Ein Tag im Piper Verlag oder Wie ein Buch entsteht

Mein Wochenende war fantastisch. Beim Piper Fantasy Treffen in München hatte ich – zusammen mit einigen anderen ausgewählten Personen – die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulisse des Verlags zu werfen. Eine Kulisse, die schon auf dem ersten Blick ziemlich eindrucksvoll wirkt, hat der Piper Verlag doch seinen Sitz in einer 1880 von Architekten August Thiersch erbauten Villa.

piperverlag_georgenstraße

In dem ehemaligen Büro des Verlagsgründers Reinhard Piper hatten wir dann die Gelegenheit, die Mitarbeiter rund um die Fantastik persönlich kennen zu lernen und löchern zu dürfen. Und so weiß ich jetzt ziemlich genau, wie aus einem Manuskript ein Buch wird – auch wenn natürlich nicht jedes Schreibwerk diesen Schritt schafft.

Drei Lektoren sind tagtäglich auf der Suche nach neuen Lesestoff für Piper Fantasy und IVI; eine Suche, bei der sie nicht nur auf die Angebote von verschiedenen Agenturen oder Autoren zurückgreifen, sondern auch die Weiten des Netzes durchforsten. Indieautoren sind dabei ebenso interessant wie die zahlreichen Bewertungen von fremdsprachiger Literatur, unter anderem auch auf Goodreads. Auch Aktionen wie der von wattpad und dem Piper Verlag gestartete #erzählesuns können neue Autoren in den Verlag spülen. Tatsächlich lesen die Lektoren sogar die unangefordert eingesandten Manuskripte – bisher hat es allerdings nur eines davon in das Programm des Verlags geschafft.

Ein Großteil der Manuskripte lesen die Lektoren in ihrer Freizeit, die Liebe zum Buch und zur Fantastik sollte für den Job also durchaus vorhanden sein. Dafür wird man aber auch mit einem wirklich fantastischen Büro belohnt. Welche Leseratte würde nicht davon träumen?

piperverlag_lektorat

Gefällt ein Manuskript einem der Lektoren, lesen es alle und entscheiden anschließend gemeinsam, ob das Buch veröffentlicht werden kann. Man steigt in die Verhandlungen ein und mit etwas Glück (oder viel Geld ;-)) hat der Verlag dann die Rechte am Buch.

Weiter geht es mit Autoren- und Buchbetreuung von A-Z. Eine Aufgabe, die mit deutschen Autoren natürlich deutlich einfacher ist als mit fremdsprachigen. Man spart sich nicht nur die Übersetzung, sondern hat auch deutlich leichteren Zugriff auf den Autor. Das Manuskript wird lektoriert und korrigiert, anschließend muss ein Cover für das Buch gefunden werden. Dafür gibt es im Piper Verlag tatsächlich ein zweiseitiges Formular, das mit ein paar Bildvorschlägen ausgefüllt an eine Grafikagentur geht. Und nicht immer kommt das zurück, was sich der Lektor wünscht.

Ist das Buch erst einmal im Satz, kommen Presse und Marketing zum Einsatz. Das Buchprogramm muss erstellt und präsentiert werden; Online- und Printkampagnen ins Leben gerufen werden; Redaktionen, Blogger und Buchhandel informiert werden. Dadurch, dass der fantastische Bereich im Feuilleton eher ein Schattendasein fristet, spielen wir Blogger und Leser hier tatsächlich eine recht große Rolle. Messen, Lesereisen und der Autor selbst machen das Buch noch bekannter, ebenso wie Merchandiseprodukte und Events wie dieses hier (das mit dem Blick hinter die Kulissen noch lange nicht vorbei war – mehr dazu folgt in Kürze).

Letztendlich sorgt aber der Leser dafür, dass ein Buch wirklich erfolgreich wird – durchs Kaufen, Lesen und Weiterempfehlen. Und damit sind wir doch alle zumindest einer kleiner Teil des großen Buchsystems.

Published in: on Februar 2, 2015 at 12:30 pm  Comments (4)  
Tags: , , ,

Karon – Kein Kampf ist gerecht von Leonore Pothast

Karon Leonore Pothast
Karon – Kein Kampf ist gerecht
1000 Seiten
E-Book
ASIN: B00LENE3SM
5,99 €

Es ist ein interessantes Cover, das das Buch ziert. Und welche Art von Roman es sich handelt, kann man daran nicht erkennen, nur vermuten, dass die Person auf dem Cover wichtig für die Geschichte ist. Die drei kleinen Zeichnungen im Hintergrund geben einen kleinen Einblick in den Plot und lassen Kämpfe und Zerstörung vermuten. Mich hat das Cover damit neugierig genug gemacht, um das Buch aufzuschlagen und hinein zu lesen.

Stell dir eine Welt vor, in der einzig die Farbe deiner Haare dein Schicksal bestimmt. Die Schwarzhaarigen stehen an der Spitze der Gesellschaft, mit braunen Haaren gehört man der Mittelklasse an, als Rothaariger bleibt man bis zum Ergrauen der Haare ein Sklave. Karon ist rothaarig und weder eigene Entscheidungen noch Freundlichkeit gewöhnt – bis ihn der berühmte Schwertkämpfer Siamanra auf Geheiß eines Schwarzhaarigen in der Kampfkunst ausbildet, um ihn bis zur Akademie von Kytheira zu bringen. Eine Aufgabe, die Siamanra an den Rand der Verzweiflung treibt, bis er schließlich feststellt, was wirklich in Karon steckt.

Vom Plot her ist die Geschichte nicht wirklich ungewöhnlich, abgesehen davon, dass einige Autoren und Verlage die Geschichte vermutlich in mehrere Bände aufgeteilt hätten – ich bin allerdings froh, dass die Autorin das nicht getan hat. So kann man auf den rund tausend Seiten fast an Karons komplettem Leben teilhaben, mit ihm zusammen erkennen, was in ihm steckt, Geheimnisse enthüllen, die die Grundfeste der Gesellschaft erschüttern könnten und später an der Seite bisher als verschollen geglaubter Menschen eben jene Erschütterungen auffangen. Tatsächlich lernt man an Karons Seite nicht nur ihn selbst, sondern eine ganze Welt und ihre Bewohner kennen. Und damit liest sich das Buch trotz seines fantastischen Inhaltes fast wie eine spannende Reiseerzählung. An Karons Seite, der bisher nicht viel von der Welt gesehen hat, erkundet man Orte, die Rothaarige normalerweise nie zu sehen bekommen und ferne Winkel, die auch der Großteil der Adeligen nie bereist.

