Der Triumph der Zwerge von Markus Heitz

triumphderzwerge Markus Heitz
Der Triumph der Zwerge
Verlag: Piper Verlag
656 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3492703518
ISBN-13: 978-3492703512
16,99 €

„Der Triumph der Zwerge“ ist der fünfte Band der Zwerge-Reihe von Markus Heitz. Chronologisch schließt er sich an den letzten Teil der Albae-Reihe an.

Die letzten Schlachten scheinen geschlagen, die Herrscher von Elfen, Menschen und Zwergen sind friedlich im Gespräch vereint. Und doch liegt Düsternis über dem Bündnis. Eine Vielzahl von Elben strömt aus allen Richtungen ins Geborgene Land, ein kleines Mädchen gewinnt die Zuneigung der Monarchen und weit mehr Einfluss, als es eigentlich möglich sein sollte. Und wieder einmal sind es die Zwerge, die zwischen all dem stehen. Misstrauisch beäugen sie die Entwicklung bei Elben und Menschen, während sie sich gleichzeitig fragen, ob der gerade aus der Unterwelt entkommende Zwerg wirklich der lang vermisste Tungdil ist – gerade jetzt könnten sie ihn mehr denn je gebrauchen.

Es empfiehlt sich, die vorangegangen Zwerge- und Albae-Bände gelesen zu haben, bevor man mit „Triumph der Zwerge“ beginnt. Ansonsten könnte man (wie ich) fälschlicherweise einige Figuren für wichtig erachten, die nur wenige Seiten später schon ihren Göttern überantwortet werden – mich hat das tatsächlich ein wenig geärgert. Ansonsten liefert Markus Heitz dem Leser jedoch alle für die Geschichte benötigten Informationen. In Nebensätzen und Gedanken von Figuren wird der Leser mit allem für die Geschichte Wichtigem (und sogar ein bisschen darüber hinaus) versorgt. Die Bindung zu den einzelnen Figuren ist nicht so groß, wie sie nach dem Lesen von vier oder mehr vorangegangenen Büchern wäre, aber starkt genug, um den Leser schnell in die Geschichte hineinzuziehen und mit Zwergen, Elfen, Menschen und sogar Albae über die nächsten Schritte der Völker und einzelnen Figuren nachzudenken. Der Schwerpunkt des Buches liegt natürlich auf den Zwergen, aber auch in den anderen Völkern findet sich sympathische Figuren – auch wenn man im Nachhinein doch so manche Sympathie überdenken muss.

Tatsächlich schafft es Markus Heitz den Leser immer wieder zu überraschen, oft sind die Überraschungen – wie das ganze Buch an sich – jedoch ziemlich düster. Die Grenze zwischen Freund und Feind, Feind oder Verbündeter ist fließend. So manches Zweckbündnis erweist sich als stabiler als eine sicher wirkende Freundschaft. Und heimliche Ränke und Intrigen stehen durchgängig auf der Tagesordnung, auch wenn man sie hinter dem Schlachtgetümmel und den Kämpfen leicht übersieht.

Grundsätzlich ist die Stimmung im Buch ziemlich düster – und das, obwohl die Völker erst seit kurzem friedlich vereint sind. Eine dunkle Macht zerrt von innen und außen am Bündnis, und das Vertrauen zwischen den Völkern ist noch nicht gefestigt genug, um dieser gemeinsam standzuhalten. Kein Wunder, dass die Zwerge misstrauisch werden, als es heißt, nur sie könnten die Dunkelheit vom Land abwenden. Wenn man sich das Verhalten von Menschen und Elben anschaut, hat man jedoch zumindest als Leser das Gefühl, dass dies durchaus zutreffen könnte: Einzig die Zwerge in ihrem Starrsinn scheinen vor Einflüssen von jeglicher Seite gefeiht zu sein.

Wenn man den Hinweisen des Autoren nachgeht merkt man, dass dieser einige Fäden aus anderen Büchern zusammenführt, vielleicht kann der aufmerksame Leser selbiger sogar schon früher einiges erahnen, was sonst überrascht. Ob die Fäden mit den letzten Seiten gelungen zusammen geführt werden vermag ich (ob meiner Unkenntnis, was die Vorgängerbände angeht) nicht zu sagen. Der Autor lässt mit dem Ende des Buches jedoch definitiv noch genug offen, um die Geschichte fortführen zu können, auch wenn das Ende an sich tatsächlich ein Triumph für die Zwerge und damit ein würdiger Abschluss ist.

Wer Zwerge in ihrer typischen kämpferischen, raubeinigen und zwergisch-humorvollen Art mag, wird seine Freude an dem Buch haben können. Es macht eben einfach Spass ihnen bei Kämpfen, Bier und Witzen zur Seite zu stehen. Ein Spass, der sich mit einem erneuten Wiedersehen allerdings deutlich potenzieren würde. Und damit würde ich das Buch – auch wenn man es durchaus ohne Vorkenntnisse lesen kann – nur denen empfehlen, die zumindest die vorangegangenen Zwerge-Bände gelesen haben. Alle anderen können einfach mit „Die Zwerge“ in die Reihe eintauchen und sich bei Gefallen dann mit zeitlicher Verzögerung an diesen Band wagen.

Published in: on Februar 16, 2015 at 9:00 am  Comments (1)  
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Dunkeljäger von Alexey Pehov

dunkeljaeger Alexey Pehov
Dunkeljäger
Verlag: Piper
432 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3492702996
ISBN-13: 978-3492702997
16,99 €

Das Cover des Buches schreit es quasi heraus: Dieses Buch handelt von einem Elfen. Die sich durch den strömenden Regen kämpfende Person auf dem Cover erfüllt zumindest alle Attribute eines Elfenkriegers. Der Elf, von dem diese Geschichte handelt, hat allerdings mit dem auf dem Cover wenig gemeinsam. Er ist ein Flieger und kein Krieger und trägt daher weder Rüstung noch Schwerter. Nichtsdestotrotz macht das Cover neugierig. Auf die Gründe, die den Elfen in den Regen getrieben haben und die Geschichte, die in diesem Buch steckt.

