Phantasmen von Kai Meyer

phantasmen Kai Meyer
Phantasmen
Verlag: Carlsen
400 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3551582920
ISBN-13: 978-3551582928
19,90 €

Das Cover des Buches zeigt Ausschnitte von vier unterschiedlichen Gesichtern, Alt und Jung, männlich und weiblich. Bei zweien kann man die abwesenden, in die Ferne blickenden, hellen Augen erkennen. Ich vermute, dass es die Gesichter einiger der Geister sein sollen, die im Buch beschrieben werden. Der abwesende Blick und der grünliche, fast fahle Hintergrund lassen die Menschen zumindest geisterhaft und auch ein bisschen schaurig wirken. Schön würde ich das Cover damit nicht nennen, aber es ist definitiv passend.

Seit dem Tag Null tauchen sie überall da auf, wo Menschen gestorben sind: Tausende von Geistern – Durchsichtige leuchtende Wesen in der Gestalt der gestorbenen Menschen. Um sich von ihren bei einem Flugzeugabsturz gestorbenen Eltern zu verabschieden, reisen Emma und Rain zu dem Ort, an dem diese gestorben sind. Ihre Eltern tauchen wie geplant auf, aber dann beginnen sie – wie alle anderen Geister weltweit – zu lächeln; ein böses Lächeln, das allen Menschen im unmittelbarem Umfeld das Leben raubt. Ein Effekt der anhält und immer mehr Menschen das Leben kostet. Aber als Rain und Emma dem nachgehen, begeben sich in noch weitaus größere Gefahr.

Im Anschluss an den nachdenklichen Prolog folgt die eigentliche Geschichte, Rains Geschichte. Auf einen kurzen Abriss der letzten sechsunddreißig Monate – der Zeit seit dem Absturz der Maschine ihrer Eltern und dem darauf folgenden Erscheinen der Geister – folgt ein noch kürzerer Abriss ihrer eigenen Lebensgeschichte. Dann beginnt die eigentliche Geschichte inmitten von Europas einziger Wüste. Durch diese Wüste brausen oder zockeln Rain und Emma mit einem alten Mini, um zur Absturzstelle zu kommen. Eine kurze Fahrt, die den Lesern schnell einen Eindruck der beiden unterschiedlichen Geschwister vermittelt. Und spätestens mit der Ankunft an der Absturzstelle hat Emma schon mein Herz erobert. Ihre Reaktionen auf die Umgebung sind meine absoluten Highlights im Buch. Aussagen wie „Wir könnten ihn [einen völlig Fremden] fragen, ob er noch zwei von diesen Hüten hat“ stehen an der Tagesordnung, ebenso wie ihre Antworten auf (völlig berechtigte) kritische Nachfragen „Was soll er wohl mit drei davon anfangen?“ – „Eben. […] Deshalb kann er uns ja die anderen beiden geben.“ Diese Art von „Gespräch“ zieht sich durch das ganze Buch – und jedes davon ist immer wieder klasse. Außerdem machen sie jede im Buch passierende Handlung absolut nachvollziehbar (zumindest für Emma und Leute, die ähnlich denken oder denken wollen) – Rain hat, ebenso wie der Leser, jedenfalls keine andere Wahl als Emma zu folgen.

Die dritte Hauptperson, Tyler, hatte einen ähnlichen Plan wie Rain und Emma. Er wollte sich von seiner Freundin verabschieden. Er hat allerdings den berechtigten Verdacht, dass mit dem Absturz einiges nicht stimmt. Und nachdem er Emma und Rain vor einigen Söldnern, die genau das vertuschen wollen, rettet, hängen ihm die zwei an den Fersen. Von Söldnern verfolgt und lächelnden Geistern umgeben machen sich die drei daran aufzuklären, warum die geliebten Menschen sterben mussten – und was das ganze mit dem Erscheinen Geistern zu tun hat. Eine gefährliche Aufgabe, die sie durch Europa bis nach Amerika führt und dabei Stück für Stück die Hintergründe des Debakels enthüllt.

