Eine Feder für Wölfe von Swantje Berndt (Hrsg.)

einefederfuerwoelfe Swantje Bernd (Hrsg.)
Eine Feder für Wölfe
Verlag: Weltenschmiede
400 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3944504119
ISBN-13: 978-3944504117
14,90 €

Die Wolfsanthologie „Eine Feder für die Wölfe“ ist das Ergebnis des Projektes „Eine Feder für Tiere„. Ziel des Projektes ist es, bedrohte und schützenswerte Tierarten in den Fokus zu rücken und zu fördern – daher geht das Honorar der Autoren komplett an den Naturschutzbund NABU, passend zum Thema an das Projekt „Willkommen Wolf“.

Nach zwei Einleitungen – eine von der Begründerin des Projekts „Eine Feder für die Tiere“ zum Hintergrund der Anthologie, die zweite über den Wolf an sich und den Wolf in Deutschland beginnt die bunte Sammlung von Wolfgeschichten, die über Dystopien, Fantasy und Märchen, ganz „normalen“ Wolfgeschichten bis hin zu Science Fiction reicht.

Mir persönlich haben es vor allem die fantastischen und märchenhaften Geschichten angetan, einige von ihnen könnten tatsächlich alten (indianischen) Legenden entsprungen sein. Meine Favoriten sind „Luperus Rex – Könige der Wölfe“ von Claudia Romes und „Wolfenreiter“ von Cairiel Arie. In der Erstgenannten erzählt eine Großmutter ihrer Enkelin die wahre Geschichte ihres verschollenen Bruders, eine Geschichte um uralte Wölfe und ihre Verbindung zum Menschen. Zweitere handelt von einer Bindung zwischen Mensch und Tier, die über den Tod hinausgeht. Eine Geschichte, die mich an eine griechische Sage um einen Jungen und einen Delphin erinnert hat und mindestens genau so gut zu unterhalten wusste.

Aber nicht alle Geschichten scheinen alten Legenden entsprungen zu sein, manche könnten durchaus auch im realen Leben passieren. Ein Trunkenbold, den die Begegnung mit einem Wolf auf den rechten Pfad bringt, wie in „Wolfschnee“ von Fianna Cessair. Oder ein Junge wie der aus Bianca Sigwarts „Wächter des Waldes“, der erst einen Anstoß braucht, um die Welt der Wölfe zu verstehen. In „Heimkehrer“ von Laila Mahfouz ist es ein naturbegeisterter Onkel und die Begegnung mit einem echten Wolf, die die Liebe eines Jungen zu den Tieren entfacht.

Manche der Autoren entführen den Leser in fremde Welten oder auch in die Zukunft. In „Das Vermächtnis der weissen Wölfin“ gerät der Leser an der Seite der jungen Heldin in den alten Kampf zwischen Schatten und Licht, zwischen weißen und schwarzen Wölfen. Die Visionen der Zukunft, die Ane Schönyan, Swantje Berndt oder auch Ly Fabian zeichnen. sind düster – echte Wölfe kommen in keiner der Geschichten vor. Genmanipulation und zerstörte Welten stehen hier auf der Tagesordnung – aber auch diese Geschichten zeigen, dass Menschen und Wölfe (oder deren Nachkommen) „Rücken an Rücken“ stehen können, genau so, wie es Swantje Berndt in ihrer Geschichte beschreibt.

Aber es nun Geschichten über Gestaltenwandler, waschechte Wölfe, Traum- oder Fantasiegestalten sind, jede der Geschichten weiß den Leser auf ihre Art zu bewegen und lässt den Leser über die Beziehung zwischen Wolf und Mensch nachdenken. Mir haben nicht alle Geschichten gut gefallen – Anthologien, die das schaffen, sind wahrlich selten – wohl aber die Intention, die in jeder einzelnen Geschichte steckt. Man muss kein Wolfsfreund sein um sie zu mögen, auch wenn man nach der Lektüre durchaus einer werden könnte. Und wenn nicht, hat man zumindest kurz eine schöne Zeit unter Wölfen verbringen können.

Einen kleinen Eindruck verschaffen könnt ihr euch hier.

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Published in: on Juli 18, 2014 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Saga 2 von Brian K. Vaughan

saga2 Brian K. Vaughan
Saga 2
Verlag: Cross Cult
160 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3864251885
ISBN-13: 978-3864251887
22 €

Mit Saga 2 führt Brian K. Vaughan die Geschichte um das flüchtige Liebespaar Marco und Alana fort.

Das Cover des Buches ist um einiges blutiger als des vorangegangenen. Es zeigt Marco bei einem seiner früheren Kämpfe. Blutverschmiert schwingt er sein Schwert gegen die Flügel seiner Feinde.

Unterwegs in einem magischen Raumschiff müssen Alana und Marco nun gleich zwei Probleme lösen: Die Flucht vor dem immer näher kommenden Kopfgeldjäger „Der Wille“ und Marcos plötzlich auftauchenden Eltern ihren Familienstand zu erklären und ihre Enkelin vorzustellen.

Nachdem Hazel den Leser auf einen kurzen und prägenden Ausflug in Marcos Vergangenheit mitgenommen hat, beginnt das Buch genau dort, wo „Saga“ endete: Das Paar steht Marcos Eltern gegenüber, die ziemlich plötzlich auf dem Raumschiff auftauchten. Keine allzu glückliche erste Begegnung – auf beiden Seiten. Denn ebenso plötzlich wie Marcos Eltern auftauchen ist Hazels Babysitterin, das Geistmädchen Izabel, verschwunden – gebannt von Marcos Mutter. Während Marco sich daraufhin um das nahestehende Problem kümmert und sich, gefolgt von seiner Mutter, auf magischen Weg auf die Suche nach Izabel macht, steht Alana mit Hazel allein ihrem Schwiegervater gegenüber. Eine Situation, die sich zum Glück auf recht ungewöhnliche Art weitaus schneller löst als das um den Kopfgeldjäger, der ihre Spur aufgenommen hat.

