Eine dunkle & grimmige Geschichte von Adam Gidwitz

einedunkleundgrimmigegeschichte Adam Gidwitz
Eine dunkle & grimmige Geschichte
Verlag: arsEdition
256 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 376078366X
ISBN-13: 978-3760783666
12,95 €

Das Cover des Buches ist dem Titel entsprechend „dunkel und grimmig“: Der blaue Hintergrund wird langsam dunkler (die Sonne ist wohl gerade untergegangen) und sämtliche Wesen sind nur noch als Schatten zu erkennen, ihre Augen leuchten gefährlich gelb. Die zwei Kinder in der Mitte des Covers – die Hauptpersonen vermutlich – halten sich an den Händen. Das Mädchen trägt ein blutiges Schwert, während der Junge einen goldgelben Apfel pflückt. Ein absolut passendes Cover, das eindeutig Lust auf das Buch macht.

Nachdem ihre Eltern Hänsel und Gretel den Kopf abgeschlagen haben, um einen alten Diener zu retten, machen sich diese auf die Suche nach einer Familie, in der derartiges nicht vorkommt. Eine Suche, die sie durch die ganze Märchenwelt führt.

„Eine dunkle und grimmige Geschichte“ soll die wahre Geschichte von Hänsel und Gretel erzählen. Ein Märchen, in der auch die gruseligen und bluten Teile erzählt werden. Und damit ein Buch, dass definitiv nicht für kleine Kinder geeignet ist, zumindest wenn man den Worten des Autors Glauben schenkt. Während der Geschichte weist er wiederholt darauf hin, dass die kleinen Kinder aus dem Raum zu schicken sind und dass es jetzt wirklich blutig wird. Hinweise, die fast ebensoviel Platz wie die eigentliche Geschichte einnehmen und irgendwann einfach nicht mehr ernst genommen werden können, sondern eher nerven.

Es kommen zwar durchaus blutige und gruselige Ereignisse vor, mich als Leser haben sie allerdings nicht wirklich schocken, nicht einmal bewegen können. Dafür fehlte es sowohl der Geschichte als auch den Figuren einfach an Tiefe. Auf mich wirkt das Buch wie eine japanische Bustour durch das Märchenland: In jedem Kapitel wird ein altes Märchen angerissen, aufgebauscht und auf Hänsel und Gretel zugeschnitten – und dabei geht es ratzfatz von einem Kapitel zum nächsten, ohne dass man dazu kommt, eines der Märchen zu genießen oder sich gar zu gruseln.

Auch die beiden Hauptfiguren bleiben dem Leser fremd. Selbst die Stellen, an denen ihre Gefühlswelt beschrieben wird, haben bei mir nicht die geringsten Emotionen hervorgerufen.

Insgesamt hat mich das Buch damit ziemlich enttäuscht. Wer „echte“ Märchen in ihrer ganzen Grausamkeit lesen möchte, sollte einfach zum Original greifen und von „Eine dunkle und grimmige Geschichte“ die Finger lassen. Wer die Geschichten von Lemony Snicket mag, kann es mal mit dem Buch versuchen. Den Hang dazu, die Geschehnisse im Buch vorab über alle Maßen durch Kommentare zu dramatisieren, haben sowohl Lemony Snicket als auch Adam Gidwitz – und ganz offensichtlich gibt es auch Leser, die sich davon begeistern lassen.

Published in: on April 27, 2013 at 9:00 am  Kommentar verfassen  
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Alice vs. Wunderland – eine Pubertätsdramödie von Christian Aster & K. Ninchen

alicevswunderland Christian von Aster, K. Ninchen
Alice vs. Wunderland
Verlag: Edition Unbuch
106 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3942171953
ISBN-13: 978-3942171953
12,00 €

Das von Ben Swerk gestaltet Cover des Buches vermittelt dem Betrachter einen ersten Eindruck von Wunderland. Es zeigt eine Tür (von vielen), Alice, die Anwalts(grinse)katze und einiges mehr. Ein bunter und skurriler Farbenmix, der perfekt zu dem Buch passt.

„Alice vs. Wunderland – eine Pubertätsdramödie“ schon der Titel weckt einige Erwartungen – und sie werden definitiv erfüllt. Auch die auf dem Cover befindliche Anmerkung „ziemlich sehr frei nach Lewis Caroll“ passt: Man erkennt die Geschichte und auch einige der Figuren wieder, auch wenn nicht alle „original“ sind. Als Pubertätsdramödie erzählt „Alice vs. Wunderland“ von den Problemen der Pubertät und wie man damit fertig wird. Ein Ausflug ins Wunderland kann dabei (zumindest in diesem Buch) wirklich Wunder wirken.

Wie schon die Gestaltung des Buches vermuten lässt ist das Buch ziemlich skurril, ich würde sagen, noch skurriler als das Original – sogar, was den Teil in der wirklichen Welt betrifft: Während Alice auf der Suche nach ihrem Ex-Freund (oder doch dem weißen Kaninchen?) durch das Wunderland irrt, bewirtet ihre Mutter Dr. Snark und Prof. Dodgson großzügig mit Sherry, derweil sie diese über Alices jüngste Auffälligkeiten aufklärt und mit ihnen die Probleme der Pubertät erörtert. Die Folgen sind abzusehen.

