Karon – Kein Kampf ist gerecht von Leonore Pothast

Karon Leonore Pothast
Karon – Kein Kampf ist gerecht
1000 Seiten
E-Book
ASIN: B00LENE3SM
5,99 €

Es ist ein interessantes Cover, das das Buch ziert. Und welche Art von Roman es sich handelt, kann man daran nicht erkennen, nur vermuten, dass die Person auf dem Cover wichtig für die Geschichte ist. Die drei kleinen Zeichnungen im Hintergrund geben einen kleinen Einblick in den Plot und lassen Kämpfe und Zerstörung vermuten. Mich hat das Cover damit neugierig genug gemacht, um das Buch aufzuschlagen und hinein zu lesen.

Stell dir eine Welt vor, in der einzig die Farbe deiner Haare dein Schicksal bestimmt. Die Schwarzhaarigen stehen an der Spitze der Gesellschaft, mit braunen Haaren gehört man der Mittelklasse an, als Rothaariger bleibt man bis zum Ergrauen der Haare ein Sklave. Karon ist rothaarig und weder eigene Entscheidungen noch Freundlichkeit gewöhnt – bis ihn der berühmte Schwertkämpfer Siamanra auf Geheiß eines Schwarzhaarigen in der Kampfkunst ausbildet, um ihn bis zur Akademie von Kytheira zu bringen. Eine Aufgabe, die Siamanra an den Rand der Verzweiflung treibt, bis er schließlich feststellt, was wirklich in Karon steckt.

Vom Plot her ist die Geschichte nicht wirklich ungewöhnlich, abgesehen davon, dass einige Autoren und Verlage die Geschichte vermutlich in mehrere Bände aufgeteilt hätten – ich bin allerdings froh, dass die Autorin das nicht getan hat. So kann man auf den rund tausend Seiten fast an Karons komplettem Leben teilhaben, mit ihm zusammen erkennen, was in ihm steckt, Geheimnisse enthüllen, die die Grundfeste der Gesellschaft erschüttern könnten und später an der Seite bisher als verschollen geglaubter Menschen eben jene Erschütterungen auffangen. Tatsächlich lernt man an Karons Seite nicht nur ihn selbst, sondern eine ganze Welt und ihre Bewohner kennen. Und damit liest sich das Buch trotz seines fantastischen Inhaltes fast wie eine spannende Reiseerzählung. An Karons Seite, der bisher nicht viel von der Welt gesehen hat, erkundet man Orte, die Rothaarige normalerweise nie zu sehen bekommen und ferne Winkel, die auch der Großteil der Adeligen nie bereist.

Warum gerade Karon zum Schwertkämpfer ausgebildet werden soll bleibt dem Leser, ebenso wie Karon und seinem Lehrer, lange verborgen. Die Ausbildung und Umstellung ist jedoch schwer genug, sodass man sich selbst als Leser im ersten Teil des Buches darüber nur wenig Gedanken macht. Schlussendlich gibt es schon hier genug Prüfungen und Entscheidungen, die Karon zu meistern hat.

Leonore Pothast versteht es jedoch, das Buch mit weiteren Herausforderungen und Entdeckungen zu füllen. Der Großteil der Spannung und Leselust entsteht allerdings nicht durch den Plot oder durch die Kämpfe, die Karon bestehen muss, sondern durch die Figuren selbst. Die Geschichte der Charaktere und die Entwicklungen, die sie im Laufe der Erzählung durchmachen sind es, die den Leser ans Buch fesseln und die Geschichte lebendig werden lassen. Der Schwerpunkt liegt hier natürlich auf Karon, die Autorin lässt aber auch andere Figuren ganze Kapitel aus ihrer Sicht erzählen und tatsächlich macht jede einzelne noch so kleine Randfigur eine Entwicklung durch. Ich habe selten so einen starken Fokus auf Charaktereigenschaften, Motivationen und Gedanken gelesen. Das macht es einfach, sich mit den Akteuren zu identifizieren – oder sie weit von sich zu weisen. In jedem Fall hat man das Gefühl sie gut zu kennen, als Leser kann man damit sowohl ihre Gedanken als auch ihre Entwicklung nachvollziehen – auch wenn manche der Motive lange im Dunklen bleiben. Mir hat diese Art der Charakterbeschreibung es aber auch erschwert, ein wirkliches Bild der Figuren vor Augen zu haben. Vermutlich ist das der Grund, warum Leonore Pothast jedem Kapitel eine Zeichnung ihrer Hauptfiguren vorangestellt hat.

Mich haben (vermutlich dem Stil der Autorin geschuldet) vor allem die Figuren begeistern können, auch wenn Hintergrund und Plot ebenfalls stimmig und gut durchdacht sind. Man muss allerdings schon ein Faible für ausgeprägte Charaktere und persönlichkeitsorientierte Geschichten haben, um „Karon – Kein Kampf ist gerecht“ zu mögen. Es ist tiefgründiger als so manche Geschichte und darauf sollte man sich auch einstellen.

Wer sich unsicher ist, kann einfach einen Blick in die (doch recht umfangreiche) Leseprobe werfen, danach wisst ihr, was euch erwartet – ich hatte nach dem Genuss selbiger jedenfalls große Lust, auch den Rest des Buches zu lesen.

Published in: on Dezember 14, 2014 at 9:00 am  Kommentar verfassen  
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Hochverrat von Sebastien de Castell

hochverrat Sebastien de Castell
Hochverrat
Verlag: Piper
352 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3492703224
ISBN-13: 978-3492703222
16,99 €

Dass „Hochverrat“ und sein Vorgänger „Blutrecht“ zusammen gehören, erkennt man auf den ersten Blick: Nicht nur, dass die Person auf dem Cover dieselbe zu sein scheint, auch die Gestaltung ist ähnlich. So wirkt das Cover von „Hochverrat“ fast wie eine Fortsetzung des Covers von „Blutrecht“: Der Mann auf dem Cover hat nun seine Rapiere gezogen und ist kampfbereit. Das Heer auf seinem Mantel, das im Vorgängercover nur bedrohlich dastand, befindet sich nun mitten im Schlachtengetümmel. Einzig den Farbwechsel von Blau zu Rot kann ich nicht ganz verstehen – aber da ich mich vom Cover nicht allzu lang von der eigentlichen Geschichte abhalten lassen wollte, ist das auch nicht weiter schlimm.

