Naris – Die Legende von Mond und Sonne von Lucy Hounsom

naris Lucy Hounsom
Naris – Die Legende von Mond und Sonne
Verlag: Piper Verlag
528 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3492703488
ISBN-13: 978-3492703482
16,99 €

Das Cover des Buches zeigt eine junge Rothaarige, die von einem von dunklen Wolken umgebenden Hügel auf ein von Sonnenlicht erhelltes Tal hinabblickt. Ob es die junge Kyndra ist, die von dort einen Blick auf ihre Zukunft erhascht?

Die Zeremonie, die die jungen Menschen des Dorfes in die Gemeinschaft aufnimmt, ist mehr als bloß eine alte Tradition. Ein Artefakt zeigt den jungen Menschen, was ihnen die Zukunft bringen wird. Als es an Kyndra ist, ihr Schicksal zu erfahren, zerbricht das Artefakt und Kyndras Welt liegt in Scherben. Gehasst von den Menschen, unter denen sie aufgewachsen ist, bleibt ihr nur eines: Die Flucht. Gerettet von zwei merkwürdigen Fremden begibt sie sich auf eine lange Reise um zu erfahren, was ihr das Schicksal bestimmt hat. Und mit dem, was sie zu sehen bekommt, hätte sie nie gerechnet.

Kyndra ist eine interessante Hauptperson. Sie ist nicht unbedingt jemand, den man mit der ersten Begegnung gern hat, dafür jemand, den man wirklich gut verstehen kann. Sie ist weder perfekt, noch die geborene Heldin, sondern einfach die uneheliche Tochter der Dorfwirtin, die mit den Ereignissen völlig überfordert ist – und entsprechend reagiert: Mit Trotz, Wut und regelmäßiger Unvernunft und Naivität. Eine Figur, die damit ziemlich authentisch ist.

Das, was man von den anfänglich Fremden weiß, ist nicht viel. Sie sind magisch begabt und geheimnisvoll. Warum sie Kyndra gerettet haben ist anfangs ebenso unklar wie ihr Ziel. Ein Ziel, das trotz der hohen Entfernung schnellstmöglich erreicht werden muss. Trotz der großen Strecke, die Kyndra dadurch an der Seite ihrer neuen Gefährten Bregenne und Nediah hinter sich bringt, erfährt man allerdings recht wenig über die Welt, die sie durchqueren. Die durchreisten Städte dienen hauptsächlich der Nahrungsbeschaffung und zum Vorantreiben des Plots und selbst die Luftschiffe, die den Luftraum der Welt durchkreuzen werden zwar genutzt, aber nicht wirklich detailliert beschrieben. Ich bin kein Freund langatmiger Beschreibungen, hier hätten mir ein paar Details mehr aber durchaus gefallen.

Der Hauptteil der Geschichte spielt an dem Ort, an den Bregenne und Nedia Kyndra bringen: Naris. Der Ort, an dem Menschen wie sie leben und lernen. Bregenne ist sich sicher, dass Kyndra ebenso wie sie dorthin gehört. Eine Meinung, mit der sie ziemlich allein dasteht und die Kyndra in Lebensgefahr bringt.

Beziehungen und Gefühle spielen in „Naris – Die Legende von Mond und Sonne“ eine wichtige Rolle, sie sind die Motive, die die Menschen vorantreiben. Sei es nun Kyndra, ihre beiden Gefährten oder die Menschen, die in Naris ihren Intrigen und Ränken nachgehen. Gefühle, die ich zwischen den einzelnen Seiten nur begrenzt spüren konnte. Als Leser weiß man von ihnen, kann sie aber nicht mit fühlen. Einzig bei Bregenne und Nediah bekommt man im Verlauf des Buches einen leichten Hauch ihrer Gefühle zu spüren – und das vermutlich nur, weil diese den Leser eigentlich umreißen müssten.