Selbiger hat eine ebenso überraschende, wenn auch weniger unliebsame, Begegnung mit Marcos Ex-Verlobten, die neben ihren Verlobungsringen auch Marcos Tod wünscht – eine Reaktion die man als Leser zumindest ansatzweise nachvollziehen kann. Das Wiedersehen mit der Lügenkatze und ihrer amüsanten Ehrlichkeit samt der Vertiefung des Nebenstrangs, durch den „Der Wille“ bereits im Vorgängerband ein paar Sympathiepunkte errungen hat, machen seinen Erzählstrang mindestens ebenso lesenswert wie den um die Hauptcharaktere.

Unterbrochen werden die zwei Stränge zum einen durch Blicke in Marcos und Alanas gemeinsame Vergangenheit, die zumindest zu einem Teil auf die Lektüre eines romantischen Romans zurückzuführen ist, und der Verfolgung dieser Wurzel allen Übels bis hin zum Romanautor durch den Prinzen der Robotermenschen. Letztere ist recht amüsant, ersteres – das erste Aufeinandertreffen und Kennenlernen von Alana und Marco – etwas für richtige Romantiker (solange sie auch etwas Blut vertragen können).

Im „Finale“ des Buches stoßen dann Kopfgeldjäger und Flüchtlinge aufeinander – zu einem echten Kampf kommt es jedoch nicht, da alle vor einem weitaus größeren Problem stehen. Und wirklich gut geht es auch diesmal nicht aus.

Die Gestaltung bleibt auf dem gleichen Niveau wie beim Vorgänger. Besonders gelungen fand ich die grafische Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die schon durch Farbwahl und Stil auf den ersten Blick zu unterscheiden waren.

Damit bin ich – obwohl in diesem Band nicht ganz so viel passiert wie im Vorgänger – doch sehr zufrieden und ziemlich neugierig, wie es jetzt wohl weitergeht. Durch die Blicke in die Vergangenheit sind mir Marco und seine Familie noch mehr ans Herz gewachsen und ich hoffe natürlich auf ein Happy End. Aber auch ihre Jäger sind erstaunlich hartnäckig und damit ist beileibe nicht nur der Hauptstrang interessant. Ich bin mir damit trotz des etwas ruhigeren Verlaufs sicher, dass das Buch auch den Lesern von Band eins gefallen wird, vielleicht ein bisschen weniger – je nachdem, ob sie Romantik oder Action den Vorzug geben.

Und hier könnt ihr euch selbst einen ersten Eindruck verschaffen.

Published in: on Juni 18, 2014 at 8:00 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Saga von Brian K. Vaughan

Saga Brian K Vaughan
Saga
Verlag: Cross Cult
160 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3864251877
ISBN-13: 978-3864251870
22 €

Das Cover des Comics zeigt zwei Wesen, die einer Fantasywelt entsprungen sein könnten: Eine schwarzhaarige junge, geflügelte Frau, die mit einer Hand ihr säugendes Baby und in der anderen eine Pistole hält. Dem Mann an ihrer Seite wachsen Widderhörner aus dem Kopf und auch er hält seine Waffe – ein Kurzschwert – fest im Griff. Eine junge Familie, die einer gefährlichen Bedrohung entgegensieht – und genau ihre Geschichte wird in diesem Buch erzählt.

Alana und Marko gehören zwei bis aufs Blut verfeindeten Rassen an – und doch haben sich die zwei ineinander verliebt. Nun sind sie mitsamt ihrem neugeborenen Kind auf der Flucht – vor ihren eigenen Volk und vor den Kopfgeldjägern, die auf sie angesetzt wurden. Um den Jägern zu entkommen, müssen sie eine mythische Rakete finden und es dafür neben ihren Verfolgern auch mit einer verdammt feindlichen Umgebung aufnehmen.

Es gibt viele Geschichten über Liebe zwischen eigentlich verfeindeten Menschen (oder auch anderen Wesen), die bekannteste ist wohl die von „Romeo und Julia“. Der Grundgedanke ist hier ähnlich, Alanas und Markos Geschichte wird allerdings später erzählt – dann, wenn die beiden Liebenden bereits zusammen sind und auf ihrer gemeinsamen Flucht ein weiterer Flüchtling das Licht der Welt erblickt: Ihre gemeinsame Tochter Hazel. Und da ihre Liebe keine heimliche und verborgene ist, steht der jungen Familie ein Kampf gegen eine Übermacht bevor. Kämpfe, Tod und Blut stehen damit – auch wenn sie nicht unbedingt für ein Neugeborenes geeignet sind – auf der Tagesordnung. Zum Glück nehmen es die Protagonisten – einschließlich Hazel, die die Geschehnisse immer wieder kommentiert (und manchmal sogar etwas vorweg nimmt) – die Geschehnisse humorvoll. Ihre Wortgefechte zaubern sogar dem Leser immer wieder ein Schmunzeln ins Gesicht.

Unterstützt von den sehr detaillierten Zeichnungen der Illustratorin Fiona Staples erzählt Brian K. Vaughan die Gesichte des Universums, aus dem Marko und Alana stammen, die Geschichte des Neugeborenen Hazels und die der Kopfgeldjäger, die sie und ihre Familie jagen. Neben ihren Waffen – die entweder magisch sind oder neuster Technik entsprechen – steht ihrer Familie auch ein jugendliches Geistmädchen zur Seite – das nur zu gern den Job als Hazels Babysitterin übernimmt.

Die Grundidee der Geschichte klingt ziemlich romantisch, viel Platz für Romantik bleibt auf der Flucht allerdings nicht. Kämpfe, Blut und Tod stehen auf der Tagesordnung und werden von Fiona Staples sehr – manchmal vielleicht zu sehr (die Gedärme des Geistmädchens hätte ich zum Beispiel nicht unbedingt sehen wollen) detailliert dargestellt. Die Blicke auf andere Teile des Universum sind zum Teil recht skurril, ein Mensch mit einem Bildschirm als Kopf wirkte auf mich zum Beispiel sehr befremdlich, andere fantastisch, wie die Lügenkatze des Kopfgeldjägers „Der Wille“; alle sind durchweg sehr interessant – auch wenn mich natürlich hauptsächlich die Geschichte der jungen Familie interessiert, habe ich mich nur zu gern in die anderen Winkel der Galaxis entführen lassen. Tatsächlich habe ich dabei sogar bei den Verfolgern ein paar gute Seiten entdecken können.