Warum gerade Karon zum Schwertkämpfer ausgebildet werden soll bleibt dem Leser, ebenso wie Karon und seinem Lehrer, lange verborgen. Die Ausbildung und Umstellung ist jedoch schwer genug, sodass man sich selbst als Leser im ersten Teil des Buches darüber nur wenig Gedanken macht. Schlussendlich gibt es schon hier genug Prüfungen und Entscheidungen, die Karon zu meistern hat.

Leonore Pothast versteht es jedoch, das Buch mit weiteren Herausforderungen und Entdeckungen zu füllen. Der Großteil der Spannung und Leselust entsteht allerdings nicht durch den Plot oder durch die Kämpfe, die Karon bestehen muss, sondern durch die Figuren selbst. Die Geschichte der Charaktere und die Entwicklungen, die sie im Laufe der Erzählung durchmachen sind es, die den Leser ans Buch fesseln und die Geschichte lebendig werden lassen. Der Schwerpunkt liegt hier natürlich auf Karon, die Autorin lässt aber auch andere Figuren ganze Kapitel aus ihrer Sicht erzählen und tatsächlich macht jede einzelne noch so kleine Randfigur eine Entwicklung durch. Ich habe selten so einen starken Fokus auf Charaktereigenschaften, Motivationen und Gedanken gelesen. Das macht es einfach, sich mit den Akteuren zu identifizieren – oder sie weit von sich zu weisen. In jedem Fall hat man das Gefühl sie gut zu kennen, als Leser kann man damit sowohl ihre Gedanken als auch ihre Entwicklung nachvollziehen – auch wenn manche der Motive lange im Dunklen bleiben. Mir hat diese Art der Charakterbeschreibung es aber auch erschwert, ein wirkliches Bild der Figuren vor Augen zu haben. Vermutlich ist das der Grund, warum Leonore Pothast jedem Kapitel eine Zeichnung ihrer Hauptfiguren vorangestellt hat.

Mich haben (vermutlich dem Stil der Autorin geschuldet) vor allem die Figuren begeistern können, auch wenn Hintergrund und Plot ebenfalls stimmig und gut durchdacht sind. Man muss allerdings schon ein Faible für ausgeprägte Charaktere und persönlichkeitsorientierte Geschichten haben, um „Karon – Kein Kampf ist gerecht“ zu mögen. Es ist tiefgründiger als so manche Geschichte und darauf sollte man sich auch einstellen.

Wer sich unsicher ist, kann einfach einen Blick in die (doch recht umfangreiche) Leseprobe werfen, danach wisst ihr, was euch erwartet – ich hatte nach dem Genuss selbiger jedenfalls große Lust, auch den Rest des Buches zu lesen.

Published in: on Dezember 14, 2014 at 9:00 am  Kommentar verfassen  
Tags: ,

[Blogtour Hochverrat] Interview mit Sebastien de Castell

English Version| Deutsche Version

Banner2_Blogtour_Hochverrat

Wie ihr vermutlich schon nach der Rezension festgestellt habt, haben mich Sebastien de Castells Romane wirklich umgehauen. Und da es bis zum Erscheinungstermin des nächsten Bandes noch eine Weile dauert, habe ich nach anderen Möglichkeiten gesucht, in die Welt der Greatcoats einzutauchen – im Netz gibt es zum Glück noch einige Möglichkeiten.

Nach fleißiger Recherche habe ich schlussendlich beschlossen, den Autor selbst zu löchern. Vielleicht verrät er ja noch ein bisschen über sich oder die Hintergründe zum Buch?

@Sebastien de Castell: Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, ein bisschen mit mir über die Greatcoats zu plaudern
Es ist mir ein Vergnügen – ich freue mich, hier zu sein!

@Sebastien de Castell: Wenn man sich deine offizielle Beschreibung durchliest erfährt man, dass du Archäologie studiert hast, aktuell als Musiker, Projektmanager, Kampf-Choreograph und Schauspieler arbeitest. Du bist mit einer Bibliothekarin verheiratet und lebst mit ihr und zwei Katzen in Vancouver. Magst du vielleicht noch ein bisschen mehr über dich verraten?
Trotz all meiner Jobs bin ich im Herzen ein Wanderer auf der Suche nach der Quelle der Wunder. Als ich jünger war, las mir meine Schwester C. S. Lewis „Der König von Narnia“ vor. Wie viele Kinder, habe ich den Rest meiner Kindheit damit verbracht, den Weg nach Narnia zu finden. Eher ungewöhnlich ist die Tatsache, dass ich den Großteil meines Erwachsenenlebens ebenfalls damit verbracht habe. Damit meine ich nicht die Suche nach einem magischen Welt außerhalb der unseren, sondern die Suche nach dem Gefühl der Verzauberung, dass mir diese älteren Fantasyromane gegeben haben. Die verschiedenen Orte, die ich besucht habe und die verschiedenen Berufe, die ich ausgeübt habe, haben mir die Möglichkeit gegeben Dinge zu finden, die mich inspirieren. Ein Autor zu sein gibt mir die Möglichkeit, diese mit anderen zu teilen.

@Sebastien de Castell: Nähern wir uns deinem Buch mal von außen. Wie gefällt dir das Cover? Ich persönlich finde es ja ein bisschen blutig.
Ich liebe das Cover! Es gibt soviele Fantasycover die einander gleichen wie ein Ei dem anderen. Das Cover von „Blutrecht“ – das in Deutschland entstand und später auch die Britische Version des Covers zierte – sticht hier deutlich hervor. Und obwohl die Charaktere in Blutrecht in ihren Konversationen sehr humorvoll sein können ist ihre Welt doch eine ziemlich Düstere.

@Sebastien de Castell: Auf Graeme’s SFF hast du einen Gastbeitrag zu Thema „Kampfszenen schreiben“ verfasst. Ein Artikel, der zumindest ein bisschen verrät, wo du deine Inspirationen her bekommen hast. Anscheinend spielten unter anderem „Die Brautprinzessin“ und „Die Duellisten“ eine Rolle. Haben dich die Filme zum Buch inspiriert? Gab es vielleicht andere Filme oder Bücher, die dich auf dem Weg zu „Blutrecht“ begleitet haben?
Wie die meisten Autoren lasse ich mich von vielen verschiedenen Quellen inspirieren. Ich liebe die Verspieltheit in den Kampfszenen der Brautprinzessin, aber die dunkle Seite von „Blutrecht“ verdanke ich eher der Sensibilität von Filmen wie „Die Duellisten“ von Ridley Scott. Außerdem wurde ich stark durch den Stil der Dialoge von Aaron Sorkins Serie „The West Wing – Im Zentrum der Macht“ (ein amerikanisches Polit-Drama ohne jegliche Fantasyelemente aber mit brillanten Dialogen zwischen den Charakteren) beeinflusst.
Manchmal ist auch Musik eines der Schlüsselelemente für die Kreation einer Szene. Tatsächlich hat jeder der Greatcoats einen eigenen Song, der seinen Kampfstil beschreibt. Beim Schreiben der Kampfszenen habe ich die Lieder immer wieder abgespielt um die Schritte und den Rhythmus der Kämpfer zu finden.
Außerdem gibt es natürlich viele verschiedene Autoren, die mich stark beeinflusst haben, unter anderem Steven Brust, dem Autor von „Jhereg“ und Roger Zelazny, der neben vielen anderen klassischen Romanen auch die Reihe um die „Die Prinzen von Amber“ schrieb.