Der Plot und die Handlungsstränge sind gut durchdacht. Als Leser bekommt man trotz Perspektivwechsel und Kyndras Visionen nur langsam hinter das Geschehen, das sich Teilchen für Teilchen zusammensetzt und zum Ende hin tatsächlich ganz auflöst. Die Geschichte ist damit noch nicht vorbei, das recht abgeschlossene Ende allerdings eine Wohltat unter den ganzen Cliffhangern und offenen Enden der meisten anderen Bücher.

Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht wirklich in ihren Bann ziehen, vermutlich fehlte es mir einfach an Tiefe. Der Plot ist interessant und schlüssig, die Handlungen der meisten Figuren nachvollziehbar. Dennoch sprang bei mir der Funke einfach nicht über, sind weder Welt noch Gefühle durch die Buchseiten zu mir durchgedrungen. Einen weiteren Band würde ich nur wegen Bregenne und Nediah lesen – wenn ich wüsste, dass sie in diesem noch eine wichtige Rolle spielen (ich befürchte allerdings, dass dies nicht der Fall sein wird).

Hier könnt ihr selbst einen Blick ins Buch werfen, vielleicht kann es euch ja mehr überzeugen als mich?

Published in: on Mai 11, 2015 at 8:34 am  Comments (1)  
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Yelena und die verlorenen Seelen von Maria V. Snyder

yelena03 Maria V. Snyder
Yelena und die verlorenen Seelen
Verlag: Mira Taschenbuch Verlag
511 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3899418549
ISBN-13: 978-3899418545
7,95 €

„Yelena und die verlorenen Seelen“ ist der letzte Band der Yelena-Reihe von Maria V. Snyder.

Optisch passt das Buch zu seinen Vorgängern: Wiedermal befindet sich ein Tisch im vorderen Bereich des Covers. Auf dem Tisch stehen kleine Glastierchen und ein brennendes Behältniss. Hinter dem Tisch steht eine junge Frau, die mit einem Kapuzenmantel verhüllt ist und über ihrer geöffneten Hand einen kleinen Flammenball hält – um Yelena wird es sich wohl nicht handeln. Ich weiß nicht, wer die Figur auf dem Cover ist, die kleinen Glasfiguren spielen allerdings durchaus ihre Rolle im Roman – und optisch passt das Cover wie gesagt ziemlich gut in die Reihe hinein.

Nachdem dem „Mörder von Sitia“ das Handwerk gelegt wurde, ist Yelenas Gabe klar: Sie ist eine Seelefinderin, jemand, der Seelen finden und ihnen ihren Weg weisen kann. In der Vergangenheit gab es allerdings einige Seelefinder, die ihre Gabe missbraucht haben und Yelena wird daher misstrauisch beäugt – von einigen sogar gefürchtet. Als der Mörder seiner gerechten Strafe entfliehen kann, folgt Yelena ihm, um weiteres Unheil zu verhindern. Währendessen braut sich im Zentrum von Sitia jedoch ein weit schlimmeres Unheil zusammen.

Auch diesmal schließt sich das Buch nahtlos an seinen Vorgänger an. Der „Mörder von Sitia“, Ferde, ist gefasst und wartet auf seine Hinrichtung, während Yelena ihre Studien der Magie zu vertiefen sucht, auch wenn die vom Rat ausgesuchte Lehrerin sie nicht gerade erfreut: Die oberste Magierin Roze hat schließlich mehrfach betont, dass sie in Yelena eine Gefahr für das Land sieht und man sie eher auslöschen als fördern sollte. Als Ferde seiner gerechten Strafe entfliehen kann, nimmt Yelena die Verfolgung auf, während in der Zitadelle Intrigen gesponnen und dunkle Fäden geknüpft werden.