Das Verhalten der Gesellschaft bei diesen Phänomen ist simpel und ziemlich nachvollziehbar: Erst einmal wird das Erscheinen der Geister angezweifelt, dann arrangiert man sich und später werden sie so gut wie es eben geht ignoriert. Als es gefährlich wird, ist es dann zu spät und die Welt versinkt im Chaos – und damit haben wir den klassischen Ausgangspunkt einer Dystopie, auch wenn die Ursache (die Geister) ziemlich ungewöhnlich ist.

Die Protagonisten geraten eigentlich nur durch Zufall in das Ganze hinein – über die verstorbenen Eltern beziehungsweise die Freundin. Dass der Wunsch nach Wahrheit über der potentiellen Lebensgefahr rangiert, ist blinde Liebe, in Emmas Fall einfach typisch chaotisch und verrückt. Die Umstände, mit denen sie zu Recht kommen müssen, sind hart (selbst für den Leser): Die Geister sind unheimlich, der Tod, den sie mitbringen, noch viel schlimmer – damit wimmelt es in dem Buch nur von Toten und dazu kommen noch ein Haufen ziemlich zielstrebiger Irrer, die das Trio im Visier haben. Die Spannung kommt damit definitiv nicht zu kurz – auch wenn sich der Gruselfaktor zum Glück in Grenzen hält.

Die Verbindungen, die sich langsam herauskristallisieren sind interessant, ebenfalls spannend, aber vor allem schrecklich – ich hoffe, dass die Menschen von dieser Art Verhalten noch weit entfernt sind. Und dass wirklich niemand bereit ist, sehenden Auges den Weltuntergang in Kauf zu nehmen. In „Phantasmen“ geht es letztendlich gut aus – oder zumindest nicht schlecht. Schrecklich genug sind die im Buch geschilderten Ereignisse trotzdem. Und die Katastrophe ist sicherlich nicht nur der Spannung wegen absolut knapp und mit herben Verlusten abgewendet worden. Zum Glück bleibt dem Leser auch diesmal ein Hoffnungsschimmer für die Protagonisten im Buch und für ihre Welt – und damit auch für unsere eigene.

Mich hat die Geschichte erschreckt, die Protagonisten – allen voran Emma – überzeugt und der Plot, trotz seiner eigentlichen Schlichtheit, von der ersten bis zur letzten Seite im Bann gehalten. Die geschilderten Ereignisse sind selbst für eine Dystopie heftig, auch wenn der Autor zum Glück nicht wirklich ins Detail geht. Das Buch ist damit insgesamt ziemlich gut.

Hier könnt ihr euch selbst einen ersten Eindruck verschaffen.

Published in: on April 9, 2014 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
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Soulbound von C. M. Singer

soulbound C. M. Singer
Soulbound
Verlag: Amrûn
382 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3944729226
ISBN-13: 978-3944729220
14,80 €

Mit “Soulbound” führt C. M. Singer die in „Ghostbound“ begonnene Geschichte um den verstorbenen Polizisten Daniel Mason und die Reporterin Elizabeth Parker fort.

Die Gestaltung des Covers ist an das von „Ghostbound“ angelehnt: Auch diesmal ziert das Cover ein Scherenschnitt vor einem zehnzackigen Stern. Entgegen dem vom Vorgänger zeigt dieser Scherenschnitt jedoch einen Mann und keine Frau, der Stern ist ausgefüllt und die Hintergrundfarbe hat von lila zu grün gewechselt. Dass die zwei zusammengehören, erkennt man trotzdem auf den ersten Blick – und gemeinsam machen sich sich im Regal einfach doppelt gut.

Schweren Herzen hat sich Elizabeth entschieden, Daniel gehen zu lassen – nur um dann festzustellen, dass sie die falsche Entscheidung getroffen hat: Der Ruf, den Daniel bei Sonnenaufgang verspürte, war keines natürlichen Ursprungs – und ganz sicher nicht von der anderen Seite. Ob Elizabeth Daniel rechtzeitig wiederfinden kann?

„Soulbound“ beginnt genau da, wo „Ghostbound“ aufhörte: An dem Moment, an dem Elizabeth Daniel hat gehen lassen. Sie selbst ist am Boden zerstört, Elizabeth und Dannys gemeinsame Freunde entsetzt oder sogar empört. Und als Leser sieht man sich einmal mehr einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt, während man sich fragt, ob man mit Elizabeth trauern oder an Woods Seite seiner Empörung Luft machen soll. Die Freundschaften, die eigentlich von Danny zusammengehalten wurden, sind mit Elizabeths eigenmächtiger Entscheidung, Danny gehen zu lassen, jedenfalls erschreckend fragil geworden. Nun ist es einzig die Suche nach Dannys Mörder, die die Gruppe zusammenhält und Elizabeth vor der völligen Verzweiflung bewahrt.