@Sebastien de Castell: Das klingt tatsächlich ziemlich interessant. Welche Lieder repräsentieren denn die verschiedenen Charaktere? Mich würde speziell Falcios Lied interessieren. Wechseln oder verändern sich die Lieder im Laufe der Geschichte?
Kests Kampfstil wird durch das elektronische Musikstück „Mirando“ von Ratat repräsentiert. Es passt zu seinem unvorhersehbaren und kraftvollen Rhytmus seiner Schwertführung. Zu Brastis Kampfstil passt das Lied „Cobra Style“ von den Teddybears (featuring Mad Cobra) – ein unbarmherziges Lied aus dem Pop/Rap-Szene, dass deutlich schneller ist als die meisten Stücke dieses Genres. In dem langsameren Teilen des Stücks kann man sich Brastis Schüsse vom Zug bis zum Schuss fast bildlich vorstellen.
Falcios Lied im ersten Band der Reihe ist „You Know My Name“ von Chris Cornell. Es ist das Lied, das in dem Intro des James Bond Films „Casino royale“ gespielt wird. Die Häufung der Schläge vor dem Einsetzen des Chors passt genau zu Falcios Vorbereitung für die eine perfekte Attacke. Außerdem harmonisiert der Text außerordentlich gut mit Falcios dunkler Seite.
Es gibt noch eine ganze Menge andere Lieder, die ich mir angehört habe, während ich die Schlüsselszenen der Geschichte geschrieben habe. Irgendwo in den weiten des Internets gibt noch einen Artikel über die Musik von „Blutverrat“, in dem ich tatsächlich auf alle eingehe.

@Sebastien de Castell: In einem deiner früheren Interviews habe ich gelesen, dass dich die historischen Wanderrichter zu den Greatcoats inspiriert haben. Was ist mit den Dashini? Gibt es auch hier historische Vorbilder? Werden auch sie durch ein (oder auch mehrere) Lieder repräsentiert?
Die Dashini gehen auf die Nizari Ismailis zurück, die manchmal auch als „Hashishiyya“ (das bedeutet „ohne Erklärung“) bezeichnet werden. Sie sind eine der ersten organisierten Gruppen, die große politische Veränderungen durch den Tod einzelner Machtfiguren hervorgerufen haben.
Ich habe die Dashini in die Geschichte eingebracht um den Greatcoats etwas zu geben, vor dem selbst sie sich fürchten. Die Greatcoats wurden als Gegenpol zu den Rittern aufgebaut, die Dashini sind etwas ganz anderes und weit älteres – eine Macht, von der die Greatcoats nicht mal hoffen können, sie zu Fall zu bringen. Als Falcio zwei von ihnen tötet ist es das erste Mal, dass ein Greatcoat eine solche Attacke überlebt hat, und im zweiten Teil von „Hochverrat“ werdet ihr sehen, dass er dafür noch bezahlen muss.
Kennt ihr das Lied „Baghdad“ von Jesse Cook? Das habe ich im Hintergrund gehört, als ich die Kampszene zwischen Falcio und den Dashini schrieb.

@Sebastien de Castell: Durch deine Arbeit als Choreograf hast du vermutlich den größten Teil des Buches bildlich vor dir. Könntest du dir eine Verfilmung des Buches vorstellen? Hast du vielleicht selber schon ein paar Szenen im Buch – die Kampfszenen zum Beispiel – nachgespielt?
Es gibt gravierende Unterschiede zwischen dem Schreiben einer Kampfszene für einen Roman und dem Erstellen eine Choreografie für Theater oder Film. Am einfachsten ist es so zu erklären: Für Film oder Theater muss man jede einzelne Bewegung und Aktion genau beschreiben und sie so ausführen, dass der Zuschauer sie sehen kann. In einem Roman würde eine solche Beschreibung die Geschichte unnötig in die Länge ziehen und den Leser damit langweilen. Stattdessen muss man versuchen den Leser gerade soviele Details zu geben, dass er sich die Bewegungen und Aktionen anhand der Motive und Gedanken der Figuren selber vorstellen kann. Damit ist es meine Aufgabe, dem Leser so viel über Schwertkampf beizubringen, dass er die Kampfszenen vor seinem inneren Auge selbst choreografieren kann.

@Sebastien de Castell: Und nun zur Frage, die vermutlich alle bewegt, die wie ich die ersten Band um die Greatcoats verschlungen haben. Wann geht es weiter? Band zwei, „Hochverrat“, erscheint im Dezember. Für wann sind denn die darauf folgenden zwei Bände geplant? Kannst du uns schon ein bisschen mehr zum Inhalt verraten?
Das zweite Buch wird in der Tat bereits im Dezember veröffentlicht – sechs Monate, bevor die englischsprachigen Leser es in der Hand halten können. Hochverrat führt die Hauptcharaktere auf eine Reise, die düsterer und gefährlicher ist als jede, die sie bisher angetreten haben. Falcio wird seine idealisierten Erinnerungen von König Paelis in Frage stellen, Kest muss nun den Preis dafür zahlen, der größte Schwertkämpfer der Welt zu sein, und Brasti muss erkennen, dass es nicht mehr ausreicht einfach nur ein charmanter Schurke zu sein. Valiana, Aline und die Schneiderin werden im zweiten Buch immer mehr an Bedeutung bekommen und der Konflikt der verschiedenen Ansichten von Recht und Unrecht wird Tristia in seinen Grundfesten erschüttern.

Ich bin gerade dabei Band drei zu schreiben, in welchem die verschollenen Greatcoats zurückkehren und der Leser endlich erfahren wird, ob Falcio die Mission, die ihm sein König gab, erfüllen kann.

Wann Band drei und vier genau erscheinen werden kann ich aktuell noch nicht sagen. Jedes der Bände wird allerdings eine komplette in sich schlüssige Geschichte enthalten. Ich selber hasse es, wenn ein Buch endet, ohne dass die Geschichte wirklich beendet ist und ich Monate warten muss, bevor ich die Fortsetzung lesen kann. Deswegen habe ich „Blutrecht“ so enden lassen, dass der Leser anstelle eines Cliffhangers eine zufriedenstellende Auflösung bekommt. Ein Ziel, dass ich auch für „Hochverrat“ angestrebt habe. Ich hoffe sehr, dass es den Lesern gefällt.