Vergiftet und gelähmt scheint Falcio val Mond nicht wirklich in der Lage zu sein, das Versprechen das er seinem sterbenden König gab zu halten und seinen letzten Auftrag zu erfüllen: Die Chariots des Königs zu finden und ihrer rechtmäßigen Bestimmung zuzuführen. Gefunden hat Falcio zumindest einen, von seinem Ziel ist er jedoch weiter entfernt als je zuvor. Während Falcio versucht, Allianzen zu schmieden und gleichzeitig das Recht des Königs zu beachten, spinnen andere Intrigen, morden und töten. Kann der mittlerweile gefeierte Volksheld dennoch das Schicksal wenden?

Mit Wehklagen leitet Falcio val Mond die nächsten Kapitel seiner Geschichte ein. Die letzten Handlungen sind nicht spurlos an Falcio vorbeigegangen und die Folgen bekommt der Leser ebenso wie Falcio immer mehr zu spüren. Spätestens mit dem Disput seiner Gefährten, die sich nicht sicher sind, ob er nun größtenteils tot oder doch irgendwie lebendig sei.

Tatsächlich sieht es schlecht aus für die Greatcoats – und das, obwohl man zu Beginn von „Blutrecht“ nicht wirklich davon ausgehen konnte, dass es noch schlimmer kommen könnte. Aber es kam schlimmer; trotz aller Erfolge, die die Greatcoats vorweisen können, sind sie verzweifelt auf der Suche nach Verbündeten. Und die Schlachten die sie schlagen kämpfen sie trotz all‘ ihrer Siege von verlorenem Posten aus. Da hilft es nicht einmal, dass die Troubadoure von „Falsio dal Vond“ und seinen ruhmreichen Taten in Rijou singen.

Diese Kapitel aus der Geschichte der Greatcoats sind düster und verzweifelt, ebenso wie ihre Helden. Ein Heiliger der Schwerter, der dem Heiligenfieber anheimfällt. Ein erster Kantor, weder tot noch lebendig. Eine Wahnsinnige, die das Königreich in Chaos stürzt und Adelige, die sich bis auf das Letzte untereinander bekriegen. Das einfache Volk leidet und braucht die Hoffnung auf einen Helden. Intrigen und Tod pflastern den Weg der Greatcoats und mit jedem Schritt werden die Zweifel größer. Und bei ihrem Versuch das Richtige zu tun, beginnen selbst die Greatcoats an ihren Idealen und Urteilen zu zweifeln.

Zum Glück gibt es auch ein paar kleine Lichtblicke in der Geschichte. Zumindest einen wahrhaft ehrhaften Ritter und die Erkenntnis, dass die Greatcoats wenigstens im einfachen Volk etwas bewegt haben. Die Folgen sind jedoch nicht abzusehen und mit der letzten Seite könnte man fast meinen, dass nun auch Falcio und seine Gefährten all ihre Hoffnung verloren haben. Dass nun auch sie von der Aussichtslosigkeit ihres Kampfes überzeugt sind. Vielleicht sind sie das, aber hoffnungslose Kämpfe sind nun mal die Spezialität der Greatcoats und so werden sie vermutlich stets weiterkämpfen – allen Widerständen zum Trotz.

Auch wenn diese Widerstände überwältigend sind, bin ich wie die Greatcoats nicht bereit aufzugeben. Egal, wie dunkel, blutig und hoffnungslos das Ende auch zu scheint. Wie die Greatcoats bin ich bereit weiterzumachen – und im Gegensatz zu ihnen werde ich es sogar genießen. Einzig die Wartezeit auf die Fortsetzung wird mir zu schaffen machen, aber ich bin mir jetzt schon sicher, dass sie jede Minute dieser Wartezeit wert ist.

Wer Band eins schon gelesen hat findet hier die Leseprobe zur Fortsetzung, alle anderen kann ich auf meine Rezension zu Band eins und der zugehörigen Leseprobe verweisen.

Published in: on Dezember 8, 2014 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
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Meltworld Shanghai von Matthias Matting

meltworldshanghai Matthias Matting
Meltworld Shanghai
Verlag: CreateSpace
322 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 1481072110
ISBN-13: 978-1481072113
11,99€

Schon das Cover des Buches zeigt etwas von der Atmosphäre des Buches. Die Frau auf dem Cover hat asiatische Gesichtszüge und auch ihre Kleidung wirkt asiatisch. Die Schriftzüge im der oberen rechten Ecke des Covers wirken chinesisch und die Gebäude im Hintergrund vermischen alte chinesische Architektur mit modernen Hochhäusern – ich könnte mir gut vorstellen, dass sich diese Art von Gebäude tatsächlich in Shanghai finden lässt.

Tatsächlich ist es nicht nur Hannahs Geschichte, die Matthias Matting in „Meltworld Shanghai“ erzählt. Es ist außerdem die Geschichte eines Dämons, den eine wichtiger Auftrag in die Menschenwelt geführt hat und die Geschichte eines recht sonderbaren Hund und dessen ebenso merkwürdige Gefährtin: eine junge Katze. Wie das alles zusammenhängt muss sich der Leser im Rahmen der Geschichte selbst erschließen. Vor dem mit chinesischer Mythologie und Wesensart durchzogenen Hintergrund keine einfache Aufgabe für einen einfachen westlichen Leser. Allerdings eine Aufgabe, die sich lohnt, kann man doch an Hannahs Seite tief in ein China eintauchen, dass nur wenige erleben und bereisen können. Man merkt, dass der Autor einige der Schauplätze tatsächlich gesehen hat und sich mit mehr als nur der äußeren Hülle des Ortes beschäftigt hat. Die chinesische Atmosphäre verdankt das Buch sicherlich nicht nur den Zitaten aus „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“.