Die Ermittlungen laufen, bis auf die auch für den Leser deutlich spürbar abgekühlten Beziehungen, ähnlich ab wie zuvor: Zeugen werden abgeklappert und mit geisterlicher Unterstützung (auch ohne Danny) vertieft. Richtig voran bringt sie allerdings nur ein Zufall (oder auch Glück). Die Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden, läuten dann auch schon den Showdown ein. Denn nun gilt es, die Mörder vor der Vollendung ihres Plans aufzuhalten, denn Dannys Verschwinden war erst der Anfang.

Zum Ort des Geschehens zu kommen erweist sich dabei deutlich einfacher als dort auch eingreifen zu können. Auf dieser Lesestrecke stockt dem Leser mehr als einmal der Atem, zwischenzeitlich befürchtet man sogar, alle Hoffnungen fahren lassen zu müssen. Schlussendlich geht die Geschichte dann aber deutlich besser aus, als sowohl Leser als auch Danny und Elizabeth zu hoffen wagten.

Zu Ende ist Elizabeths und Dannys Geschichte damit aber noch lange nicht – und so schließen sich an „Soulbound“ im letzen Drittel des Buches noch drei kurze Novellen an. In den ersten zwei bekommen es Danny und Elizabeth mit mehr oder wenigen echten Geistern zu tun. Zusammentreffen, die nicht nur Dank der zwei Hauptprotagonisten – und ihrer im Buch fast schon vermissten Dialoge – ziemlich lesenswert sind, und die beide (wie auch die Hauptgeschichte) sowohl Krimi- als auch paranormale Elemente aufweisen. Die Hauptperson der dritten Novelle ist der junge Riley, der diesmal keine für ihn typische übersinnliche, sondern sogar ziemlich normale Begegnung hat: Mit einem Mädchen. Ihr Problem ist allerdings mindestens so ungewöhnlich wie Rileys Gabe – und die Geschichte ebenso spannend und amüsant wie die anderen zwei.

Und auch wenn Danny und Elizabeths Dialoge in diesem Band etwas zu kurz kommen, an Spannung und Gefühlen – auch wenn diese stellenweise ziemlich düster sind – mangelt es „Soulbound“ bei weitem nicht. Im Gegenteil, was aufgrund des Plots an Romantik im Hintergrund verschwindet, wird durch Spannung und Action ersetzt. Ganz so einfach kommen eben auch die Protagonisten eines Buches nicht an die wahre Liebe heran. „Soulbound“ führt die Geschichte bis hin zu dem jeden Romantiker zufriedenstellenden Ende absolut gelungen fort. Ich zumindest bin froh darüber, beim Lesen nicht unterbrochen worden zu sein. Und wer wie ich dann noch nicht genug hat, kann sich mit den drei im Buch befindlichen Kurzgeschichten zumindest ein bisschen über Wasser halten, bis im Herbst 2014 der nächste Band Reihe, „Spellbound“, erscheint.

Hier könnt ihr selbst eine kurzen Blick auf das Geschehen nach „Ghostbound“ werfen.

Published in: on Januar 29, 2014 at 12:30 pm  Comments (3)  
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Ghostbound von C. M. Singer

ghostbound C. M. Singer
Ghostbound
Verlag: Amrûn
480 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3944729013
ISBN-13: 978-3944729015
14,80 €

Mit „Ghostbound“ hat C. M. Singer die ersten zwei Bände ihrer „Und der Preis ist dein Leben …“-Reihe neu herausgebracht.

Der Inhalt sollte der gleiche sein, die Gestaltung ist jedoch ganz anders. Sah man auf dem ursprünglichen Cover die Silhouette eines küssenden Pärchens vor der Skyline von London, wird das Cover dieser Ausgabe von dem lilafarbenen Scherenschnitt einer Frau vor einem zehnzackigen Stern eingenommen. Ich bin mir nicht sicher, welches mir besser gefällt. Das „alte“ Cover hatte einen deutlich stärkeren Bezug zum Inhalt, das „neue“ Cover fällt auf und ist optisch ziemlich ansprechend. Wenn der Platzmangel nicht wäre, sollte man sich vermutlich beide Ausgaben ins Regal stellen.