Der Stein des Anstoßes, Alices Vielleicht-Freund Ronny, hat dabei die kleinste Rolle im Buch. Abgesehen davon, dass er als angehender BWL-Student stets seine Risiken abwägt – auch im biochemischen Bereich – brauchen Jungs „manchmal eben [einfach] ein wenig länger“.

Damit ist „Alice vs. Wunderland“ genau das richtige Buch für humorvolle Liebhaber des Originals und für solche Leser, die es auch etwas skurriler mögen. Eine abgedrehte und humorvolle Aufklärung über die Pubertät, ihre Probleme und deren Lösungen. Vielleicht sollte man es als Ratgeber auch an das ein oder andere Elternpaar mit pubertierenden Kindern verschenken (zusammen mit einer Flasche Sherry versteht sich).

Published in: on April 25, 2013 at 9:00 am  Kommentar verfassen  
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Der Herr der Laternen oder Die traurige Geschichte vom glücklichsten Mann der Welt von Thilo Corzilius

herrderlaternen Thilo Corzilius
Der Herr der Laternen
Verlag: Ulrich Burger
64 Seiten
E-Book
ASIN: B009XHCE9Q
3,99 €

Der „Herr der Laternen“ ist der Auftakt einer Novellen-Reihe vom Ulrich Burger Verlag. Abgesehen vom Cover, auf denen jeweils ein aufgeschlagenes Buch zu sehen ist, sind die Novellen voneinander jedoch völlig unabhängig.

Das Cover von „Der Herr der Laternen“ zeigt also ebenfalls das aufgeschlagene Buch, ein Buch, aus dem im bläulichen Licht ein Mond entspringt. Abgesehen davon ist das Titelbild völlig schwarz. Ein geheimnisvolles Cover, das zumindest mich ziemlich neugierig gemacht hat.

„Glück in der Liebe, Pech im Spiel“ – auf Malcolm Delaware trifft das umgekehrte Zitat zu: Alles was er in die Hand nimmt, wendet sich zum Guten, mit der Liebe hat er jedoch kein Glück. Mit dem Auftrag, den die geheimnisvolle Eve im Hain des „Herrn der Laternen“ von eben diesem Herrn erhält, soll sich das jedoch ändern.

Nach einem kleinen Vorwort des Autors, das von der Liebe und der Suche nach dem Ort, an dem man gehört, erzählt, folgt die eigentliche Geschichte. Eine Geschichte, von der zumindest Thilo Corzilius sagt, dass sie wahr ist, „denn die Wahrheit steckt in vielen Dingen“.

Mit dem ersten Kapitel wird die weibliche Hauptperson, Eve, vorgestellt. An ihrer Seite wandelt man durch einen nächtlichen Hain, einen Ort, den die wenigsten jeh‘ zu sehen bekommen. Ein geheimnisvoller Ort, der den Leser schnell in den Bann zieht. Der Ort, an dem Eve auf den „Herrn der Laternen“ trifft. Denn eines seiner Lichter ist Eves Aufgabe.

Das zweite Kapitel entführt den Leser in „das Reich der tausend Winkel“: Ein staubiges altes Haus voller Ecken und Winkel, das jeden Liebhaber alter Geschichten und Geheimnisse faszinieren wird. Es ist der Ruhepol der zweiten Hauptperson, Malcom. Ein Mann, der immer bekommt, was er braucht – bis auf das eine: Eine Frau, die ihn liebt. Bisher hatte keine seine Liebe für die kleinen Dinge verstanden, bis auf sein Geld hatten sie wenig von ihm gewollt. Und Geld spielte für Malcom bisher nie eine Rolle.

In einer Bar treffen Eve und Malcom aufeinander. Ein Treffen, bei denen sie gemeinsame Sympathien entdecken, allen voran die Musik – und ein Treffen, auf das viele weitere folgen, erfüllt von Musik und anderen Gemeinsamkeiten. Und bei jedem dieser Treffen fragt sich der Leser, ob sich Malcoms Traum von der Liebe doch noch erfüllen wird und welcher Auftrag Eve an seine Seite geführt hat.

Die Auflösung erfährt man, als Malcom Eve ins Reich der tausend Winkel entführt. An der Seite kleiner, blitzender Kometen entschwindet Malcolms Glück – und Eve aus seinem Leben.

Zum Glück gibt es noch mehr als den „Herrn der Laternen“ – denn mit Eves Auftrag ist die Geschichte längst nicht zu Ende. Denn zwischen Himmel und Erde gibt es weit mehr als nur das Licht der Laternen. Und so kommt die Geschichte zwar nicht zu einem glücklichen, aber zu einem lieblichen Ende.

Es ist eine kurze, aber magische Geschichte, die den Leser schon mit dem Vorwort (und das ist zumindest bei mir wirklich selten) in den Bann zieht. Eine Geschichte über Glück, Musik und die Liebe. Und eine Geschichte, deren letzte Akkorde bei mir noch eine ganze Weile nachhallen werden.