Schon mit den ersten Seiten, die mich doch recht überrascht haben – welche Geschichte beginnt schon mit der detaillierten Darstellung einer Geburt? – hat mich die Geschichte in den Bann geschlagen. Autor und Illustratorin haben mich einen Blick auf eine weit entfernte Galaxis werfen lassen um mich an dem Schicksal einer überaus faszinierenden Familie teilhaben zu lassen. Mit dem doch sehr offenen Ende hat sich diese noch weiter vergrößert und mich mit einem Grinsen zurückgelassen. Die plötzlich auftauchenden Schwiegereltern haben mit der Situation sicherlich ebenso zu kämpfen wie Alana und Marko – die Kommunikationsschwierigkeiten hier sind wahrscheinlich noch eine Klasse größer, als es sonst üblich ist.

Ich kann „Saga“ damit tatsächlich fast uneingeschränkt (über die ein oder anderen blutigen Gedärme sollte man schon hinwegsehen können) empfehlen. Es ist eine faszinierende Geschichte, die neben dem romantischen Aufsetzpunkt auch spannende Kämpfe, gefährliche Verfolgungsjagden bietet, die mit eine gute Portion Humor und einer Mischung aus Magie und Technik gelungen abgerundet wird. Ich freu mich schon darauf, zu erfahren, wie es in „Saga 2“ weitergeht.

Hier könnt ihr selbst einen Blick auf die ersten Seiten werfen.

Published in: on Juni 14, 2014 at 9:00 am  Comments (2)  
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Beyond Band 1: Ready … fight! von Andrea Bottlinger

beyond01 Andrea Bottlinger
Beyond Band 1: Ready … fight!
Verlag: Rohde Verlag
92 Seiten
E-Book
ASIN: B00EUHPQBM

„Ready … fight“ ist der erste Band der „Beyond“-Reihe von Andrea Bottlinger.

Sämtliche Cover der Reihe sind im Matrix-Stil gehalten. Vor dem blauen Hintergrund schwirren hellblaue Linien von oben nach unten. Der Titel der Reihe, „Beyond“, ist von einem Platinenlayout umgeben. Unterhalb des Titels findet man in weiß den Titel des jeweiligen Serials – in diesem Fall „Ready … fight“.

Seitdem seine Freundin Tanja durch die virtuelle Realität von Beyond abgelenkt von einem Auto überfahren wurde, ist Leander der virtuellen Realität – und vor allem dem Fantasy-Rollenspiel Beyond – ferngeblieben. Nun hat einer seiner alten Weggefährten, Juri, Kontakt mit ihm aufgenommen: Er ist einem dunklen Geheimnis des Konzerns von Beyond auf der Spur – und Leander ist der einzige, der ihm jetzt noch weiterhelfen kann.

Die ersten Zeilen von „Ready .. fight!“ lassen den Leser an einen Fantasyroman denken, bis die quitschenden Bremsen eines Autos Leser und Protagonisten mit einem Knall aus der virtuellen Welt reißen. Leanders Freundin ist tot – und daran ändert auch der vollständig grüne Balken iher Lebensanzeige in Beyond nicht das geringste. Der kurze Blick auf die virtuelle Welt von Beyond hat zumindest mich so schnell nicht mehr losgelassen – auch wenn Leander seit dem Tod seine Freundin einen Bogen um die Funktionalitäten macht, die die Augmented Reality bietet. Funktionalitäten, die mich als Leser ziemlich überrascht haben, auch wenn die Augmented Reality tatsächlich wohl nicht mehr in allzuweiter Ferne liegt. Die Vernetzung von Realität und Virtualität ist jedenfalls überaus interessant, ebenso wie die Möglichkeiten, die sich fähigen Programmierern – wie Leander – dadurch bieten. Denn wenn alle Menschen die Realität nur noch durch komplexe Systeme wie Google Glasses betrachten kann jeder, der sich auskennt, ihre Realität verändern. Eine Tatsache, die Leander mehr als nur einmal den Hintern rettet.

Juris Email bringt Leander nämlich schneller als es ihm lieb ist zurück in die Augmented Reality, mit der er die schmerzlichen Erinnerungen an den Tod seiner Freundin verbindet. Aber schon vor seiner Rückkehr wird ihm diese Erinnerung brutal ins Gedächnis gerufen: Am vereinbarten Treffpunkt wird Juri von einem Auto überfahren.

Juri scheint allerdings mit seinem bevorstehenden Tod gerechnet zu haben. Nicht nur, dass er im Vorfeld seine Freundin, Charlotte, verlassen hat. Er hat Leander auch einige Hinweise hinterlassen, bei deren Entschlüsselung ihm Juris Ex-Freundin überaus hilfreich ist (auch wenn Leanders und ihre Zusammenarbeit ganz sicher nicht in Juris Sinne war). Um Juris Hinweise zu entschlüsseln wagt sich Leander an Charlottes Seite zurück nach Beyond. Die größten Herausforderungen sind allerdings die Gefahren, die jenseits von Beyond auf ihn warten. Denn das Geheimnis, das Juri aufgedeckt hat, ist erschreckend real – ebenso wie die Menschen, die es um jeden Preis bewahren wollen. Und so begleitet der Leser Leander und Charlotte bei ihrer Suche im Real-Life und in Beyond. Kein Wunder also, dass es Bosskämpfe off- und online zu bestreiten gilt – eine Tatsache, die Andrea Bottlinger durch die Wahl der Kapitelnamen gekonnt weiter ausreizt.