Die Figuren aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird sind ziemlich sympathisch. Selbst der Dämon in dieser Geschichte ist nicht das, was man typischerweise darunter versteht. Er ist weder ein Geschöpf der Hölle noch bösartig, auch wenn er für ihn notwendig erscheinende Handlungen (wie die Besetzung eines menschlichen Körpers) ohne Skrupel oder moralische Bedenken durchführt. Pro- und Epilog vermittelten dem Leser ein genaueres Bild des Dämons, allerdings eines, dass nur schwer zu verstehen oder begreifen ist – zumindest bin ich mir nicht sicher ob ich das konnte. Die Bewusstseine in Katze und Hund sind noch schwerer einzuschätzen als der Dämon, dieser hat zumindest einen Auftrag, letztere nicht einmal eine Ahnung woher sie kommen und wie sie die tierische Gestalt erhalten haben. Ihre Taten machen sie jedoch schnell sympathisch und ihre Ausflüge treiben die Geschichte immer wieder deutlich voran.

Die eigentliche Hauptperson, Hannah, ist die einzige, die man von Anfang an wirklich verstehen kann: Ihren Unmut ob des Umzugs von Deutschland nach China, ihre Liebe zu Büchern, der etwas unbeholfene Umgang mit Fremden oder auch nur neuen Klassenkameraden und ihre Neugierde was ihre Umgebung angeht. Sich mit ihr zu identifizieren fällt leicht und damit wird man mit jeder Seite tiefer in die Geschichte hineingezogen.

Und obwohl schon Atmosphäre, Figuren und die Gedanken, die sie beim Leser hervorrufen reichen würden, um den Leser bis zur letzten Seite ans Buch zu fesseln, gibt es zusätzlich noch einen roten Faden, der sich durch die Geschichte zieht und die Helden in ebenso ungewohnte wie gefährliche Situationen führt – mag sein, dass sie zu surreal sind, um wirklich Einzug in den Vorstellungen des Lesers zu finden, sie sind jedenfalls spannend genug um nicht die kleine Pause im Lesefluss zuzulassen.

Mit dem letzten Kapitel ist die Geschichte zu Ende, ohne dem Leser tatsächlich Antworten auf all seine Fragen zu geben. Für jede der Fragen gibt es eine angedeutete Antwort, finden muss man sie als Leser dennoch selbst. Und auch wenn mir das Buch wirklich gut gefallen hat, bin ich nicht sicher ob ich mit meinen Antworten zufrieden bin – vermutlich werde ich das Buch dafür noch ein paar Mal Lesen müssen.

„Meltworld Shanghai“ ist kein klassischer Fantasyroman und wartet auch nicht mit einer schlichten, gradlinigen Geschichte auf. Die Geschichte ist fantastisch, vielfältig, komplex und regt den Leser so zum Denken und Nachdenken an – allerdings ohne dabei im Geringsten langatmig oder langweilig zu werden. Es ist eine Geschichte, die einen verzaubern kann, wenn man sich auf das von Matthias Matting beschriebene Shanghai einlässt und sich nicht auf klassische (westliche) Denkmuster festlegt. Wer das kann sollt es definitiv mal mit dem Buch versuchen.

Die ersten Seiten findet ihr hier.

Published in: on November 11, 2014 at 12:30 pm  Comments (4)  
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Dunkeljäger von Alexey Pehov

dunkeljaeger Alexey Pehov
Dunkeljäger
Verlag: Piper
432 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3492702996
ISBN-13: 978-3492702997
16,99 €

Das Cover des Buches schreit es quasi heraus: Dieses Buch handelt von einem Elfen. Die sich durch den strömenden Regen kämpfende Person auf dem Cover erfüllt zumindest alle Attribute eines Elfenkriegers. Der Elf, von dem diese Geschichte handelt, hat allerdings mit dem auf dem Cover wenig gemeinsam. Er ist ein Flieger und kein Krieger und trägt daher weder Rüstung noch Schwerter. Nichtsdestotrotz macht das Cover neugierig. Auf die Gründe, die den Elfen in den Regen getrieben haben und die Geschichte, die in diesem Buch steckt.

Um den sinnlosen Tod seiner Kampfgefährten zu vermeiden, wird Lass zum Verräter an der Elfenkönigin und vom gefeierten Luftkrieger zum Flüchtling. Doch seine Verfolger sind näher als gedacht, sodass Lass tatsächlich nur die Flucht in die entlegenste Gegend seiner Welt retten kann – und auch dort bleibt ihm der Ärger stets auf den Fersen.

Schon mit den ersten Seiten zieht Alexey Pehov den Leser gekonnt in seinen Bann, findet man sich doch gleich in einem heftigen Luftgefecht wieder und wird damit ohne viele Erklärungen mitten ins Geschehen hineingeworfen. Wie es zu dem Kampf und Lass Flucht kam, findet man erst im weiteren Verlauf der Geschichte heraus.

Mit seinen Gründen und seinem Verhalten wird einem Lass schnell sympathisch. Noch auf der Flucht steht er einem undankbaren und gefräßigem Fellknäuel bei, das ihm zum Dank auf den Fersen bleibt und manch anderen Charakter mit seiner steten Gefräßigkeit (egal ob Ratten, Schuhe oder Obst) in die Verzweiflung treibt.

Dieser muss sich Lass allerdings nicht hingeben, trotz einigen ziemlich knappen Aktionen – die den Leser immer wieder kurz den Atem stocken lassen – kommt er immer ziemlich gut weg. Wie sein neuer Gefährte landet er stets wieder auf den Beinen. Wenn einer seiner Pläne buchstäblich in Feuer und Rauch aufgeht, findet er schnell einen neuen und geht diesem voller Elan nach. Mit einer guten Portion Glück findet er auch immer wieder Gefährten, Freunde oder auch Geldgeber, die ihn unterstützen. Im Gegensatz zu den klassischen Romanen, wo selbst die Helden sich vor klassischen Vorurteilen nicht retten können, geht Lass recht offen mit anderen Rassen wie Gnomen oder gar Orks um – auch wenn der Autor selbst vor den üblichen Vorurteilen nicht Halt macht – dann hätte der Geschichte auch irgendetwas gefehlt.