Hier könnt ihr euch selbst davon überzeugen.

Published in: on April 11, 2013 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
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Wahre Märchen von Annie Bertram

wahremaerchen Annie Bertram
Wahre Märchen
Verlag: Ubooks
144 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3939239348
ISBN-13: 978-3939239345
14,95 €

„Wahre Märchen“ ist ein Bild- und Märchenband. Eine Sammlung von neu erzählten Märchen, die von Annie Bertrams Bildern in Szene gesetzt werden.

Schon das Cover zeigt eines ihrer Bilder: Eine Meerjungfrau mit schwarzen Haar, die nichts weiter trägt als einen Rock und einen Bustier aus Muscheln. Die Hauptfigur aus dem ersten Märchen, Rhinelde.

Es sind altbekannte Märchen wie „Die kleine Meerjungfrau“, „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ und „Rapunzel“, die von bekannten und weniger bekannten Autoren neu erzählt werden. Einige Geschichten bleiben nahe an dem altbekannten, andere wiederum erzählen die Märchen völlig anders. Eine dunkle Andersartigkeit, die sich durch alle Geschichten bis zum Ende hin durchzieht.

So erzählt Jeanine Krock in „Rhinelde“ das altbekannte Märchen um die kleine Meerjungfrau neu, ohne zu viel zu verändern. Die Hauptpersonen sind nun beide Prinzessinnen, es bleibt jedoch bei der Meerhexe und einem tragischen Ende. Auch ihr „Rapunzel“ bleibt nahe am Original. Nicolaus Equiamicus dagegen geht in seinem „Rotkäppchen“ nur von der gleichen Basis aus wie das altbekannte Märchen. Sein Wolf ist deutlich verschlagender als der aus den Märchen der Brüder Grimm – und somit ist auch das Ende ein anderes. „Hänsel und Gretel“ und „Dornröschen“ von Dirk Bernemann sowie „Der Schneekönig“ von Jana Krivanek sind ziemlich abstrakte und auch grausame Geschichten, zu denen ich persönlich überhaupt keinen Zugang gefunden habe. „König Drosselbart“ von Marion Altwegg fand ich nur merkwürdig, während „Schneewittchen“ von Elena Restayn für mich zumindest wieder etwas Sinn ergab. Ungewöhnlich, die Geschichte aus der Sicht der bösen Königin zu erzählen, aber zumindest absolut nachvollziehbar. „Der Vogel und die Prinzessin“ von Yasha Young ist das einzige Märchen, dass ich nicht erkannt habe, vielleicht sogar gar nicht kenne. Und auch wenn es ebenso düster ist wie die anderen Märchen, hat es mir deutlich besser gefallen als alle Vorgergenannten. Mein persönliches Highlight ist allerdings „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Christian von Aster. Mir gefiel sowohl die Idee, die Geschichte aus Sicht eines Zündholzes zu erzählen, als auch die Botschaft, die sie vermittelt. Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt und im Gegensatz zu den anderen Märchen im Buch auch etwas Wärme ausstrahlt.

Mit Annie Bertrams Fotos ist es wie mit den Märchen in diesem Buch. Bei den Märchen, die mir gefallen haben, haben mir auch die Fotos gefallen. Die abstrakten und düsteren Märchen wurden von ebenso düsteren und abstrakten Bildern begleitet, mit denen ich persönlich ebenso wenig anfangen konnte wie mit den Märchen. Man muss Annie Bertram daher wirklich ein Kompliment aussprechen, sie versteht es definitiv, die einzelnen Geschichten in Bilder zu fassen.

Da mir der Großteil der Geschichten nicht zugesagt hat, war das Buch damit nichts für mich. Einzig „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ kann ich wirklich weiterempfehlen – ob man dafür das ganze Buch kaufen will, sollte man sich meiner Meinung nach allerdings wirklich gut überlegen. Ich denke, dass „Wahre Märchen“ eher etwas für spezielle Leser ist, definitiv jedoch nichts für klassische Märchenliebhaber.

Reinlesen (und -schauen) könnt ihr hier.

Published in: on März 15, 2013 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
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Die Mechanik des Herzens von Mathias Malzieu

Mathias Malzieu
Die Mechanik des Herzens
Verlag: carl’s books
192 Seiten
ISBN-10: 3570585085
ISBN-13: 978-3570585085
12,99 €

Bei diesem Buch ist es das Cover gewesen, das mich dazu gebracht, das Buch auf meine Wunschliste zu setzen. Der Zeichenstil, aber auch das Motiv – zwei tanzende Menschen im Mondlicht, ein etwas traurig blickender Mann und eine Frau im roten Kleid – gefallen mir wirklich gut. Dass das Cover dann auch noch zum Inhalt passt, macht zumindest die Gestaltung perfekt.