@Sebastien de Castell: In Deutschland wurde das zweite Buch in zwei Teile aufgeteilt. Du sagst, du hasst es, wenn ein Buch endet, ohne dass die Geschichte wirklich beendet ist, ich schätze das ist der Grund dafür, dass du ein zusätzliches Schlusskapitel für das Buch geschrieben hast. Wie ist dir die Idee für das Kapitel gekommen? Wird das Kapitel auch in der kanadischen Version enthalten sein?
Als ich erfahren habe, dass das „Hochverrat“ (aufgrund seiner Länge – es ist um 50% länger als „Blutrecht“) in zwei Teile aufgesplittet werden muss, war ich ziemlich nervös. Ich wollte nie, dass die Leser nur einen Teil der Geschichte lesen können. Mit meinem Lektor habe ich mich dann ziemlich schnell darauf geeinigt, dass ich eine neue Schlusszene für Teil eins und eine neue Eröffnungszene für Teil zwei schreibe, um die Teile zufriedenstellend abzurunden.
Die Art der Herangehensweise war, sich in Erinnerung zu rufen, das für das Ende eines Buches nicht zwingend alle Fragen beantwortet werden müssen, sondern es reicht, dass die Hauptcharaktere realisieren, wie sie und die Welt um sie herum sich verändert haben. In diesem Fall ist das Ende von Teil eins der Moment, in dem Falcio merkt, wie die Ereignisse der Geschichte ihn selbst, Kest, Brasti und Valiana verändert haben. Zum ersten Mal erkennt er, dass sie alle auf die ein oder andere Art gebrochen wurden – und trotzdem sind seine Gefährten genau die Richtigen, um sich mit ihnen der herannahenden Dunkelheit zu stellen.
Ich hoffe sehr, dass diese zusätzlichen Szenen den deutschen Lesern gefallen. Ob sie in der britischen, kanadischen oder amerikanischen Version enthalten sein werden, kann ich aktuell noch nicht sagen. Jeder Lektor hat seine eigene Art und damit kann es durchaus passieren, dass sie mit anderen Herangehensweisen die Geschichte und den Lesespaß optimieren wollen.

@Sebastien de Castell: Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast. Ich freu mich schon darauf, bald wieder von dir zu lesen.
Ich habe zu danken. Für mich hat die Greatcoats-Reihe höchste Priorität, gerade weil ich weiß, dass dort draußen einige wundervolle Leser darauf warten den Rest der Serie zu lesen. Neben diesen Büchern arbeite ich noch an verschiedenen anderen Büchern und ich hoffe, dass meine andere Fantasyreihe „Spellsinger“ (eine Art Western-Fantasy-Märchen über einen ausgestoßenen Mager und seine ziemlich ungewöhnlichen Gefährten) bald für meine Leser erhältlich ist.

Und auch wenn ich kein Deutsch spreche (und überaus dankbar bin, den bemerkenswerten Andreas Decker – der auch die „Rad der Zeit“-Reihe übersetzt hat – als Übersetzer der Greatcoats zu haben) freue ich mich immer von den Lesern meiner Bücher zu hören. Ihr findet mich auf www.decastell.com oder via Twitter über @decastell.

Published in: on Dezember 10, 2014 at 7:01 am  Comments (3)  
Tags: , ,

[Blogtour Hochverrat] Interview with Sebastien de Castell

Deutsche Version| English Version

Banner2_Blogtour_Hochverrat

Probably you already supposed that I really liked Sebastien de Castell’s Greatcoats series. As we have to wait another few month for the next book in the series I was searching for other possibilities to go back to the world of the Greatcoats – luckily there are a few possibilities within the web.

After information was running out I just decided to ask the author himself. Perhaps he will reveal something more about himself or the Greatcoats series?

@Sebastien de Castell: Thank you for taking your time to have a chat about you and your Greatcoats.
It’s my pleasure – I’m delighted to be here!

@Sebastien de Castell: Reading through your official biography I learned that you have studied Archaeology. Now you are working as musician, ombudsman, interaction designer, fight choreographer, teacher, project manager, actor and product strategist. You are married to a librarian and live with her and two cats in Vancouver. Can you tell us something more about yourself?
Despite all the many job titles, at heart I’m a traveller looking for sources of wonder. When I was a young boy, my older sister read to me from The Lion, The Witch & The Wardrobe by C.S. Lewis. Like many kids, I spent the rest of my childhood in search of Narnia. What is probably less common is that I’ve spent most of my adulthood looking for it, too. I don’t mean seeking out some magical land outside of our own, but rather, finding that same feeling of enchantment that I got from some of those early fantasy novels. Exploring different places and different careers gives me that opportunity to find those things that inspire me, and being a writer gives me a way to share that with other people.

@Sebastien de Castell: Let’s look at the outside of your book. Do you like the cover? In my opinion it is a little bit too bloody.
I love the cover! There are so many fantasy covers that look similar to one another, but the cover of Blutrecht, which was developed in Germany and later became the cover of the U.K. version as well, is very striking. Although the characters in Blutrecht use a lot of humour in their conversations with each other, it’s still a very dark world that they live in.

@Sebastien de Castell: You wrote an article for Graeme’s SFF describing how to choreograph fight scenes. An article that also describes some of your inspirations. Apparently “The Princess Bride” and “The Duellist” played at least a small role. Have these films inspired you to the book? Are there other films or books which played a greater role in the development of “Traitor’s Blade”?
Like most writers I draw inspiration from many different sources. I love the playfulness of the fight scenes in The Princess Bride, but the darker side of Blutrecht owes more to the kind of sensibility of a film like The Duellists by Ridley Scott. I’m often drawn to the style of dialogue that Aaron Sorkin famously developed for his series The West Wing (which is an American political drama and has no elements of fantasy but does have brilliant dialogue between characters.) Sometimes music is a key factor for me in developing scenes. In fact, each of the Greatcoats has a song which connects to their fighting style. When I was working out those scenes I would listen to the songs over and over again to find a kind of rhythm and pacing. There are many different authors who’ve been important influences on me as well, such as Steven Brust who wrote Jhereg and Roger Zelazny who wrote Nine Princes in Amber amongst many other classic novels.

@Sebastien de Castell: That sounds very interesting. Which songs represent the different characters? I myself am especially interested in Falcios song. Do the songs change during the storyline?
Kest’s fight song is a piece of electronic music called Mirando by Ratatat. It matches the unpredictable sinewy rhythm I see in Kest’s sword style. Brasti’s is Cobra Style by the Teddybears (featuring Mad Cobra) – a relentless pop/rap tune that moves faster than most music in the genre. You can imagine Brasti’s drawing, knocking, and firing arrows in the breakdowns.
Falcio’s fight song in book 1 was You Know My Name by Chris Cornell. This was the song used in the opening credits of the James Bond film, Casino Royale. There are striking buildups before the choruses that fit the way I envision Falcio preparing for that singular moment where his attack must be perfect. I also found the lyrical content to mesh well with the darker side of Falcio’s personality.
There are a number of other songs that I listened to while writing key scenes in the story. There’s an article out there somewhere on the music of Traitor’s Blade where I go through all of them.