Wenn der Geschichte etwas fehlt, ist es vermutlich ein durchgängiger roter Faden. Einzig das Fliegen ist eine stete Konstante in der Geschichte, eine Konstante, die das Buch tatsächlich zu etwas Besonderem macht. Eine klassische Fantasywelt, die Alexey Pehov um Luftschiffe, betrieben mit Dämonenenergie, bereichert hat und den Bewohnern der Welt und den Leser so einiges mehr zu bieten hat als die „alten“ Welten. Von Luftgefechten und Flugrennen kann man jedenfalls in den wenigsten fantastischen Romanen lesen und muss dafür eher zum Science Fiction ausweichen.

Lass Flucht aus dem Elfenreich und seine Gründe dafür spielen jedenfalls nur eine kleine Rolle, sind nicht mehr als eine Facette im Hintergrund der Geschichte. Und auch die vielen kleinen Ziele, die Lass sich steckt, machen immer nur einen kleinen Teil der Geschichte aus. Wenn Alexey Pehov mit Dunkeljäger eine neue Reihe plant, hat er die Welt und Figuren allerdings ziemlich eindrucksvoll eingeführt und jetzt jede Menge Potential, um nachzulegen.

Die Figuren sind (ebenso wie die verschiedenen Flugmaschinen) liebevoll und bis ins kleinste Detail beschrieben, sodass es mir zu keiner Zeit schwer fiel, mich in diese fantastische und himmelsverliebte Welt einzuleben und die Figuren mit eigenen Augen zu sehen.

Damit ist die Geschichte trotz des (noch?) nicht durchscheinenden Plots ziemlich interessant und dank der zwischenzeitlichen Action und Flugeinlagen auch spannend genug, um den Leser von der ersten bis zur letzten Seite am Buch zu halten. Tatsächlich könnte ich mir nach dem lebhaften Kopfkino durchaus auch eine gute actionreiche Verfilmung der Story vorstellen.

Mir hat das Buch mit seiner Mischung aus Altbekanntem und Ungewohntem gefallen. Die faszinierenden Persönlichkeiten und jede Menge Fliegeraction tun ihr übriges, den Leser ans Buch zu fesseln.

Einen ersten Einblick könnt ihr euch hier verschaffen.

Published in: on November 4, 2014 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
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Rune der Knechtschaft von Ange Guéro

runederknechtschaft Ange Guéro
Rune der Knechtschaft
Verlag: Penhaligon
396 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3764530332
ISBN-13: 978-3764530334

Das Cover des Buches ist ein echter Blickfang: Vor dem roten, mit Runen durchzogenen Hintergrund kann man eine durch einen Mantel verdeckte Gestalt mit erhobenem Schwert erblicken, hinter der ein kreisrundes Portal den Betracher einen Blick auf ein Segelschiff in Küstennähe werfen lässt. Mir gefällt sowohl die Komposition als auch der Bezug zum Buch – ich bin mir ziemlich sicher, dass auf eben jenem Schiff die Geschichte ihren Anfang nimmt.

Nur der Gnade und dem Mut eines Mädchens verdankt der zum Galeerensklaven verurteilte Arekh sein Leben. Dennoch hat er nicht das Gefühl, in Marikanis Schuld zu stehen und hält ihr mehr als einmal die Unvernunft ihrer Tat vor Augen. Trotzdem folgt er ihr in die Berge und schützt sie mal mehr, mal weniger widerwillig vor den kommenden Gefahren. Ob der zu Recht Verurteilte durch sie sein Ziel in der Welt gefunden hat?

Schon mit den ersten Seiten wird der Leser mitten ins Geschehen geworfen. Die Galeere, auf der sich die Hauptperson der Geschichte, Arekh, befindet, geht unter. Er selbst sieht den sicheren Tod vor Augen. Bis ein Mädchen – Marikani – seine Fesseln durchschneidet und ihm so das Leben rettet. Eine Tat, die er ihr schnell vergilt, als ein weiterer der von ihr geretteten Sklaven sie töten will.

Arekh erkennt in Marikani die Prinzessin des Reiches, schiffbrüchig im Land ihres Feindes. Er hat nicht vor, lange an ihrer Seite zu verweilen – und doch ist es ein weiter Weg, den sie zusammen hinter sich bringen. Ein Weg, auf dem Arekh mehrmals gegen seine ursprünglichen Absichten handelt und dem Leser dabei immer sympathischer wird, sodass man, als sich seine Vergangenheit letztendlich enthüllt, noch immer Sympathie für ihn empfindet.

Die wirkliche Hauptperson ist aber wohl Marikani. Obwohl sie selbst nicht zu Wort kommt, ist sie in Arekhs Gedanken ebenso präsent wie in denen der Leser. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Durch ihre Entschlossenheit, ihrem Mut und ihren Prinzipien treibt sie die Geschichte voran, während ganz langsam auch ihre Geheimnisse enthüllt werden. Für mich wäre Marikani allein schon Grund genug, das Buch zu lesen und ihre Geschichte zu verfolgen. Sie ist tatsächlich eine faszinierende Persönlichkeit, die fast allein in der Wildnis ebenso gut zurecht kommt wie in den Palästen und Intrigen des Reiches.

Das Buch hat allerdings noch einiges mehr zu bieten als faszinierende Persönlichkeiten: Magie, spannende Verfolgungsjagden, Schwertgefechte, interessante Alliierte und diplomatisches Geschick vor dem Hintergrund eines seit Jahrtausenden unterdrückten Volkes. „Die Legende von Ayesha“ erzählt den Beginn vom Ende dieser Unterdrückung (zumindest will ich das hoffen). Es ist die Geschichte um den Funken, der die Rebellion entzünden wird. Ein Funke, der schon weit länger glüht als man als Leser die Geschichte begleitet, auch wenn der Funkenschlag mit eben jenem Schiff beginnt, der auf dem Cover des Buches dargestellt wird.

