Radieschen von unten von Kim Fupz Aakeson

Kim Fupz Aakeson
Radieschen von unten
Verlag: Mixtvision
48 Seiten
ISBN-10: 3939435511
ISBN-13: 978-3939435518
13,90 €

Das Cover und auch die Zeichnungen innerhalb des Buches, die im gleichen Stil sind, waren für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Auf dem Cover befindet sich ein grauer Mann (der Bestatter) auf einem grauen Sessel, der auf einem grauen Sarg (!) steht. Die rechte Seite des Covers wird von einer grünen Wand eingenommen, vor der sich ziemlich einfach gezeichnete Blumen befinden. Auf dem Buchrücken kann man einen Tisch erkennen, auf dem sich eine Packung Haferflocken und eine Packung Magermilch befinden – diese kann man allerdings bloß an der krakeligen Aufschrift auf den Verpackungen identifizieren.

Grundsätzlich mag ich eher Zeichnungen im Stil von „Die große Wörterfabrik„, trotzdem hat auch dieser Zeichenstil etwas für sich. Durch den Farbwechsel, grau für den Bestatter, die Toten und die Särge auf der einen Seite, die bunten Blumen auf der anderen, zeigt es klare Gegensätze. Eine skurrile und einfache Darstellung, die jedoch absolut treffend zu dem Rest des Buches passt – sowohl was den Inhalt auch als was die Sprache angeht.

Der Bestatter kümmert sich tagein, tagaus darum, dass die Verstorbenen schön zu ihrer letzten Ruhe gebettet werden. Einzig und allein seine besondere Gabe – er kann die Toten verstehen – macht diese Routine zu etwas Besonderem. Eine Routine, die ins Wanken gerät, als ihn eine junge Verstorbene von ihren Träumen erzählt, die sie nun nicht mehr ausleben kann.

Die Sprache ist einfach, die Sätze sind kurz – und damit umso eindringlicher. Man begleitet den Bestatter Schritt für Schritt durch seinen Alltag, der sich von Tag zu Tag nicht wirklich unterscheidet. Die einzige Abwechslung bietet sein Abendrot – entweder Knäckebrot und Käse oder Haferflocken mit Magermilch – und die Toten, die er bestattet. Letztgenannte bringen die wirkliche Abwechslung: Ob der Bestatter nun mit einem toten Opa über den Podex seiner Frau (und den anderer Frauen) diskutiert oder froh den Sargdeckel über eine wirklich anstrengende Frau schließen kann – als langweilig kann man das nun wirklich nicht bezeichnen.

Über seine Arbeit mit den Toten und seinen Alltagsroutine hinaus ist der Bestatter jedoch ziemlich einsam. Das, was die Verstorbenen ihm gegenüber bedauern nicht getan zu haben, oder das Erreichte, von dem sie ihm erzählen, hat der Bestatter selbst nie erlebt. Die Traurigkeit der jungen Verstorbenen und sein Versuch, sie zu trösten, ändern dies. Gemeinsam stellen sie sich ein Paradies vor, das man so auch in unserer Welt finden kann – wenn man nur die Augen aufhält.

Grauer Alltag, bunte Blumen – die Toten und die Lebenden. Auch wenn ein Großteil des Buches von den Toten eingenommen wird und die Hauptperson ein Bestatter ist, ist es lebensfroher als manch anderes Buch. Die schlichte Sätze und die skurrile Darstellung machen auf wunderschöne Art und Weise deutlich, was eigentlich jedem klar sein sollte – und doch nicht wahrgenommen wird: Man kann überall ein Stück vom Paradies entdecken.

Published in: on Juni 1, 2012 at 6:00 pm  Kommentar verfassen  
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Keturah – Gefährtin des Todes von Martine Leavitt

Martine Leavitt
Keturah – Gefährtin des Todes
Verlag: Hanser
240 Seiten
ISBN-10: 3446234756
ISBN-13: 978-3446234758
14,90 €

Das Cover des Buches zeigt eine weiß gekleidete, ziemlich blasse Frau und eine verhüllte Gestalt in einer Umarmung. Der Hintergrund ist in einem dunklen Waldgrün gehalten. Ein Cover, das ziemlich gut auf eine der Szenen im Buch passt und damit definitiv die Ausnahme ist (im positiven Sinne).

Die Geschichte, von der das Buch handelt, erzählt die Hauptperson – Keturah – selbst. „Eine Geschichte von Zauberei und Liebe, von Tod und Tapferkeit, und eine, die das Herz wärmt“. – Besser kann ich die Geschichte auch nicht zusammenfassen.

Die 16-jährige Keturah ist eine Geschichtenerzählerin. Als sie am nahe gelegen Waldrand den Hirsch aus ihren Geschichten sieht, folgt sie ihm – und verirrt sich im Wald. Dort trifft sie auf den Tod, der plant, sie mit sich zu nehmen. Keturah schlägt ihm jedoch einen Handel vor und darf vorerst in ihr Dorf zurückkehren. Findet sie innerhalb eines Tages die Liebe ihres Lebens, darf sie am Leben bleiben, ansonsten muss sie mit dem Tod ziehen …

Keturah, die Hauptperson der Geschichte, ist nicht nur eine gute Geschichtenerzählerin, sondern ist auch etwas Besonderes. Keturah kann seit ihrer Kindheit den Tod sehen. Den Tod, den auch die normalen Sterblichen spüren: Wenn sie Hunger leiden oder der kalte Wind ihnen durch die Knochen pfeift.

Mit Keturahs Geschichte zeigt Martine Leavitt, dass an dem Tod nichts Schlechtes ist. Gerade er macht das Leben lebenswert. Tod und Leben gehören eben einfach zusammen.

Keturahs Umgang mit dem Tod ist vielleicht respektlos, aber sicher nicht schlechter als der, den die Menschen in ihrem Dorf (oder auch wir selbst) mit ihm pflegen. Keturah versucht, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, lässt sich auf einen Handel mit ihm ein – aber nicht nur für sich, sondern auch für die Menschen, die sie liebt. Ob sie dabei die Liebe ihres Lebens finden wird werde ich nicht verraten, aber ihre Suche danach ist deutlich mehr als nur lesenswert.

Das Ende der Geschichte kam (zumindest für mich) unerwartet. Aber es passt zu der Geschichte, es ist ein gutes Ende, genau wie das Buch ein gutes Buch ist – sogar besser.

Eine Geschichte zum Nachdenken, „eine Geschichte von Zauberei und Liebe, von Tod und Tapferkeit, und eine die das Herz wärmt“ – und damit eine Geschichte, die perfekt in die jetzige Jahreszeit passt. Ein Buch, mit dem man es sich mit einer warmen Decke auf dem Sofa gemütlich machen kann – um es dann an einem Stück durchzulesen.

Hier könnt ihr euch selber von der Geschichte verzaubern lassen.

Published in: on Oktober 28, 2011 at 11:40 pm  Comments (1)  
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