Phoenix – Tochter der Asche von Ann-Kathrin Karschnick

phoenixtochterderasche Ann-Kathrin Karschnick
Phoenix – Tochter der Asche
Verlag: Papierverzierer
400 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3944544501
ISBN-13: 978-3944544502
14,95 €

Schon die Aufmachung des Buches ist etwas Besonderes: Den Buchschnitt ziert eine große orangen Feder. Das Cover selbst zeigt eine geflügelte Frau, die (für die Geschichte nicht sehr zeitgemäß) mit einem Messer bewaffnet auf die verlassen wirkenden Häuser einer von dunklen Wolken umgebende Stadt hinunterblickt. Ich vermute, es handelt sich dabei um die Hauptperson der Geschichte, den Phoenix Tavi.

Seelenlos werden sie genannt, jene übersinnliche Wesen wie Hexen, Dämonen oder Phoenixe wie Tavi. Seit einem fehlgeschlagenen Experiment Anfang des 20. Jahrhunderts werden sie von den herrschenden Mächten, dem Saiwalo, gnadenlos gejagt und vernichtet.

Als Hamburg von einer Mordserie erschüttert wird, ist der Kontinentalarmee schnell klar, wer dahintersteckt: Seelenlose. Aber als der leitende Ermittler Leon bei seiner Suche auf den Phoenix Tavi trifft muss er anfangen, seine Überzeugungen zu überdenken. Warum nur scheint die Seelenlose ebenso wie er an der Aufklärung der Mordreihe interessiert zu sein?

Es ist eine ziemlich interessante Genremischung, die Ann-Kathrin Karschnick ihren Lesern in „Phönix – Tochter der Asche“ bietet: Das Setting ist eine parallele Welt, die sich spätestens Anfang des 20. Jahrhunderts von der unseren zu unterscheiden beginn, auch wenn die Handlungsorte dem Leser durchaus bekannt sein sollten. Das Buch ist aber auch eine Dystopie, spielt es doch ein paar Jahrzehnte in der Zukunft. Magie und Wissenschaft spielen hier Hand in Hand. Teslaenergie versorgt fliegende Drohnen, während Geistseher mit ihren mythischen Kräften im Auftrag der Saiwalo Jagd auf magische Wesen jeglicher Art machen. Wesen, die ihren Ursprung in den Menschen haben, starke Gefühle zum Zeitpunkt des Todes entscheiden über eine Auferstehung als magisches Wesen.

Damit ist schon der Hintergrund des Buches ziemlich einzigartig und überaus faszinierend. Ein Hintergrund, der die Gedanken des Lesers auch mal von den Hauptdarstellern abschweifen und kreisen lässt und den Wunsch weckt, mehr über die Vergangenheit dieser Welt und den Personen die darin leben zu erfahren. Und ein paar Leckerbissen dieser Art sind tatsächlich gekonnt in die Geschichte eingewebt.

Nicht nur der Hintergrund der Welt ist bis ins letzte Detail ausgearbeitet, auch die Figuren sind sehr facettenreich dargestellt – allen voran natürlich Tavi, die aufgrund ihres Alters auf einige Erlebnisse und Erfahrungen zurückgreifen kann. Aber auch ihr junger Schützling Nathan ist als junger Teenager, der seine Macht und die Gefahr, die damit einhergeht, noch nicht wirklich verstehen kann, ebenso detailliert dargestellt wie der Soldat Leon, dessen Mutter ihn in die Jagd auf Seelenlose
eingeführt hat. Jeder von ihnen muss seinen Weg in der Welt finden – und viele der kleinen Ereignisse, die die Autorin schildert, führen sie in die eine oder andere Richtung.

Die Geschichte ist damit ziemlich emotional, nicht nur wegen der schon durch den Klappentext vorhersehbaren Liebesgeschichte – diese macht tatsächlich nur einen Teil des Buches aus. Der Schwerpunkt des Buches liegt auf den unausgeglichenen Kampf zwischen Seelenlosen und Saiwalo und der Aufklärung der Mordreihe. Eine Mordreihe, die ebenso in diesen Kampf verwickelt ist wie Tavis Vergangenheit.

„Phoenix – Tochter der Asche“ ist damit ebenso komplex wie die Genres, die Ann-Kathrin Karschnik darin vermischt hat. Eine Geschichte, die viel zu bieten hat: Spannung und Action in Form von Verfolgungsjagden, Versteckspielen und Kämpfen, die Suche nach Puzzlestücken, um auf die Spur des Mörders zu kommen und die wachsenden und sich verändernden Verbindungen zwischen den einzelnen Charakteren.

Mit dem Ende des Buches ist die Mordreihe aufgeklärt, die Geschichte von Tavi und Leon – und vielleicht auch die von Nathan – hat damit jedoch gerade erst begonnen. Ich bin gespannt, wie die Autorin sie in „Phoenix – Erbe des Feuers“ fortführen wird.

Die ersten Seiten dieses Bandes findet ihr hier.

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Published in: on Mai 26, 2015 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Die Bestimmung – Fours Geschichte von Veronica Roth

Die Bestimmung Fours Geschichte von Veronica Roth Veronica Roth
Die Bestimmung – Fours Geschichte
Verlag: cbt
320 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3570163636
ISBN-13: 978-3570163634
14,99 €

In „Fours Geschichte“ nimmt Veronica Roth den Leser noch einmal mit in die Welt aus „Die Bestimmung“. Sie bietet den Lesern damit die Möglichkeit, den männlichen Protagonisten Four besser kennen zu lernen und einige der bekannten Szenen aus seinen Augen noch einmal zu erleben.

Wer „Die Bestimmung“ gelesen (oder den Film zum Buch gesehen) hat, wird schon beim Cover des Buches an Four denken. Das Riesenrad ist ein gutes Symbol für ihn und spielt in dem Buch, in dem man ihn kennen lernt, durchaus seine Rolle. Warum das Riesenrad brennt und über der Stadt schwebt, kann ich wirklich nicht sagen, vermutlich fand der Gestalter einfach, dass es gut aussieht – meiner Meinung nach hat er damit eindeutig Recht.