Mir hat an diesem Buch tatsächlich alles gefallen, die Figuren, das Setting, der Hintergrund samt den darin enthaltenen Rätseln und der gesamte Plot. Ange Guéro ist es tatsächlich gelungen, mich immer wieder zu überraschen (selbst auf den letzten Seiten noch). Er hat mich mit den Figuren mitzufühlen und ganz und gar in ihrer Welt versinken lassen. Bei ist mir ist der Funke damit definitiv übergesprungen.

Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet ihr hier.

Published in: on Oktober 1, 2014 at 12:30 pm  Comments (2)  
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Blutschwur – Die Söhne des Drachen von Stefanie Mühlsteph

blutschwur Stefanie Mühlsteph
Blutschwur – Die Söhne des Drachen
Verlag: Thorsten Low
382 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3940036234
ISBN-13: 978-3940036230
13,90 €

Sowohl das Cover als auch der Titel des Buches sind ziemlich blutig: Ich zumindest habe mit den roten Schlieren, die das Cover durchziehen und das darauf befindliche Schwert bedecken, eindeutig mit selbigem assoziiert. Auf Liebhaber düsterer und blutiger Geschichten wirkt das sicher einladend, mich hätte das Cover eher von einer näheren Betrachtung des Buches abgehalten.

Mit dem brutalen Tod ihres Hundes endet Catherines bis dahin recht überschaubares Leben als pazifistische Geschichtsstudentin. Verfolgt von düsteren Gestalten wird sie in eine Welt hineingestoßen, an die sie vor dem kürzlich Erlebten niemals geglaubt hätte. Als Schlüssel zu der Erweckung von Graf Dracula bleibt ihr allerdings nicht viel Zeit, sich an diese neue Welt zu gewöhnen.

Mit dem Prolog hat mich Stefanie Mühlsteph schnell in den Bann ihrer Geschichte gezogen: Wer ist der Fremde, dessen Gedanken man lauschen kann, und wer die dunkle Schönheit, die er beobachtet? Die Antwort kann man auch mit dem Ende des Buches nur vermuten.

Mit der Einführung der Hauptperson wird der Leser allerdings abrupt aus dieser fantastisch-melancholischen Stimmung gerissen, denn fantastisch ist das Leben der mit ihrem Studium und dessen Finanzierung ausgelasteten Studentin definitiv nicht zu nennen. Mit der brutalen Ermordung ihres Hundes wird ihr Studentenalltag jedoch jäh unterbrochen. Und damit beginnt der düstere Teil der Geschichte, der Kampf von Kresnik und Kudlak, in dessen Mitte Catherine unfreiwillig steht: Eine Bluttransfusion hat sie zur letzten Hoffnung für die Erweckung von Graf Dracula – für die historisch bewandte Studentin besser bekannt als Vlad, der Pfähler – gemacht, eine Erweckung, die von seinen Anhängern, den Kudklaks, sehnlichst gewünscht wird, während die ihnen gegenüberstehenden Kresniks sie mit aller Macht verhindert wollen.

Während Catherine die Ereignisse erst nicht wahrhaben will, lassen Kresnik und Kudlaks sie nicht aus den Augen. Tatsächlich kommen ihr einige sogar sehr nah – eine Nähe, die Catherine nicht unbedingt unangenehm ist. Die klassische Dreiecksbeziehung ist damit auch in dieser Geschichte untergebracht. Meine Sympathie war hier schnell vergeben – allerdings wohl nicht an den Richtigen, zumindest wenn es nach dem Ende des Buches geht. Da mir Catherine selbst auch nicht übermäßig sympathisch war, vermutlich kein Verlust. Schon ihre Persönlichkeit hat mir nicht zugesagt – ihre Freundin Jessie wäre da schon eher auf meiner Wellenlänge – und spätestens mit ihrer radikalen und blutdürstigen Abkehr vom Pazifismus hatte Catherine bei mir alle Sympathiepunkte verloren. Und damit hatte dann auch die Geschichte schnell einiges von ihrem Reiz eingebüßt.

Eigentlich schade, der Hintergrund der Geschichte hat mir nämlich durchaus gefallen: Die Spaltung von Kresnik und Kudlaks (vereinfacht gesagt gute und böse Vampire) und ihre Geschichte, die die Autorin gekonnt in einen historischen Kontext gesetzt hat. In Kombination mit einer Protagonistin, mit der ich einfach nicht warm werden konnte – die einzigen Figuren, die ich tatsächlich mochte, waren Catherines Freundin Jessie und mein Sympathieträger aus der Dreiecksbeziehung – hatte dieser allerdings keine Chance, mich vom Gesamtwerk zu überzeugen.

Zum Glück gab es keine langatmigen Durststrecken: In diesem Buch überschlagen sich die Ereignisse, gelingt der Protagonisten in wenigen Wochen, wofür andere Helden Jahre brauchen (das Meistern von uralter Kampftechnik zum Beispiel). So kommt es dann auch schnell zum finalen Showdown, bevor die Geschichte durch die Benotung von Catherines historischen Recherchen und einen kleinen Blick hinter den Schleier von Kresnik und Kudlak abgerundet wird.

Da es letztendlich nur Rahmen und Hintergrund waren, die mich bei diesem Buch überzeugen konnten, kann ich das Buch nicht wirklich weiterempfehlen – wer mag, kann es trotzdem gerne mit dem Buch versuchen, ich geb‘ es im Austausch für eine Rezension gerne an einen anderen Fantasyleser weiter.