Was Juris Geheimnis nun tatsächlich ist, weiß der Leser ebensowenig wie Leander. Juris Hinweise sind gut versteckt (man könnte ihm fast schon Paranoia nachsagen), die Verfolger, die sich an Leanders und Charlottes Fersen heften, zeigen allerdings, dass Juri hier definitiv nicht übertrieben hat. Auf der Flucht vor den mysteriösen Verfolgern und auf der Suche nach einem Geheimnis von unbekannten Ausmaß bleibt nicht viel Zeit für Gefühle, dafür jagt Andrea Bottlinger die Protagonisten und den Leser von einem Spannungshöhepunkt in den nächsten.

Mit dem Ende des Buches ist der erste Hinweis gefunden, vier weitere fehlen. Worum es geht wissen weder die Protagonisten noch der Leser, auch wenn die eindrückliche Nachricht im Epilog nochmal die Wichtigkeit des Geheimnisses betont. Meine schon mit den ersten Seiten geschürrte Neugier ist jetzt jedensfalls absolut präsent – und ich bin gespannt, wo der nächste Hinweis auf uns wartet – und was die fünf letztendlich enthüllen werden.

Den Beginn der Suche findet ihr hier.

Published in: on Februar 23, 2014 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Wie Monde so silbern von Marissa Meyer

wiemondesosilbern Marissa Meyer
Wie Monde so silbern
Verlag: Carlsen
416 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3551582866
ISBN-13: 978-3551582867
18,90 €

„Wie Monde so silbern“ ist der erste Teil von Marissa Meyers Luna-Chroniken, die alte Märchen in eine andere Welt und eine andere Zeit versetzt und sie wirklich anders neu erzählen.

Das Cover des Buches ist komplett in schwarz gehalten und dann mit Unmegen von silbernen Schuhen bedruckt. Ein echter Hinkucker, der zumindest mir gleich klar gemacht hat, welches Märchen Marissa Meyer in diesem Buch neu erzählt: Aschenputtel.

Seit dem Tod ihres Adoptivvaters lebt Cinder bei ihrer Stiefmutter, die nie verstanden hat, warum ihr Mann einen Cyborg bei sich aufgenommen hat – und Cinder die Schuld am Tod ihres Mannes gibt. Notgedrungen hat sie Cinder bei sich aufgenommen, lässt sie aber stets spüren, dass sie nicht zur Familie gehört. Während ihre Schwestern auf dem Ball beim Prinzen vorbereitet werden, geht Cinder ihrer Arbeit als Mechanikerin nach – irgendwie müssen die Ausgaben der Familie ja bezahlt werden. Als der Prinz selbst sie an ihrem Stand besucht könnte sich das alles ändern, aber dann erkrankt ihre Schwester an der tödlichen blauen Pest.

Wie ich werden sicherlich einige bei dem Namen der Hauptperson an Cinderella (dem englischen Namen für Aschenputtel) gedacht haben. Und tatsächlich gibt es einige Parallelen zu dem Märchen, auch wenn Cinder in dieser modernen Welt nicht gerade in Lumpen und Asche lebt, eher mit und zwischen ausgesorgten Schrott, befleckt von Motoröl. Ihre mechanischen Teile sind alt und ihre Arbeit schmutzig, dennoch wirkt Cinder einigermaßen zufrieden. Ihre kleine Schwester Peony mag sie und die ziemlich menschlich wirkende Hausdroidin Iko ist ihr eine gute Freundin. Ihre Stiefmutter hingegen macht ihr das Leben zur Hölle. Und die Tatsache, dass die restliche Gesellschaft Cyborgs abfällig betrachtet und sie grundsätzlich nicht für voll genommen werden, grenzt Cinder trotz ihres guten Rufs als Mechanikerin auch am Markplatz richtiggehend aus. Kein Wunder, dass Cinder ihre „Andersartigkeit“ so gut wie möglich verbirgt – vor allem gegenüber dem Prinzen, der für eine Reparatur seiner Lehrdroidin bei ihr vorbeischaut. Eine Droidin, die Daten von höchster Wichtigkeit enthält und die die im richtigen Märchen so wichtige Brautschau völlig in den Hintergrund drängt. In „Wie Monde so silbern“ geht es nicht darum, den Prinzen zu heiraten – auch wenn das Knistern zwischen Cinder und ihm deutlich zu spüren ist – sondern darum, eine Verschwörung aufzudecken und die böse Königin von Luna (dem Mond) davon abzuhalten, durch Heirat die Macht über das Reich zu erlangen. Ihren lunaischen Kräfte (früher hätte man sie vermutlich als Hexe bezeichnet, jetzt werden ihre Fähigkeiten mit Begriffen wie Telepathie beschrieben) gibt es dabei nicht viel entgegenzusetzten. Und auch ihrer finsteren Armee möchte sich keiner der Staaten auf der Erde entgegenstellen. Die einzige Hoffnung ist die rechtmäßige Erbin des Thrones von Luna, die seit Jahren als verschollen oder tot gilt. Nebenher gilt es auch ein Mittel gegen die tödlichen blauen Pocken zu finden, denn nicht nur Cinders Schwester, auch der Kaiser ist an ihnen erkrankt. Ein Kampf, an dem Cinder gegen ihren Willen stärker beteiligt wird als ihr lieb ist, schließlich sollen die Daten auf der Droidin des Prinzen den Durchbruch in der Suche nach der verschollenen Prinzessin bringen.

Damit ist das eigentlich Märchen nicht mehr als der Aufhänger der ganzen Geschichte; eine böse Königin würde man eher Schneewittchen als Aschenputtel zuordnen, eine tödliche Krankheit ist mir aus keinem Märchen bekannt und Droiden, Cyborgs und Raumschiffe wirken auf den ersten Gedanken völlig abwegig – auch wenn sie sich in dieser Geschichte perfekt in das Geschehen einpassen. Marissa Meyer schafft es tatsächlich, Märchen und Science Fiction gekonnt zu etwas Neuem zu verweben, moderne Technik und Magie (oder auch Parapsychologie) mit althergebrachtem zu verbinden. In manchen Ecken der Geschichte findet man Verweise auf das ursprüngliche Märchen, die man vielleicht erst auf den zweiten Blick erkennt (nicht alle sind so offensichtlich wie der Name der Protagonistin), die Geschichte selbst ist aber eine eigene. Eine, die mit „Wie Monde so silbern“ erst beginnt. Zu einer Auflösung kommt es in diesem Buch nämlich nicht – im Gegenteil, gegen Ende sieht es sogar ziemlich schlecht für die Protagonisten auf. Ein kleiner Hoffnungsschimmer und das Wissen darum, dass Märchen eigentlich immer gut ausgehen, sind es, die den Leser mit der letzten Seite nicht aufgeben lassen, sondern auf die gerade erschienene Fortsetzung „Wie Blut so rot“ hoffen lassen. Ich werde sicher sehr bald danach greifen.