Das Buch beginnt mit vier längeren Kurzgeschichten von jeweils gut siebzig Seiten. „Der Fraktionswechsler“, „Der Initiant“, „Der Sohn“ und „Der Verräter“ sind chronologisch angeordnet, beginnend mit Fours Initation und seinen Gründen, sich für die Ferox zu entscheiden. Für mich waren die ersten drei Geschichten die Highlights des Buches, aber auch die letzte der vier hat durchaus noch etwas Charme.

Ich mochte Four schon in „Die Bestimmung“ sehr gerne und habe es daher sehr genossen mehr über ihn zu erfahren, an seiner Seite nochmal in die Geschichte aus „Die Bestimmung“ eintauchen zu können und dabei das ein oder andere bisher unbekannte Detail zu erfahren. Es ist eben einfach etwas anderes, von Gerüchten um Fours Vater zu wissen, als zu lesen, wie er Four nun wirklich behandelt hat. Und auch Erics und Fours gegenseitige Abneigung lässt sich nach der Lektüre um einiges besser verstehen – auch wenn sie zumindest an meinen Gefühlen nichts geändert hat.

Im Anschluss an diese vier Kurzgeschichten hat das Buch noch ein paar wirklich kurze Geschichten zu bieten. Sie umfassen jeweils nur ein paar Seiten und waren für mich damit eher kurze Spotlights als eigenständige Geschichten. Dadurch, dass sie sich chronologisch nicht mehr an die vorherigen Geschichten anschließen, können sie den Leser allerdings etwas durcheinanderbringen – selbst, wenn man den eigentlichen Verlauf bereits aus „Die Bestimmung“ kennt. Thematisch handeln jede einzelne von Tris und Four. „Erste Springerin – Tris!“ erzählt von ihrer ersten Begegnung, „Vorsicht, Tris“ beschreibt wie Four sie warnt, sich zu viel einzumischen und zu offen zu reden und in „Du siehst gut aus, Tris“ spürt man, wie sich Four langsam beginnt, in Tris zu verlieben. Eigentlich sind die Geschichten viel zu kurz und verraten wenig Neues, aber ich habe sie trotzdem genossen. Sie sind eben einfach eine schöne Möglichkeit, noch mal zurück zu gehen. Und sie machen definitiv Lust, sich nochmal an die Reihe (oder zumindest den ersten Band) zu machen.

Man kann sich vermutlich streiten, ob der Kurzgeschichtenband wirklich nötig ist. Wirklich interessant ist er sicherlich nur für Fans – und zumindest den ersten Teil der Reihe sollte man gelesen haben, um seine Freude daran zu haben. Mir persönlich hat das Buch gut gefallen, schon allein wegen der ersten drei Geschichten kann ich es den Fans der Reihe guten Gewissens weiterempfehlen. Die weiteren Geschichten im Buch sind dann eine nette Zugabe, die das Gesamtpaket gut abrunden.

Hier könnt ihr selbst einen ersten Blick ins Buch werfen.

Published in: on Januar 14, 2015 at 12:30 pm  Comments (2)  
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Eine Feder für Wölfe von Swantje Berndt (Hrsg.)

einefederfuerwoelfe Swantje Bernd (Hrsg.)
Eine Feder für Wölfe
Verlag: Weltenschmiede
400 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3944504119
ISBN-13: 978-3944504117
14,90 €

Die Wolfsanthologie „Eine Feder für die Wölfe“ ist das Ergebnis des Projektes „Eine Feder für Tiere„. Ziel des Projektes ist es, bedrohte und schützenswerte Tierarten in den Fokus zu rücken und zu fördern – daher geht das Honorar der Autoren komplett an den Naturschutzbund NABU, passend zum Thema an das Projekt „Willkommen Wolf“.

Nach zwei Einleitungen – eine von der Begründerin des Projekts „Eine Feder für die Tiere“ zum Hintergrund der Anthologie, die zweite über den Wolf an sich und den Wolf in Deutschland beginnt die bunte Sammlung von Wolfgeschichten, die über Dystopien, Fantasy und Märchen, ganz „normalen“ Wolfgeschichten bis hin zu Science Fiction reicht.

Mir persönlich haben es vor allem die fantastischen und märchenhaften Geschichten angetan, einige von ihnen könnten tatsächlich alten (indianischen) Legenden entsprungen sein. Meine Favoriten sind „Luperus Rex – Könige der Wölfe“ von Claudia Romes und „Wolfenreiter“ von Cairiel Arie. In der Erstgenannten erzählt eine Großmutter ihrer Enkelin die wahre Geschichte ihres verschollenen Bruders, eine Geschichte um uralte Wölfe und ihre Verbindung zum Menschen. Zweitere handelt von einer Bindung zwischen Mensch und Tier, die über den Tod hinausgeht. Eine Geschichte, die mich an eine griechische Sage um einen Jungen und einen Delphin erinnert hat und mindestens genau so gut zu unterhalten wusste.

Aber nicht alle Geschichten scheinen alten Legenden entsprungen zu sein, manche könnten durchaus auch im realen Leben passieren. Ein Trunkenbold, den die Begegnung mit einem Wolf auf den rechten Pfad bringt, wie in „Wolfschnee“ von Fianna Cessair. Oder ein Junge wie der aus Bianca Sigwarts „Wächter des Waldes“, der erst einen Anstoß braucht, um die Welt der Wölfe zu verstehen. In „Heimkehrer“ von Laila Mahfouz ist es ein naturbegeisterter Onkel und die Begegnung mit einem echten Wolf, die die Liebe eines Jungen zu den Tieren entfacht.

Manche der Autoren entführen den Leser in fremde Welten oder auch in die Zukunft. In „Das Vermächtnis der weissen Wölfin“ gerät der Leser an der Seite der jungen Heldin in den alten Kampf zwischen Schatten und Licht, zwischen weißen und schwarzen Wölfen. Die Visionen der Zukunft, die Ane Schönyan, Swantje Berndt oder auch Ly Fabian zeichnen. sind düster – echte Wölfe kommen in keiner der Geschichten vor. Genmanipulation und zerstörte Welten stehen hier auf der Tagesordnung – aber auch diese Geschichten zeigen, dass Menschen und Wölfe (oder deren Nachkommen) „Rücken an Rücken“ stehen können, genau so, wie es Swantje Berndt in ihrer Geschichte beschreibt.