Published in: on September 26, 2014 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
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Flammenwüste von Akram El-Bahay

flammenwueste Akram El-Bahay
Flammenwüste
Verlag: Bastei-Lübbe
528 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3404207564
ISBN-13: 978-3404207565
9,99€

Das Cover des Buches lässt den Betrachter auf eine Wüstenlandschaft blicken, in die ein riesiger schwarzer Drache bedrohlich auf drei Wanderer hinab blickt. Mich hat das Cover ziemlich neugierig gemacht, die Kombination von Wüste und Drachen ist schließlich nicht gerade üblich und verleitet damit im Nu dazu, einen Blick ins Buch zu werfen.

Heimlich träumt Anûr ed-Din davon, selbst der Held einer der Geschichten zu sein, die er und sein Großvater Nûr ed-Din den Menschen erzählen, während sie ihrem Broterwerb als Geschichtenerzähler nachgehen. Als die Soldaten des Kalifen den Geschichtenerzähler Nûr ed-Din suchen um ihn in den Palast den Kalifen zu führen, gibt sich Anûr als sein Großvater aus, um einmal den Palast von innen zu sehen. Mit der Entschlüsselung uralter Rätsel und der Suche nach einem Drachen beginnt dann tatsächlich Anûrs eigene Geschichte.

Die Art der Geschichte gefällt mir ebenso wie die unzähligen Ideen, die Akram El-Bahay in seinem Buch untergebracht hat. Der Gedanke an eine Bibliothek der ungeschriebenen Bücher gefällt mir, nur zu gern würde ich mal einen Blick in eine solche Bibliothek werfen. Und auch die Völker in dieser Geschichte sind in klassischen Geschichten eher seltener zu finden, vom Volk der Sucher (den Hütern der Bibliothek der ungeschriebenen Bücher) habe ich zum Beispiel noch nie gehört. Drachenmenschen kennt man schon eher, die Nori als solche nicht. Und auch wenn Drachen, Ghule, Dschinne und Ifriten dem Leser fantastischer Romane wohl nicht fremd sind, ist die Kombination selbiger etwas Neues.

Das Einbringen von orientalischen Märchen und Geschichten, die Anûr oder sein Großvater erzählen oder erzählt bekommen, erinnert an die Märchen aus Tausendundeine Nacht – auch wenn die Haupthandlung hier weitaus länger und wichtiger ist als die in der orientalischen Märchensammlung. Hier umrahmen die kurzen Geschichten nur die Haupthandlung und verleihen ihr so etwas mehr orientalisches Flair.

Der Plot selbst ist relativ gradlinig, auch wenn mich das Auftauchen der verschiedenen Figuren doch immer wieder überraschen konnte. Die Helden selbst sind ziemlich jung, Jugendliche, die den Großteil ihres Lebens noch vor sich haben und denen einiges an Erfahrung fehlt. Abgesehen von Anûr bleiben sie allerdings relativ blass – und selbst Anûr, dessen Gedankengänge dem Leser nicht verschlossen bleiben, konnte mich nicht wirklich mitreißen. Die Gefahren, die er und seine Gefährten meistern müssen sind überwältigend (zumindest bei der ersten Erwähnung), letztendlich werden sie aber doch relativ einfach gemeistert. Damit fand ich die Geschichte insgesamt nicht übermäßig spannend. Trotzdem hat die Geschichte doch ein besonderes Flair und viele Kleinigkeiten, die in Erinnerung bleiben: Der ausgelassene fliegende Teppich, die Bibliothek der vergessenen Bücher, die Sucher und ihre Sammlung und die Geschichten der Geschichtenerzähler (zumindest einige davon).

Wirklich überzeugen konnte mich das Buch allerdings nicht. Vielleicht bin ich einfach schon zu belesen, um mich vom jungen Anûr und seiner Geschichte mitreißen zu lassen und vielleicht ist gerade für jüngere Leser der glatte Verlauf genau das Richtige – für mich war es das trotz des wundervollen Settings und der schönen Ideen leider nicht.

Published in: on September 24, 2014 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
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Das Lied des Blutes von Anthony Ryan

1266_01_SU_Ryan_LiedDesBlutes.indd Anthony Ryan
Das Lied des Blutes
Verlag: Klett-Cotta
775 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3608939253
ISBN-13: 978-3608939255
24,95 €

Schon das Cover des Buches lässt die Geschichte eines Schwertkämpfers vermuten, zeigt es doch den von zwei Händen umfassten Knauf eines Schwertes. Von der Person die das Schwert umfasst kann man nicht viel erkennen, ihre Kleidung lässt jedoch vermuten, dass es sich um einen Ritter oder Edelmann handelt, vermutlich um eben jenen Schwertkämpfer, dessen Geschichte Anthony Ryan im Buch erzählt.

Es soll die letzte Reise des Hoffnungstöters sein, ein Duell, bei dem er sein Leben lassen soll. Und Lord Vernies, der Geschichtsschreiber des Kaiserreiches, soll diesem denkwürdigen Tag beiwohnen. Ein Schiff soll den gefangenen Ordensbruder ans Ziel dieser Reise bringen und Lord Vernies ihn begleiten. Und obwohl Lord Vernies den Hoffnungstöter, Vaelin Al Sorna, hasst, kann er sich dessen Geschichte nicht entziehen.

Es ist ein fast schon klassischer Einstieg, mit dem Anthony Ryan beginnt. Eine Rahmenhandlung, die den Held der Geschichte zurück in seine Vergangenheit führt – nur dass der Erzähler sich noch in der Blüte seiner Jahre befindet und seine Geschichte nicht etwa den Enkeln oder Freunden erzählt, sondern einem Mann, der ihn hasst. Und ebenso wie Vaelin diesen Mann mit seiner Geschichte in den Bann zieht, zieht der Autor den Leser in seinen Bann.

Getragen von den Worten Vaelins selbst wird man an die Seite eines Jungen geführt, dessen Vater ihn ohne Erklärung im Haus des sechsten Ordens zurück lässt. Zu einer Ausbildung, die mehr als einen Jungen den Tod finden lässt und die übrigen fester zusammenschweißt, als es Blutbande je könnten. Bande, die sie und den Leser durch das ganze Buch hindurch begleiten und jeden der Jungen einen kleinen Platz im Herz des Lesers sichern. Denn ohne seine (Ordens-)Brüder wäre Vaelin sicherlich nicht der, der er heute ist.