Ihr könnt ja derweil hier einen Blick in dieses Buch werfen.

Published in: on Januar 25, 2014 at 6:00 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Earth Girl – Die Prüfung von Janet Edwards

Eigentlich rezensiere ich auf meinem Blog ja nur Fantasy, aber „Earth Girl“ ist auch als Science-Fiction wirklich fantastisch und definitiv eine Erwähnung (und auch eine Rezension) wert. Als Blick über den Tellerrand würde ich es trotzdem nicht bezeichnen, so artfremd sind Science Fiction und Fantasy schließlich nicht.

Janet Edwards
Earth Girl – Die Prüfung
Verlag: rororo
448 Seiten
ISBN-10: 3499259028
ISBN-13: 978-3499259029
9,99 €

Mir gefällt das in dunklen Blautönen gehaltene Cover, auch wenn es längst nicht an das Originalcover heranreicht. Der helle, aus Tropfen zu bestehen scheinende Ring, aus dessen Mitte dem Betrachter eine junge Frau entgegen blickt, hat es auf jeden Fall vermocht, meine Neugier zu wecken.

Jarra ist ein „Earth Girl“, eine der wenigen Menschen, denen es aufgrund einer Immunschwäche nicht möglich ist, durch die Portale, die die verschiedenen menschlichen Planeten verbinden, zu reisen. Von dem Großteil der Menschen als „Affe“ (oder höflicher: als „Behinderte“) bezeichnet möchte Jarra beweisen, dass sie mindestens ebenso viel wert ist wie alle anderen. Sie schreibt sich an einer intergalaktischen Universität ein, um gemeinsam mit den „normalen“ Menschen ihr erstes Semester auf der Erde zu verbringen. Mit Ablauf des Semesters plant sie, ihren Mitstudenten die Wahrheit über ihre Herkunft mitzuteilen und ihnen damit ihre Arroganz vor Augen zu halten. Das Semester verläuft jedoch ganz anders als von Jarra geplant.

„Earth Girl“ ist ein Buch über Vorurteile, allerdings ein verdammt Spannendes: Mit dem achtzehnten Lebensjahr gilt Jarra offiziell als erwachsen. Ihr Status als „Earth Girl“ sichert ihr einen kostenlosen Studienplatz an der University Earth, Jarra hat jedoch weit größere Pläne. Aufgrund ihres Faibles für Geschichte ist ihr Studienfach schnell klar, sie will jedoch nicht an einer Universität der Erde studieren. Sie entscheidet sich für ein Studium an der Asgard Universität und für die Verheimlichung ihres Status. Die erfundene militärische Hintergrundgeschichte bringt sie das ein oder andere Mal ins Schwitzen, ihre Vorkenntnisse bei Ausgraben kommen ihr dabei jedoch mehr als einmal zu Gute. Überhaupt sticht sie durch ihre langjährige Erd- und auch Ausgrabungserfahrung schnell aus der Gruppe heraus. Abgesehen von ihrem Minderwertigkeitsgefühl und dem Lügengespinst, das sie deshalb spinnt, ist sie quasi perfekt – zumindest für das Geschichtsstudium und die Ausgrabungen an den alten irdischen Städten wie New York.

Die Ausgrabungen an sich sind ebenfalls wirklich interessant. Von Schutzanzügen und der Rettungsleine ihres Supports geschützt markieren Tagger die Steine, die wegtransportiert werden müssen, um möglicherweise Stasisboxen mit Hinweisen auf vergangene Zeiten freizuräumen. Ich stelle mir diese Art der Arbeit weitaus spannender vor als Ausgrabungen in unserer heutigen Zeit – vermutlich wegen des hohen Risikos, dem die Tagger bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind: Strahlung, wilde Tiere und einstürzende Hochhausruinen stehen hier täglich auf dem Programm. Aber es gilt auch noch weit größere Herausforderungen zu meistern als das sichere Bergen von Stasisboxen.

Während des Studiums gewinnt Jarra jedoch nicht nur den Respekt ihrer Mitstudenten (die ja nicht wissen, dass es sich bei ihr um ein Earth Girl handelt) und ihres Dozenten sondern lernt auch, diese zu respektieren. Ihr Verhalten und ihre Einstellungen überraschen Jarra mehr als einmal – und einen ihrer Mitstudenten gewinnt sie sogar ziemlich gern. Und auch wenn der Fokus selbstverständlich auf Jarra gelegt ist, beschreibt Janet Edwards auch die Nebenfiguren bis ins kleinste Detail. Jeder der Figuren hat ihre eigene Geschichte, eigene Probleme und einige von ihnen auch eine wirklich gute Portion Humor, die mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht. Jede von Janet Edwards Figuren erweckt einen Teil der Geschichte zum Leben, die detaillierte Beschreibung der Welt in der sie leben tut ihr übriges, um den Lesern einen Lesegenuss der Extraklasse zu liefern.

Die Mischung aus Studium, futuristisch-archäologischen Ausgrabungen, Katastrophen, Rettungsmissionen, Zwischenmenschlichem und etwas Romantik macht „Earth Girl“ zu einer absolut faszinierenden Geschichte. Es ist fast schade, dass man an Jarras Seite nur einen Teil von Janet Edwards Universum besuchen kann – auch wenn dieser auf unserem Planeten spielender Teil schon wirklich unglaublich und immer wieder überraschend ist. Dennoch würde ich nur zu gern mal einen Blick durch eines der intergalaktischen Portale werfen – nicht nur durch die im Buch vorkommenden Vids. Vielleicht habe ich ja in einem der Folgebände die Gelegenheit dazu, allzu lange würde ich aber auch dort nicht von Jarras Seite weichen wollen – womöglich würde ich etwas echt Spannendes verpassen.