In einer kalten Winternacht, die alles zu Eis erstarren lasst, wird Jack geboren. Aber die Kälte hat sein Herz zu Eis gefrieren lassen. Einzig der mechanischen Kunst von Dr. Madeleine verdankt Jack sein Leben. Um sein Herz zu unterstützen hat sie ihm eine Kuckucksuhr in die Brust gesetzt und ihn so am Leben erhalten.

Ein glückliches Leben, bis Jack bei einem Ausflug in der Stadt auf die junge Tänzerin Acacia trifft – und sich in sie verliebt. Eine Liebe, der Dr. Madeleine zufolge die Mechanik seines Herzens nicht standhalten kann.

Das erste, was mir beim Lesen aufgefallen ist, ist die bildhafte Sprache, mit der Mathias Malzieu die Ereignisse beschreibt. Eine Sprache, die zu recht skurrilen Vorstellung führt – und an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Auch die Ereignisse im Leben des jungen Jack – aus dessen Sicht die Geschichte schon bereits vor seiner Geburt erzählt wird – sind relativ ungewöhnlich. Dass er sich Hals über Kopf in eine junge Tänzerin verliebt ist das normalste an der ganzen Geschichte, auch wenn in seiner Welt wohl das Ungewöhnlichste – und für ihn auch Gefährlichste ist.

Die ungewöhnlich Erzähl- und auch Sichtweise, mit der die Geschichte erzählt wird, haben zwischen mir und den Protagonisten allerdings eine gewisse Distanz geschaffen, sodass ich trotz des Liebeskummers, der Jack widerfährt, nicht wirklich mit ihm fühlen konnte und mich keines der Geschehnisse richtig mitreißen konnte. Der „Funke“ ist bei mir einfach nicht übergesprungen.

Carl’s books bezeichnet „Die Mechanik des Herzens“ als ein „Märchen für Erwachsene“, eine Definition, der ich mich so nicht anschließen kann. Für mich haben Märchen vor allem eines: ein Happy End – und das hat die Geschichte leider nicht. Es ist eine melancholische und skurrile Geschichte, eine Geschichte mit einem ungewöhnlichen Plot und einen ziemlich interessanten Schreibstil – aber kein Märchen. Lesenswert ist die Geschichte dennoch, denn „Die Mechanik des Herzens“ lässt sich nicht wirklich beschreiben, um sie zu „erlesen“ muss man selbst zum Buch greifen.

Damit ist „Die Mechanik des Herzens“ ein interessantes Leseerlebnis, das ich trotz mangelnder Verbundenheit zu den Protagonisten nicht missen wollte. Noch mal lesen werde die Geschichte allerdings nicht – und ob ich mich an einem weiteren Buch aus Mathias Malzieu Federn wagen werde ist noch ungewiss.

Hier könnt ihr euch selbst einen ersten Eindruck verschaffen.

Published in: on September 27, 2012 at 6:00 am  Kommentar verfassen  
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Ronar – Drei Ähren von Anke Höhl-Kayser

Mit „Ronar – Drei Ähren“ beendet Anke Höhl-Kayser ihre Trilogie um den jungen Ronar – und beginnt dabei noch mal am Anfang der Geschichte.

Anke Höhl-Kayser
Ronar – Drei Ähren
Verlag: BoD
328 Seiten
ISBN-10: 3848220237
ISBN-13: 978-3848220236
18,50 €

Wie bei den ersten zwei Bänden der Ronar-Trilogie ist auch das Cover dieser Ausgabe wirklich gut gelungen. Nicht nur, dass es perfekt zu denen der ersten zwei Bücher passt – wie auf diesen Covern ist auch hier der hell leuchtende Vollmond klar zu erkennen – es passt auch perfekt zu der Geschichte: Die drei Ähren im unteren linken Teil des Covers, der vor dem Vollmond schwebende Drache und die Baumfrau im rechten Teil des Covers. Die Künstlerin Noëlle-Magali Wörheide hat damit wieder einmal ein rundum gelungenes Cover geschaffen.

In einer kalten Winternacht reist ein ganz in schwarz gekleideter Mann zu einem verfluchten See. Durch einen Zauber geschützt taucht er hinab in den See, um seinen dunklen Auftrag zu erfüllen, ein Auftrag, der die Welt, wie Ronar sie kannte, in die Vergessenheit stürzt. Drei Ähren sind das einzige, was von der alten Welt bleibt.

Eine dieser Ähren bekommt Ronar, der Ziehsohn des Schmieds, mit den Worten „Damit wir den Rückweg finden“ im Traum von einem jungen Mädchen zugesteckt. Eine Ähre, die eine Kraft in ihm weckt, von der er nie zu träumen wagte – oder doch? Sowohl die gefangenen Elthen, die im Dorf ihre Fronarbeit leisten, als auch der Anführer der Soldaten, die sie, bewachen kommen Ronar seltsam bekannt vor.

