ziemlich guten Überblick, als er fünf ihm auflauernde Tuatha de` Danann ziemlich schnell langfristig außer Gefecht setzt.

Ebenso interessant wie der Druide sind auch die Wesenheiten, mit denen er verkehrt: Ein irischer Wolfshund mit Faible für Film, Historie und hübsche Pudeldamen, der immer einen amüsanten Spruch auf den Lefzen hat; eine von Werwölfen und Vampiren geführte Anwaltskanzlei, die ihn schon mehr als einmal aus der Bredouille gehauen hat und für jedes Problem eine Lösung weiß – ob es nun aufdringliche Polizisten oder die Beseitigung einiger mystischer Leichen mithilfe von Ghulen betrifft. Eine Hilfe, die sich der Trupp allerdings auch gut bezahlen lässt, egal ob in Geld oder mit Naturalien – das Blut eines jahrhundertealten Druiden lässt zumindest den Vampir nordischer Herkunft nicht kalt. Neben der geschäftlichen Beziehung pflegen Vampir und Druide auch eine freundschaftliche – wie sonst sollten sie ihre auch Fähigkeiten im Schwertkampf auf dem aktuellen Niveau halten? Einzig die nette alte irische Dame von nebenan ist völlig normal – sieht man mal von ihrem erhöhten Whiskey-Konsum ab.

Tatsächlich gehen die mystischen Wesenheiten bei Atticus ein und aus. In seiner Wohnung (oder seinem Laden) kann man daher durchaus mal auf die Göttin Morrigan treffen – und sollte sich hüten, ihren Zorn zu erregen. Ihre Position in dem Ganzen ist relativ klar, was man von den anderen Tuatha de` Danann – wenn sie nicht gerade mit gezückten Schwertern anrücken – nicht sagen kann. Neben Kämpfen gegen scheinbare Übermächte und magischem Aufrüsten hat das Buch damit auch einiges an Intrigen und Geheimnissen zu bieten. Als Leser hat man nicht die geringste Ahnung, was Atticus als nächstes zu erwartet hat – einzig, dass es verdammt gefährlich werden wird.

Kevin Hearne verbindet in dieser Geschichte alte Sagen, Legenden und Göttergestalten mit dem, was die heutige Welt an Technik und anderen Errungenschaften zu bieten hat – und das auf eine Art, die das Blut zum Kochen und die Gedanken an alte Schlachten wieder in Erinnerung bringt. Geführt von einem Druiden, der sich in beiden Welten zu Hause fühlt, bleibt dem Leser nur kurz Atem zu holen, um sich dann völlig in dem Roman zu verlieren.

„Gehetzt“ ist ein Roman, der seinesgleichen sucht. Ein Roman, der einen vergessen lässt, dass die alten Götter und Legenden Geschichte sind; der den Leser aus dem Alltag auf eine spannungsgeladene Reise nimmt, die nach einer Wiederholung schreit. Zum Glück ist die Fortsetzung, „Verhext“, bereits im Handel erhältlich.

Die ersten Seiten von „Gehetzt“ findet ihr hier.

Published in: on Juni 25, 2014 at 12:30 pm  Comments (1)  
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Schattenfluch von Andreas Saumweber

schattenfluch Andreas Saumweber
Schattenfluch
Verlag: Aufbau Verlag
800 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3746627141
ISBN-13: 978-3746627144
16,99 €

„Schattenfluch“ ist der dritte und abschließende Band der Druidenchroniken von Andreas Saumweber.

Wie auch schon bei den vorangegegangen Bänden kann man bereits am Cover erkennen, dass „Schattenfluch“ ein Teil der Druidenchronik ist. Diesmal ist das Cover allerdings noch um einiges düsterer: Der Baum, der auf dem Cover zu „Schattensturm“ in voller Blätterpracht daherkam, ist nun völlig verbrannt, nur noch kahle Stämme ragen zum Himmel. Und während auf den vorherigen Covern der Wind tost, scheint es auf diesem Cover völlig windstill zu sein. Der Umhang der verhüllten Gestalt im linken Teil des Covers ist völlig unbewegt. In meiner Ausgabe sind Titel und Autor mit einem Kleber auf dem Buchrücken befestigt. Ich habe keine Ahnung, ob es sich hier um einen korrigierten Fehldruck oder um Absicht handelt, ich finde die gedruckte Version des Buchrückens wie bei den Vorgängerbänden jedenfalls deutlich schöner.