Nur ein einziger gemeinsamer Abend ist dem Polizisten Daniel Mason und der Reporterin Elizabeth Parker vergönnt, bevor Daniel vor ihren Augen ermordet wird. Doch der Tod ist nicht das Ende ihrer aufkeimenden Liebe, denn Daniel ist nicht bereit, seine gerade erst gefundene Liebe zu verlassen. Und auch wenn Elizabeth bis dahin nicht an Geister glaubte, kann sie Daniel sehen – und spüren. Gemeinsam machen sich die zwei auf, das Rätsel um seinen Mord aufzuklären.

Elizabeth wird dem Leser schon mit den ersten Seiten sympathisch: Der Auftrag ihres Chefs, für einen Artikel die Angehörigen ermordeter Teenager zu befragen, behagt ihr nicht im Geringsten. Die rüde Abweisung der beiden Polizisten, auf die sie bei ihren „Recherchen“ stößt, lässt sie dagegen kalt. Sie ist nur zu schnell bereit, eine weniger emotional angeschlagene Quelle zu befragen. Der Plan ist relativ einfach: Nach Feierabend wird der jüngere (und deutlich besser aussehendere) der beiden Polizisten, Daniel Mason, sich sicherlich ein wenig ausquetschen lassen. Der Abend verläuft jedoch ganz anders als geplant. Elizabeth und Daniel sind sich auf dem zweiten Anhieb überaus sympathisch und ihr Gespräch verläuft in ganz andere Bahnen als ursprünglich vorgesehen. Der Abend endet jedoch längst nicht so schön wie er anfing: Daniel stirbt, Elizabeth landet im Krankenhaus. Die Romanze scheint zu Ende, bevor sie wirklich begonnen hat.

Kaum aus dem Krankenhaus entlassen sieht Elizabeth Daniel jedoch in ihrer Wohnung – überglücklich, dass zumindest sie ihn sehen kann. Und damit kommen sich die zwei weitaus schneller (noch) näher, als es bei einer „normalen“ Beziehung der Fall wäre. Schon nach wenigen Tagen necken sich die zwei wie ein altes Ehepaar, ohne dass diese Entwicklung auch nur ansatzweise unrealistisch wirkt. Die Gefühle der zwei kann man als Leser förmlich zwischen den Seiten knistern hören. Und zumindest mich haben die Sprüche der beiden immer wieder zum Schmunzeln gebracht.

C. M. Singer lässt allerdings auch die Probleme, die eine solche geisterhafte Beziehung mit sich führt, nicht außer Acht. Daniel muss seine neue Fähigkeiten erst einzuschätzen und einzusetzen lernen und Berührungen sind auf die kurzen Momente von Sonnenauf und -untergang beschränkt – dann, wenn die Grenzen zwischen Leben und Tod fast durchscheinend sind. Kleinere Probleme wie dauerhafte Gespräche mit einer unsichtbaren Person sind dagegen ein Klacks – und im Nu gelöst.

Gegen Elizabeth Ermittlungen in seinem Mordfall hat Daniel einiges einzuwenden, aber spätestens mit der Unterstützung, die ihr seine „alten“ Freunde zukommen lassen, muss Daniel sich geschlagen geben. Und erst einmal dabei ist auch er ein überaus hilfreicher Teilnehmer dieser Ermittlungen. Manchmal hat unsichtbar sein eben definitiv seine Vorteile.

Daniel selbst ist natürlich nicht das einzige Übernatürliche, auf das man in „Ghostbound“ trifft. Denn wo ein Geist ist, finden sich auch mehrere – zumindest hier ist das so. Ohne jemanden, der einen sehen und verstehen kann, ist das Leben für solche Geister allerdings kein Zuckerschlecken – und die Auswirkungen auf die Lebenden nicht ganz so erfreulich wie Daniels Anwesenheit. Was Hintergrundinformationen zu ihrem Ableben angeht, sind sie allerdings als Zeugen unschlagbar. Auf Geister folgen natürlich Medien und Exorzisten, manche mehr, manche weniger begabt. Sie versorgen zwar weder Elizabeth noch den Leser mit weiteren Indizien im Mordfall, liefern aber einige parapsychologische Hintergrundinformationen und sorgen für so manche weitere humorvolle Stelle.