@Sebastien de Castell: In one of your former interviews I have read itinerant judges inspired you to the greatcoats. What about the Dashini? Are there any historical examples? Are they also represented by a song?
The Dashini harken back to the original Nizari Ismailis who were sometimes referred to as „hashishiyya“ (which means ‚without any explanation‘) and who were one of the first organized groups capable of producing major political change through the killing of powerful figures.
I brought the Dashini into the story because I wanted something for the Greatcoats to have feared. Where the Greatcoats were created, in part, as a counter to the Knights, the Dashini are something different and older – a force that the Greatcoats themselves could never hope to find or bring to justice. When Falcio kills two of them, it’s the first time that a Greatcoat has survived such an encounter and, as you’ll learn in part 2 of Hochverrat, there is a price to pay for such an act.
There’s a song called Baghdad by guitarist Jesse Cook that I played while writing Falcio’s fight with the Dashini.

@Sebastien de Castell: According to your work as fighting choreograph you probably have a lot of the scenes in your mind’s eye. Have you ever thought about a film version? Have you ever reenact some of the scenes, the fighting ones for example?
There a radically different approach required to writing a fight scene for a novel than choreographing one for the theatre or film. The best way to describe it is to say that, for film and theatre, I need to define every single movement and action that takes place, and put all of them in front of the audience. However in a novel, if you describe every action, the pacing becomes terribly slow and the reader is disengaged. So instead, a big part of the process is to give just enough detail so that the reader can imagine the types of moves that might be taking place, and then to focus on the characters’ internal world, letting the reader fill in the spaces between. In that sense, my job is to teach the reader a little bit about sword fighting and then let them choreograph the fight in their own imaginations.

@Sebastien de Castell: Let’s now turn to the question probably most of the people who read “Traitor’s Blade” would like to ask. When will we be able to return to the world of the Greatcoats? In Germany the sequel “Greatcoats Lament” will be published in December. When will the next two books be published? And can you maybe give us a few hints relating to the content?
The second book is indeed due to be published in December – a full six months before English readers will see it! Hochverrat takes the main characters on a darker and more perilous journey than they’ve faced before. Falcio will come to question his idealized memories of King Paelis, Kest will pay the price that comes with wanting to be the greatest swordsman in the world, and Brasti will discover he can no longer get away with simply playing the charming rogue. Valiana, Aline, and the Tailor all take more central roles in the second book than they did in the first, and the clash between their different visions of right and wrong will shake Tristia’s very foundations.

I’m writing book 3 right now and that it involves the return of the missing Greatcoats and the final answer to the question of whether Falcio will be able to complete the mission he believed the King gave him.

While I don’t know the exact publication dates for books 3 and 4, I do want readers of Blutrecht to know that I’m committed to ensuring that each book is a complete story in and of itself. I get frustrated when I read a book that feels like it ends before the story is finished and realize I have to wait months before I can see the next instalment. That’s why I was determined with Blutrecht to end the novel at a point that would give readers a satisfying conclusion rather than simply a cliffhanger, and I’ve worked very hard to do the same with Hochverrat so I very much hope that readers will enjoy it.

@Sebastien de Castell: In Germany the second book is split up into two parts. You said you get frustrated when you read a book that feels like it ends before the story is finished, I guess this is the reason why you write an additional chapter for the book. How did you get the idea for this chapter? Will this chapter also be included in the Canadian version?
When I first learned that the book had to be split into two parts (due to the length – Hochverrat is 50% longer than Blutrecht) I was a little nervous. I never want readers to only get part of a story. So I talked it over with my editor and we agreed that I would write a new closing scene to part 1 and a new opening scene for part 2 in order to make both of them have satisfying structures.
The way I approached it was to remember that what really ‚finishes‘ a book is not answering every question, but in having the main characters realize how they and the world around them have changed throughout the story. In this case, the end of part 1 is the moment where Falcio realizes how the events of the novel have altered Kest, Brasti, Valiana, and himself. He comes to see for the first time that they are all broken in their own ways, and yet they are still the only people he’d want by his side to face the dark days ahead.
I very much hope German readers enjoy the added scenes. As to the U.K., Canada, and the U.S., I don’t know yet whether those publishers will choose to use these added scenes. Every editor is a little different so they might have their own thoughts as to what makes the best experience for their readers.

@Sebastien de Castell: Thank you very much. I hope to read more from you soon.
Thank you! My first priority is always the Greatcoats series because I know there are some wonderful readers out there who are waiting for the rest of the series. In between those books I have several other novels in development, and I’m hopeful that my other fantasy series, Spellslinger, which is a kind of Western fantasy tale about an outcast magician and his rather unusual sidekick, will be available for readers soon.

Although I don’t speak German (and am thus incredibly grateful to have the remarkable Andreas Decker who also translated the Wheel of Time series as the translator for the Greatcoats) I am always happy to hear from readers who enjoy the books. You can find me at www.decastell.com or on Twitter at @decastell.

Published in: on Dezember 10, 2014 at 7:00 am  Kommentar verfassen  
Tags: , ,

Hochverrat von Sebastien de Castell

hochverrat Sebastien de Castell
Hochverrat
Verlag: Piper
352 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3492703224
ISBN-13: 978-3492703222
16,99 €

Dass „Hochverrat“ und sein Vorgänger „Blutrecht“ zusammen gehören, erkennt man auf den ersten Blick: Nicht nur, dass die Person auf dem Cover dieselbe zu sein scheint, auch die Gestaltung ist ähnlich. So wirkt das Cover von „Hochverrat“ fast wie eine Fortsetzung des Covers von „Blutrecht“: Der Mann auf dem Cover hat nun seine Rapiere gezogen und ist kampfbereit. Das Heer auf seinem Mantel, das im Vorgängercover nur bedrohlich dastand, befindet sich nun mitten im Schlachtengetümmel. Einzig den Farbwechsel von Blau zu Rot kann ich nicht ganz verstehen – aber da ich mich vom Cover nicht allzu lang von der eigentlichen Geschichte abhalten lassen wollte, ist das auch nicht weiter schlimm.

Vergiftet und gelähmt scheint Falcio val Mond nicht wirklich in der Lage zu sein, das Versprechen das er seinem sterbenden König gab zu halten und seinen letzten Auftrag zu erfüllen: Die Chariots des Königs zu finden und ihrer rechtmäßigen Bestimmung zuzuführen. Gefunden hat Falcio zumindest einen, von seinem Ziel ist er jedoch weiter entfernt als je zuvor. Während Falcio versucht, Allianzen zu schmieden und gleichzeitig das Recht des Königs zu beachten, spinnen andere Intrigen, morden und töten. Kann der mittlerweile gefeierte Volksheld dennoch das Schicksal wenden?

