Obsidian – Schattendunkel von Jennifer L. Armentrout

obsidian01 Jennifer L. Armentrout
Obsidian – Schattendunkel
Verlag: Carlsen
400 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3551583315
ISBN-13: 978-3551583314
18,90 €

Das Cover von „Obsidian“ zeigt zwei Gestalten inmitten einer Wiese. Die Wiese ist von so hellem Licht umgeben, dass man sowohl von den zwei Gestalten – vermutlich ein Mann und eine Frau – als auch den Gräsern auf der Wiese nicht viel mehr als die Silhouetten erkennen kann. Ein geheimnisvolles Cover, das absolut perfekt zum Inhalt des Buches passt. Was vermutlich auch der Grund dafür ist, dass der amerikanische Verlag es für seine Ausgabe übernehmen wird.

Für Buchbloggerin Katy bricht die Welt zusammen, als sie aus dem sonnigen Florida in einen winzigen Ort in West Virginia ziehen und dort tatsächlich erst einmal ohne Internet auskommen muss. Den direkten Nachbarn steht sie zwiespältig gegenüber, der gleichaltrige Daemon ist einfach nur unverschämt, während seine Schwester Dee die ideale beste Freundin zu sein scheint – auch wenn ihr Bruder ganz offensichtlich einiges gegen ihre Freundschaft einzuwenden hat. Und nicht nur sein Verhalten ist ziemlich merkwürdig, das ganze Dorf verhält sich irgendwie komisch. Als Katy dann von einem Irren angegriffen wird, der sie zwingen will ihr zu sagen, wo er „Sie“ finden kann, ist es mit dem von Katies Mutter geplanten beschaulichen Kleinstadtleben jedenfalls vorbei.

Mit der Hauptperson des Buches können sich vermutlich einige der im Netz aktiven Leseratten identifizieren. Eine Buchbloggerin als Heldin eines Romans einzusetzen ist wirklich eine tolle Idee – ich frage mich ja, warum vorher noch niemand (zumindest niemand, von dem ich bereits etwas gelesen habe) darauf gekommen ist. Bei mir hat die Autorin damit jedenfalls gleich einige Bonuspunkte eingeheimst, insbesondere, da sie Katies Bloggeralltag und ihre Leselust absolut gekonnt in die Geschichte einfließen lässt.

Die männliche Hauptperson Daemon lässt nicht nur Katies Herz höher schlagen – zumindest so lange, bis er den Mund aufmacht. Der heiße Typ ist nämlich alles andere als zahm und könnte vermutlich selbst die ausgeglichenste Person auf die Palme bringen. Um Katie zur Verzweiflung zu bringen, muss er sich allerdings nicht einmal sonderlich anstrengen. Seine Schwester hingegen sieht nicht nur klasse aus, sondern ist es auch – kein Wunder, dass sich Katie und sie schnell verstehen. Die starke Abneigung Daemons (und einiger anderer) gegen diese Freundschaft ist da erst einmal völlig abwegig. Als Leser ist man jedenfalls verdammt froh, dass sich die zwei Mädels gefunden haben – und Dee ist mir fast ebenso schnell ans Herz gewachsen wie Katie. Durch Dees Bemühungen wird sogar die Beziehung zwischen Daemon und Katie besser – manchmal zumindest. Ich habe mich wie Katie das ein oder andere Mal gefragt, wie in einer Person so verschiedene Persönlichkeiten stecken können. Aber für Dee ist Katie durchaus bereit, sich mit Daemon zu arrangieren und als Leser kann man sich einfach mit dem Buch zurücklehnen und ihre Zusammenstöße genießen – ohne die würde dem Buch definitiv etwas fehlen.

Der Plot selbst lässt den Leser an manchen Stellen mit einem Schmunzeln an Stephenie Meyers Biss-Reihe denken und auch vor einigen Klischees macht die Autorin keinen Halt, beides allerdings nur, um ihre Geschichte mit einem mehr oder weniger dezenten Seitenhieb in ganz andere Richtungen zu stoßen. Den Leser erwartet hier trotz geheimnisvoller und abweisender Hauptperson eben keine „typische“ Jugendromanze. Ganz so fantastisch, wie sie auf den ersten Blick erscheint, ist sie allerdings auch nicht – obwohl das keinen Fantasyleser von dem Buch abhalten sollte. Mir hat es gefallen, über die merkwürdigen Situationen zu sinnieren und zu überlegen, ob ich nun Katie oder Daemon Glauben schenken soll – und wie Katie hätte ich mit den tatsächlichen Hintergründen absolut nicht gerechnet. Dafür hat Jennifer L. Armentrout mich einfach viel zu oft auf die falsche Fährte gelockt.

Mit der Aufdeckung des Geheimnisses ist die Geschichte aber noch längst nicht zu Ende. Jedes Geheimnis birgt seine Gefahren und diese sind tatsächlich tödlich. Um ihnen entgegenzutreten, braucht Katie all ihren Mut und verdammt viel Dusel – das ist glücklicherweise in ausreichenden Mengen vorhanden und so geht die Geschichte trotz einiger Zittermomente ganz gut aus. Tatsächlich sollte das Ende jeden Romantiker zufrieden stellen, auch wenn sich sowohl Daemon als auch Katie alle Optionen offen halten – was würde sonst auch mit den ganzen amüsanten Streitgesprächen passieren? Ich jedenfalls bin nach der letzten Seite ziemlich gespannt auf ihr nächstes Aufeinandertreffen.