Es sind allerdings nicht nur übersinnliche Indizien, die Elizabeth und dem Leser den Weg Richtung Mörder weisen. Auch moderne (und nicht ganz so legale) Ermittlungsarbeiten leisten ihren Beitrag, um Licht in die ganze Sache zu bringen – auch wenn die Polizei den Fall längst zu den Akten gelegt hat.

Mit dem Ende des Buches ist der Fall nicht aufgeklärt (auch wenn ich zumindest einen wirklich konkreten Verdacht habe). Im Gegenteil, mit der letzten Seite des Buches sieht es verdammt schlecht für Elizabeth und Daniel aus. Einen gemeineren Cliffhanger hätte sich die Autorin wirklich nicht einfallen lassen können. Zum Glück ist der Nachfolgeband, Soulbound, schon erschienen (und auf dem Weg zu mir). Und mit dem Wissen um noch zwei folgende Bände sind meine Hoffnungen für die zwei noch längst nicht gestorben.

Morde, Geister und Geheimnisse, schon damit kann man einen Leser einige Stunden in den Bann halten. Ergänzt um die fast greifbaren Gefühle zwischen den Protagonisten und die vielen humorvollen (Streit-)Gespräche und Situationskomiken hat man als Leser nicht die geringste Chance, diesem Bann zu entgehen – ich zumindest wollte es auch gar nicht. Im Gegenteil, ich würde jetzt nichts lieber tun, als sofort den nächsten Band zu öffnen und weiter an Daniels und Elizabeth Leben teil zu haben. Damit gibt es von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung für die Geschichte der zwei.

Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet ihr hier.

Published in: on November 13, 2013 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
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Blutschuld von Tanya Huff

blutschuld Tanya Huff
Blutschuld
Verlag: Feder & Schwert
368 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3867620245
ISBN-13: 978-3867620246

„Blutschuld“ ist der fünfte und – wenn man von der Anthologie „Blutbank“ absieht – der letzte Band der Reihe um die Privatdetektivin Vicky Nelson und den Vampir und Liebesromanautor Henry Fitzroy.

Nett anzusehen ist das Cover des Buches ebenso wenig wie seine Vorgänger: Es zeigt einen schmalen Jungen, dessen abgehackte Hände auf einem Metalltablett vor ihm schweben. In der Luft schweben außerdem noch diverse Arztinstrumen wie Verbandschere und Skalpell. Aber auch diesmal kam man den deutlichen Bezug zur Geschichte nicht absprechen.

Nach ihrer Wandlung und Ausbildung zur Vampirin sind Vicky und Henry getrennte Wege gegangen. Alte Tradition und vampirische Instinkte lassen nun mal keine zwei Vampire innerhalb eines Territoriums zu. Vicky hält nichts davon, sich ihr (Un-)leben von Tradition und Instikten bestimmen zu lassen – und so folgt sie ohne zu Zögern Henrys Hilferuf nach Vancouver. Fest entschlossen Henry zu beweisen, dass ihre Freundschaft noch immer Bestand hat – und natürlich Henry dabei zu helfen, den Mord an dem Geist, der ihm erscheint aufzuklären.

Wiedermal ist es ein Mord, der Vicky auf den Plan ruft. Auch wenn dieser (indirekte) Auftraggeber erst einmal Henry „ins Vertrauen“ zieht: Durch abendliches Erscheinen bei Henrys Erwachen und ungewöhnliche Reaktionen als Antwort auf Henrys Fragen – kreischendes (und tödliches) Geschrei bei einem „Nein“, Verschwinden bei einem „Ja“. Da seine Ermittlungsfähigkeiten trotz seiner Zusammenarbeit mit Vicky relativ beschränkt sind bittet Henry sie um Hilfe – mit dem Plan sie und den Geist in Vancouver allein zu lassen. Damit wären Revierstreitigkeiten vermieden, der Fall in guten Händen und der Tradition genüge getan. Schon mit ihren ersten Aufeinandertreffen beweist Henry Vicky, wie er Recht er damit hat sich auf die Traditionen zu berufen – und reist ab. Blöd nur, dass der Geist mit ihm reist – und das letzte Wort bei einer wohlbekannten Person verbleibt.