Aber es nun Geschichten über Gestaltenwandler, waschechte Wölfe, Traum- oder Fantasiegestalten sind, jede der Geschichten weiß den Leser auf ihre Art zu bewegen und lässt den Leser über die Beziehung zwischen Wolf und Mensch nachdenken. Mir haben nicht alle Geschichten gut gefallen – Anthologien, die das schaffen, sind wahrlich selten – wohl aber die Intention, die in jeder einzelnen Geschichte steckt. Man muss kein Wolfsfreund sein um sie zu mögen, auch wenn man nach der Lektüre durchaus einer werden könnte. Und wenn nicht, hat man zumindest kurz eine schöne Zeit unter Wölfen verbringen können.

Einen kleinen Eindruck verschaffen könnt ihr euch hier.

Published in: on Juli 18, 2014 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Legend – Das Prequel von Marie Lu

legendprequel Marie Lu
Legend – Das Prequel
Verlag: Loewe
44 Seiten
Ebook
ASIN: B00K9RYMOO
0,00 €

Wie der Titel schon verrät, handelt es sich bei dem Ebook um die Vorgeschichte zur „Legend“-Reihe von Marie Lu. Es enthält zwei Kurzgeschichten, eine für jede der zwei Hauptpersonen der Reihe.

Einzig die Hintergrundfarbe – schwarz – und der Titel unterscheiden das Cover von dem des ersten Bandes, „Legend – Fallender Himmel“: Es zeigt das goldgelbe Symbol der Republik.

Allein und auf sich gestellt versucht der zwölfjährige Day sich mit Diebstählen über Wasser zu halten. Bis er am Hafen die junge Charlie trifft.

Die überaus begabte zwölfjährige June hat ihren ersten Tag an der Drake-Universität, als jünge Studentin die jemals zugelassen wird. Eine Tatsache, die nicht allen ihrer Mitkommilitonen schmeckt – und sie gleich zu Anfang durch deutlich mehr auffallen lässt, als ihr Alter.

Die Geschichten sind relativ kurz gehalten, versorgen den Leser aber gleich zu Anfang mit allen nötigen Informationen, sodass man die Geschichten auch lesen kann, ohne eines der Bücher der Reihe gelesen zu haben. Für alle die es haben, ordnet die Autorin die Geschichten chronologisch ein und setzt sie in Bezug zu dem Rest der Reihe.

Überraschenderweise sind beide Geschichten gleich spannend – und das, obwohl Day bereits damals tagtäglich ums Überleben kämpfen musste und June nur ein Tag an der Universität bevorsteht. Außerdem hängen beide zeitleich sehr eng aneinander.

Days Geschichte lässt ihn einen ersten Schritt in die Richtung gehen, die ihm zu den Helden und stärksten Gegner der Republik werden lässt. Sie gibt ihm einen Grund zu kämpfen, der über das tagtägliche Überleben hinausgeht – und erzählt, wie er zu seinem ersten Kuss kommt.

Junes erster Tag an der Universität beginnt mit einer Verspätung – warum, kann man Days Geschichte entnehmen – und endet mit einer Art Belobigung und einer Verwarnung. Schon der erste Tag lässt damit auf ihren restlichen Studienverlauf blicken.

Viel zu kurz ruft „Das Prequel“ dem Leser die zwei Protagonisten noch einmal in Erinnerung und lässt sie einen noch tiefer ins Herz schließen. Wer die beiden noch nicht kennt bekommt eine kleine Ahnung davon, was ihn in Legend zu erwarten hat. Ich könnte mir gut vorstellen, dass einige (wie ich) danach Lust bekommen, gleich im Anschluss mit der Reihe weiterzumachen.

Über die Homepage des Verlages kommt ihr zu den diversen Online-Buchhändlern, bei denen ihr das Ebook kostenlos herunterladen könnt. Und hier geht es zu meiner Rezension zu Band 1.

Published in: on Juli 9, 2014 at 12:30 pm  Comments (2)  
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Phantasmen von Kai Meyer

phantasmen Kai Meyer
Phantasmen
Verlag: Carlsen
400 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3551582920
ISBN-13: 978-3551582928
19,90 €

Das Cover des Buches zeigt Ausschnitte von vier unterschiedlichen Gesichtern, Alt und Jung, männlich und weiblich. Bei zweien kann man die abwesenden, in die Ferne blickenden, hellen Augen erkennen. Ich vermute, dass es die Gesichter einiger der Geister sein sollen, die im Buch beschrieben werden. Der abwesende Blick und der grünliche, fast fahle Hintergrund lassen die Menschen zumindest geisterhaft und auch ein bisschen schaurig wirken. Schön würde ich das Cover damit nicht nennen, aber es ist definitiv passend.

Seit dem Tag Null tauchen sie überall da auf, wo Menschen gestorben sind: Tausende von Geistern – Durchsichtige leuchtende Wesen in der Gestalt der gestorbenen Menschen. Um sich von ihren bei einem Flugzeugabsturz gestorbenen Eltern zu verabschieden, reisen Emma und Rain zu dem Ort, an dem diese gestorben sind. Ihre Eltern tauchen wie geplant auf, aber dann beginnen sie – wie alle anderen Geister weltweit – zu lächeln; ein böses Lächeln, das allen Menschen im unmittelbarem Umfeld das Leben raubt. Ein Effekt der anhält und immer mehr Menschen das Leben kostet. Aber als Rain und Emma dem nachgehen, begeben sich in noch weitaus größere Gefahr.