Mit Wehklagen leitet Falcio val Mond die nächsten Kapitel seiner Geschichte ein. Die letzten Handlungen sind nicht spurlos an Falcio vorbeigegangen und die Folgen bekommt der Leser ebenso wie Falcio immer mehr zu spüren. Spätestens mit dem Disput seiner Gefährten, die sich nicht sicher sind, ob er nun größtenteils tot oder doch irgendwie lebendig sei.

Tatsächlich sieht es schlecht aus für die Greatcoats – und das, obwohl man zu Beginn von „Blutrecht“ nicht wirklich davon ausgehen konnte, dass es noch schlimmer kommen könnte. Aber es kam schlimmer; trotz aller Erfolge, die die Greatcoats vorweisen können, sind sie verzweifelt auf der Suche nach Verbündeten. Und die Schlachten die sie schlagen kämpfen sie trotz all‘ ihrer Siege von verlorenem Posten aus. Da hilft es nicht einmal, dass die Troubadoure von „Falsio dal Vond“ und seinen ruhmreichen Taten in Rijou singen.

Diese Kapitel aus der Geschichte der Greatcoats sind düster und verzweifelt, ebenso wie ihre Helden. Ein Heiliger der Schwerter, der dem Heiligenfieber anheimfällt. Ein erster Kantor, weder tot noch lebendig. Eine Wahnsinnige, die das Königreich in Chaos stürzt und Adelige, die sich bis auf das Letzte untereinander bekriegen. Das einfache Volk leidet und braucht die Hoffnung auf einen Helden. Intrigen und Tod pflastern den Weg der Greatcoats und mit jedem Schritt werden die Zweifel größer. Und bei ihrem Versuch das Richtige zu tun, beginnen selbst die Greatcoats an ihren Idealen und Urteilen zu zweifeln.

Zum Glück gibt es auch ein paar kleine Lichtblicke in der Geschichte. Zumindest einen wahrhaft ehrhaften Ritter und die Erkenntnis, dass die Greatcoats wenigstens im einfachen Volk etwas bewegt haben. Die Folgen sind jedoch nicht abzusehen und mit der letzten Seite könnte man fast meinen, dass nun auch Falcio und seine Gefährten all ihre Hoffnung verloren haben. Dass nun auch sie von der Aussichtslosigkeit ihres Kampfes überzeugt sind. Vielleicht sind sie das, aber hoffnungslose Kämpfe sind nun mal die Spezialität der Greatcoats und so werden sie vermutlich stets weiterkämpfen – allen Widerständen zum Trotz.

Auch wenn diese Widerstände überwältigend sind, bin ich wie die Greatcoats nicht bereit aufzugeben. Egal, wie dunkel, blutig und hoffnungslos das Ende auch zu scheint. Wie die Greatcoats bin ich bereit weiterzumachen – und im Gegensatz zu ihnen werde ich es sogar genießen. Einzig die Wartezeit auf die Fortsetzung wird mir zu schaffen machen, aber ich bin mir jetzt schon sicher, dass sie jede Minute dieser Wartezeit wert ist.

Wer Band eins schon gelesen hat findet hier die Leseprobe zur Fortsetzung, alle anderen kann ich auf meine Rezension zu Band eins und der zugehörigen Leseprobe verweisen.

Published in: on Dezember 8, 2014 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
Tags: ,

[Ankündigung] Blogtour zu Hochverrat (Greatcoats, Band 2)

Banner2_Blogtour_Hochverrat

Auch wenn es im Moment eher still auf dem Blog ist, läuft im Hintergrund doch das ein oder andere. Vorbereitungen für die Blogtour zu „Hochverrat“ zum Beispiel – dazu gehört auch der Genuß des Buches :-).

Für alle anderen geht es am 8.12.14 los (dann startet der Verkauf des Buches und die Blogtour):

Zunächst bei Lesemomente mit der Zusammenfassung des Vorgängerbandes, „Blutrecht“, und damit der Hinleitung zu „Hochverrat“. Am 9.12.14 folgt eine Vorstellung der Welt der Greatcoats auf Philips Welt. Danach (am 10.12) findet ihr bei mir ein Interview mit dem Autor höchstselbst. Captain Fantastic wird am 11.12 ein Interview mit dem Fantasy-Programmleiter Carsten Polzin durchführen. Den Schlusspunkt der Tour bildet das Gewinnspiel samt Teaser zum dritten Band bei Darkstars Fantasy News am 12.12.14.

Ich bin (spätestens nach der Lektüre des Buches) schon sehr gespannt auf die Tour – und auch für euch lohnt es sich sicher vorbeizuschauen.

Published in: on November 26, 2014 at 8:15 pm  Kommentar verfassen  
Tags: ,

Meltworld Shanghai von Matthias Matting

meltworldshanghai Matthias Matting
Meltworld Shanghai
Verlag: CreateSpace
322 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 1481072110
ISBN-13: 978-1481072113
11,99€

Schon das Cover des Buches zeigt etwas von der Atmosphäre des Buches. Die Frau auf dem Cover hat asiatische Gesichtszüge und auch ihre Kleidung wirkt asiatisch. Die Schriftzüge im der oberen rechten Ecke des Covers wirken chinesisch und die Gebäude im Hintergrund vermischen alte chinesische Architektur mit modernen Hochhäusern – ich könnte mir gut vorstellen, dass sich diese Art von Gebäude tatsächlich in Shanghai finden lässt.

Tatsächlich ist es nicht nur Hannahs Geschichte, die Matthias Matting in „Meltworld Shanghai“ erzählt. Es ist außerdem die Geschichte eines Dämons, den eine wichtiger Auftrag in die Menschenwelt geführt hat und die Geschichte eines recht sonderbaren Hund und dessen ebenso merkwürdige Gefährtin: eine junge Katze. Wie das alles zusammenhängt muss sich der Leser im Rahmen der Geschichte selbst erschließen. Vor dem mit chinesischer Mythologie und Wesensart durchzogenen Hintergrund keine einfache Aufgabe für einen einfachen westlichen Leser. Allerdings eine Aufgabe, die sich lohnt, kann man doch an Hannahs Seite tief in ein China eintauchen, dass nur wenige erleben und bereisen können. Man merkt, dass der Autor einige der Schauplätze tatsächlich gesehen hat und sich mit mehr als nur der äußeren Hülle des Ortes beschäftigt hat. Die chinesische Atmosphäre verdankt das Buch sicherlich nicht nur den Zitaten aus „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“.