Die Verfolgung Ferdes nimmt ein Gutteil des Buches ein und führt Yelena an der Seite ihrer Gefährten über die Ebene der Sandseeds bis in den Dschnungel der Zaltana. Eine Verfolgung, die sich nicht gerade einfach gestaltet, hat Ferde doch unerwartete Verbündete gefunden, die deutlich besser vorbereitet sind als Yelena und ihre Truppe. Nur Dank Yelenas Zauberkraft können größere Verluste vermieden werden – und trotzdem fürchtet sie sich davor, ihre ganze Macht auszutesten und erstickt jegliche Versuche des Mondmanns, sie dahingehend zu unterweisen. Währenddessen schürt ein geheimnisvoller Feuermagier Yelenas Angst und untergräbt Stück für Stück ihr schon angeschlagenes Selbstvertrauen. Ein kleiner Lichtblick in dieser düsteren Stimmung ist das freudige Wiedersehen mit dem Mädchen Opal, das Yelena im vorangegangenen Band gerettet hat. Opals Kunstfertigkeit in der Glasbläserei spielt im weiteren Verlauf des Buches noch eine wichtige Rolle.

Zurück in der Zitadelle gibt es (endlich) ein Wiedersehen mit Valek. Die Freude währt jedoch nur kurz – die lang geplanten Intrigen scheinen aufgegangen zu sein und die Zitadelle ist bereits vom unbekannten Feind unterwandert. Nun ist Yelena weder in Ixia noch in Sitia sicher – aber zum Glück niemals wirklich allein. In Ixia sind auch Yelenas alte Freunde Ari, Janco und Maren mit von der Partie – ein Wiedersehen, über das zumindest ich mich sehr gefreut habe.

Yelena selbst ist in diesem Band deutlich verletzlicher und unsicherer als in den anderen Bänden, was sie allerdings nicht davon abhält, weiterhin allein zu agieren und sich selbst mitten in das Zentrum der Schwierigkeiten zu katapultieren. Diesmal hat sie die Unterstützung ihrer Freunde allerdings dringend nötig. Eine Tatsache, an die sich sowohl Yelena als auch der Leser erst einmal gewöhnen muss.

Der Plot ist gut gefüllt, wenn auch nicht ganz so mitreißend wie die in den anderen zwei Bänden. Vermutlich ist man die riskanten Einsätze und tödlichen Kämpfe einfach zu sehr gewöhnt. Langweilig wird es natürlich trotzdem nicht. Ich habe mich nach den ersten zweiten Drittel sogar tatsächlich gefragt, ob die Autorin die Fülle an Handlungsstränge tatsächlich noch in diesem Band zusammen und zu einem Ende führen kann – sie konnte es und das sogar ohne auf den verbleibenden Seiten die Geschichte zu überhasten oder gar abzukürzen. Das Ende ist zwar – wie auch bei den vorangegangenen Bänden – recht offen, die Handlungsstränge aber sind abgeschlossen. Tatsächlich hat Maria V. Snyder sogar das ein oder andere Geheimnis aus den letzten Büchern noch gelüftet.

Mich hat das Buch gerade am Anfang nicht ganz so fesseln können wie die Vorgänger, nichtsdestotrotz hat mir die Geschichte und damit auch der Abschluss der Reihe gefallen. Einem nachgeschobenen Folgeband wäre ich trotzdem nicht abgeneigt, und weitere Ausflüge in Yelenas Welt wird es für mich ganz sicher noch geben. Maria V. Snyders „Glass“-Reihe spielt ebenfalls dort – und die Chance auf ein Wiedersehen mit guten alten Bekannten werde ich mir nicht entgehen lassen.

Die ersten Seiten des Buches findet ihr hier.

Published in: on Mai 7, 2014 at 12:30 pm  Comments (4)  
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Zara von Asphodel – Rebellin und Magierin von Ellen Renner

zaravonasphodel Ellen Renner
Zara von Asphodel
Verlag: dtv
416 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3423760885
ISBN-13: 978-3423760881
17,95 €

Bei diesem Buch war es tatsächlich das Cover, das meine Neugier geweckt hat. Es zeigt das Gesicht einer jungen Frau in dem Flügel einer Krähe. Der Rest des Covers ist, abgesehen von Titel, Autor und Klappentext und einer kleinen schwarzen Feder auf der Rückseite komplett weiß. Ein stimmungsvolles Cover, das recht gut mit dem Inhalt des Buches harmoniert.