Schon die Ausbildung der jungen Krieger ist hart und vom Tod überschattet, dennoch bewahrt sich Vaelin stets sein Mitgefühl und seine Ideale – auch wenn er ihnen nicht immer treu sein kann. Es sind allerdings nicht nur Kampf und Tod, sondern auch Intrigen und Machtgier, die den Lauf dieser Geschichte bestimmen. Und während Vaelin noch versucht die Hintergründe zu begreifen, schieben ihn die Mächtigen wie eine Spielfigur über das Feld.

„Das Lied des Blutes“ ist damit weit mehr als eine Geschichte von Blut, Tod und Hass. Auch weit mehr als die Geschichte einer einzelnen Figur. Freundschaft, Ehre, Barmherzigkeit und Güte haben in ihr ebenso einen Platz wie jeder der sechs Orden des Reiches. Tatsächlich ist da sogar noch mehr. Etwas, das der Autor gut unter der Struktur seiner Welt verborgen hat: In der Geschichte des Glaubens von Vaelins Volk, in den Grundlagen der sechs Orden, die den Glauben auf ihre Art bewachen (der Weg des Kriegers ist nur einer davon), aber auch in der Geschichte der Ungläubigen, den Anhängern der dunklen Gabe und in den Märchen, die darüber erzählt werden.

Nichtsdestotrotz ist es Vaelins Geschichte. Und mit jedem Abschnitt seines Lebens, den der Lord Vernies erzählt, beginnt man zu ahnen, wie Vaelin dorthin kam, wo er zu Beginn des Buches ist. Denn auch wenn Vaelin weit über sein Land hinaus bekannt ist, ist er doch der Hoffnungstöter, der mehr als einem Mann den Tod brachte. Und wer den Tod seines Liebsten bedauert, wird sich nicht mit den Idealen des Mörders trösten können. Und so wird Vaelin zwar vielerorts Respekt entgegengebracht, der Hass auf ihn wird dadurch jedoch höchstens gemindert (bei manchen Menschen nicht einmal das). Vaelin selbst kann das weit besser verstehen als der Leser, sieht er sich doch selbst trotz all seiner Ideale und Moralvorstellungen als „Mörder“ an. Diejenigen, die ihn schätzen und lieben, wissen es weitaus besser.

Es ist eine vielschichtige Geschichte, die Anthony Ryan mit dem „Lied des Blutes“ erzählt. Eine Geschichte vom Aufstieg eines Kriegers, die mehr zu bieten hat als Kämpfe und Tod. Eine Geschichte über Kameradschaft und Glaube, ja sogar Liebe – und das, obwohl diese den Ordensbrüdern untersagt ist. Es ist eine Geschichte die mich, einmal in den Bann geschlagen, nicht losgelassen hat, bis ich die letzte Seite des Buches gelesen hatte. Und selbst damit hat mich Vaelins Geschichte noch nicht vollends aus ihren Bann entlassen. Das Ende ist zwar absolut stimmig und passend (eines Kriegers würdig) und tatsächlich sogar ziemlich abgeschlossen, es ist aber auch offen genug, um den Leser über weitere Kapitel nachdenken zu lassen – zum Glück tut dies auch der Autor, sodass man hoffen kann, bald mehr vom „Lied des Blutes“ zu lesen.

Den Anfang findet ihr hier.

Published in: on September 19, 2014 at 12:30 pm  Comments (4)  
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Die Frauen von Nell Gwynne’s von Kage Baker

diefrauenvonnellgwynnes Kage Baker
Die Frauen von Nell Gwynne’s
Verlag: Feder und Schwert
160 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3867620741
ISBN-13: 978-3867620741
9,95 €

Dass es sich bei den „Die Frauen von Nell Gwynne’s“ um einen Steampunk-Roman handelt, kann man schon auf dem ersten Blick erkennen, auch wenn keine Zahnräder oder ähnliches auf dem Cover zu finden sind: Die Kleidung der auf dem Cover befindlichen Frau, aber vor allem die dunkle Gestalt im Hintergrund wirken doch recht steampunkig.

Was passiert einer jungen Frau aus gutem Hause, wenn sie sich nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters allein durch eine feindliche Umgebung schlagen muss? Das Überleben ist das eine, die Rückkehr in alte Gewohnheiten undenkbar. Aber Lady Beatrice hätte es schlimmer treffen können: Ein alter Bekannter vermittelt sie an eine Organisation, die den Geheimnisträgern unterschiedlichster Schichten auf ihre Art ihre Geheimnisse entlockt.

Das Schicksal der Lady Beatrice ist hart, auch wenn die Autorin in ihrer Erzählung definitiv nicht die mitfühlende Ader des Lesers anschlägt. Tatsächlich beschreibt sie sowohl Kriegsgräueltaten als auch Hurerei (auf diese Art schaffen es die Frauen, den Männern ihre Geheimnisse zu entlocken) sehr unpersönlich zu schildern, sodass tragische Ereignisse hier einfach nur wie Fakten wirken. Nichtsdestotrotz hat mich die Geschichte der wohlherzogenen Lady, die zur gefallenen Frau wird und dann in der Organisation eine neue Heimat findet, in ihren Bann gezogen. Etwas, das bei einer detaillierten Schilderung ihres Schicksals vielleicht nicht der Fall gewesen wäre.

Auf den wenigen Seiten bleibt Kage Baker nicht viel Zeit, die Figuren und ihre Umgebung bis ins kleinste Detail auszuarbeiten. Dennoch hat man trotz der eher faktischen Erzwählweise nicht das Gefühl, von gesichtslosen Figuren umgeben zu sein. Tatsächlich schafft es die Autorin immer wieder, Feinheiten einzubringen, die die Geschichte mit einem steampunkigen Charme versehen. Kleinigkeiten wie das verlorene Augenlicht der Leiterin der Organisation, Mrs. Corvey, oder die kleinen Erfindungen, die das Leben der Agentinnen erleichten, lassen im Kopf des Lesers wie kleine Spotlights Bilder von wichtigen Figuren und der Umgebung, in der sie unterwegs sind, entstehen.