Anke Höhl-Kayser beginnt das Buch mit einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Bände, sei es, um dem Leser Vergangenes ins Gedächtnis zu rufen – was bei mir definitiv nicht nötig war, schwirren die Geschichte doch immer noch in meinen Gedächtnis herum – sei es, um Neueinsteigern den Einstieg zu erleichtern. Ich würde jedoch davon abraten, die Reihe mit „Ronar – Drei Ähren“ zu beginnen – ohne die vorangegangenen Bände fehlt dem Leser mehr als nur ein wenig Hintergrundwissen. Aber um sich die Geschichten noch einmal in Erinnerung zu rufen ist es sicherlich von Vorteil – und wer dessen nicht bedarf, kann es einfach überblättern.

„Ronar – Drei Ähren“ beginnt in einer kalten Winternacht, in der ein dunkler Mann nach einem dunklen Ziel strebt, während sich die Elthen um Nahrung für die Wildtiere sorgen. Eine Reise zu einem Feld jenseits der Zeit bewahrt Athanian vor dem Zauber, der die Zeit selbst verändert – und die drei Ähren, die er seiner Tochter Mane gibt, sind die einzige Erinnerung an das, was war. Ab jetzt arbeitet die Zeit selbst gegen Athanian und Ronar. Eine personifizierte Zeit, die nichts mehr mit der einstigen Freundin Athanians gemein hat, eine grausame Frau, ebenso grausam wie die Welt, in der Menschen und Elthen jetzt leben.

Ronar ist weiterhin der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, aber in der „neuen“ Zeit liegt es nicht allein an ihm, die Prophezeiung dieser Welt zu erfüllen. Gejagt von der Zeit liegt es an Mane, die drei Ähren zu den richtigen Menschen und Elthen bringen und an diesen, die Ähre zu akzeptieren und die „alte“ Zeit wieder ans Licht zu bringen.

Ronars Ziehschwester Irith, einst der Grund für Ronars Reise und Entdeckungen, macht sich, gestärkt durch die von Ronars Ähre getragenen Erinnerungen, nun selbst auf die Reise, ist nun Halt und Stütze Athanians.

Auch Ronar wird durch die magische Ähre erneut erweckt. Mit Hilfe alter und doch neuer Freunde muss er sich selbst neu entdecken – und erkennen, dass seine Kräfte noch immer in ihm schlummern, nur er selbst sie erwecken kann.

Mit „Ronar – Drei Ähren“ gelingt Anke Höhl-Kayser, die vorangegangen Bände noch zu toppen. Die einzelnen Figuren der Geschichte von neuen Seiten zu beleuchten, andere Facetten herauszuarbeiten. Mit einer weiteren spannenden Geschichte zeigt sie, dass ein jeder (ob Mensch oder Elthe, An oder Rilte) ein Kind seiner Zeit ist, man aus Vergangenem lernen und sich damit durch die Zeit auch verändern kann. Eine Erkenntnis, die schlussendlich Ronar auch mit seiner Ziehfamilie vereint und die Geschichte zu einem glücklichen Schluss führt – sogar für die Zeit selbst.

Mit „Ronar – Drei Ähren“ hat Anke Höhl-Kayser damit einen überaus gelungenen Abschluss der Reihe geschaffen. Eine Geschichte, die einen noch mal an die vergangenen Geschehnisse erinnert, aber auch Neues schafft – und so die „alten“ Geschichten noch überflügelt. Und damit ist jetzt, um es mit ihren Worten zu sagen, „Die Zeit des Zaubers […] vorbei“, die Geschichte um Ronar wirklich zu Ende, „[i]hr könnt Euch anderen Dingen zuwenden.“ – ein Blick zurück (in die schon gelesenen Bücher) wird jedoch sicherlich niemanden verwehrt werden und ich werde diesen Blick ganz sicher noch das ein oder andere Mal wagen.

Ihr könnt derweil einen ersten Blick in Ronars letztes Abenteuer werfen, eine Leseprobe findet ihr hier.

Published in: on September 25, 2012 at 6:00 am  Kommentar verfassen  
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Ash von Malinda Lo

Malinda Lo
Ash
Verlag: PAN
272 Seiten
ISBN-10: 3426283441
ISBN-13: 978-3426283448
12,99€

Es ist ein ungewöhnliches Cover, das das Buch ziert. Ein Mädchen in einem weißen Kleid, das zusammengekauert auf einer Wiese liegt, die das komplette übrige Cover einnimmt. Ein Cover, das abgesehen von Titel und Verlagsbezeichnung komplett in Grautönen gehalten ist. Grau wie die Asche, die dem Buch ihren Namen gibt.

Auf den Tod von Ashs Mutter folgt überraschend schnell die erneute Hochzeit ihres Vaters. Eine Ehe, die mit dem den auf seine plötzliche Krankheit folgenden Tod endet und Ash in der Obhut ihrer Stiefmutter zurücklässt. Eine Obhut, die nicht schlechter gewählt seinen könnte: Im Haus ihrer Stiefmutter ist Ash weniger wert als eine Dienstmagd.

Nur die Ausflüge in den nahen Wald und die Begegnungen, die sie dort macht, halten sie davon ab, den Verstand zu verlieren. Begegnungen, die ihr Leben verändern könnten.

