Schatten von David Kenlock

Es gibt wieder einen Oldie 🙂 (obwohl ich zugeben muss, dass ich ihn in der Neuausgabe gelesen habe). „Schatten“ von David Kenlock erschien 1999 beim Heyne Verlag, mittlerweile hat es der Autor unter seinem richtigen Namen, Rainer Wekwerth, als Ebook unter dem Titel „Das Flüstern des Windes“ neu herausgegeben.

schatten David Kenlock
Schatten
Verlag: Heyne
302 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3453156323
ISBN-13: 978-3453156326

Das Cover des Buches ist recht merkwürdig. Es zeigt einen Ork und einen Menschen in der Mitte einer Arena, umringt von zwei Dinosauriern. Auf einem der Dinosaurier scheint ein Menschen zu reiten. In der linken Ecke des Covers kann man die Beine eines in der Arena liegenden Menschen erkennen. Damit zeigt das Cover wohl eine der Szenen aus dem Buch – auch wenn Dinosaurier als solche nicht vorkommen und ich mir die Szenerie deutlich anders vorstelle als hier dargestellt.

Ein dunkler Schatten liegt über dem Königreich Denan. Bisher war dem König kein Thronfolger vergönnt – und in der langersehnten Geburtsnacht seines Sohnes stirbt die Königin. Nur wenige Stunden später ist der Thronfolger verschwunden und der König tot. Als Findelkind wird der wahre Erbe des Thrones von einer Händlerfamilie aufgezogen, nur um wenige Jahre später als einziger Überlebender seiner Ziehfamilie in die Sklaverei verschleppt zu werden. Nun liegen wirklich Welten zwischen ihm und seiner Heimat.

Für das, was die Geschichte erzählt, ist sie eigentlich viel zu kurz. Auf dreihundert Seiten erzählt sie quasi die Lebensgeschichte eines Prinzen. Von Verschwörungen, Verrat, Sklaverei, Freundschaft, Liebe und Krieg. Manche lieb gewonnenen Figuren bleiben dem Leser nur über wenige Kapitel erhalten: Auf wenigen Seiten lernt man sie kennen und mögen, nur um dann zu lesen, wie sie der Welt wieder grausam entrissen werden. David Kenlock schafft es sogar, dem Leser den Tod eines Fremden nahe gehen zu lassen.

Die (durch Weltentore verbundenen) Welten, die David Kenlock beschreibt, sind harte Welten, die sich an verschiedene Epochen aus unserer Vergangenheit wie etwa den Römern oder dem Mittelalter orientieren, Magie wirkt eher im Hintergrund – und zumindest die Weltentore könnten auch einer längst vergangenen Technik entsprungen sein. Aufgrund der Kürze des Buches sind allerdings sowohl die Welten als auch ihre Geschichte eher nebensächlich. Sie dienen einzig und allein als Hintergrund für die Entwicklung der Figuren, die ebenfalls wirklich rasant verläuft.

Harte Bedingungen schaffen harte Menschen und kurze Begegnungen tiefe Verbindungen, längere Begegnungen schaffen ein fast undurchdringliches Band. So wie das zwischen dem Königsprössling und einem jungen Ork. Bis hin zur letzten Seite dauert ihre Freundschaft an, trägt sie durch Kämpfe und Kriege und dauert auch über den Tod hinaus an. Die enthaltene Liebesgeschichte ist nur als kleiner Hauch zu spüren, auch wenn diese Liebe ist, die den Prinzen durch einen Großteil der Geschichte trägt.

Einzelne Abschnitte der Geschichte sind durchaus klassisch zu nennen, so ist die Rückkehr nach Denan zum Beispiel absolut vorhersehbar, das Ende der Geschichte ist allerdings nicht im geringsten wie erwartet. Es ist vergleichsweise offen, sehr melancholisch, hinterlässt aber auch einen Funken Hoffnung – zumindest für das Königreich Denan und vielleicht sogar für die Liebe.

Das ungewöhnliche an „Schatten“ ist wohl die Kürze, in der sich Personen entwickeln und Ereignisse ablaufen – und das man als Leser dabei trotzdem wirklich mitgerissen wird und sogar mitfühlen kann. An manchen Stellen hätte ich mir durchaus mehr Informationen gewünscht, im Nachhinein bin ich mir allerdings nicht sicher, ob nicht gerade dieser Mangel an Informationen den Reiz des Buches ausmacht. Empfehlenswert ist es in jedem Fall.