Wenn ihr euch den Lesespaß ebenfalls nicht entgehen lassen wollt, könnt ihr hier einen Blick in die Leseprobe werfen.

Published in: on November 20, 2012 at 6:00 am  Comments (1)  
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Die Herrin der Wölfe von Tara K. Harper

Lang ist es her, dass ich den letzten Oldie vorgestellt habe. Höchste Zeit für einen Weiteren: „Die Herrin der Wölfe“ ist der erste Band der „Wolfwalker“-Reihe von Tara K. Harper. Die englische Originalausgabe erschien 1990 unter dem Titel „Wolfwalker“, die deutsche Erstveröffentlichung ist von 1998.

Tara K. Harper
Die Herrin der Wölfe
Verlag: Goldmann
446 Seiten
ISBN-10: 3442247721
ISBN-13: 978-3442247721

Das Cover des Buches zeigt eine junge Frau vor einen seltsamen Turm, an ihrer Seite ein heulender Wolf. Im Hintergrund kann man Wälder erahnen. Ein Cover, das inhaltlich absolut zu dem Buch passt – auch wenn ich es optisch nicht ganz so ansprechend finde.

Dion ist eine Heilerin und eine Wolfsläuferin. Als die Ältesten des Stammes entscheiden, dass Dion an der Seite ihres Zwillingsbruders die „große Wanderung“ durchlaufen wird – ein Ritual, dem sich sonst nur die Männer des Stammes unterziehen – sorgt dies erst für Empörung, aber schon bald zeigt sich, dass es die einzig richtige Entscheidung war.

„Die Herrin der Wölfe“ ließe sich sicherlich auch dem Science Fiction zuordnen, spielt es doch ebenso wie Anne McCaffreys „Drachenreiter von Pern“ in einer Zeit nach einer weit entwickelten Zivilisation. Eine Zivilisation, die ihre Spuren hinterlassen hat, auch wenn sie selbst nur noch durch Sagen und Legenden sowie einzelne Ruinen in Erinnerung geblieben ist.

Die Hauptperson der Geschichte, Dion, ist etwas Besonderes, die Teilnahme an der „großen Wanderung“ nur das Ergebnis ihrer Einzigartigkeit. Dennoch ist Dion für den Leser längst nicht unnahbar. Sie fühlt Schmerz und Leid wie jeder andere auch, strebt aber auch dann noch ihr Ziel an, wenn andere schon längst aufgegeben hätten. Ich bin mir allerdings sicher, dass sie ohne „ihre“ Wölfin Gray Hishn längst nicht so viel ertragen könnte – manchmal ist es nur dem Zuspruch von Hishn zu verdanken, dass sie nicht aufgibt. Generell scheinen die Wölfe in Tara K. Harpers Welt anders zu sein als unsere Wölfe, ich würde sagen intelligenter, aber auch weniger wölfisch – generationenlange telepathische Verbindung kann meiner Meinung nach durchaus zu einer derartigen Entwicklung führen.

Gegenüber Dion und Hishn rücken die anderen Figuren etwas an den Rand. Als ihr Zwillingsbruder Rhom sich einer Gruppe anschließt, die drei Mädchen aus der Gewalt eines Sklavenjägers befreien will, folgt Dion ihm ohne weiter darüber nachzudenken. Weder Rhoms noch Dions Motivation wird hier weiter erläutert. Und auch die Motivation der anderen Teilnehmer der Gruppe hätte durchaus tiefgreifender beschrieben werden können. Die Grundmotive werden gesetzt, ich hätte mir allerdings etwas mehr Verflechtung der Motive mit der Geschichte gewünscht. Den Lesespaß grenzt dieses Manko aber höchstens geringfügig ein.

Nachdem die Suche nach den Mädchen erst einmal begonnen ist, wird die Spannung nur noch durch die Flachsereien der Gruppe aufgelockert. Und die Befreiung der Mädchen ist weder leicht noch das Ende der Geschichte. Die Gruppe muss stetig Verluste hinnehmen und das, was sie im weiteren Verlauf der Geschichte auf- und entdecken, ist erst der Beginn von etwas weitaus größeren. Etwas, das sowohl die Errungenschaften und den Untergang der früheren Zivilisationen betrifft als auch die Zukunft von Dions und Hishns Volk. Mit dem Ende des Buches haben Dion und ihre Gefährten somit nur ein Etappenziel erreicht. Das schwer erworbene Wissen ist vermutlich der Auftakt für die nachfolgenden Bände – und lässt dort vielleicht auch den ein oder anderen ihrer Gefährten in den Fokus der Geschichte rücken.

Insgesamt ist „Die Herrin der Wölfe“ damit zwar ein Buch mit kleinen Schwächen – diese werden aber von den zwei Hauptpersonen und der Welt, in der sie agieren, bei Weitem ausgeglichen. Ich kann das Buch damit nur weiterempfehlen und bin bereits auf der Suche nach den nächsten Bänden der Reihe.

Published in: on November 4, 2012 at 9:00 am  Comments (3)  
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Ready Player One von Ernest Cline

Ernest Cline
Ready Player One
Verlag: Penhaligon
512 Seiten
ISBN-10: 3764530901
ISBN-13: 978-3764530907
19,99 €

Das Cover des Buches fällt einem schnell ins Auge. Es ist ungewöhnlich, dass ein Coverbild so verpixelt ist. Durch die Darstellung, die an ein altes Computerspiel erinnert, hebt sich das Cover deutlich von den hochauflösenden Standardcovern ab. Das Pacman-Symbol in der obersten Zeile rundet das Ganze ziemlich treffend ab.