Im Anschluss an den nachdenklichen Prolog folgt die eigentliche Geschichte, Rains Geschichte. Auf einen kurzen Abriss der letzten sechsunddreißig Monate – der Zeit seit dem Absturz der Maschine ihrer Eltern und dem darauf folgenden Erscheinen der Geister – folgt ein noch kürzerer Abriss ihrer eigenen Lebensgeschichte. Dann beginnt die eigentliche Geschichte inmitten von Europas einziger Wüste. Durch diese Wüste brausen oder zockeln Rain und Emma mit einem alten Mini, um zur Absturzstelle zu kommen. Eine kurze Fahrt, die den Lesern schnell einen Eindruck der beiden unterschiedlichen Geschwister vermittelt. Und spätestens mit der Ankunft an der Absturzstelle hat Emma schon mein Herz erobert. Ihre Reaktionen auf die Umgebung sind meine absoluten Highlights im Buch. Aussagen wie „Wir könnten ihn [einen völlig Fremden] fragen, ob er noch zwei von diesen Hüten hat“ stehen an der Tagesordnung, ebenso wie ihre Antworten auf (völlig berechtigte) kritische Nachfragen „Was soll er wohl mit drei davon anfangen?“ – „Eben. […] Deshalb kann er uns ja die anderen beiden geben.“ Diese Art von „Gespräch“ zieht sich durch das ganze Buch – und jedes davon ist immer wieder klasse. Außerdem machen sie jede im Buch passierende Handlung absolut nachvollziehbar (zumindest für Emma und Leute, die ähnlich denken oder denken wollen) – Rain hat, ebenso wie der Leser, jedenfalls keine andere Wahl als Emma zu folgen.

Die dritte Hauptperson, Tyler, hatte einen ähnlichen Plan wie Rain und Emma. Er wollte sich von seiner Freundin verabschieden. Er hat allerdings den berechtigten Verdacht, dass mit dem Absturz einiges nicht stimmt. Und nachdem er Emma und Rain vor einigen Söldnern, die genau das vertuschen wollen, rettet, hängen ihm die zwei an den Fersen. Von Söldnern verfolgt und lächelnden Geistern umgeben machen sich die drei daran aufzuklären, warum die geliebten Menschen sterben mussten – und was das ganze mit dem Erscheinen Geistern zu tun hat. Eine gefährliche Aufgabe, die sie durch Europa bis nach Amerika führt und dabei Stück für Stück die Hintergründe des Debakels enthüllt.

Das Verhalten der Gesellschaft bei diesen Phänomen ist simpel und ziemlich nachvollziehbar: Erst einmal wird das Erscheinen der Geister angezweifelt, dann arrangiert man sich und später werden sie so gut wie es eben geht ignoriert. Als es gefährlich wird, ist es dann zu spät und die Welt versinkt im Chaos – und damit haben wir den klassischen Ausgangspunkt einer Dystopie, auch wenn die Ursache (die Geister) ziemlich ungewöhnlich ist.

Die Protagonisten geraten eigentlich nur durch Zufall in das Ganze hinein – über die verstorbenen Eltern beziehungsweise die Freundin. Dass der Wunsch nach Wahrheit über der potentiellen Lebensgefahr rangiert, ist blinde Liebe, in Emmas Fall einfach typisch chaotisch und verrückt. Die Umstände, mit denen sie zu Recht kommen müssen, sind hart (selbst für den Leser): Die Geister sind unheimlich, der Tod, den sie mitbringen, noch viel schlimmer – damit wimmelt es in dem Buch nur von Toten und dazu kommen noch ein Haufen ziemlich zielstrebiger Irrer, die das Trio im Visier haben. Die Spannung kommt damit definitiv nicht zu kurz – auch wenn sich der Gruselfaktor zum Glück in Grenzen hält.

Die Verbindungen, die sich langsam herauskristallisieren sind interessant, ebenfalls spannend, aber vor allem schrecklich – ich hoffe, dass die Menschen von dieser Art Verhalten noch weit entfernt sind. Und dass wirklich niemand bereit ist, sehenden Auges den Weltuntergang in Kauf zu nehmen. In „Phantasmen“ geht es letztendlich gut aus – oder zumindest nicht schlecht. Schrecklich genug sind die im Buch geschilderten Ereignisse trotzdem. Und die Katastrophe ist sicherlich nicht nur der Spannung wegen absolut knapp und mit herben Verlusten abgewendet worden. Zum Glück bleibt dem Leser auch diesmal ein Hoffnungsschimmer für die Protagonisten im Buch und für ihre Welt – und damit auch für unsere eigene.

Mich hat die Geschichte erschreckt, die Protagonisten – allen voran Emma – überzeugt und der Plot, trotz seiner eigentlichen Schlichtheit, von der ersten bis zur letzten Seite im Bann gehalten. Die geschilderten Ereignisse sind selbst für eine Dystopie heftig, auch wenn der Autor zum Glück nicht wirklich ins Detail geht. Das Buch ist damit insgesamt ziemlich gut.

Hier könnt ihr euch selbst einen ersten Eindruck verschaffen.

Published in: on April 9, 2014 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Der eiserne Wald von Chris Howard

dereisernewald Chris Howard
Der eiserne Wald
Verlag: Knaur
368 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3426512890
ISBN-13: 978-3426512890
9,99 €

Bei „Der eiserne Wald“ handelt es sich um den ersten Teil einer Reihe – eine Information, die der Leser leider erst mit dem Ende des Buches erhält.

Das Cover des Buches wird großflächig von einer Metallplatte eingenommen. Eine Platte, die in der Mitte geborsten ist – und hinter der sich nichts als Schwärze verbirgt. Der Titel des Buches hat die gleiche Farbe wie diese Metallplatte und passt damit sowohl von der Bedeutung als auch von der Farbgebung perfekt zum Cover.

Banyon ist ein Baumeister wie sein Vater. Jemand, der aus Schrott metallische Bäume, sogar ganze Wälder entstehen lassen kann. Diese Bäume sind – abgesehen von Legenden und Sagen – das einzige, was in seiner Welt noch an die Wälder von einst erinnert. In dieser Welt sind die einzigen Pflanzen genmodifizierter Mais, der von dem Hersteller, GenTech, teuer an die hungrigen Menschen verkauft wird.

Als er bei seinem aktuellen Auftrag Hinweise auf den Verbleib seines Vaters – und auf echte Bäume – erhält, macht er sich auf die Suche.