Die Figuren aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird sind ziemlich sympathisch. Selbst der Dämon in dieser Geschichte ist nicht das, was man typischerweise darunter versteht. Er ist weder ein Geschöpf der Hölle noch bösartig, auch wenn er für ihn notwendig erscheinende Handlungen (wie die Besetzung eines menschlichen Körpers) ohne Skrupel oder moralische Bedenken durchführt. Pro- und Epilog vermittelten dem Leser ein genaueres Bild des Dämons, allerdings eines, dass nur schwer zu verstehen oder begreifen ist – zumindest bin ich mir nicht sicher ob ich das konnte. Die Bewusstseine in Katze und Hund sind noch schwerer einzuschätzen als der Dämon, dieser hat zumindest einen Auftrag, letztere nicht einmal eine Ahnung woher sie kommen und wie sie die tierische Gestalt erhalten haben. Ihre Taten machen sie jedoch schnell sympathisch und ihre Ausflüge treiben die Geschichte immer wieder deutlich voran.

Die eigentliche Hauptperson, Hannah, ist die einzige, die man von Anfang an wirklich verstehen kann: Ihren Unmut ob des Umzugs von Deutschland nach China, ihre Liebe zu Büchern, der etwas unbeholfene Umgang mit Fremden oder auch nur neuen Klassenkameraden und ihre Neugierde was ihre Umgebung angeht. Sich mit ihr zu identifizieren fällt leicht und damit wird man mit jeder Seite tiefer in die Geschichte hineingezogen.

Und obwohl schon Atmosphäre, Figuren und die Gedanken, die sie beim Leser hervorrufen reichen würden, um den Leser bis zur letzten Seite ans Buch zu fesseln, gibt es zusätzlich noch einen roten Faden, der sich durch die Geschichte zieht und die Helden in ebenso ungewohnte wie gefährliche Situationen führt – mag sein, dass sie zu surreal sind, um wirklich Einzug in den Vorstellungen des Lesers zu finden, sie sind jedenfalls spannend genug um nicht die kleine Pause im Lesefluss zuzulassen.

Mit dem letzten Kapitel ist die Geschichte zu Ende, ohne dem Leser tatsächlich Antworten auf all seine Fragen zu geben. Für jede der Fragen gibt es eine angedeutete Antwort, finden muss man sie als Leser dennoch selbst. Und auch wenn mir das Buch wirklich gut gefallen hat, bin ich nicht sicher ob ich mit meinen Antworten zufrieden bin – vermutlich werde ich das Buch dafür noch ein paar Mal Lesen müssen.

„Meltworld Shanghai“ ist kein klassischer Fantasyroman und wartet auch nicht mit einer schlichten, gradlinigen Geschichte auf. Die Geschichte ist fantastisch, vielfältig, komplex und regt den Leser so zum Denken und Nachdenken an – allerdings ohne dabei im Geringsten langatmig oder langweilig zu werden. Es ist eine Geschichte, die einen verzaubern kann, wenn man sich auf das von Matthias Matting beschriebene Shanghai einlässt und sich nicht auf klassische (westliche) Denkmuster festlegt. Wer das kann sollt es definitiv mal mit dem Buch versuchen.

Die ersten Seiten findet ihr hier.

Published in: on November 11, 2014 at 12:30 pm  Comments (4)  
Tags: , , ,

Dunkeljäger von Alexey Pehov

dunkeljaeger Alexey Pehov
Dunkeljäger
Verlag: Piper
432 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3492702996
ISBN-13: 978-3492702997
16,99 €

Das Cover des Buches schreit es quasi heraus: Dieses Buch handelt von einem Elfen. Die sich durch den strömenden Regen kämpfende Person auf dem Cover erfüllt zumindest alle Attribute eines Elfenkriegers. Der Elf, von dem diese Geschichte handelt, hat allerdings mit dem auf dem Cover wenig gemeinsam. Er ist ein Flieger und kein Krieger und trägt daher weder Rüstung noch Schwerter. Nichtsdestotrotz macht das Cover neugierig. Auf die Gründe, die den Elfen in den Regen getrieben haben und die Geschichte, die in diesem Buch steckt.

Um den sinnlosen Tod seiner Kampfgefährten zu vermeiden, wird Lass zum Verräter an der Elfenkönigin und vom gefeierten Luftkrieger zum Flüchtling. Doch seine Verfolger sind näher als gedacht, sodass Lass tatsächlich nur die Flucht in die entlegenste Gegend seiner Welt retten kann – und auch dort bleibt ihm der Ärger stets auf den Fersen.

Schon mit den ersten Seiten zieht Alexey Pehov den Leser gekonnt in seinen Bann, findet man sich doch gleich in einem heftigen Luftgefecht wieder und wird damit ohne viele Erklärungen mitten ins Geschehen hineingeworfen. Wie es zu dem Kampf und Lass Flucht kam, findet man erst im weiteren Verlauf der Geschichte heraus.

Mit seinen Gründen und seinem Verhalten wird einem Lass schnell sympathisch. Noch auf der Flucht steht er einem undankbaren und gefräßigem Fellknäuel bei, das ihm zum Dank auf den Fersen bleibt und manch anderen Charakter mit seiner steten Gefräßigkeit (egal ob Ratten, Schuhe oder Obst) in die Verzweiflung treibt.

Dieser muss sich Lass allerdings nicht hingeben, trotz einigen ziemlich knappen Aktionen – die den Leser immer wieder kurz den Atem stocken lassen – kommt er immer ziemlich gut weg. Wie sein neuer Gefährte landet er stets wieder auf den Beinen. Wenn einer seiner Pläne buchstäblich in Feuer und Rauch aufgeht, findet er schnell einen neuen und geht diesem voller Elan nach. Mit einer guten Portion Glück findet er auch immer wieder Gefährten, Freunde oder auch Geldgeber, die ihn unterstützen. Im Gegensatz zu den klassischen Romanen, wo selbst die Helden sich vor klassischen Vorurteilen nicht retten können, geht Lass recht offen mit anderen Rassen wie Gnomen oder gar Orks um – auch wenn der Autor selbst vor den üblichen Vorurteilen nicht Halt macht – dann hätte der Geschichte auch irgendetwas gefehlt.

Wenn der Geschichte etwas fehlt, ist es vermutlich ein durchgängiger roter Faden. Einzig das Fliegen ist eine stete Konstante in der Geschichte, eine Konstante, die das Buch tatsächlich zu etwas Besonderem macht. Eine klassische Fantasywelt, die Alexey Pehov um Luftschiffe, betrieben mit Dämonenenergie, bereichert hat und den Bewohnern der Welt und den Leser so einiges mehr zu bieten hat als die „alten“ Welten. Von Luftgefechten und Flugrennen kann man jedenfalls in den wenigsten fantastischen Romanen lesen und muss dafür eher zum Science Fiction ausweichen.