„Ash“ ist ein ruhiges, melancholisches Buch, man könnte fast meinen, die Autorin hätte für ihre Geschichte nur Grautöne verwendet. Und damit passen Stimmung, Stil, Sprache und das Cover perfekt zusammen und schaffen ein absolut rundes und ruhiges Bild.

Ashs Leben ist von Trauer und Melancholie durchzogen und es gibt wenig, was sie daraus hervorlockt: Ihre alten Märchenbücher sind das eine, die Ausflüge in den nahegelegenen Wald das andere. Beide sind durchwoben von Magie – Feenmagie – und wen wundert es da, dass Ash im Wald sowohl Magie als auch Feen und Gleichgesinnten begegnet. Im Bezug zum Leben bei ihrer Stiefmutter wirken diese Szenen fast entrückt und friedlich, trotz der immer greifbaren Nähe des Todes.

Der Bezug der Geschichte zu dem altbekannten Märchen setzt nur den Grundstein für etwas Neues. Der Tod der Eltern, Stiefmutter, Stiefschwestern und ein Prinz auf Brautschau erinnern an das klassische Märchen, aber bis auf diese Punkte hat sich „Ash“ weit von diesem Märchen entfernt. Es ist eine neue Geschichte, die unter Malinda Los Feder entstanden ist. Eine neue Geschichte, durchwoben von alten Geschichten, aber mit neuen Figuren, einem neuen Verlauf und ein ganz neues Ende. Ob sie einem gefällt, muss jeder für sich entscheiden, Änderungen von Altbekannten treffen beileibe nicht oft auf Zuspruch, lesenswert ist „Ash“ aber allemal. Mir hat es trotz der Ruhe und stets spürbaren Melancholie wirklich gut gefallen.

Hier könnt ihr euch selbst ein erstes Bild machen.

Published in: on August 28, 2012 at 6:00 pm  Comments (8)  
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Das zehnte Königreich von Kathryn Wesley

Vor einigen Jahren lief auf RTL ein Mehrteiler unter dem Titel „Das zehnte Königreich“. Der Film war mir persönlich etwas zu bunt und grell, ist mir aber nicht in schlechter Erinnerung geblieben. Als ich das Buch dann bei MeinBuch-DeinBuch entdeckte, habe ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen..

Kathryn Wesley ist das Pseudonym der Fantasyautoren Dean Wesley Smith und Kristin Kathryn Rusch – von Zweitgenannter habe ich vor kurzem „Die Herzleser“ in meiner „Oldies but Goldies„-Rubrik rezensiert.

Kathryn Wesley
Das zehnte Königreich
Verlag: Piper
528 Seiten
ISBN-10: 3492267807
ISBN-13: 978-3492267809
9,95 €

Das Cover des Buches zeigt eine junge Frau, deren Gesicht auf einer spiegelnden Fläche ruht. In dieser kann man neben dem Gesicht der Frau Teile einer Burg erkennen. Sie scheint einen Blick in eine andere Welt zu werfen. Und auch wenn die Heldin des Buches weit mehr als nur einen Blick in eine andere Welt wirft, ein so passendes Cover findet man selten.

Virgina lebt zusammen mit ihrem Vater, Toni, am Rande des New Yorker Central Park. Er arbeitet als Hausmeister, sie als Kellnerin – nicht gerade ein märchenhaftes Leben. Das ändert sich, als Virginia im Park einen Hund umfährt – denn dieser ist weit mehr als nur ein Hund: Es ist der Prinz des vierten Königreichs, Wendell, den seine böse Stiefmutter in einen Hund verwandelt hat, um ihren Plan, die Herrschaft über alle neun Königreiche an sich zu reißen, in die Tat umzusetzen. Wendell gelingt es, in Virginias Welt (dem 10. Königreich) zu fliehen, aber eine Gruppe Trolle und sogar ein menschlicher Wolf sind ihm dicht auf den Fersen.

Auf der Flucht vor den Trollen folgen Virginia und ihr Vater Wendell durch einen magischen Spiegel in sein Reich. Durch einige unglückliche Ereignisse verlieren sie dort jedoch den Spiegel aus den Augen. Wird es ihnen gelingen, Wendell zu helfen – und den Weg zurück nach Hause zu finden?

„Das zehnte Königreich“ spielt in zwei Welten – der unseren, die die Trolle spontan als „zehntes Königreich“ ausrufen und der Märchenwelt, die aus neun Königreichen bestehen. Hier findet sich die eine oder andere Märchenfigur, wie Aschenputtel oder der Jägersmann aus Schneewittchen, aber auch ihre Spuren. So stößt Virginia mit ihrer Begleitung auf einen Wald von Bohnenranken – von denen die meisten allerdings nicht mehr von Riesen bewohnt sind.

Kathryn Wesley führt den Leser im Schnellgang durch ein Märchenland, in dem sich seit den bekannten Märchen einiges verändert hat. Nur eines ist gleich geblieben: Es gilt, einen Bösewicht – hier in Form der bösen Königin – zu besiegen.