Der Plot könnte einem altem Spionageroman entnommen sein, die Szenerie passt in jede beliebige Steampunkwelt, trotzdem versteht es Kage Bake zu punkten: Mit einer sympathischen Heldin, kleinen steampunkigen Accessoires und einem schlussendlich doch recht überraschenden Ende.

Vom Umfang her hätte „Die Frauen von Nell Gwynne’s“ eher in eine Steampunkanthologie als in ein eigenes Buch gepasst. Das macht sie jedoch nicht minder lesenswert. Mir hat der – zugegeben recht kurze – Ausflug in Kage Bakers Geschichte jedenfall gefallen, ich könnte mir durchaus vorstellen, ein weiteres Abenteuer an der Seite ihrer Mädchen zu erlesen.

Published in: on September 12, 2014 at 12:30 pm  Comments (2)  
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Missverstandene Monster von Ingrid Pointecker (Hrsg.)

missverstandenemonster Ingrid Pointecker
Missverstandene Monster
Verlag ohneohren
207 Seiten
E-Book
ASIN: B00N7CFSDC
4,99 €

Ich muss gestehen, dass mich schon der Titel der Anthologie zum Schmunzeln gebracht hat – und das kleine Monsterchen auf dem Cover sieht tatsächlich eher bemitleidenswert als gruselig oder gar monsterlich aus: Winzig klein, mit der Leine eines zerstörten Luftballons in den Klauen, dazu der starre Blick aus dem roten und gelben Auge. Nicht gerade zum Knuddeln, aber auch ganz sicher nicht zum Davonlaufen, im Gegenteil: Es verleitet den Betrachter dazu, das Buch aufzuschlagen und mehr über dieses und die anderen missverstandenen Monster zu erfahren.

Dazu bekommt man auch sehr schnell die Gelegenheit, denn in ihrem „Protestbrief“ an Herrn König (Ludwig der VII., König von Frankreich), nimmt die Drachin Tarasque kein Blatt vor dem Mund und zählt jedes der unlängst passierten „Missverständnisse“ auf – bevor sie sehr desillusioniert das Land verlässt.

Danach geht es über kleine und niedliche Monsterchen (je nach Gemütsfassung), Todesfeen und berufliche Schreckgespenster bis hin zum „Großen Grausamen Tod“. Letzterer ist mit seinem Namen nicht wirklich glücklich, führt er doch dazu, dass er sich stets allein in den Ruinen schleunigst verlassener Städte herum treiben muss.

Und während einige Monster nur ein kleines, ruhiges, menschen- und vor allem kinderfreies Eckchen suchen und dafür sogar an Monstertherapien, einem Treffen der „Anonymen Pädophobiker“ oder einem einfachen „Monster helfen Monster“-Workshop teilnehmen, hoffen andere wie „Willo, das Irrlicht“ aus der Feder von Nina C. Egli, sehnlichst auf Besuch. Ein Ereignis, das trotz allen Einsatzes von Willo wohl nie eintreten wird. Ihn habe ich gegen Ende seiner Geschichte tatsächlich sehr bedauert – trotz der Folgen für die Menschen, die einen Besuch tatsächlich in Erwägung zogen.

Das Zusammentreffen mit Menschen ist in den wenigsten Fällen erfreulich zu nennen: Krux aus „Grässlich bleibt grässlich, da helfen keine Pillen“ Zusammentreffen mit einem Menschen endet trotz eines guten Starts in einem Desaster – ihm hätte die nähere Betrachtung eines Pornos vermutlich weitaus mehr gebracht als die Filmromanze, die er zufällig mit anschauen konnte. Dem Leser bringt sein Versuch allerdings ein höchst vergnügliches Leseerlebnis. Und auch die „Arachne organophilia“ würde die regelmäßigen Zusammenstöße mit der Putzfrau (und ihrem spinnenwebenzerstörenden Staubwedel) sicherlich nur zu gern vermeiden – und das, obwohl man diese Spinne im weitesten Sinne sogar als nützlich erachten muss.

Wenig monströs ist dahingegen Claire aus Sophia Bergs „Ein Katzenschwanz zum Verzweifeln“, tatsächlich ist sie wohl eher süß als monströs zu nennen – und so ist es kein Wunder, dass sie das Verständnis, das sie sucht, sehr zur Verzweiflung ihrer Eltern nicht unter den Monstern findet. Eine wirklich süße (vielleicht auch ein klein wenig kitschige) Geschichte.

Mein absolutes Lieblingsmonster ist allerdings das kleine Monsterchen aus Tanja Rasts „Das aus dem Keller“. Wenn man ihm nicht gerade im Dunkeln begegnet, oder nur sein Scharren und Schnaufen hört, muss man sich einfach in das Kleine verlieben – mein Herz hat es jedenfalls im Sturm erobert.

Und mit der letzten Seite haben zumindest ein paar der Monster ihr Image merklich aufpoliert. Mit dem Streikberater aus Helen B. Krafts Geschichte würde ich allerdings trotzdem nicht tauschen wollen – wer würde schon gerne an einem Monsterstreik teilnehmen, wenn einige der Monster noch von den schönen Zeiten mit den Dörflern und ihren Mistgabeln träumen? Diese Zeiten sind ebenso vorbei, wie das Image des klassischen Monsters passe` ist – spätestens nach der Lektüre dieser Anthologie. Und mit der letzten Seite wird jeder der Leser mit einem leichten Schmunzeln auch sein Monsterbild überdenken. Dafür ist es auch höchste Zeit!

Hier könnt ihr selbst einen ersten Schritt auf die „Missverstandenen Monster“ zugehen.

Published in: on September 10, 2014 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
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