Die Welt, die Chris Howard beschreibt, ist hart und brutal. Essen und Benzin wird aus Mais gewonnen. Die Ernährung ist nicht gerade abwechslungsreich und sorgt hauptsächlich dafür, den Reichtum der Firma GenTech zu mehren. In dieser Welt ist jeder auf sich allein gestellt und Verbindungen sind eher zweckmäßig als freundschaftlich. Dementsprechend handeln auch die Figuren der Geschichte, was sie nicht gerade sympathisch macht.

Generell sind sowohl die Figuren als auch die Handlung ziemlich stereotyp. Auf der einen Seite der geld- und machtgierige Konzern und allesfressende (auch Menschen) Heuschrecken, auf der anderen Seite die armen Menschen, die irgendwie über die Runden kommen wollen und dafür selbst fast alle moralischen Grundsätze über den Haufen werfen. Dementsprechend brutal fällt auch das Geschehen aus, Aggressivität und Tod stehen an der Tagesordnung, das einzig schöne sind die metallernen Bäume, die in den Himmel ragen – was dem Leser eindrücklich vermittelt, wie schlimm es um die Welt steht, die Chris Howard beschreibt.

Mag sein, dass die Figuren besser sind als sie scheinen. Einigen, allen voran Banyon, tut leid, was sie tun müssen. Es ändert allerdings nichts an den Ergebnissen, auch wenn Banyon diese stets bedauert – weil er daran beteiligt war oder einfach nur ob seiner Machtlosigkeit. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er immer erst nach seinen Taten über diese nachdachte (um sie dann zu bedauern). Banyons Motive an sich, die Suche nach seinem Vater und den letzten Bäumen, sind vermutlich gut zu nennen und man kann auch der Welt, in die er lebt, die Schuld an den Handlungen geben, die daraus folgen. Das macht allerdings weder ihn noch die Geschichte sympathischer.

Die Figuren, die er während seiner Suche trifft, sind wie er geprägt durch die Welt, in der sie leben – auch wenn sich manche durchaus ein wenig Freundlichkeit und andere Gefühle als Angst und Hass bewahrt haben. Damit kommt es zumindest auch zu ein paar freundschaftlichen, geschwisterlichen und sogar rosaroten Gefühlen, Chris Howard hat tatsächlich auch in diese Welt die mehr oder weniger typische Liebesgeschichte eingebaut. Sie passt sich allerdings ziemlich gut an das restliche Setting an und ist damit auch nicht übermäßig tiefschürfend oder handlungsbestimmend.

Mit dem Ende vermittelt Chris Howard zumindest ein kleines bisschen Hoffnung für die Welt – und ihre Bewohner. Als Happy End würde ich das Ende des Buches nicht bezeichnen, es passt allerdings zu dem dystopischen Setting und dem Rest der Geschichte. Wirklich gefallen hat mir die Auflösung dennoch nicht, mir war sie (wie auch der Rest des Buches) einfach zu brutal und zerstörerisch. Einzig die Idee, die dort begraben ist, hat mir gefallen, sie wäre definitiv ein guter Aufhänger für einen Science Fantasy Roman. Die Geschichte, die daraus erwachsen könnte (vielleicht einige 100 Jahre nach dem Geschehen in diesem Buch) könnte mir wirklich gut gefallen.

Insgesamt war „Der Eiserne Wald“ damit definitv nichts für mich. Die Kombination aus einer grausamen Welt und den Menschen, die daraus erwachsen sind, hat mir ebenso wenig gefallen wie die eher stereotype Zeichnung eben dieser Charaktere. Eine Leseempfehlung kann ich damit nicht aussprechen, auch wenn die Geschichte durchaus dem ein oder anderen Dystopie- und Actionfan gefallen könnte.

Wenn ihr euch selbst ein Bild von der Geschichte machen wollt, findet ihr hier die ersten Seiten des Buches.

Published in: on November 1, 2013 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Das verbotene Eden – Magda und Ben von Thomas Thiemeyer

magdaundben Thomas Thiemeyer
Das verbotene Eden – Magda und Ben
Verlag: Knaur
448 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3426653281
ISBN-13: 978-3426653289
16,99 €

„Magda und Ben“ ist der letzte Band der Trilogie „Das verbotene Eden“. Und zumindest die Reihenzugerhörigkeit kann man auf den ersten Blick erkennen: Auch bei Magda und Ben ist die Gestaltung von Autorenname und Titel identisch zu den beiden vorangegangenen Bänden auch auch die bekannte Karte ist im Hintergrund zu erkennen. Einzig Farbe – und natürlich die zwei Protagonisten – unterscheiden das Cover von „Magda und Ben“ von denen der zwei änderen Bänden.

Eine schwere Grippeepedemie mit tödlichen Ausgang bedroht Europa. Zum Glück ist bereits ein neues Impfmittel auf dem Markt, das diese Epedemie abwenden soll. Auch Magda und Ben lassen sich impfen, mit fatalen Nebenwirkungen: Ohne Vorwarnung steckt Ben plötzlich ein Messer im Bauch – und Magda ist auf der Flucht.
65 Jahre später leben Männer und Frauen getrennt und steuern nach jahrelangen zerbrechlichen Frieden auf einen Krieg zu. Die ersten Keime neuer Liebe sind das einzige, was diesen Krieg noch aufhalten kann.

In „Magda und Ben“ führt Thomas Thiemeyer den Leser noch einmal zu den Anfängen der Welt, wie sie die Protagonisten von „Das verbotene Eden“ kennen. Er führt den Leser in unsere Welt, zu moderne Telekomunikation, langweiligen Schuluntericht und typischen Freizeitaktivitäten. Eine unbeschwerte Welt, in der man sich als Leser zu Hause fühlt – und damit umso härter von den Veränderungen, die sich dort bemerkbar machen getroffen zu werden. Mich hat die plötzliche Agressivität zwischen Männer und Frauen jedenfalls wirklich geschockt. Schon die erste Eskalation auf dem Sprungturm eines Freibads war einfach nur schrecklich. Das von Magda gegen Ben geführte Messer hat mich dann nur noch sprachlos zurückgelassen. Umso mehr, nachdem man als Leser in den vorherigen Kapiteln die Liebe zwischen Magda und Ben fast selbst spüren konnte.