Der Krieg zwischen Menschen und Schatten geht weiter. Die einzelnen Stämme rücken näher zusammen und auch die Antwort auf die Herkunft der Schatten scheint langsam in greifbare Nähe zu rücken.

Eine kurze Zusammenfassung, wie bei anderen Reihen üblich, gibt es bei „Schattenfluch“ ebenso wenig wie beim Vorgänger. Schon mit der ersten Seite, die den düsteren Prolog einläutet, zieht Andreas Saumweber den Leser wieder mitten ins Geschehen hinein – und lässt sofort für die Zukunft einer (von mir in den Vorgängerbänden sehr liebgewonnen) Figur nichts Gutes vermuten.

Aber auch die anderen Erzählstränge sind von dunklen Schatten überlagert – und lassen nur wenig Platz für Hoffnung. Die gewohnt detaillierten Schilderungen der Kriegsauswirkungen lassen das Geschehen zwar realistischer erscheinen, verdunkeln den leichten Hoffnungsschimmer jedoch langsam immer weiter.

Seite für Seite baut Andreas Saumweber beim Leser diesen Hoffnungsschimmer dann wieder auf, nur um ihn anschließend erneut zu zerstören – eine Tatsache, die den Plot nicht im geringsten vorhersehbar macht, mich als Leser allerdings immer wieder frustriert hat. Gerade dann, als gegen Ende selbst die optimistischer verlaufenden Handlungsstränge doch noch in Blut und Tod enden.

Die aus den Vorgängerbänden bekannten Figuren entwickeln sich im Verlauf der Geschichte stetig weiter. Der Druide Seog zum Beispiel wächst weit über sich hinaus. Protagonisten wie er sind es, die es immer wieder geschafft haben, die Hoffnung aufrecht zu erhalten. Meine Sympathie hat er sich damit jedenfalls gesichert. Der Krieg lässt einige Figuren jedoch harte und manchmal auch nicht im Geringsten nachvollziehbare Entscheidungen treffen – und damit rutschen einiger der Protagonisten immer weiter auf die dunkle Seite.

Man kann Andreas Saumweber nicht vorwerfen, unrealistisch zu schreiben. Ich persönlich wünsche mir für einen Roman und seine Protagonisten jedoch mehr als Realismus, Krieg und Tod. Und nachdem das Ende nicht mehr als einen Hoffnungsschimmer verspricht, ein Schimmer, der im Laufe des Buches immer wieder stark gelitten hat, ist „Schattenfluch“ für mich definitiv kein guter Abschluss einer Reihe.

Spannend ist das Buch allemal, das Finale einer Reihe – zumindest aus meiner Sicht – allerdings nicht. Die Geschichte ist mit dem Ende des Buches genau so wenig abgeschlossen wie nach den letzten zwei Bänden – nur, dass es jetzt einige Tote mehr gibt, der Krieg hat eben seinen Lauf genommen. Mag sein, dass dieser Krieg nun eine Wende genommen hat, ein Abschluss ist „Schattenfluch“ damit für mich noch lange nicht. Mich hat das offene Ende eher verärgert und der Druidenchronik insgesamt damit einiges von ihrem „Glanz“ genommen hat.

Im Nachhinein würde ich damit weder „Schattenfluch“ noch die „Druidenchronik“ empfehlen. Wer bereits in den Bann der Chronik geschlagen wurde, wird vermutlich (wie ich) nicht um „Schattenfluch“ herum kommen. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass bis zum Ende des Buches noch einige – auch liebgewonnene – Figuren den Tod finden. Und mit dem Ende des Buches sind zwar ein paar Fragen mehr geklärt, aber eben längst noch nicht alle. Was dem Leser mit der letzten Seite bleibt, ist die Hoffnung auf ein gutes Ende und auf eine Fortsetzung, die die Reihe irgendwann doch noch zu einem richtigen Abschluss bringt.

Published in: on August 14, 2013 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
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Kampf der Druiden von Lara Connelly

Lara Connelly
Kampf der Druiden
Verlag: Traumstunden Verlag
420 Seiten
ISBN-10: 3942514125
ISBN-13: 978-3942514125
12,90 €

Das Cover des Buches zeigt eine Steilküste, vermutlich irgendwo an der britischen oder irischen Küste. Überschrift, Autorenname und Verlagsbezeichnung wurden einfach über das Foto gelegt. Die einfache Aufmachung erinnert mich stark an BoD-Bücher. „Kampf der Druiden“ ist aber im Gegensatz zu einem gleichwertigen BoD-Buch um einiges günstiger.