Katie und Daemons machen einen Großteil der Geschichte aus, der mystische und geheimnisvolle Hintergrund und die vielen kleinen Seitenhiebe auf andere Romane und Klischees verleihen der Geschichte dann ihr besonderes Flair. Mir hat die Mischung wirklich gut gefallen. Und auch, wenn die Liebesgeschichte an sich nichts Besonderes ist, die Figuren, ihre Hintergründe sowie der spritzige Schreibstil der Autorin machen sie eben doch zu etwas Besonderen.

Reinschnuppern könnt ihr hier.

Published in: on April 25, 2014 at 9:00 am  Kommentar verfassen  
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[Oldies but Goldies] Seedämonen von Laurence Yep

„Seedämon“ ist ein wirklicher Oldie. Die englische Originalausgabe erschien 1977 unter dem Titel „Seademon“. Die deutsche Erstveröffentlichung ist von 1989. In Ermangelung eines Coverbildes stellt euch der kleine Häkeldrache das Buch vor (wirkt deutlich besser als ein mühsam zusammengeschnipseltes Foto, oder? ;-)).

seedämon Laurence Yep
Seedämonen
Verlag: Heyne
223 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3453038959
ISBN-13: 978-3453038950

Schon am Cover merkt man dem Buch sein Alter an: Die Frau, die darauf zu sehen ist, trägt ein ziemlich kurzes Kleid; dazu Stiefel, die bis über die Knie reichen. Insgesamt ist das Cover jedoch ziemlich authentisch. Die Bewaffnung der Frau ist ebenso passend wie die schwarzen Wesen – Seedämonen – die sich vom Wasser her auf das Land zubewegen. Insgesamt ist das Cover nicht gerade hübsch zu nennen, aber irgendwie hat es doch was.

Es ist eine denkwürdige Nacht, in der die Siedler von merkwürdigen Dämonen um einen ihrer Feldroboter gebracht werden – und im Austausch ein fremd wirkendes Mädchen zurücklassen: Maeve. Aufgewachsen unter denen, die die Siedler als Dämonen bezeichnen ist sie vor allem eins: anders.

Mit „Seedämon“ hat Laurence Yep eine Geschichte geschrieben, die ebenso anders ist wie ihre Hauptperson. Über Maeves Herkunft kann man als Leser ebenso wie die Siedler nur spekulieren – auch, wenn man als Leser deutlich weniger abergläubisch und voreingenommen ist. Fest steht nur eines: Sie ist in Freundschaft mit den Wesen verbunden, die die Menschen als Seedämonen kennen. Und ihre Herkunft hat sie mit ganz anderen Werten und Bräuchen aufwachsen lassen als die, die bei menschlichen Zivilisationen üblich sind.

Erzählt wird die Geschichte jedoch nicht aus ihrer Sicht, sondern aus Sicht der jungen Cieran, der Tochter des Lords. Offener als so mancher der Siedler verbindet sie fast so etwas wie Freundschaft mit der Fremden, aber selbst sie kann Maeve nicht immer verstehen. Wenig Toleranz bei den Siedlern und Maeves Andersartigkeit machen diese schnell zur Außenseiterin – und zum Sündenbock. Und durch stures Festhalten an bekannte Werte (auf beiden Seiten) werden die Gemüter immer weiter aufgeheizt: Bis zu den ersten Toten ist es dann nicht mehr weit.

Laurence Yep nimmt in „Seedämon“ keine Rücksicht auf romantisch verklärte Leser. Die Geschichte, die er erzählt, ist fantastisch, wirkt aber erschreckend real. Als Beobachter hat man das erschreckende Gefühl, eine herannahenden Katastrophe auf sich zukommen zu sehen; eine Katastrophe, die man nicht verhindern kann und es dennoch nicht schafft, die Augen davon abzuwenden.

„Seedämon“ ist harte Geschichte. Eine Geschichte, die ohne Beschönigung zeigt wie wenig tolerant Menschen gegenüber Andersartigkeit sind – und welche Folgen das haben kann. Laurence Yep ist allerdings nicht so grausam, den Leser mit dem Ende ganz ohne Hoffnung zurück zu lassen. Den Menschen sind vor allem fähig zu lernen – eine Tatsache, die mit der letzten Seite zumindest für die nächste Generation etwas Besseres verspricht.

Mich hat das Buch damit von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Es ist keine typische Lektüre und keine Geschichte für Happy-End-Leser (auch wenn es ein deutlich schlimmeres Ende hätte geben können). Es ist eine Geschichte für Leser, die nach etwas Anderem suchen – und tolerant genug sind, die Andersartigkeit wirklich kennen zu lernen. Main-Stream ist „Seedämon“ damit nicht – aber definitiv lesenswert.

Published in: on September 11, 2013 at 12:30 pm  Kommentar verfassen  
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