In einer Welt, in der Magie alles zählt, steht Zara als Tochter des Erzmagiers an der Spitze der Macht. Und doch würde sie nichts lieber tun, als das System zu stürzen und Rache zu nehmen. Rache an dem Mann, der ihr das einzige nahm, was ihr wirklich etwas bedeutet hat, ihre nichtmagische Freundin Swift.

Schon nach wenigen Seiten hat man als Leser das Gefühl, Zara schon seit Jahren zu kennen. Die kursiv gedruckten Ausflüge in ihre Vergangenheit vermitteln dem Leser einen Eindruck von Zaras Kindheit und dem, was sie bewegt. Der Grundstein dafür wird schon mit dem Prolog gelegt, der von Zaras Geschenk zum fünfjährigen Geburtstag erzählt: Das Tributkind Swift. Ein Geschenk, aus dem eine ebenso innige wie verbotene Freundschaft entsteht. Eine Freundschaft zwischen Magier und nicht magisch begabtem Menschen. Eine Freundschaft, ohne die es diese Geschichte sicherlich nicht gegeben hätte – und ohne die Zara jemand ganz anderes geworden wäre.

Zum Zeitpunkt der eigentlichen Geschichte ist die sechzehnjährige Zara Meisterschülerin der Magie und Spionin der Rebellen – letzteres vermutlich weitaus erfolgreicher und ehrgeiziger als ersteres. Die Anlagen für die Magie stecken in ihr, es fehlt allerdings am Willen – bis Zara beobachtet, wie ein junger Gefangener in den Palast gebracht wird. Ein Gefangener, dessen Willen ebenso stark ist wie Zaras – und der sowohl sie als auch die Rebellen in Aufruhe versetzt. Denn Aidan stammt von jenseits der Mauer, einer Mauer, die die Magier und ihre Welt von einer Welt ohne Magie trennt.

Ehe Zara jedoch mehr über Aidan erfahren kann oder ihn gar befreien könnte, wird sie enttarnt. Nun muss sie in die dunkelsten Ecken des Reiches fliehen und wie die Diebe in den Schatten wandeln. Um ihre Ziele weiter zu verfolgen, muss sie eben diese Diebe von ihren Absichten überzeugen – keine einfache Aufgabe für eine Magierin und noch weitaus gefährlicher als ihre einstigen Tätigkeiten als Spionin. Mich hat die Situation ein bisschen an Trudi Canavans „Die Gilde der schwarzen Magier“ erinnert – nur, dass die Situation umgedreht und etwas gefährlicher ist: Diesmal muss sich eine Magierin vor denen aus dem Untergrund beweisen, in Trudi Canavans Reihe ist es genau umgekehrt. Und ich glaube auch, dass der Wechsel für Zara etwas schwerer ist – vom Palast in den Untergrund zu gehen ist sicher härter als von der Straße in ein Gildenhaus. Und die Menschen, unter denen Zara nun wandelt, töten, was sie fürchten – und Zara fürchten sie zu Recht, letztendlich könnte sie jeden von ihnen mittels ihrer Gedankenkraft töten.

Den Großteil des Plots machen Zaras Handeln und ihre Beweggründe sowie die Beschreibung der Welt, in der sie lebt, aus. Eine faszinierende Welt, in der man durchaus noch etwas mehr Lesezeit verbringen könnte – gerade die Welt hinter der Mauer würde mich zum Beispiel sehr interessieren. Zaras Beweggründe sind deutlich – und durch die Blicke in ihre Vergangenheit absolut nachvollziehbar. Ihrem gerechten Zorn kann man sich als Leser eigentlich nur anschließen. Die romantischen Gefühle zu Aiden nehmen nur einen kleinen Teil des Buches ein, wobei Ellen Renner damit sicherlich den Grundstein für mehr gelegt hat. Richtig spannend wird es erst mit Zaras Eintritt in den Untergrund. Dann, wenn wirklich alles riskiert wird, wenn wirklich niemand mehr weiß, wem man trauen kann, wenn in jeder Ecke Verrat lauert und falsche Entscheidungen fast unwiderruflich den Tod nach sich führen. Dann, wenn man als Leser ein Buch wirklich nicht mehr aus der Hand legen kann.