Um den sinnlosen Tod seiner Kampfgefährten zu vermeiden, wird Lass zum Verräter an der Elfenkönigin und vom gefeierten Luftkrieger zum Flüchtling. Doch seine Verfolger sind näher als gedacht, sodass Lass tatsächlich nur die Flucht in die entlegenste Gegend seiner Welt retten kann – und auch dort bleibt ihm der Ärger stets auf den Fersen.

Schon mit den ersten Seiten zieht Alexey Pehov den Leser gekonnt in seinen Bann, findet man sich doch gleich in einem heftigen Luftgefecht wieder und wird damit ohne viele Erklärungen mitten ins Geschehen hineingeworfen. Wie es zu dem Kampf und Lass Flucht kam, findet man erst im weiteren Verlauf der Geschichte heraus.

Mit seinen Gründen und seinem Verhalten wird einem Lass schnell sympathisch. Noch auf der Flucht steht er einem undankbaren und gefräßigem Fellknäuel bei, das ihm zum Dank auf den Fersen bleibt und manch anderen Charakter mit seiner steten Gefräßigkeit (egal ob Ratten, Schuhe oder Obst) in die Verzweiflung treibt.

Dieser muss sich Lass allerdings nicht hingeben, trotz einigen ziemlich knappen Aktionen – die den Leser immer wieder kurz den Atem stocken lassen – kommt er immer ziemlich gut weg. Wie sein neuer Gefährte landet er stets wieder auf den Beinen. Wenn einer seiner Pläne buchstäblich in Feuer und Rauch aufgeht, findet er schnell einen neuen und geht diesem voller Elan nach. Mit einer guten Portion Glück findet er auch immer wieder Gefährten, Freunde oder auch Geldgeber, die ihn unterstützen. Im Gegensatz zu den klassischen Romanen, wo selbst die Helden sich vor klassischen Vorurteilen nicht retten können, geht Lass recht offen mit anderen Rassen wie Gnomen oder gar Orks um – auch wenn der Autor selbst vor den üblichen Vorurteilen nicht Halt macht – dann hätte der Geschichte auch irgendetwas gefehlt.

Wenn der Geschichte etwas fehlt, ist es vermutlich ein durchgängiger roter Faden. Einzig das Fliegen ist eine stete Konstante in der Geschichte, eine Konstante, die das Buch tatsächlich zu etwas Besonderem macht. Eine klassische Fantasywelt, die Alexey Pehov um Luftschiffe, betrieben mit Dämonenenergie, bereichert hat und den Bewohnern der Welt und den Leser so einiges mehr zu bieten hat als die „alten“ Welten. Von Luftgefechten und Flugrennen kann man jedenfalls in den wenigsten fantastischen Romanen lesen und muss dafür eher zum Science Fiction ausweichen.

Lass Flucht aus dem Elfenreich und seine Gründe dafür spielen jedenfalls nur eine kleine Rolle, sind nicht mehr als eine Facette im Hintergrund der Geschichte. Und auch die vielen kleinen Ziele, die Lass sich steckt, machen immer nur einen kleinen Teil der Geschichte aus. Wenn Alexey Pehov mit Dunkeljäger eine neue Reihe plant, hat er die Welt und Figuren allerdings ziemlich eindrucksvoll eingeführt und jetzt jede Menge Potential, um nachzulegen.

Die Figuren sind (ebenso wie die verschiedenen Flugmaschinen) liebevoll und bis ins kleinste Detail beschrieben, sodass es mir zu keiner Zeit schwer fiel, mich in diese fantastische und himmelsverliebte Welt einzuleben und die Figuren mit eigenen Augen zu sehen.

Damit ist die Geschichte trotz des (noch?) nicht durchscheinenden Plots ziemlich interessant und dank der zwischenzeitlichen Action und Flugeinlagen auch spannend genug, um den Leser von der ersten bis zur letzten Seite am Buch zu halten. Tatsächlich könnte ich mir nach dem lebhaften Kopfkino durchaus auch eine gute actionreiche Verfilmung der Story vorstellen.

Mir hat das Buch mit seiner Mischung aus Altbekanntem und Ungewohntem gefallen. Die faszinierenden Persönlichkeiten und jede Menge Fliegeraction tun ihr übriges, den Leser ans Buch zu fesseln.

Einen ersten Einblick könnt ihr euch hier verschaffen.

Published in: on November 4, 2014 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Elfenmeer von Sabrina Qunaj

elfenmeer Sabrina Qunaj
Elfenmeer
Verlag: Aufbau Taschenbuch
501 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3746630193
ISBN-13: 978-3746630199
14,99 €

„Elfenmeer“ ist der dritte Band der Elfenreihe von Sabrina Qunaj.

Wie das Kleid der Frau auf dem Cover ist auch der übrige Teil in Rottönen gehalten. Vor dem hellroten Hintergrund kann man einen Wasserfall erkennen, vor dem einzelne Möwen ihre Kreise ziehen. Vor diesem Wasserfall steht eine junge Frau, die in eben jenen hineinblickt. Vielleicht ist der Wasserfall aber nicht das, was er zu sein scheint, vielleicht ist er auch eine undurchdringliche Wasserbarriere – die Barriere, die den Palast des Korallenfürsten vom Meer trennt? In jedem Fall ist es ein Cover, das sich gekonnt an die Cover der Vorgänger anschließt.