Die folgenden Seiten deuten dann an, wie sich die Welt nach der Eskalation zu der wandelt, die der Leser aus „David und Juna“ und „Logan und Gwen“ kennt – und wie es Magda und Ben an ihren jetztigen Positionen verschlagen hat. Damit kehrt der Leser zurück in die Welt, die er aus den vorangegangenen Bänden kennt. In diesem Teil kann man auf einige Bekannte treffen. Figuren, die selbst einen Großteil der Geschichte einnehmen – allen voran Logan und Gwen. Aber auch Arkana und Claudius, spielen ebenso wie David und Juna noch eine wichtige Rolle. Und auch der drohende Krieg, zu dem sich der zerbrechliche Waffenstillstand gewandelt hat, nimmt immer mehr Gestalt an – und fordert seine Opfer.

Während Thomas Thiemeyer damit auf den spannenden Höhepunkt der Geschichte zusteuert flicht er die offenen Fäden, die zum Teil vom Leser noch gar nicht war genommen wurden, gekonnt in die Handlung ein. Schon durch die ersten Kapitel in „unserer“ Welt klärt sich einiges auf, aber auch in der „neuen“ Welt werden noch einige Unklarheiten beseitigt. Selbst die unheimlichen Bleichen werden hier näher beleuchtet – auch wenn ich persönlich diese Beleuchtung nicht wirklich gebraucht hätte. Dass die medizinischen Ursachen für den Hass endlich geschwunden sind – und es sich bei den Protagonisten keineswegs um vereinzelte Ausnahmen handelt – merkt man nun auch den Nebenfiguren an, auch wenn es immernoch einige Figuren gibt, die aus Hass ihre Augen gegenüber den Wandel verschließen. Die Begegnungen aus den vorherigen Bänden haben Wurzel geschlagen – und sie sind es schlussendlich auch, die die Geschichte zu einem guten Ende führen. Die Welt hat sich gewandelt, aber mit den letzten Seiten wandelt sie sich eindeutig zum Guten hin.

„Magda und Ben“ ist damit ein rundum gelungener Abschluss, der sämtliche offene Punkte – bis hin zu den Hintergründen – klärt, den jahrelangen Konflikt auflöst und die Hauptfiguren zu einem glücklichen Ende zusammen führt. Und damit bleibt nur ein einziges Manko: Jetzt ist die Geschichte wirklich zu Ende.

Wer Band drei noch vor sich hat kann sich damit freuen, die ersten Seiten der noch auf euch wartenden Geschichte findet ihr hier.

Published in: on Oktober 9, 2013 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Legend – Schwelender Sturm von Marie Lu

legend02 Marie Lu
Legend – Schwelender Sturm
Verlag: Loewe
448 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3785573952
ISBN-13: 978-3785573952
17,95 €

Mit „Legend – Schwelender Sturm“ setzt Marie Lu die Geschichte um June und Day, die in „Legend – Fallender Himmel“ begann fort. Eine Tatsache, die man schon an der Gestaltung des Buches erkennen kann. Nicht nur, dass beide Cover das goldene „LEGEND“ ziert, beide Bücher sind bis auf ein einzelnes Symbol komplett einfarbig gehalten. Bei Band eins ziert das Zeichen der Republik das Cover, Band zwei wird von dem Symbol der Kolonie dominiert.

Nachdem Day nur knapp seiner Hinrichtigung durch die Republik entgehen konnte, sind Day und June auf der Flucht. Sie hoffen auf Unterstützung durch die Patrioten, eine Hoffnung, die sich bestätigt, als sie Las Vegas und den dortigen Stützpunkt der Patrioten erreichen. Eine Unterstützung, die ihren Preis fordert: Day und June sollen ihnen helfen, den gerade neu eingesetzten Elektor zu ermorden.

Schon die ersten Seiten des Buches versetzen den Leser zurück ins Geschehen und rufen das Gefühl hervor, gerade eben noch an June und Days Seite der Hinrichtung seines Bruders beigewohnt zu haben. Auch die Spannung ist bereits mit der ersten Seite wieder zu spüren: Die beiden sind auf der Flucht, Day schwer verwundet und die Chancen auf Rettung oder Hilfe verschwindend gering. Mit Ideenreichtum (und vermutlich auch Glück) schaffen es die zwei, sich zu den Patrioten durchzuschlagen. Die Gegenleistungen, die diese für ihre Hilfe fordern, haben dann zumindest mich als Leser ziemlich schockiert. Day und June gehen (zu Beginn) relativ locker mit dieser Forderung um. Eine Tatsache, die angesichts des Mangels an Optionen jedoch nicht weiter verwunderlich ist. Wenn es ums Überleben geht, bleibt für moralische Bedenken eben doch nicht allzuviel Zeit.

Aber das Buch hat einige Seiten, Seiten in denen sich nicht nur moralische Bedenken in die Gedanken der Hauptpersonen einschleichen. Bis zur letzten Seite werden Junes und Days Gefühle auf die Probe gestellt. Durch ihre Mission getrennt machen beide Erfahrungen, die sie noch weiter auseinandertreiben. Und einige Nebenfiguren tun ihr übriges, die Kluft zwischen den zweien zu vergrößern.

Auch als Leser ist man hin- und hergerissen. Abgesehen von June und Day weiß man nicht, wem man trauen kann. Teilweise weiß man nicht einmal, ob man ihren Instinkten trauen kann, ob die zwei nicht selbst hinter das Licht geführt werden. Ebenso wie Day und June bekommt der Leser aber auch tiefere Einblicke in die Welt, in der die zwei leben. Einblicke in die Geschichte der Republik, die Organisation der Patrioten und sogar einen Blick auf die Welt hinter den Mauern: Die Kolonien. Einblicke, die einen das bereits gefasste Bild überdenken lassen, aber eben auch fast alles in Frage stellen. Und damit schafft Marie Lu es, die Spannung mit jeder Seite noch weiter zu steigern.