Natürlich sind auch Tony Foster und Mike Celluci wieder von der Partie. Nach anfänglichen Widerwillen genießt letzter sogar die gemeinsame Fahrt mit Vicky nach Vancouver – sogar dann, als ihm das Auto während seines Abendessen (kurz vor Sonnenuntergang) vom Parkplatz geklaut wird. Der Gedanke an den Mitfahrer, den der Dieb unabsichtlich mitgeklaut hat zaubert nicht nur ihm ein Lächeln ins Gesicht.

Die Ermittlungsarbeit läuft wie eh‘ und jeh‘, nur das diesmal Celucci die Tagschichten übernimmt und sich diesmal Vicky und Henry gegenseitig in die Quere kommen. Tony spielt diesmal tatsächlich nur eine kleine Nebenrolle – aber zwei Vampire in einem Buch sind nun einmal ziemlich dominant. Gut, dass zumindest Celluci willens (oder dumm genug ist) ist sich auch mal zwischen die zwei zu werfen. Die Revierstreitigkeiten werden gegklärt, während gleichzeitig Erinnerungen an alte Ereignisse hervorgeholt werden. Zum Beispiel Vickys Beihilfe an der Verschrottung von Henrys letzten Auto (sie saß auf dem Beifahrersitz). Das ist für den Leser nicht nur amüsant, sondern lässt ihn auch darüber nachdenken die anderen Bände noch mal aus dem Regal zu holen.

Die Suche nach dem Mörder hält den Plot zusammen – für mich war sie, wie auch bei den anderen Bänden der Reihe eigentlich Nebensache. Der amüsante Schreibstil und die Hauptpersonen sind es auch hier, die das Gros‘ der Geschichte ausmachen und es verstehen den Leser stets ein Schmunzeln auf die Lippen zu zaubern. Mit dem Ende hat Vicky nicht nur den Mord aufgeklärt, sondern wieder einmal gekonnt ihren Kopf durchgesetzt – sehr zur Freude (auch wenn es einige niemals zugeben würden) aller Beteiligten (abgesehen von den Bösewichten natürlich).

Der abschließende Band der Reihe hat mir damit wie erwartet richtig gut gefallen. Und mit dem Ende bin ich tatsächlich rundum zufrieden – abgesehen davon, dass ich es jetzt wohl keine weiteren Bücher von den zweien lesen kann. Da mich aber noch eine Anthologie zur Reihe und ein Spin-Off mit Henry und Tony in der Hauptrolle erwartet ist das allerdings etwas, das ich verkraften kann.

Eine Leseprobe (in der gewohnten Ausgabe ;-)) findet ihr hier.

Published in: on Oktober 11, 2013 at 12:30 pm  Comments (1)  
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Die Runen der Macht – Der verfluchte Prinz von Philippa Ballantine

8646_1A_LYX_RUNEN_DER_MACHT_01.IND75 Philippa Ballantine
Die Runen der Macht – Der verfluchte Prinz
Verlag: Egmont Lyx
416 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3802586468
ISBN-13: 978-3802586460
12,99 €

Das Cover des Buches zeigt eine junge Frau vor einem weißen Hintergrund, in dem man eine fast geisterhaft wirkende Stadt erkennt. Durch die Farblosigkeit des Hintergrundes wird die Frau deutlich vom Rest des Covers hervorgehoben. Der Lichtball in ihrer linken Hand lässt magische Kräfte vermuten, ihre Bewaffnung, dass sie auch im Kriegshandwerk bewandert ist. Vermutlich handelt es sich bei dieser Frau um die Hauptperson der Geschichte, Sorcha – und das Cover macht definitiv Lust, sie kennen zu lernen.

Geister, die jegliche Regel, die die Welt für Geister zu kennen scheint, außer Kraft setzten. Eine aktive Diakonin, mit deren Kraft sich keiner messen kann. Ein junger Sensibler, der an ihrer Seite den Geistererscheinungen auf den Grund gehen soll. Ein verbannter Prinz, der die Geisterwesen anzieht wie eine Motte das Licht. Zwischen ihnen besteht eine Verbindung. Eine Verbindung, die die Grundfeste der Welt ins Wanken bringen könnte.