Als die Elfenkönigin Liadan sich weigert, auf die Forderungen des Korallenfürsten einzugehen, wird sie von ihm entführt. Der Korallenfürst kann sich einfach nicht vorstellen, dass Liadan wirklich ihre Augen vor dem Unrecht verschließen will, das die Elfen den Menschen antun. Liadan hat jedoch größeres im Sinn, etwas, das aus ihrer Sicht das Leid der Menschen wert ist. Und während der Korallenfürst noch versucht, Liadan von seinem Standpunkt zu überzeugen, machen sich die Silberritter auf den Weg, ihre Königin aus seinen Fängen zu befreien.

Auch in diesem Band der Reihe erzählt Sabrina Qunaj die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln. Ein jeder nachvollziehbar und schlüssig und dennoch absolut gegensätzlich. Einige der Figuren sind dem Leser der Vorgängerbande bekannt, Figuren wie Liadan, Vinae und Ardemir. Andere lernt man erst in diesem Band kennen – und jene sind es, die diese Geschichte antreiben: Die junge Ritteranwärterin Marinel, die bei ihrer Ritterprüfung einen Teil ihrer Hand verliert – und ihr Ziel damit in nahezu unerreichbare Ferne rückt; ihr Gefährte, der Silberritter Valuar, eine Figur, die alles andere als perfekt ist; der Korallenfürst, der sich dem Schicksal der Menschen verschrieben hat – und wo es möglich ist, Unrecht, das ihnen geschieht, zu verhindern versucht; die Menschenfrau Naya und ihr Geliebter Avree, der Feuerprinz – beides Kapitäne unter dem Kommando des Korallenfürsten. Die Fronten sind dem Leser schnell klar: Die der Königin und ihre Silberritter und die der Piraten und Menschen um den Korallenfürsten. Was jedoch nicht klar ist und bis über das Ende hinaus unklar bleibt, ist welche dieser Fronten im Recht ist. Gute Gründe haben beide, auch wenn manche besser zu verstehen sind als andere (aber als Leser ist man ja auch nur ein Mensch). Inmitten dieser Fronten versuchen die einzelnen Figuren ihren Weg zu finden – gerade ihre Wege sind es, die den Leser in den Bann schlagen, ihn zu Hoffnung, Angst, Liebe und Hass, manchmal sogar Bewunderung verleiten. Sabrina Qunaj versteht es einfach, ihre Figuren zum Leben zu erwecken und ihnen (bis auf wenige Ausnahmen) einen Platz in den Herzen der Leser zu sichern.

Das Schicksal jeder einzelnen Figur webt die Autorin schließlich zu einem Plot ohnegleichen zusammen. Ein Plot, der nichts Gutes verheißt, weder für Elvion (die Welt der Elfen), noch die miteinander verbundenen Figuren, die jetzt auf verschiedenen Seiten stehen. Schon der Prolog lässt anklingen, dass diese Geschichte unter keinem guten Stern steht und mit jeder Seite mehr wird aus der Vorahnung traurige Gewissheit: Denn so ergreifend manche Momente auch sind, nicht für jede der liebgewonnen Figuren gibt es ein gutes Ende. Mit der letzten Seite könnte man sogar befürchten, dass es für keinen der Charaktere gut ausgehen wird: Denn obwohl bereits jetzt große Opfer gebracht wurden, ist ein Ende des Zwists nicht in Sicht.

Ergreifend, fesselnd und – mit nur fünfhunderten Seiten – eindeutig zu kurz. Viel zu schnell ging die Geschichte vorüber, musste ich wieder Abschied von alten Bekannten und neuen, liebgewonnen Figuren nehmen. Zum Glück ist „Elfenmeer“ entgegen der Aussage des Verlages nicht das Finale der Reihe, die Autorin wird die Geschichte weiterschreiben. Und damit bleibt auch mit dem Ende des Buches zumindest meine Hoffnung bestehen.

Die ersten Seiten des Buches findet ihr hier, ihr könnt aber auch gleich mit der kostenlosen Vorgeschichte „Elfenmeer – Der Korallenfürst“ in die Geschichte einsteigen.

Published in: on März 29, 2014 at 9:00 am  Schreibe einen Kommentar  
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Elfenmeer – Der Korallenfürst von Sabrina Qunaj

elfenmeerkorallenfuerst Sabrina Qunaj
Elfenmeer – Der Korallenfürst
Verlag: Aufbau Digital
43 Seiten
Ebook
ASIN: B00ITPLM32
0,00 €

„Elfenmeer – Der Korallenfürst“ ist die kostenlose Vorgeschichte zu „Elfenmeer“, dem dritten Teil der Elfenreihe von Sabrina Qunaj.

Das Cover zeigt eine junge Frau, die auf einem Steg vor einer riesigen Welle steht, ihr direkt entgegenblickt und damit für den Betrachter nur von hinten zu sehen ist. In der Gischt der Wellen sieht man Vögel (vermutlich Möwen) fliegen und oberhalb von Gischt und Vögeln blickt einem der Titel des Buches entgegen. Zum Inhalt passt das Cover meines Erachtens nicht, Stil und Gestaltung passen allerdings zu den anderen Büchern der Reihe und es ist fast ebenso schön anzuschauen wie die anderen Cover.

Schon seit Jahren machen der Korallenfürst und seine Kapitäne die Meere von Elvion unsicher, überfallen Handelsschiffe und befreien versklavte Menschen. Einer dieser Menschen ist das Kind Nayla, ein Mädchen, das das Schicksal zumindest eines der Piraten nachhaltig verändern wird.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht des Korallenfürsten, dem Anführer der elfischen Piratenbande – eine wichtige Figur innerhalb von „Elfenmeer“, die dort selbst aber nicht zur Wort kommt. Aus seinen Augen kann man die erste Begegnung des Menschenmädchens Nayla und seinem Piratenkapitän Avreen, dem Feuerprinzen, beobachten. Eine Begegnung, die beide prägt – und die in „Elfenmeer“ noch eine wichtige Rolle spielen wird.