Im finalen Showdown riskiert Zara alles, um die Pläne ihres Vaters zu stören und Aiden aus seiner Gefangenschaft zu befreien. Ein Kampf, bei dem Zara und den Leser einige Überraschungen erwarten – die meisten davon weit besser, als man hätte denken können. Mit dem Ende des Kampfes hat sie gezeigt, was in ihr steckt: Mehr Menschlichkeit als in manch Anderen (egal ob Magier oder einfach Mensch). Ihr Kampf und auch der der Rebellen ist allerdings noch längst nicht beendet, auch wenn Zara ihn anders weiterführen wird, als sie (und auch der Leser) gedacht hätte. Richtig zu Ende ist Zaras Geschichte damit lange nicht, aber abgeschlossen genug, um in Ruhe auf die Fortsetzung, die im englischen den Titel „Outcaste“ trägt, zu warten.

Mir hat die Geschichte wirklich gut gefallen – und ich bin sicher, dass alle, die Geschichten um junge magische Held(inn)en in fantastischen Welten (wie zum Beispiel auch Sonea) mögen, auch Zara mögen werden. Das Buch ist abgeschlossen genug, um allein gelesen zu werden, aber eben auch faszinierend genug, um ein weiteres Mal in Ellen Renners Welt eintauchen zu wollen. Ich jedenfalls werde die Augen nach „Outcaste“ aufhalten.

Derweil könnt ihr euch hier selbst einen Blick von Zaras Welt machen.

Published in: on April 30, 2014 at 12:30 pm  Comments (3)  
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Die Schülerin der Magie von Fedra Egea

schuelerindermagie Fedra Egea
Die Schülerin der Magie
Verlag: Blanvalet
352 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3442267951
ISBN-13: 978-3442267958
13,00 €

Kurz zusammengefasst zeigt das Cover des Buches eine lesende junge Frau – das Cover für jeden Buchliebhaber ;-). Das Buch, in dem sie liest, ist von einem magischen Glanz umgeben, während die junge Frau zu einem Großteil unter einem Umhang verborgen ist. Damit ist sie genauso verborgen wie der Weise, der in der Geschichte gesucht wird.

Um die Magie zu erlernen, schleicht sich Ksar, so oft es ihr ihre Arbeit erlaubt, in die Geheimgänge der Burg, um Meister Scopos Magieunterricht zu lauschen. Als sie bei einer ihrer heimlichen Touren den Mord an Meister Scopo belauscht, setzt sie alles daran, den Mörder zu finden. Aber mit dem, was sich hinter dem Mord verbirgt, hätte sie niemals gerechnet.

Auch wenn „Die Schülerin der Magie“ mit einem Mord beginnt, ein Krimi ist das Buch nicht, eher ein Fantasy-Thriller. Die Heldin der Geschichte, Ksar, ist aufgrund ihrer Herkunft nicht berechtigt Magie zu lernen, hat allerdings während ihrer heimlichen Studien weit mehr gelernt als die „normalen“ Schüler der Magie. Mit dem Tod ihres Mentors ist ihr das weitere Studium verwehrt, aber das ist bei weitem nicht ihr einziges Problem: Der Mörder ihres Mentors ist auf der Suche nach dem Buch der Macht und hat keine Skrupel dafür über (weitere) Leichen zu gehen.

An Ksars Seite folgt man den Spuren des Mörders und grübelt über dessen Identität. Bei ihrer Suche erhält sie überraschenderweise Unterstützung durch ihren Vorgesetzten, den Midrac Leon, den sie bisher für nichts weiter als einen Emporkömmling hielt – und damit nimmt langsam auch die Liebe ihren Platz in der Geschichte ein. Die Weiterentwicklung von Ksars magischen Fähigkeiten übernimmt zumindest kurzzeitig jemand anderes – lange genug, um Ksar zu helfen, ihr volles Potential zu ermitteln.