Mit dem Ende kommt es zur Auflösung, zu einem spannenden Showdown und zu einer Entscheidung, die die Republik bis in den letzten Winkel erschüttert. Die Geschichte nimmt damit eine Wendung, die man zu Anfang sicher nicht vermutet hätte, zu einem Ende ist sie damit jedoch noch lange nicht gekommen. Einige Fäden sind entwirrt, viele haben eine überraschende Wendung genommen – nicht alle davon sind gut. Mit der letzten Seite gibt es Hoffnung, für einige ist diese Hoffnung jedoch nicht mehr als nur ein leichter Schimmer. Und damit ist man als Leser mit der letzten Seite ebenso wenig wie Day und June am Ende angelangt – auch wenn man ganz offensichlich erstmal eine Pause einlegen muss. Denn wann Band drei erscheint, steht aktuell noch in den Sternen.

Die Leseprobe zu Band zwei findet ihr jedenfalls hier.

Published in: on September 18, 2013 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Die letzte Dämmerung von Ellen Connor

dieletztedaemmerung Ellen Connor
Die letzte Dämmerung
Verlag: Blanvalet
448 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3442268923
ISBN-13: 978-3442268924
8,99 €

Ellen Connor ist keine Autorin, sondern das Pseudonym, unter dem Ann Aguirre und Carrie Lofty ihren gemeinsamen Roman veröffentlichen.

Das Cover des Buches zeigt vermutlich einen Ausschnitt aus der Welt, zu der sich die unsere in „Die letzte Dämmerung“ gewandelt hat. Gespenstische Wolkenkratzer im Hintergrund und das zerstörte Flugzeug am Boden rufen eindeutig Endzeitstimmung hervor. Die bewaffnete junge Frau auf dem Cover soll vermutlich die Hauptperson, Jenna Barclay, sein – das passt nicht ganz, auch wenn ich zugeben muss, dass die Dame auf dem Cover schon einiges hermacht. Mich persönlich hat sie (vermutlich auch wegen des Pseudonyms der zwei Autorinnen) direkt an Sarah Connor (aus Terminator) erinnert – Ein Grund mehr, es mit dem Buch zu versuchen.

Jenna hat zu keinem Zeitpunkt an die düsteren Vision ihres Vaters geglaubt. Bis zu dem Zeitpunkt, als eine Entführung sie hart aus ihrem Alltagstrott herausreißt. John Mason hat ihrem Vater versprochen, sie vor dem, was die Welt erwartet, zu beschützen – ein Versprechen, das er zu halten gedenkt, auch gegen Jennas Willen.

Auch der Name der männlichen Hauptperson hat mich gleich an Terminator denken lassen, abgesehen von einigen Kugelgefechten (und den Auffälligkeiten bei den Namen) hat das Buch mit Terminator allerdings nicht das Geringste zu tun: In „Die letzte Dämmerung“ verliert die moderne Technologie ihre Wirkung, die Magie oder das, was man einst unter Magie kannte, erobert sich seinen Platz in der Welt zurück.

Die zwei Hauptpersonen wirken auf den ersten Blick ziemlich verschieden. John Mason ist ein gefühlskalt wirkender Krieger, jemand, der für seine Ziele (so nobel die auch sein mögen) über Leichen geht. Jenna hingegen ist mitfühlend und hilfsbereit. Stur sind sie beide. Und wenn sie sich zusammen raufen, sind sie das perfekte Team – nur, dass die zwei das erst einmal einsehen müssen. Nicht gerade einfach, nachdem John Jennna auf die harte Tour mit der „neuen“ Welt konfrontiert hat. Ihre Differenzen und ihre Starrköpfigkeit lassen – in Verbindung mit der gegenseitigen Anziehungskraft – jedenfalls ziemlich die Funken sprühen.

Jennas Hilfsbereitschaft wegen bleiben die zwei nicht lange allein. Und eh‘ sich John versieht, ist er der Anführer einer kleinen Gruppe. Das Zusammentreffen mit den anderen verdeutlicht dem Leser – stellenweise ziemlich brutal – wie sich die Welt verändert hat. Das Zusammenleben der Menschen bleibt dadurch aber auch ähnlich zum jetzigen: Aus einer Zweckgemeinschaft wird Freundschaft und das männliche Machogehabe ist – zumindest in dieser Geschichte – auch in der Zukunft nicht wegzudenken. Im Vergleich zu Jenna und John bleiben die weiteren Figuren etwas flach, auch wenn man als Leser zumindest die jüngsten der Truppe, den Jugendlichen Tru und die kleine Penny, schnell lieb gewinnt. Penny ist einfach süß – und mit ihrer Fähigkeit, Dinge zu sehen, hat sie zumindest mich auch sehr neugierig gemacht. Tru hingegen ist ziemlich normal. Ein junger Außenseiter, der es innerhalb des Buches schafft, über sich hinauszuwachsen. Mir hat es richtig Spaß gemacht zu lesen, wie er seinem Vorbild – John – nacheifert.

Der Plot der Geschichte ist relativ einfach: Es gilt zu lernen, in dieser neuen Welt zurecht zu kommen, respektive zu Überleben. Eine Tatsache, die durch die in der Umgebung jagenden Dämonenhunde entsprechend erschwert wird. Knappe Vorräte und versagende Maschinen tun ihr übriges, um den Spannung hochzuschrauben. Und die Tatsache, dass es immer wieder Opfer gibt hält den Spannungsbogen auch dann aufrecht, wenn im Moment eigentlich nichts Dramatisches passiert.

Wer mit „Terminator“-Erwartungen an das Buch herangeht, wird vermutlich trotz der enthaltenen Actionszenen enttäuscht werden. „Die letzte Dämmerung“ ist eben ein Liebesroman, auch wenn es einer mit magischen Elementen und einem dystopischen Umfeld ist. Wer sowohl Dystopien als auch Liebesromane mag, ist hier gut bedient, er kann sich sogar auf ein Happy End freuen. Auch wenn dieses Happy End langfristig betrachtet vermutlich nicht von langer Dauer sein wird. Die Welt entfernt sich weiter von der heutigen und wirklich in Sicherheit ist mit dem Ende des Buches noch keiner – schließlich sind die Gefahren nicht einfach verschwunden. Damit gibt es noch einiges, über das die zwei Autorinnen in ihrer Fortsetzung, „Die letzte Zuflucht“ schreiben können. Und ich überlege durchaus, ob ich mir diese nicht auf den Kindle laden sollte (als Taschenbuch ist die Fortsetzung nämlich leider nicht erhältlich).