Die Autorin stellt in der kurzen Vorgeschichte allerdings nicht nur einen Teil der Figuren aus „Elfenmeer“ und ihre Magie vor, sondern lässt den Leser auch einen Blick auf die Hintergründe erhaschen, die sich als Leser von „Elfenmeer“ ohne die Vorgeschichte erst später erschließen würden: Denn es ist nicht nur die menschliche Fracht, die Koralle und seine Piraten erzürnt.

Mehr als ein Appetithappen ist „Elfenmeer – Der Korallenfürst“ nicht, allerdings einer, der gekonnt den Hunger auf „Elfenmeer“ schürt. Ich zumindest habe die Figuren schon nach den wenigen Seiten lieb gewonnen und mich darauf gefreut, sie in „Elfenmeer“ wieder treffen zu können. Mir hat die Vorgeschichte damit wirklich gut gefallen und ich möchte sie jedem nahe legen, der „Elfenmeer“ noch lesen will – und wer noch nicht geplant hat das Buch zu lesen, überlegt es sich nach dem Genuss der Vorgeschichte vielleicht auch noch anders.

Herunterladen könnt ihr es hier oder auch bei diversen anderen Online-Buchhändlern.

Published in: on März 26, 2014 at 12:30 pm  Comments (1)  
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Elfenkrieg von Sabrina Qunaj

elfenkrieg Sabrina Qunaj
Elfenkrieg
Verlag: atb
719 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3746628377
ISBN-13: 978-3746628370
14,99 €

Mit „Elfenkrieg“ setzt Sabrina Qunaj die Geschichte aus „Elfenmagie“ fort, eine Tatsache, die man schon dem Cover des Buches ansieht: Vom Stil her ähnelt das Cover stark dem von „Elfenmagie“. Schriftart und Zeichenstil sind gleich, auch wenn die Szenerie eine ganz andere ist: Die Sonne geht gerade auf (oder ist gerade untergegangen), eine Vielzahl von Vögel machen den Himmel unsicher, während eine einzelne Frau fast ganz allein auf den Klippen vor dem Meer steht. Nur der Falke auf ihrer Hand leistet ihr Gesellschaft. Mir gefällt die Darstellung – und auch wenn sie nicht direkt dem Buch entsprungen zu sein scheint, könnte ich mir die Elfin Vinae durchaus auf dieser Klippe vorstellen.

Der große Elfenkrieg ist noch längst nicht vergessen, als der nächste Krieg die Heimat der Elfen heimsucht. Drachenfeuer und Nebel sind es, die eine Orakelstätte nach der anderen aufsuchen – und vernichten. Die Elfenritter sind chancenlos, bis der weiße Ritter, Nevliin, eine der Nebelgestalten verletzten kann – und in ihr seine verstorbene Geliebte, Vanora erkennt: Trugbild oder Wirklichkeit?

Seit den Geschehnissen in „Elfenmagie“ sind einige Jahrzehnte vergangen, aber Elfen sind langlebig und so kann sich der Leser auf ein Wiedersehen mit einigen liebgewonnen Hauptpersonen freuen – auch wenn diese sich (zum Teil erschreckend) verändert haben. Auf den mysteriösen Prolog folgt sogleich das erste Wiedersehen, gleichzeitig allerdings auch die Konfrontation mit Feuer und Leid. Die Geschichte beginnt inmitten einer Schlacht um eines der Orakel. Die Schlacht, die den Wendepunkt im neuen Krieg einläutet und gleichzeitig eine Unmenge an Fragen aufwirft. Eine einzelne davon schwerwiegender als jede andere: Kann es sein, dass Vanora zurückgekommen ist?

Das Auftauchen der Drachenelfin Aurun beantwortet die Frage, warum die Drachen an den Angriffen beteiligt sind. Damit offerieren sie Elfen und Leser eine Lösung für eines der Probleme und bringen die nächste bekannte Figur ins Spiel: Eamon, der sich seit Vanoras Tod in die Menschenwelt zurückgezogen hat. Der Ruf seiner Königin und Schwester bringt ihn zurück nach Elvion – und das Abenteuer beginnt (fast). Vorher gilt es noch die eigentliche Hauptperson der Geschichte vorzustellen: Vinae. vaterlos aufgewachsen unter der Obhut einer eher grausamen Mutter ist sie es, die dem Sonnental Hoffnung gibt – der Lichtblick im dunklen Tale und der helle Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte. Der Grundstein dafür wurde schon in „Elfenmagie“ gelegt – auch wenn es eine kleine Weile braucht, bis der Leser (und ihr Vater) die richtigen Schlüsse zieht.

Die Antworten auf die Fragen der Mächtigen finden sich an den dunkelsten Orten – und während alte Freundschaften zerbrechen, schmiedet ein helles Band die ungewöhnlichsten Allianzen. Allianzen, an die so manche Figur (und auch der Leser) im Traum nicht gedacht hätten. Wirklich vorhersehbar (gut) ist nur Vinae – und selbst sie schafft es immer wieder, auch den Leser zu überraschen. Und auch wenn man als Leser bei den meisten Figuren weiß, woran man ist, sind ihre Taten alles andere als vorhersehbar. Und was mir wirklich gefällt: In jedem einzelnen Charakter steckt ein heller Funke, der die Figur an sich sogar liebenswert machen könnte. Nur eine ist wirklich böse – und selbst dieser Jemand hat zumindest einen nachvollziehbaren Grund für seine Taten.

Den Großteil der Geschichte machen damit auch in „Elfenkrieg“ die Figuren aus, was jedoch nicht heißt, dass es dem Buch an Spannung mangelt. Schon das prasselnde Feuer in der Schlacht um das Orakel belehrt Leser, die das vermutet haben sollten, eines Besseren. Die Suche nach der Ursache für das vordergründig sinnlose Morden ist alles andere als einfach – und führt den Leser zurück in die Anfangszeiten von Elvion. In eine Vergangenheit, die ebenso grausam ist wie die Gegenwart.