Der Anfang des Buches ist war für mich trotz des actionreichen Einstiegs etwas zäh.
Irgendwie hat es Phillipa Ballantine hier nicht gleich geschafft, den Funken überspringen zu lassen. Und das, obwohl sie gleich mit richtigen Spannungsgeschützen aufgefahren ist: Die Geschichte beginnt mit einem spannenden Kampf gegen einen Geist, der jeglichen Regeln trotzt. Einen Geist, den die Diakonin Sorcha nur unter Einsatz einer streng gehüteten Runenmacht bannen kann. Und ein Kampf, der einige Verletzte fordert – unter anderem Sorchas Partner Kolya. Sorcha ist während dieses Kampfes jedenfalls ziemlich unnahbar, vermutlich einer der Gründe, warum mich der Einstieg in die Geschichte nicht wirklich packen konnte.

Der zweite Protagonist, der auf der ständigen Flucht lebenden Prinzen Raed, hat mich da schon eher begeistern können. Auch wen er mich eher an einen Piraten als einen Adligen erinnert hat (vielleicht, weil er kein Königreich, sondern bloß ein Schiff samt Mannschaft besitzt). Ich bin jedenfalls nicht die einzige, die seinem Charme schnell erlegen ist – aber keine Sorge, auch wenn es paar Sexszenen und Liebäugeleien gibt: Von einen Liebesroman ist das Buch weit entfernt.

Mit Sorchas Auftrag, den Unruhen im weit entfernten Ulrich nachzugehen, nimmt die Geschichte langsam wirklich Fahrt auf. Zudem bekommt Sorchas Unnahbarkeit langsam Risse. Ihr Ärger über ihren neuen Auftrag samt ihrem neuen Partner Merrik macht sie zwar nicht sympathischer, aber deutlich menschlicher – außerdem hat mir ihr Ärger das ein oder andere Mal ein Grinsen ins Gesicht gezaubert. Mit der Sorge um Merrick, der die Verärgerung über ihn langsam weichen muss, beginnt Sorcha dann auch Sympathiepunkte zu sammeln. Ihre gemeinsame Anziehungskraft, was Ärger unterschiedlichen Ausmaßes angeht, treiben derweil die Spannung stetig weiter nach oben.

Mit dem Aufeinandertreffen von Sorcha und Raed kann sich der Leser auf einige Wortgefechte freuen. Wortgefechte, auf die bald richtige Gefechte Seite an Seite folgen – sobald Sorcha den Ort ihres Auftrags erreicht hat. Und während Protagonisten und Leser erst einmal auf falsche Fährten geführt werden, werden im Hintergrund dunkle Fäden gezogen und Intrigen gesponnen. Das Trio begibt sich mitten ins Herz dieser Intrigen und die Spannung damit zum Höhepunkt. In zwei dicht aufeinanderfolgenden Showdowns werden die Fronten ge- und die Intrigen aufgeklärt.

Das Ende (diesen Bandes) lässt Philippa Ballantine dann eher ruhig auslaufen, so ruhig, wie das in den Sonnenaufgang segelnde Schiff. Damit kann man das Buch rundum zufrieden schließen – und das, obwohl man weiß, dass die Protagonisten noch einiges erwarten wird. Ihr Zusammentreffen war jedenfalls weit mehr als nur Zufall – und ein weiteres ist so gut wie vorherbestimmt.

Mich hat das Buch damit trotz des für mich eher mäßigen Anfangs (der mich die englische Version hat zurück auf den SUB legen lassen), mit jeder Seite mehr in den Bann gezogen. Mit interessanten Figuren, spannenden Kämpfen – mit Klingen und Magie – aber auch sanften Tönen hat Philippa Ballantine eine Mischung geschaffen, die es in sich hat – und die mich ganz sicher auch nach der Fortsetzung greifen lassen wird.

Hier könnt ihr selbst einen ersten Blick auf das Geschehen erhaschen.

Published in: on September 25, 2013 at 12:30 pm  Comments (1)  
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