Der Blick des Lesers huscht – wie über das Märchenreich selbst – nur kurz über die meisten Orte und Figuren hinweg. Es gibt so viel zu entdecken, aber viel zu wenige Buchseiten. Wirklich detailliert beschrieben werden nur Victoria und Toni, sowie ihre (fast) ständige Begleitung, der menschliche Wolf Wolf. Dieser ist mein persönliches Highlight. Er verliebt sich auf den ersten Blick in Virginia und steht ihr im Märchenland – bewaffnet mit Unmengen von Selbsthilfe-Büchern aus unserer Welt – tapfer zur Seite. Dabei ist er manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich – aber auch als Leser sollte man nie vergessen, dass er eben ein Wolf ist ;-).

Durch Tonis Eigenschaft, das Pech wie ein Magnet anzuziehen, wird es nicht einfacher, den magischen Spiegel zu finden – und Wendell zu seinem Thron zu verhelfen. Wenn man es genau betrachtet, ist der magische Spiegel sogar ihr geringstes Problem. Aber was wäre ein Märchen ohne ein „und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende“? Auch „Das zehnte Königreich“ hat eines. Nur bis dahin gibt es einiges zu schmunzeln und zu entdecken – und sei es nur die romantische Ader eines Wolfes.

Hier könnt ihr einen ersten Blick ins Buch werfen.

Published in: on Mai 30, 2012 at 6:23 pm  Comments (2)  
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Grimm von Christoph Marzi

Nach „Ice – Hüter des Nordens“ war ich irgendwie in Stimmung für Märchen und so habe ich als nächstes zu „Grimm“ gegriffen.

Christoph Marzi
Grimm
Verlag: Heyne fliegt
560 Seiten
ISBN-10: 3453266617
ISBN-13: 978-3453266612
17,99 €

Auf den Cover von „Grimm“ kann man Szenen aus verschiedenen Märchen erkennen. Ich kann nicht alle zuordnen, aber zumindest „Schneewittchen“, „Rapunzel“ und „Hänsel und Gretel“ konnte ich eindeutig identifizieren. Alle dieser Märchenszenen auf dem Cover haben eines gemeinsam: Sie befinden sich hinter Schloss und Riegel – und da haben wir auch den eindeutigen Bezug zum Buch, auch wenn man das erst im Nachhinein weiß. (Eines der Märchen scheint übrigens bereits ausgebrochen zu sein.)

Nach einem Vorfall an iher alten Schule musste Vesper zu ihrer Mutter nach Hamburg ziehen. An eine Schule, die noch schlimmer ist als ihre alte. Zumindest hat Vespa hier eine eigene Wohnung durchsetzten können und einen Job als Schneiderin bei einem kleinen Theater gefunden. Ein Job, den sie nicht wegen des Geldes macht, sondern weil ihr das Nähen Spass macht – und ihr zu einer Freundschaft mit ihrer Arbeitskollegin Ida und deren kleine Tochter Greta verholfen hat.

Und Vespa hat definitiv nicht viele Freunde. Als dann ihr Vater stirbt und ihr nichts weiter als einen Brief, einen Ring, einen Hinweis auf einen alten Freund und eine Warnung „vor den Wölfen“ hinterlässt, steckt Vespa in Schwierigkeiten. Um so mehr, als die Wölfe schon im Haus ihrer Mutter auf sie warten. Auf der Flucht vor den Wölfen versucht sie, das Geheimnis um die Hinterlassenschaft ihres Vaters aufzudecken.

Vespa als Hauptperson der Geschichte hat mich leider überhaupt nicht mitgerissen. Ihre Lügerei und Betrügerei an der Schule fand ich völlig überzogen – und ich finde nicht, dass man dieses Verhalten mit der ständige Abwesenheit und dem Desinteresse der eigenen Mutter begründen kann. Vespa hat auch ihre guten Seiten, für Ida und Greta ist sie zum Beispiel stets da, aber für mich ist Vespa definitiv kein Sympathieträger. Vermutlich einer der Gründe, warum mir die Geschichte nicht so gut gefallen hat.

„Grimm“ ist eine düstere Geschichte. Eine Geschichte, bei der man nicht weiß, wem man vertrauen kann – und selbst Gut und Böse verschwimmen. Die Ereignisse in „Grimm“ sind spannend – anders lässt sich die Flucht vor einem Rudel Menschenwölfe nicht beschreiben – aber auch skurril und teilweise ziemlich merkwürdig.

Vielleicht gibt „Grimm“ damit die Stimmung der klassischen Grimms Märchen wieder – ich muss zugeben, bisher nur die „zensierte“ Variante gelesen zu haben – aber mein Fall ist das Buch damit leider nicht. Für mich sind Märchen eher aus dem Stoff, aus dem Träume, und nicht Alpträume gemacht sind (auch wenn jedes für sich seine dunklen Seiten hat). Und was meiner Meinung nach auf jeden Fall in ein Märchen gehört, ist ein Happy End – und das hatte „Grimm“ definitiv nicht.

Damit hat „Grimm“ mich leider nicht wirklich überzeugen können. Und ich merke einmal mehr, dass Christopher Marzis Stil nicht wirklich mein Fall ist. – Auch wenn seine Geschichten immer wieder gut klingen.