Der Kampf um Elvion führt jede einzelne Figur an ihre Grenzen und darüber hinaus. Nicht umsonst stellt Sabrina Qunaj in ihrem Prolog die Frage „Welches ist die grausamere Tat? Ein Leben zu beenden oder eines zu retten?“. Das Ende ist glücklicher, als man es nach „Elfenmagie“ erwarten könnte – letztendlich kann so mancher seinen Frieden finden. Auch diesmal kann Elvion gerettet werden, nicht jedoch ohne sich zu wandeln.

Ich habe die letzte Seite wehmütig umgeblättert, traurig, Elvion so schnell (diesmal waren es nur 700 Seiten) wieder verlassen zu müssen. Ich bin mir sicher, dass diejenigen, die „Elfenmagie“ mochten, „Elfenkrieg“ lieben werden. Vielleicht versöhnt das Ende sie sogar mit dem Ende vom ersten Band, auch wenn Sabrina Qunaj ihrem Stil treu bleibt – und es ihren Figuren wirklich nicht einfach macht. Mir sind damit alte wie neue Figuren (wieder) ans Herz gewachsen – und ich freue mich schon darauf, im März 2014 meinen nächsten Ausflug nach Elvion zu unternehmen.

Den Anfang dieser Reise findet ihr hier.

Published in: on Oktober 26, 2013 at 9:00 am  Comments (7)  
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Die Seele der Elben von Susanne Gerdom

dieseeledererlben Susanne Gerdom
Die Seele der Elben
Verlag: Piper
496 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3492267769
ISBN-13: 978-3492267762
9,95 €

Das Cover des Buches zeigte eine – vermutlich elbische – Frau, die nur teilweise sichtbar ist. Dunkle Gewänder und das fahle Licht lassen sie ziemlich blass erscheinen – ob sie ein Seelentrinker ist? Ich finde das Cover jedenfalls ziemlich passend für die Geschichte.

Nach dem mysteriösen Tod seiner Geliebten verlässt der Halbelb Lluis den Hof seines Stiefvaters und macht sich auf in die nahe gelegene Stadt Raakus. Überraschend schnell schließt er dort neue Freundschaften und ehe er es sich versieht hat er ein interessantes Auskommen, bei dem ihm vor allem das Geschick seiner Finger und sein leises Auftreten eine große Hilfe sind. Der mysteriöse Tod seiner Geliebten hallt jedoch nach – und die Auswirkungen reichen bis in sein neues Leben hinein.

Wie auch in „Elbenzorn“ kam bei mir in „Die Seele der Elben“ gleich wieder die Atmosphäre eines Rollenspiels auf, Lluis Welt passt einfach genau dorthin. Lluis selbst kann dem Leser ein wenig leidtun, aber da er doch irgendwie immer auf die Füße kommt und zur rechten Zeit am rechten Ort ist, braucht er das Mitleid eigentlich nicht – bleibt also die Sympathie, die man ihm als Leser entgegenbringt. Mit der Sympathie kann man als Leser in „Die Seele der Elben“ generell sehr großzügig umgehen: Ich habe selten so einen sympathischen Ork wie den Anführer der Stadtwache, Groszbarrt, getroffen – ich habe allerdings auch noch nie von einer Stadtwache aus Orks gelesen. Und da der Markgraf einen ungewöhnlichen Geschmack hat, was die Wahl seiner Bediensteten angeht, bleibt es nicht nur bei dieser ungewöhnlichen Begegnung.

Susanne Gerdom erzählt in „Die Seele der Elben“ allerdings nicht nur die Geschichte des jungen Lluis, sondern auch die der Prinzessin Vanandel, die auf Biegen und Brechen versucht, ihrer vorstehenden Hochzeit zu entgehen, sowie die Geschichte des Schreibers Tijan. Während Tijans Erzählstrang den Leser mit Hintergrundinformationen bezüglich der Seelentrinker versorgt, die er während seiner Recherchen gewinnt, sorgen die Erzählstränge um Vanandel und Luis für Spannung und Humor – dieser haftet allerdings auch Tijans Reisen mit der Riesenadlerfrau Ranvidar an. Die stereotype Liebesgeschichte zwischen den Hauptpersonen gibt es selbstverständlich nicht, auch wenn die Liebe durchaus ihre Rolle spielt – nicht umsonst beginnt „Die Seele der Elben“ mit dem Tod von Lluis Geliebten.

Wieder einmal sind es die Figuren, die den Reiz der Geschichte ausmachen, die sie im Kopf des Lesers lebendig werden lassen – und damit sind beileibe nicht nur die Protagonisten gemeint. Die Schicksale der einzelnen Figuren sind es, die den Leser bewegen – und ihn darüber fast die eigentliche Geschichte um den Fluch der Seelentrinker vergessen lassen. Dieser zieht sich zwar als roter Faden durch die Geschichte, rückt aber bei den humorvollen Szenerien oder bei Problemen einzelner Figuren doch in den Hintergrund, sodass das Hervorblitzen an ungewohnter Stelle immer wieder für Überraschungen sorgt.

Lesern von „Elbenzorn“ liefert „Die Seele der Elben“ einige Hintergrundinformationen zu den beiden damaligen Nebenfiguren Lluis und Trurre. Aber auch ohne „Elbenzorn“ zu kennen kann man „Die Seele der Elben“ genießen. Sympathische Figuren, jede Menge humorvolle Szenen und Spannung abseits des Schlachtenlärms sorgen für ein rundum gelungenes Lesevergnügen.

Die ersten Seiten findet ihr hier.

Published in: on Mai 15, 2013 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Winterwelt von Nicole Stoye

winterwelt Nicole Stoye
Winterwelt
Verlag: Nicole Stoye
416 Seiten
E-Book
ASIN: B005PP4WLI
0,99 €

Passend zum Titel ist das Cover des Buches winterlich in Weiß und verschiedenen Blautönen gehalten. Einzig das schwarze Pferd sticht daraus hervor. Auf stilisierten weißen Bäumen kann man kleine Elfen, eine blaue Eule und in den Händen einer der Elfen sogar das Buch selbst entdecken. Es ist ein eher einfaches Cover, aber eines, das definitiv zur Geschichte passt.