Schon der Leseprobe des Buches kann man den groben Inhalt der Geschichte entnehmen: Der Multi-Millionär und Erfinder der Onlinewelt OASIS James Halliday hat in seinem Testament denjenigen zu seinem Alleinerben erklärt, der das von ihm versteckte Easter-Egg in OASIS findet. Die Hinweise auf das Easter-Egg haben schon viele verzweifeln lassen, bis der junge Wade Watts den ersten von drei Schlüsseln, die zu dem Easter-Egg führen, findet. Damit tritt er eine Lawine los, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Denn einige der Jäger scheuen vor nichts zurück, um Hallidays Easter-Egg in die Finger zu bekommen. Die Jagd ist eröffnet – und nun schwebt nicht nur Wades Avatar in der Onlinewelt OASIS, sondern auch er selbst in höchster Gefahr.

Die Geschichte wird durch den achzehnjährigen Wade erzählt, der damit klarstellen möchte, was bei der Suche nach dem Easter-Egg wirklich passiert ist. Er will der Öffentlichkeit die ganze Wahrheit erzählen. Wade beginnt seine Erzählung zu dem Zeitpunkt, an dem er bereits achtzehn ist, berichtet aber nebenher über die Ereignisse, die sein Leben geprägt haben, von seinen Gedanken und Gefühlen und von den Hintergründen, die ihn dazu gebracht haben, nach Hallidays Easter-Egg zu suchen. Dadurch kommt der Leser Wade näher als sein engster Freund Aech – und das macht die Geschichte auch für den Leser persönlich.

Die Onlinewelt OASIS ist ein virtuelles, voll vernetztes Universum, der Zugang ist für alle, die eine Grundausstattung besitzen, kostenlos. Ein Universum, das von nur einem Mann initiiert wurde: James Halliday. Innerhalb dieses Universums gibt es fast unendlich viele Welten, unendlich viele Möglichkeiten, sich zu beschäftigen – und virtuelles Geld auszugeben. Eine virtuelle Welt, die die Möglichkeiten des heutigen Internets bei weitem übersteigt.

Der Erschaffer dieser Welt hatte ein Faible für die Achtziger-Jahre, für Rollenspiele, Spielmaschinen, alte Computer und die darauf laufenden Spiele. Eine Leidenschaft, die er durch die von ihm initiierte Jagd nach dem Easter-Egg weitergeben wollte – und dies auch getan hat. Und damit hat er sicher nicht nur die OASIS-Nutzer, sondern auch die Leser des Buches schnell infiziert. Die vielen Verweise auf Filme, Spiele und Musik machen das Buch zu einem besonderen Genuss für diejenigen, die einen Teil davon schon kennen. Die Leser, die das nicht tun, werden entweder neugierig gemacht oder das Buch wird komplett an ihnen vorbeigehen. Damit hat das Buch definitiv das Potential zu polarisieren – ich befinde mich auf dem Pluspol ;-).

Es fällt mir schwer, das Buch zu kategorisieren, ich würde es spontan in die Kategorien Thriller, Science Fiction und Virtual Realtiy mit Schwerpunkt auf Rollenspiel – ob D&D oder MMOG sei mal dahingestellt – einordnen. Durch das breite Spektrum, das Ernest Cline mit dem Buch abdeckt vermute ich, dass dem Großteil der Leser das Buch gefallen wird. Und es hat wirklich einiges zu bieten: Klassische Rollenspielhelden, typische „Jugendliche“, eine kleine Liebesgeschichte, epische Schlachten – vermutlich das Highlight für klassische High Fantasy-Leser – illegale Handlungen, Action und jede Menge Spannung – sowohl Out- als auch Ingame – und das alles in einer nicht allzu unwahrscheinlich wirkenden Zukunftsvision.

Damit ist es ein Buch, das ich uneingeschränkt allen lesebegeisterten Rollenspielern – insbesondere D&D-Fans -, MMOG-, Automaten- und „Oldie“-Computerspielern empfehlen kann, bei dem aber auch klassische Fantasyleser auf ihre Kosten kommen können.

Mit dem Ende der Geschichte gibt Ernest Cline dem Leser dann noch eine Moral mit auf dem Weg – eine Moral, die sich auch in der heutigen Zeit der eine oder andere zu Herzen nehmen sollte.

Published in: on März 26, 2012 at 6:30 am  Schreibe einen Kommentar  
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Die Enklave von Ann Aguirre

Auch wenn ich es quasi direkt nach dem Auspacken gelesen habe, hat die Rezension etwas auf sich warten lassen (es lebe die LoRe ;-)), jetzt ist sie da :-).

Ann Aguirre
Die Eklave
Blanvalet
352 Seiten, Taschenbuch
ISBN-10: 3442268125
ISBN-13: 978-3442268122
EUR 16,90

Bei diesem Buch war es das Cover, das meine Aufmerksamkeit erregt hat. Es hat mich irgendwie an „Tinker“ erinnert und damit an der Angel gehabt. Es zeigt eine Frau (wahrscheinlich „Zwei“, die durch eine verbogene Metallwand nach draußen (in Richtung des Lesers) blickt. Am Metall kann man eine Ranke erkennen, das Metall scheint also recht alt zu sein.

„Zwei“ ist in der Enklave geboren und aufgewachsen. Sie ist stolz, dass sie das Ritual ihrer Namensgebung zu einer „Jägerin“ macht, auch wenn sie sich einen anderen Jagdgefährten als „Bleich“ ausgesucht hätte.
Ihre gemeinsamen Jagdausflüge aus der Enklave hinaus in die umliegenden Tunnel (und darüber hinaus) schweißen sie jedoch schnell zusammen. Als „Zwei“ für ein Verbrechen (laut den Gesetzen der Enklave), das sie nicht begangen hat, verbannt wird, folgt „Bleich“ ihr in die Verbannung. Er weiß nämlich etwas, was die Bewohner der Enklave nicht wissen (und auch nicht wissen wollen): Das Leben an der Oberfläche ist nicht gefährlicher als das in den Tunneln. Und auch dort gibt es sichere Orte. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, diesen Ort zu finden…

Ann Aguire beschreibt in ihrem Roman eine Zukunft, die, so düster sie auch scheinen mag, tatsächlich Wirklichkeit werden könnte: Eine Katastrophe, die das Leben in bestimmten Gebieten unmöglich macht, Reiche und Mächtige werden evakuiert, die restlichen Menschen werden ihrem Schicksal überlassen. Einige überleben – mehr oder weniger menschlich – aber alles hat sich verändert. Neue Kulturen entstehen, sowohl auf als auch unter der Erde. Nicht alles wurde zerstört und „Artefakte“ aus der alten Welt sind wertvolle Handelsware. In dieser Welt leben „Zwei“ und „Bleich“ – auch ihre Namen sind Teil der neuen Kultur, in der sie leben.