Nachdem Gwen von ihrem langjährigen Freund und Chef sitzengelassen wurde, um mit der neuen Praktikantin ein Wochenende in Hawai zu verbringen, plant sie einen Abend mit Selbstmitleid und Trübsal. Ihre Freundin Lily schafft es jedoch, Gwens Abendpläne zu ändern: Sie überredet Gwen, mit ihr zu einer Samhain-Feier in einer nahe gelegenen Ruine zu kommen. Dort trifft Gwen auf Conall und verbringt mit ihm eine unvergessliche Nacht. Am nächsten Morgen ist er jedoch verschwunden.

Bei ihrer nächsten Begegnung – er befindet sich auf einmal ohne Vorwarnung in Gwens Wohnung – bittet Conall Gwen, für ihn einen alten Freund auf der Insel Mona – ein alter Name für Angelsey – zu suchen. Ein Freund, von dem er weder die Adresse noch seinen Namen weiß.

Als sie danke ihres Exfreundes ihren Job verliert beschließt Gwen, endlich mal wieder Urlaub zu machen – ihr Weg führt sie nach Mona.

Lara Conelly beschreibt „Kampf der Druiden“ aus mehreren Perspektiven: Der Großteil der Geschichte wird aus Gwens und Conalls Sicht beschrieben, aber auch ihre Freunde und sogar der Bösewicht der Geschichte nehmen mit ihrer Perspektive einige Seiten der Geschichte in Anspruch.

Das Buch beginnt mit einer aus Liebes- und Frauenromanen bekannten Szene: Die verlassene Frau, die von ihrer besten Freundin aus ihrem Selbstmitleid aufgerüttelt und anschließend zu einer Party geschleppt wird, bei der sie auf ihren Traummann trifft. Damit endet dann aber auch der Ausflug in die klassische Frauenliteratur und es wird spannend: Der Traummann ist ein Druide, der zum ersten Mal seit 777 Jahren wieder auf der Erde wandeln kann und dem nur wenig Zeit bleibt, sein Ziel – die Vernichtung eines abtrünnigen Druiden – zu erreichen.

Mit dieser Begegnung verändert sich Gwens Leben – und der Verlauf der Geschichte – dramatisch. Hält Gwen Conall anfangs noch für etwas verrückt, wird sie bald eines besseren belehrt. Nach den ersten Begegnungen mit Conalls Freunden muss Gwen einsehen, dass an Conalls Geschichte doch etwas dran sein muss. Und auch in ihr selbst steckt mehr, als sie je vermutet hätte.

Gemeinsam heißt es nun, den noch im dunklen agierenden abtrünnigen Druiden ausfindig zu machen – und aufzuhalten. Ersteres erweist sich zumindest für den Leser als nicht allzu schwer: Dadurch, dass ein Teil der Geschichte aus seiner Sicht erzählt wird, ist seine Identität schnell offensichtlich.

Sind die Komponenten der Geschichte für sich gesehen nicht neu, machen die Mischung und Lara Connellys Schreibstil sie dennoch zu etwas Besonderem. Ihre Kombination aus Liebesgeschichten, irischer Mythologie, Menschen aus alter und neuer (unserer) Zeit, Feenwesen, alten Göttern und dem klassischen Ziel, die Welt zu retten, ist ziemlich gelungen.

Allerdings fehlt es den Protagonisten und ihren Beziehungen zueinander – insbesondere den Liebesbeziehungen – meiner Meinung nach etwas an Tiefe. Im besonders starken Gegensatz dazu stehen dann die doch sehr detailliert beschriebenen Sexszenen, die für den Verlauf der Geschichte eigentlich nicht weiter relevant sind.

Ich denke, dem Buch fehlt einfach noch etwas der Feinschliff; der Plot als solches ist aber sehr gelungen und macht das Buch trotz der oben genannten Mankos ziemlich lesenswert.

Reinlesen könnt ihr hier.

Published in: on Februar 19, 2012 at 5:45 pm  Kommentar verfassen  
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