In einer eisigen Dezembernacht wird aus einer alten Ruine ein prunkvolles Haus – und aus Wanderern altbekannte Nachbarn. In einer ebenso eisigen Nacht führt ihr Vater die junge Arrow fort von eben jenem Haus, in eine Welt, wie sie sie noch nie gesehen hat – und das ist erst der Beginn ihres Abenteuers.

Gekonnt zieht Nicole Stoye den Leser schon mit den ersten Sätzen in ihren Bann und beschwört eine solche Geschichte herauf, wie man sie sonst nur in Märchen erwartet. Mit fliegenden Schneebällen zerstört die junge Arrow schnell das märchenhafte Bild. Wirklich böse sein kann man dem sympathischen Mädchen dafür allerdings nicht – im Gegensatz zu ihren Freunden wurde man aber auch nicht von einem Schneeball getroffen.

Arrow ist es, die die Geschichte zusammenhält, die einzige Konstante in einer sonst ziemlich chaotisch anmutenden Geschichte. Die Welten und Szenerien wechseln stetig – und die Hintergründe werden zunächst nicht einmal angedeutet und dem Leser erst im weiteren Verlauf der Geschichte klar – der rote Faden ist zwar da, wirklich erkennen kann man ihn aber erst am Ende. Das ist zwar durchaus passend für eine Geschichte über Elfen in der Art der Túatha Dé Danann, denen Zeit nichts bedeutet – aber auch durchaus verwirrend für den einen oder anderen Leser. Schon ein paar kleine Andeutungen hätten hier deutlich mehr Licht in die Sache bringen und damit den Lesespaß noch etwas steigern können. Ein weiteres Manko sind die Fehler, die sich in die Geschichte eingeschlichen haben. In der Regel überlese ich diese einfach, hier bin ich einige Male über falsche Zuordnungen oder Rechtschreibfehler gestolpert – ohne die hätte ich die Geschichte sicher noch mehr genießen können.

Nichtsdestotrotz ist die Welt, die Nicole Stoye mit ihrem fast schon poetisch anmutenden Schreibstil zum Leben erweckt, den Leseausflug wert. Die detaillierte Beschreibung sowohl der Umgebung als auch der Figuren zieht den Leser schnell mitten in die Geschichte hinein. An Arrows Seite trifft man auf eine Vielzahl mythischer Wesen wie Satyre, Elfen und Meerjungfrauen, aber auch einen Kelpie, ein junges Einhorn und sogar einen Minotaurus. Und trotz der abstrusen Mischung wirkt dabei keines dieser Wesen auf irgendeine Weise fehl am Platz. Und nach und nach erobern selbst die verschrobensten Wesen auch das Herz des Lesers.

Eben diese Figuren sind es, die dem Buch Leben einhauchen, denn trotz der Abenteuer der jungen Arrow ist es ein eher ruhiges Buch. Es gibt zwar auch spannende und gruselige Stellen, diese werden von Nicole Stoye allerdings so abgemildert, dass Alpträumen auf jeden Fall vorgebeugt wird. Man hat fast das Gefühl, dass der fallende Schnee des ständigen Winters die Geschehnisse dämpft.

„Winterwelt“ ist damit vermutlich vor allem eine Geschichte für junge Märchenliebhaber. Ich bin allerdings der Meinung, dass auch ältere Leser diesen Ausflug ins Märchenreich genießen können – mir ist das auf jeden Fall gelungen. „Winterwelt“ ist eine schöne Geschichte, um bei Regen (oder auch Schnee) einfach mal die Zeit vergessen zu können. Und zumindest ich bin einen weiteren Ausflug in die „Winterwelt“ nicht abgeneigt.

Die ersten Seiten findet ihr hier.

Published in: on Mai 8, 2013 at 12:30 pm  Comments (1)  
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Elbenzorn von Susanne Gerdom

elbenzorn Susanne Gerdom
Elbenzorn
Verlag: Piper
480 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3492701167
ISBN-13: 978-3492701167
9,95 €

Das Cover des Buches zeigt einen Krieger in voller Montur vor einem sich zusammenbrauenden Sturm. Das gelbe Licht, das noch durch die sich auftürmenden Wolken auf den Krieger fällt, lässt ihn und die restliche Darstellung nur noch düsterer wirken. Auf mich wirkt es etwas zu düster und kämpferisch, liegt doch der Fokus der Geschichte nicht im Kampf.

Vor langer Zeit verbannten die lichten Elben die dunklen Elben aus ihrem Reich – und seit langer Zeit ist der Königsthron der Elben verwaist.

Auf Wunsch ihrer dunklen Schwester Rutaaura macht sich die Elbin Iviidis auf den Weg ins Herz des Reiches, um Gerüchte und Neuigkeiten zu sammeln. Mit dem, was sie entdeckt, hätte sie jedoch nie gerechnet. Und ausgerechnet jetzt bleibt ihre Schwester ihrem nächsten Treffen fern.

Mit dem Beginn von „Elbenzorn“ habe ich mich fast nach Aventurien (für Nichteingeweihte: Das ist die Welt des Rollenspiels „Das schwarze Auge) versetzt gefühlt: Eine Gruppe von Helden muss einen im dunklen agierenden Finsterling aufhalten. Und auch der ein oder andere Seitenhieb a’la Zwergenfrauen und ihre Bärte hat mich an manch‘ einen guten Rollenspielabend erinnert. Insgesamt ist die Geschichte jedoch weitaus komplexer als die meisten Rollenspiel-Abenteuer.