Die Suche nach dem Buch der Macht und dem Mörder ist gespickt von Rätseln und kleinen Tricks, von dem der ein oder andere dem Leser durchaus bekannt sein könnte – aber auch so wieder für ein Schmunzeln sorgt. Der nicht so belesene Bösewicht fällt zum Glück trotzdem darauf herein. Fedra Egea verlässt sich allerdings nicht nur auf bekannte Tricks, sie webt eine Geschichte, bei der auch der Leser immer wieder Überraschungen erlebt. Und die Wesen und die Magie ihrer Welt kann man definitiv nicht klassisch nennen. Die Midrac zum Beispiel sind mindestens genauso interessant wie Ksars Anwendung von der Magie – und über beides würde ich wirklich gerne noch ein weiteres Buch lesen.

Der Bösewicht hingegen ist definitiv typisch zu nennen und so steckt hinter seinen Motiven nichts weiter als reine Machtgier. Da sind dann weitere Nebenfiguren wie etwa die Königin des Landes, Valisia, und ihr heimlicher Schatten, Trens, weitaus facettenreicher beschrieben. Andere Figuren und ihre Motive bleiben jedoch völlig im Dunklen – ich grübele jetzt noch über die merkwürdige Heilerin, die Ksar und Leon bei ihrer Rückreise in die Hauptstadt geholfen hat.

Das Ende des Buches ist dann nicht wirklich unerwartet, rundet das Geschehen allerdings gelungen ab und sollte auch die romantisch veranlagten Leser zufrieden stellen (und das sogar im doppelten Sinne).

Wer ein Buch über eine Studentin der Magie erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein (eine Sonea ist Ksar definitiv nicht). Aber wer einer kleinen magischen Verschwörung nicht abgeneigt ist, den erwartet an Ksars Seite ein abwechslungsreicher Ausflug durch ein Land, dessen Magie durchaus einen zweiten Blick wert ist. Zusammen mit den kleinen Tricks und Überraschungen ein gelungenes Leseerlebnis, das trotz des abgeschlossenen Endes Lust auf eine Fortsetzung macht.

Eine Leseprobe findet ihr hier.

Published in: on August 10, 2013 at 9:00 am  Comments (2)  
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Die Gefährtin des Lichts von N.K. Jemisin

„Die Gefährtin des Lichts“ ist der zweite Band um N. K. Jemisins Trilogie um Götter, Gottkinder, Menschen und Dämonen. Meine Rezension zum ersten Band, „Die Erbin der Welt“ findet ihr hier.

N.K. Jemisin
Die Gefährtin des Lichts
Verlag: Blanvalet
448 Seiten
ISBN-10: 344226670X
ISBN-13: 978-3442266708
9,99 €

Die graphische Darstellung des Covers passt zum dem vom ersten Band der Reihe. Wieder wird eine von einem Mantel verhüllte Frau gezeigt. Im Gegensatz zum ersten Band der Reihe passt die Frau auf dem Cover diesmal besser zur Hauptperson – sowohl was ihr Aussehen als auch was ihren Mantel betrifft.

Auf den ersten Blick ist es ihre Blindheit, die die Straßenkünstlerin Oree besonders macht. Aber Oree ist nicht völlig blind, sie kann Magie sehen. Das ist auch der Grund, neben ihrem Wunsch nach Unabhängigkeit, der sie nach Elysium gezogen hat. Eine Stadt, in der es von Magie und den Kindern der Götter nur so wimmelt.

Dank ihrer Magie ist sie es, die den leblosen Körper eines Gottkindes in einer Seitenstraße entdeckt. Durch die Ermittlungen, die der Mord nach sich zieht, gerät Oree jedoch ins Visier des Ordens von Intempas. Ein Zustand, der möglichst nicht beibehalten werden sollte, denn auch Oree sollte besser im Verborgenen bleiben: In ihr steckt eine Macht, die noch weitaus gefährlicher ist, als es der Mörder des Gottkindes je sein wird.