Die Geschichte wird aus der Sicht von „Zwei“ geschrieben, für die die Welt „oben“ völlig neu ist. Gemeinsam mit ihr entdeckt der Leser, was aus der Erde geworden ist und bekommt durch „Zwei“s Augen einen völlig neuen Blickwinkel auf altbekannte Gegenstände.

Das Verhalten der Menschen (egal ob „oben“ oder „unten“) ist anders als unseres, aber durchaus nachvollziehbar – es ist vorstellbar.

Das Buch ist gut recherchiert und wirklich durchdacht, die Figuren wirken fast real und die Geschichte ist einfach spannend. Auch wenn die Geschichte ein klares Ende hat, war ich froh, als ich festgestellt habe, dass die Autorin bereits an einem Nachfolgeband schreibt: „Outpost“.

Reinlesen könnt ihr hier.

Published in: on Juli 2, 2011 at 4:20 pm  Comments (1)  
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Infinity: Der Turm von Wolfgang Hohlbein

Infinity kann man meiner Meinung nach eher der apokalyptische Science Fiction als der Fantasy zuordnen. Das sollte dem Lesespass aber keinen Abbruch tun:

Wolfgang Hohlbein
Infinity: Der Turm
Verlag: Piper
625 Seiten , Hardcover
ISBN-10: 3492702236
ISBN-13: 978-3492702232
19,95 €

Das Cover des Buches ist in dunklen Blautönen gehalten. Im Zentrum des Covers befindet sich ein Turm – Der Turm. Am Fuße des Turmes ist eine Tür geöffnet, aus der ein seltsam geformter Lichtstrahl zur Spitze des Turmes strebt. Außerdem kann man dort einen Menschen entdecken – winzig im Vergleich zum Turm. – Ein düsteres, geheimnisvolles Cover, das zum Lesen einlädt.

Im Buch werden drei Handlungsstränge verfolgt. Diese erzählen von Prinzessin Infinity, dem Mädchen Gea und von General Mardu:

Prinzessin Infinity steht kurz vor ihrer Krönung, als der Tag des Empfangs ansteht: Die traditionelle Begegnung zwischen der Herrscherin des Turmes und dem Heerführer von Belagerung, der vor dem Turm liegenden Stadt. Ein Treffen, das zu einer weiteren Waffenruhe führen soll.

Während das Treffen naht, zündet General Mardu im Auftrag des Heerführers, Craiden, eine Atombombe – mit verheerender Wirkung: Auch wenn der Schild des Turmes nicht durchbrochen wird, werde die dem Turm am nächsten gelegenen Stadtviertel völlig zerstört und überall in der Stadt finden sich nicht zu löschende Brandherde. Mardus Begleiter sind tot und so muss er sich erst einmal alleine durch die Stadt zurück zum Heer schlagen.

Der dritte Handlungsstrang liegt in der Vergangenheit: Craidens Vater ist der Führer des Heers. Craiden ein junger Soldat, der ein Mädchen in der Stadt vor Plünderern retten: Gea. Ein völlig furchtloses Mädchen im Besitz mächtiger Tech-Magie, das keine Ahnung von dem Leben in Belagerung hat.

Wolfgang Hohlbein erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und springt dabei zwischen den Handlungssträngen hin und her. Dies ist jedoch nicht allzu verwirrend, da die unterschiedlichen Perspektiven auch als solche gekennzeichnet sind. Sie ermöglichen es dem Leser, die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu erleben – wirkliche Klarheit bringen sie jedoch nicht in die Geschichte. Es werden nicht wirklich Hintergründe erläutert, sondern nur das erzählt, was im Moment geschieht. Die Gedanken der Hauptpersonen beschränken sich auf das Hier und Jetzt. Das ist es auch, was die Geschichte wirklich komplex macht. Der Leser wird in eine Situation hineingeworfen, ohne etwas über sie zu wissen. Er macht sich Gedanken über Zusammenhänge, bestätigt werden diese jedoch in den seltensten Fällen. Damit bleibt für den Leser einiges im Dunklen.

Gerade das ist es, was die Geschichte ausmacht und die Spannung hervorruft (und über das komplette Buch hält). Der Leser weiß nicht, was ihn erwartet. Für ihn sind die Situationen genauso unvorhergesehen wie für die Akteure.
Es kann aber auch frustrierend sein, wenn sich dem Leser nicht der komplette Zusammenhang erschließt – auch nicht mit dem Ende des Buches. Dort sind immer noch zu viele Handlungsstränge nicht abgeschlossen, zu viele Fragen offen.

Einem Interview mit Wolfgang Holhbein auf Geisterspiegel zufolge wird die Geschichte weitergeführt werden. Ich finde es ein wenig frustrierend, wenn eine Geschichte nicht wirklich beendet ist und mag es nicht, auf die nächsten Bände warten zu müssen. Daher empfehle ich potentiellen Lesern, auf das Erscheinen des nächsten Bandes oder der weiteren Bände zu warten, bevor sie sich an das Buch machen. Wer seine Neugier jedoch nicht bezähmen kann wird von dem Buch sicherlich nicht enttäuscht werden, ihn erwartet eine düstere und spannende Story.

In dem Buch findet sich ein Code, den ihr auf der Website von Schandmaul für das Lied „Geas Traum“ – dem Lied zum Buch – einlösen könnt. Ohne Code kann man sich dort zumindest den Trailer anschauen.

Reinlesen könnt ihr hier.

Published in: on Februar 27, 2011 at 7:30 pm  Comments (1)  
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