Als Leser folgt man hauptsächlich den Handlungssträngen um Rutaaura und Iviidis, sowie dem des dunklen Intriganten. Aber auch aus der Sicht der einen oder anderen Nebenfigur wird die Geschichte beleuchtet. Als Leser hat man so die Möglichkeit, sich einen guten Blick über das Gesamtbild zu verschaffen – oder sich hoffnungslos verwirren zu lassen.

Rutaauras Teil der Geschichte ist es, der das Aventurien-Flair beschwört. Wirtshausschlägereien, humorvolle Kommentare (hauptsächlich durch den Zwerg Turrin Silberzunge) und eine heldenhafte Einstellung – egal ob es jetzt darum geht, einen in der Stadt hilflosen Wüstenbewohner zu unterstützen oder ein paar Kinder vor Sklavenhändlern zu retten. In Iviidis Teil der Geschichte geht es ruhiger zu. Intrigen und Worte sind hier die Waffen der Wahl. Und auch, wenn Iviidis das Leben am Hofe eher nicht liegt, gewinnt sie schnell allerhand Informationen – Informationen, die sie und den Leser langsam das Puzzle zusammensetzten lassen.

Epische Schlachten sucht man in „Elbenzorn“ vergebens, dafür findet man an jeder Ecke sympathische Figuren. Sei es nun Turrin Silberzunge, Iviidis Ehemann Olkodan oder die Gardistin Broneete. Jede Figur hat ihre eigene Geschichte, einige davon erzählt Susanne Gerdom recht ausführlich, sodass man als Leser durchaus auf die eine oder anderer Fortsetzung hoffen kann.

In „Elbenzorn“ erzählt Susanne Gerdom beileibe nicht nur die Geschichte der zwei elbischen Schwestern (und ihrer Gefährten), sondern auch die eines gespaltenen Volkes – und von demjenigen, der die Spaltung zu seinen Gunsten zu nutzen weiß. Es ist eine Geschichte, über die man noch lange nachdenken kann (und jede Menge hineininterpretieren) – aber auch eine, die man einfach genießen kann, die gelungene Mischung aus Intrigen, Kämpfen und einen guten Schuss Humor macht das zumindest ziemlich einfach.

Ich jedenfalls werde mich jetzt gleich an den Nachfolger bzw. das Prequel, „Die Seele der Elben“, machen. Und dann hoffe ich auf weitere Geschichten aus dieser Welt – es gibt noch einige, die erzählt werden könnten.

Eine XXL-Leseprobe (und das ist sie wirklich) findet ihr übrigens hier.

Published in: on Mai 3, 2013 at 12:30 pm  Comments (1)  
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Phenomena – Die Auserwählten der Prophezeiung von Ruben Eliassen

Ruben Eliassen
Phenomena – Die Auserwählten der Prophezeiung
Verlag: dtv
304 Seiten
ISBN-10: 3423623977
ISBN-13: 978-3423623971
7,95 €

Das Cover des Buches gefällt mir. In einem mit Runen verzierten Ring sieht man zwei Elfenkinder, vermutlich Alak und Ilke, und einen weißen Eisbären, vermutlich Arul. Oberhalb des Ringes befinden sich der Titel der Buchreihe und der Name des Autors, unterhalb des Ringes befindet sich, auf eine von zwei goldenen Greifvögeln gehaltenen Schriftrolle, der Untertitel des Buches.

Von den Murtokk versklavt sieht das Elfenpärchen Harti und Kiri nur einen Weg, ihre Kinder in Freiheit aufwachsen zu sehen: Die heimliche Geburt und der Schutz durch den in der Nähe wohnenden Zauberer Scha-Rah. Die heimliche Aktion gelingt – und auch wenn eines der beiden Kinder, Ilke, vom Frostfürst gezeichnet wird, kommen beide wohlbehalten zu Scha-Rah. Dieser zieht die beiden auf; und als er sie für alt genug hält, berichtet er ihnen von der Prophezeiung aus dem Buch Phenomena, die von zwei Elfenkindern berichtet, die ihr Volk von den Murtokks befreien und den bösen Herrscher Tarkan bekämpfen werden. Er hält Alak und Ilke für die Prophezeiten und gemeinsam machen sie sich auf den Weg, diese zu erfüllen.

Der Plot klingt altbekannt: Ein böser Herrscher, eine Prophezeiung, die dessen Ende verspricht, ein Zauberer, der die Prophezeiten anleitet. Und auch wenn die zwei Hauptfiguren Alak und Ilke etwas Besonderes sind, gibt der Plot leider auch nicht viel mehr her als eben dieses Altbekannte.

Die heimliche Geburt, der Weg zu dem Zauberer, der Ilke das Zeichen des Frostfürsten beschert, haben mich noch zu fesseln vermocht, waren der Grund für mein Interesse am Buch. Im weiteren Verlauf des Buches konnte mich dann jedoch nicht mehr viel überraschen, im Gegenteil, ich stieß immer wieder auf Parallelen zu anderen durchaus bekannten Büchern: Ein mehrtägiger Kampf des Zauberers gegen eine elementare Macht, der ihn von den Auserwählten trennt; drei Propheten, die einer Himmelserscheinung folgen, um die Auserwählten zu finden und zu beschenken; und nur durch eine Traumerscheinung davon abgehalten werden, bei ihrer Rückreise einem fragwürdigen Kaiser von ihrem Besuch bei den Auserwählten zu berichten.

Damit waren es dann einzig Alak und Ilke und der flüssige Schreibstil, die mich noch an der Geschichte hielten und bis zum ersten Etappenziel der zwei Auserwählten führten: „das Himmelsportal da, wo der Mond weint, [zu] verschließen – mit einem Lied, dass nur sie allein kennt“. Da noch sechs weitere Bände der Reihe existieren, werden die zwei wohl noch einige solche Etappenziele zu meistern haben. Diese werden sie allerdings, nachdem mich der erste Band nicht wirklich überzeugen konnte, ohne mich leisten müssen, ich werde die Reihe nicht weiterverfolgen.