Hier könnt ihr selber einen Blick ins Buch werfen.

Published in: on Mai 5, 2012 at 8:00 am  Comments (5)  
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Ice – Hüter des Nordens von Sarah Beth Durst

Gestern ist mein vorerst letzter Tauschticket-Tausch bei mir angekommen (mein Umstellungs-Guthaben ist jetzt aufgebraucht) – und wurde im Null Komma Nix verschlungen ;-).

Sarah Beth Durst
Ice – Hüter des Nordens
Verlag: Egmont Lyx
307 Seiten
ISBN-10: 3802586026
ISBN-13: 978-3802586026
12,99 €

Das Cover des Buches ist schön, aber relativ blass – und wirkt durch das Farbspiel von dem Hellblau und Weiß des Eisbären und der eisigen Umgebung zu den roten Frauenlippen und der lila Farbe im Hintergrund etwas unwirklich. Nichts desto trotz passt es genau zu der Geschichte -und ist wie gesagt sehr schön anzuschauen.

Von klein auf bekommt Cassie von iherer Großmutter eine Geschichte erzählt: Von einem Mann, der sich in die Tochter des Nordwindes verliebte – doch die Tochter des Nordwindes war dem Eisbärkönig versprochen und durch Liebe zu einem Menschen erzürnte sie ihren Vater. Die Tochter des Nordwindes versprach dem Eisbärkönig ihre Tochter zur Frau – im Gegenzug für seinen Schutz: Aber der Eisbärkönig konnte sie und ihren Mann nicht ewig schützen. Und so wurde die die Tochter des Nordwindes von ihrem Vater zu den Trollen verbannt.

Ein Märchen, das Cassie nicht mehr hört, seitdem ihr Vater ihre Großmutter fortgeschickt hat – seine Tochter sollte nicht mit solch einem Unsinn aufwachsen. Aber kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag beobachtet Cassie, wie ein von ihr verfolgter Eisbär einfach in einer Eiswand verschwindet. Und von da an ist es nicht mehr leicht, zwischen Märchen und Wirklichkeit zu unterscheiden…

Man sagt, dass in jedem Märchen ein wahrer Kern steckt – auch wenn es überraschend ist, wenn dann das ganze Märchen wahr ist.

Cassie ist auf einer Forschungsstation aufgewachsen und eigentlich ziemlich rational – wenn man allerdings einem sprechenden Eisbären begegnet, kann man sich durchaus davon überzeugen lassen, dass manche Märchen wahr sein können.

Als der Eisbär Cassie dann verspricht, ihre von ihr seit Jahren totgeglaubte Mutter von den Trollen zu retten, wenn sie seine Frau wird, sagt Cassie zu – ohne die Konsequenzen zu kennen.

Denn hinter dem sprechenden Eisbär verbirgt sich mehr als nur ein Märchenwesen. Der Bär ist einer von vielen Munaqsri, dafür verantwortlich, die Seelen der Sterbenden einzusammeln, um so den Neugeborenen eine Seele geben zu können. Eine Aufgabe, die nicht nur zeitaufwändig, sondern auch lebenswichtig für das Volk ist, das der jeweilige Munasqri hütet – in seinem Fall sind es die Eisbären. Denn ohne die Seelen, die der Munaqsri sammelt, können die Neugeborenen nicht leben – und sein Volk wäre zum Aussterben verdammt.

Wie in dem Märchen bringt die Neugier der Braut des Eisbärkönigs diesen in Gefangenschaft – und nun ist es an Cassie, ihren Mann zu retten. Allen Widerständen zum Trotz folgt sie seinen Spuren, die bis ans Ende der Welt führen.

Damit ist Cassie eine Hauptperson, mit der man sich leicht und gerne identifiziert. Kein hilfloses Mädchen, das sich von ihrer Umgebung – und sei sie noch so ungewohnt – einschüchtern lässt. Jemand der weiß, was er will – und dafür kämpft. Die ideale Besetzung für ein Märchen – und diese Geschichte.

Das Buch wäre kein Märchen, wenn es kein Happy End hätte – aber bis dahin gibt es für Cassie (und den Leser) einiges zu entdecken und so manches Hindernis zu überwinden. Und auch wenn abzusehen ist, dass das Buch ein gutes Ende haben wird – ist dieses doch überraschend.

Sarah Beth Durst hat es auf eine wunderschöne Art und Weise geschafft, das altbekannte Märchen vom Eisbärkönig in unsere Welt zu versetzen – mit nicht mehr als einen Hauch von Magie, auch wenn die Seelensammler dem sicherlich nicht zustimmen würden ;-). Eine Geschichte, die sich wunderschön bei Schnee und Eis vor dem Kamin lesen lässt – oder einen an einem warmen Frühlingstag wieder in den Winter entführt. So oder so ein Leseerlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Wer nicht auf Schnee und Eis warten möchte, findet hier eine Leseprobe.

Published in: on Mai 4, 2012 at 4:52 pm  Comments (4)  
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