Hier könnt ihr euch selbst einen ersten Eindruck verschaffen.

Published in: on August 28, 2013 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Seelen von Stephenie Meyer (Hörbuch)

seelen Stephenie Meyer
Seelen
Sprecher: Ulrike Grote
Verlag: Silberfisch
8 CDs (594 Minuten)
ISBN-10: 3867421471
ISBN-13: 978-3867421478
19,99 €

Das Cover des Hörbuches zeigt einen Auschnitt eines Gesichtes, der Großteil des Covers wird von dem linken Auge in diesem Gesicht eingenommen: Ein Auge in einem strahlenden Blau. Dieses Blau unterscheidet die Filmausgabe des Hörbuchs vom ursprünglichen Cover, in diesem ist die Farbe des Auges grün. Mir gefällt es, dass das Cover so nah am „Original“ geblieben ist und gleichzeitig der Bezug zum Film deutlich wird (zumindest, wenn man den Film kennt): In der Verfilmung ist die Augenfarbe der von den Seelen besetzten Menschen nämlich ebenso blau wie das Auge auf dem Cover.

In einer fernen Zukunft ist die Erde einer stillen Invasion erlegen. Außerirdische Parasiten, sogenannte „Seelen“ haben sich in den Körpern der meisten Menschen eingenistet und das ursprüngliche Bewusstsein vertrieben. Die wenigen „normalen“ Menschen leben auf der Flucht und mit der ständigen Furcht vor Entdeckung. Ein Schicksal, das Melanie bei der Suche nach ihrer Cousine ereilt. Um weitere Menschen aufzuspüren, wird ihr die Seele Wanderer eingesetzt. Aber diese Seele unterscheidet sich von den anderen – ebenso wie Melanie von den meisten besetzten Menschen.

Stephenie Meyer hat einen ungewöhnlichen Blickwinkel gewählt, um die Geschichte zu erzählen: So wird diese nicht, wie man erwarten könnte, aus Melanies Sicht erzählt, sondern aus Wanderers Sicht. Melanies Blickwinkel kommt dabei trotzdem nicht zu kurz, dadurch, dass Wanderer Melanies Erinnerungen „sieht“, lernt man sie ebenso gut kennen wie Wanderer. Melanies starke Persönlichkeit erlaubt es ihr zudem, Wanderer Wiederstand zu leisten, für kurze Augenblicke die Kontrolle über ihren Körper wieder an sich zu reißen – und vor allem stets präsent zu sein. Eine Tatsache, die durch Wanderers und Melanies „innere“ Gespräche verdeutlicht wird. Diese Seite der Geschichte kommt im Hörbuch allerdings etwas kurz, als Leser des Buches habe ich einige dieser Gespräche vermisst. Lieb gewinnt man die beiden Protagonisten trotzdem, auch wenn man es vorher vermutlich nie für möglich gehalten hätte, einen Parasiten zu mögen. Eine Entwicklung, die auch die anderen Menschen in dieser Geschichte machen müssen – und eine weitere Entwicklung, die im Buch viel detaillierter beschrieben wird als im Hörbuch – auch hier sind einige Szenen der Kürzung für die Hörbuchfassung (die immerhin noch 8 CDs umfasst) zu Opfer gefallen. Wenn man das Buch kennt, werden einem die fehlenden Szenen auffallen, ich bin allerdings sicher, dass man sie als Neuentdecker von „Seelen“ nicht wirklich vermissen wird. Der Zusammenhang wird auch ohne diese Szenen klar und die Beziehungen, die einen Großteil der Geschichte ausmachen, sind immer noch zu spüren. Die Emotionalität der Geschichte, einer Geschichte zweier Wesen in nur einem Körper, wird im Hörbuch sogar besser transportiert als im Buch. Während mich die emotionalen Szenen im Buch mitgerissen haben, hat Ulrike Grote es immer wieder auch geschafft, mich zu Tränen zu rühren.

Den Großteil des Buches nehmen die Figuren und ihre Beziehungen ein. „Seelen“ ist ein dystopischer Liebesroman, ein Liebesroman, der es ziemlich ruhig angehen lässt. Der Großteil der Geschichte spielt sich im Kopf der Hauptpersonen ab, viel Action kann man als Leser daher nicht erwarten (auch wenn es durchaus ein paar spannende und gefährliche Situationen gibt), dafür Beziehungen, die sich langsam und trotz ihrer Ungewöhnlichkeit absolut nachvollziehbar entwickeln – und in ihrer Intensität eigentlich jeden Leser mitreißen müssten. Mit dem dystopischen Setting und der Geschichte der Seelen – Wanderers Geschichte – setzt Stephenie Meyer dem Buch dann die Krone auf, in der Hörbuchversion wird diese von Ulrike Grote dem Hörer fein säuberlich poliert präsentiert.

Ich hätte es nicht erwartet, aber die Hörbuchfassung gefällt mir fast genauso gut wie das Buch. Dem Kenner werden die Kürzungen auffallen, demnach würde er vermutlich (wie ich auch) eine länger Hörbuchversion begrüßen, Ulrike Grotes Erzählstil und der trotz der Kürzungen runde Erzählfluss lassen einen die fehlenden Szenen jedoch fast vergessen – und die Geschichte auf eine andere Art (ein weiteres Mal) genießen.

Ich kann das Hörbuch demnach nicht nur Neueinsteigern, sondern auch „alteingesessenen“ Seelen-Fans empfehlen. „Seelen“ ist sowohl lesens- als auch hörenswert, am besten man gönnt sich beide Ausgaben.

Eine Leseprobe zum Buch findet ihr hier, reinhören könnt ihr hier.

Published in: on Juni 26, 2013 at 8:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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