Ihr könnt euch allerdings hier selbst einen ersten Eindruck verschaffen.

Published in: on September 16, 2012 at 12:00 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Himmelsauge von Melissa Fairchild

Melissa Fairchild
Himmelsauge
Verlag: PAN
384 Seiten
ISBN-10: 3426283123
ISBN-13: 978-3426283127
14,95 €

Das in dunklen Rottönen gehaltene Cover zeigt das Zifferblatt einer Uhr, in dessen Mitte man einen einsamen Jungen über die Londoner Tower Bridge laufen sieht. Innerhalb dieser Szenerie und vor dem Zifferblatt der Uhr kann man die Silhouetten von Raben erkennen. Endlich mal ein Cover, das hübsch anzusehen ist und einen eindeutigen Bezug zum Buch hat.

Mit beiden Beinen und einem Arm in Gips erwacht der Junge ohne Gedächtnis in einem Krankenhaus. Im Anbetracht der Tatsache, dass er einen Zusammenstoß mit einer U-Bahn hatte, ist sein Zustand allerdings erstaunlich gut. Nicht so erstaunlich jedoch wie die Witze und Rätsel des merkwürdigen kleinen Mannes im Hausmeisterkittel – Foster – oder die Tatsache, dass ihn der Nachrichtensprecher im Fernsehen zur augenblicklichen Flucht auffordert.

Mit nichts als seinem Namen flieht der Junge – Avi – nach einem Angriff aus dem Krankenhaus. Unterstützt von seinem Wächter und dem Menschenmädchen Hannah versucht er, seine Vergangenheit aufzudecken – und sich nicht von seinen Verfolgern erwischen zu lassen.

Eine Geschichte, die damit beginnt, dass ein Junge ohne Gedächtnis in einem Krankenhaus erwacht, verspricht einiges an Spannung. Und genau das bringt „Himmelsauge“ auch.

Auf das Krankenhaus mit mehr oder weniger lustigen Witzen und Rätseln von Foster folgen Ereignisse, die für unsere Welt ganz sicher nicht gewöhnlich sind: Nachrichtensprecher, die Avi direkt ansprechen; Zeit, die plötzlich stillsteht; die Bedrohung durch das blaue Feuer eines unheimlichen Mannes – Kellen – und Avis rasante Flucht vor den Kobolden.

Melissa Fairchild stürzt Avi dabei zusammen mit dem Leser in ein ziemlich fantastisches London. Da Avi sein Gedächtnis verloren hat sind die Begegnungen mit Geschöpfen wie Goblins, Kobolden und Elfen für ihn genau so überraschend wie für den Leser – die Erläuterungen zu diesen Gestalten durch Avis Gefährten sind für den Leser dabei ebenso aufschlussreich wie für ihn selbst.

Hin- und Hergerissen zwischen dem, was er fühlt, glaubt und weiß kann Avi eigentlich niemanden trauen – und muss es doch tun. Ob er damit richtig liegt, kann man auch als Leser nur vermuten. Den Bösewicht der Geschichte, Kellen, kann man ziemlich schnell einordnen, die übrigen Gestalten an Avis Seite müssen sich jedoch erst beweisen. Sympathien verteilt man als Leser allerdings genau so schnell wie Avi selbst: An das Menschenmädchen Hannah, das Avi tatkräftig zur Seite steht und später seine einzige Motivation ist, weiterzumachen – und das, obwohl es nur zufällig in die Geschehnisse hineingeraten ist (es saß in dem Taxi, das Avi zur Flucht aus dem Krankenhaus geholfen hat); an das Elfenmädchen Brucie, das Avi schon die ganze Zeit über in der Menschenwelt begleitet hat (auch, wenn er sich daran nur bruchstückhaft erinnert), ohne es dabei an schnippischen Kommentaren mangeln zu lassen; an den faszinierenden Roosevelt, der sich in der Menschenwelt mehr recht als schlecht ergehen lässt (zu Beginn der Geschichte logiert er gerade in der Präsidentensuite des Savoy).

Nach Avis spektakulärem Wechsel in die Feenwelt verläuft die Geschichte im Vergleich zur vorangegangenen Geschwindigkeit geradezu im Schneckentempo. Durch die Zeit am Feenhof werden Avi und der Leser ziemlich ausgebremst. Durch den Einsatz neuer und „alter“ (wenn auch wieder unbekannter) Figuren bringt Melissa Fairchild die Geschichte wieder aufs Gleis und führt die Geschehnisse wieder etwas temporeicher zu einem zufriedenstellenden Ende.

Trotz des fast stetigen Tempos und den facettenreichen Figuren ist bei mir der Funke der Geschichte nicht ganz übergesprungen. Mir fehlte der rote Faden, der sich durch die ganze Geschichte hindurchzieht – am Anfang ist dies mit dem Gedächtnisverlust von Avi sicherlich gerechtfertigt, später sollte man als Leser meiner Meinung jedoch einige Hintergründe mehr erfahren. Das einzig wirklich durchgängig klare Motiv ist für mich schlussendlich das des Bösewichtes. Allerdings sollte man auch über den Helden eines Buches mehr erfahren dürfen, als dass er bereit ist, für seine Freunde einige Risiken einzugehen.

Vielleicht klären sich einige der Punkte im Nachfolgeband „Weltenwanderer“ – zumindest einen Blick würde ich hier mal riskieren. Und auch, wenn ich „Himmelsauge“ vermutlich nicht zweimal lesen werde, hat mir das Buch doch einige angenehme und humorvolle Lesestunden gebracht – und kann sie sicher auch noch dem ein oder anderen Leser bringen.

Einen ersten Versuch könnt ihr hier starten.

Published in: on Juli 29, 2012 at 2:00 pm  Schreibe einen Kommentar  
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