Lass Flucht aus dem Elfenreich und seine Gründe dafür spielen jedenfalls nur eine kleine Rolle, sind nicht mehr als eine Facette im Hintergrund der Geschichte. Und auch die vielen kleinen Ziele, die Lass sich steckt, machen immer nur einen kleinen Teil der Geschichte aus. Wenn Alexey Pehov mit Dunkeljäger eine neue Reihe plant, hat er die Welt und Figuren allerdings ziemlich eindrucksvoll eingeführt und jetzt jede Menge Potential, um nachzulegen.

Die Figuren sind (ebenso wie die verschiedenen Flugmaschinen) liebevoll und bis ins kleinste Detail beschrieben, sodass es mir zu keiner Zeit schwer fiel, mich in diese fantastische und himmelsverliebte Welt einzuleben und die Figuren mit eigenen Augen zu sehen.

Damit ist die Geschichte trotz des (noch?) nicht durchscheinenden Plots ziemlich interessant und dank der zwischenzeitlichen Action und Flugeinlagen auch spannend genug, um den Leser von der ersten bis zur letzten Seite am Buch zu halten. Tatsächlich könnte ich mir nach dem lebhaften Kopfkino durchaus auch eine gute actionreiche Verfilmung der Story vorstellen.

Mir hat das Buch mit seiner Mischung aus Altbekanntem und Ungewohntem gefallen. Die faszinierenden Persönlichkeiten und jede Menge Fliegeraction tun ihr übriges, den Leser ans Buch zu fesseln.

Einen ersten Einblick könnt ihr euch hier verschaffen.

Published in: on November 4, 2014 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
Tags: , ,

[Aufgestöbert] Shadow Study von Maria V. Snyder

Neue Buchwünsche lassen sich eigentlich immer aufstöbern. Einen ersten Blick auf dieses Buch konnte ich auf der Facebookseite der Autorin werfen, auf dem Blog der Autorin gibt es weite Infos (und den Klappentext).

shadowstudy Maria V. Snyder
Shadow Study
Verlag: Mira
384 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 0778317404
ISBN-13: 978-0778317401
10,90 €

Was an diesem Buch besonders ist? Es führt die Yelena Reihe von Maria V. Snyder fort. Eine meiner „neueren“ Lieblingsfantasyreihen und ich freu mich riesig, dass die Geschichte von Valek und Yelena endlich weitergeht. Falls ihr sie noch nicht kennen solltet: Hier geht es direkt zu meinen Rezensionen der Reihe.

Published in: on Oktober 8, 2014 at 12:30 pm  Comments (4)  
Tags: , , ,

Rune der Knechtschaft von Ange Guéro

runederknechtschaft Ange Guéro
Rune der Knechtschaft
Verlag: Penhaligon
396 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3764530332
ISBN-13: 978-3764530334

Das Cover des Buches ist ein echter Blickfang: Vor dem roten, mit Runen durchzogenen Hintergrund kann man eine durch einen Mantel verdeckte Gestalt mit erhobenem Schwert erblicken, hinter der ein kreisrundes Portal den Betracher einen Blick auf ein Segelschiff in Küstennähe werfen lässt. Mir gefällt sowohl die Komposition als auch der Bezug zum Buch – ich bin mir ziemlich sicher, dass auf eben jenem Schiff die Geschichte ihren Anfang nimmt.

Nur der Gnade und dem Mut eines Mädchens verdankt der zum Galeerensklaven verurteilte Arekh sein Leben. Dennoch hat er nicht das Gefühl, in Marikanis Schuld zu stehen und hält ihr mehr als einmal die Unvernunft ihrer Tat vor Augen. Trotzdem folgt er ihr in die Berge und schützt sie mal mehr, mal weniger widerwillig vor den kommenden Gefahren. Ob der zu Recht Verurteilte durch sie sein Ziel in der Welt gefunden hat?

Schon mit den ersten Seiten wird der Leser mitten ins Geschehen geworfen. Die Galeere, auf der sich die Hauptperson der Geschichte, Arekh, befindet, geht unter. Er selbst sieht den sicheren Tod vor Augen. Bis ein Mädchen – Marikani – seine Fesseln durchschneidet und ihm so das Leben rettet. Eine Tat, die er ihr schnell vergilt, als ein weiterer der von ihr geretteten Sklaven sie töten will.

Arekh erkennt in Marikani die Prinzessin des Reiches, schiffbrüchig im Land ihres Feindes. Er hat nicht vor, lange an ihrer Seite zu verweilen – und doch ist es ein weiter Weg, den sie zusammen hinter sich bringen. Ein Weg, auf dem Arekh mehrmals gegen seine ursprünglichen Absichten handelt und dem Leser dabei immer sympathischer wird, sodass man, als sich seine Vergangenheit letztendlich enthüllt, noch immer Sympathie für ihn empfindet.

Die wirkliche Hauptperson ist aber wohl Marikani. Obwohl sie selbst nicht zu Wort kommt, ist sie in Arekhs Gedanken ebenso präsent wie in denen der Leser. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Durch ihre Entschlossenheit, ihrem Mut und ihren Prinzipien treibt sie die Geschichte voran, während ganz langsam auch ihre Geheimnisse enthüllt werden. Für mich wäre Marikani allein schon Grund genug, das Buch zu lesen und ihre Geschichte zu verfolgen. Sie ist tatsächlich eine faszinierende Persönlichkeit, die fast allein in der Wildnis ebenso gut zurecht kommt wie in den Palästen und Intrigen des Reiches.

Das Buch hat allerdings noch einiges mehr zu bieten als faszinierende Persönlichkeiten: Magie, spannende Verfolgungsjagden, Schwertgefechte, interessante Alliierte und diplomatisches Geschick vor dem Hintergrund eines seit Jahrtausenden unterdrückten Volkes. „Die Legende von Ayesha“ erzählt den Beginn vom Ende dieser Unterdrückung (zumindest will ich das hoffen). Es ist die Geschichte um den Funken, der die Rebellion entzünden wird. Ein Funke, der schon weit länger glüht als man als Leser die Geschichte begleitet, auch wenn der Funkenschlag mit eben jenem Schiff beginnt, der auf dem Cover des Buches dargestellt wird.

Mir hat an diesem Buch tatsächlich alles gefallen, die Figuren, das Setting, der Hintergrund samt den darin enthaltenen Rätseln und der gesamte Plot. Ange Guéro ist es tatsächlich gelungen, mich immer wieder zu überraschen (selbst auf den letzten Seiten noch). Er hat mich mit den Figuren mitzufühlen und ganz und gar in ihrer Welt versinken lassen. Bei ist mir ist der Funke damit definitiv übergesprungen.

Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet ihr hier.

Published in: on Oktober 1, 2014 at 12:30 pm  Comments (2)  
Tags: ,