Eine Leseprobe findet ihr hier.

Published in: on August 7, 2013 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
Tags: , ,

Die Seele der Elben von Susanne Gerdom

dieseeledererlben Susanne Gerdom
Die Seele der Elben
Verlag: Piper
496 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3492267769
ISBN-13: 978-3492267762
9,95 €

Das Cover des Buches zeigte eine – vermutlich elbische – Frau, die nur teilweise sichtbar ist. Dunkle Gewänder und das fahle Licht lassen sie ziemlich blass erscheinen – ob sie ein Seelentrinker ist? Ich finde das Cover jedenfalls ziemlich passend für die Geschichte.

Nach dem mysteriösen Tod seiner Geliebten verlässt der Halbelb Lluis den Hof seines Stiefvaters und macht sich auf in die nahe gelegene Stadt Raakus. Überraschend schnell schließt er dort neue Freundschaften und ehe er es sich versieht hat er ein interessantes Auskommen, bei dem ihm vor allem das Geschick seiner Finger und sein leises Auftreten eine große Hilfe sind. Der mysteriöse Tod seiner Geliebten hallt jedoch nach – und die Auswirkungen reichen bis in sein neues Leben hinein.

Wie auch in „Elbenzorn“ kam bei mir in „Die Seele der Elben“ gleich wieder die Atmosphäre eines Rollenspiels auf, Lluis Welt passt einfach genau dorthin. Lluis selbst kann dem Leser ein wenig leidtun, aber da er doch irgendwie immer auf die Füße kommt und zur rechten Zeit am rechten Ort ist, braucht er das Mitleid eigentlich nicht – bleibt also die Sympathie, die man ihm als Leser entgegenbringt. Mit der Sympathie kann man als Leser in „Die Seele der Elben“ generell sehr großzügig umgehen: Ich habe selten so einen sympathischen Ork wie den Anführer der Stadtwache, Groszbarrt, getroffen – ich habe allerdings auch noch nie von einer Stadtwache aus Orks gelesen. Und da der Markgraf einen ungewöhnlichen Geschmack hat, was die Wahl seiner Bediensteten angeht, bleibt es nicht nur bei dieser ungewöhnlichen Begegnung.

Susanne Gerdom erzählt in „Die Seele der Elben“ allerdings nicht nur die Geschichte des jungen Lluis, sondern auch die der Prinzessin Vanandel, die auf Biegen und Brechen versucht, ihrer vorstehenden Hochzeit zu entgehen, sowie die Geschichte des Schreibers Tijan. Während Tijans Erzählstrang den Leser mit Hintergrundinformationen bezüglich der Seelentrinker versorgt, die er während seiner Recherchen gewinnt, sorgen die Erzählstränge um Vanandel und Luis für Spannung und Humor – dieser haftet allerdings auch Tijans Reisen mit der Riesenadlerfrau Ranvidar an. Die stereotype Liebesgeschichte zwischen den Hauptpersonen gibt es selbstverständlich nicht, auch wenn die Liebe durchaus ihre Rolle spielt – nicht umsonst beginnt „Die Seele der Elben“ mit dem Tod von Lluis Geliebten.

Wieder einmal sind es die Figuren, die den Reiz der Geschichte ausmachen, die sie im Kopf des Lesers lebendig werden lassen – und damit sind beileibe nicht nur die Protagonisten gemeint. Die Schicksale der einzelnen Figuren sind es, die den Leser bewegen – und ihn darüber fast die eigentliche Geschichte um den Fluch der Seelentrinker vergessen lassen. Dieser zieht sich zwar als roter Faden durch die Geschichte, rückt aber bei den humorvollen Szenerien oder bei Problemen einzelner Figuren doch in den Hintergrund, sodass das Hervorblitzen an ungewohnter Stelle immer wieder für Überraschungen sorgt.

Lesern von „Elbenzorn“ liefert „Die Seele der Elben“ einige Hintergrundinformationen zu den beiden damaligen Nebenfiguren Lluis und Trurre. Aber auch ohne „Elbenzorn“ zu kennen kann man „Die Seele der Elben“ genießen. Sympathische Figuren, jede Menge humorvolle Szenen und Spannung abseits des Schlachtenlärms sorgen für ein rundum gelungenes Lesevergnügen.

Die ersten Seiten findet ihr hier.

Published in: on Mai 15, 2013 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
Tags: , , , ,