Obwohl „Die Gefährtin des Lichts“ die Fortsetzung zu „Die Erbin der Welt“ ist, kann das Buch auch eigenständig gelesen werden. Es wird eine komplett neue Geschichte erzählt. Und auch wenn einige der Personen aus „Die Erbin der Welt“ wieder vorkommen ist ihre Rolle innerhalb der Geschichte nicht so zentral, dass man sie vorher hätte kennen müssen. Die wichtigsten Eckpunkte werden von N. K. Jemisin geschickt in die Geschichte eingewoben. Als Leser des Vorgängerbandes werden einem die Geschehnisse noch mal ins Gedächtnis gerufen, als Neueinsteiger wird man so mit allen notwendigen Informationen versorgt.

Die Hauptperson Oree ist eine wirklich außergewöhnliche Figur. Eine Frau, die trotz ihrer Blindheit ihren eigenen Weg geht – auch mit Hilfe ihrer Gabe, die es ihr in einer Stadt wie Elysium fast erlaubt zu sehen. Außergewöhnlich sind auch ihre Freunde: Das Gottkind Madding und der merkwürdige Namenlose, den sie „Sonnenschein“ nennt. Ein Mann, dessen Tod immer nur von kurzer Dauer ist. Ein Mann, von dem der Leser, ebenso wie Oree, nahezu nichts weiß – und das, obwohl sie dem Leser doch selbst ihre Geschichte erzählt.

Generell tappt Oree (und auch der Leser) im Verlauf der Geschichte lange im Dunklen. Oree erzählt die Geschichte so, als würde sie jetzt gleich passieren. So wird das Ausmaß der Verschwörung gegen die Gottkinder dem Leser ebenso wie Sonnenscheins Vergangenheit und Orees tatsächlichen Fähigkeiten nur Stück für Stück enthüllt. Als Leser weiß man nicht, was Oree als nächstes erwartet – und wird somit stets aufs Neue überrascht.

Aber nicht nur die überraschenden Handlungsstränge sind es, die den Leser an die Geschichte fesseln. Auch die Welt und ihre Bewohner ziehen einen in den Bann. Nicht nur der geheimnisumwobene Sonnenschein oder Madding, der Lord der Verpflichtungen und früherer Liebhaber Orees. Auch die anderen Nebenfiguren sind überraschend facettenreich – und dabei rede ich nicht nur von den Gottkindern, auch wenn Messy, der Lord des Ausschusses, leicht im Gedächtnis bleibt.

„Die Gefährtin des Lichts“ ist wie „Die Erbin der Welt“ erfrischend anders. Nicht nur anders als die meisten Fantasyromane, sondern auch anders als der Vorgänger. Diesmal sind es nicht Intrigen, die die Handlungen bestimmen, sondern das Aufspüren von Geheimnissen – sei es zufällig oder beabsichtigt. Eine Art fantastischer Psychothriller mit ziemlich ungewöhnlichen Hauptfiguren.

Und auch das Ende, das auf die Auflösung der Handlungsstränge folgt ist anders, wenn auch etwas traurig. Für die Welt geht es wieder einmal gut aus – nicht jedoch für die Hauptpersonen, jedenfalls nicht so, wie man es ihnen wünschen würde. Und auch wenn noch Hoffnung bleibt (es gibt schließlich noch einen Abschluss der Trilogie) könnte das hier und jetzt weitaus besser sein. Wie Oree zum Abschluss sagt „Dieser Teil [der letzte ihrer Geschichte] ist der schwierigste, schwieriger als alle anderen“.

Wollen wir hoffen, dass mit dem letzten Teil der Trilogie, „Die Rivalin der Götter“, dieser schwierige Teil abgeschlossen wird – ich zumindest hoffe es sehr.

Reinschnuppern könnt ihr hier.

Published in: on Juni 30, 2012 at 8:00 am  Kommentar verfassen  
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