Blutschwur – Die Söhne des Drachen von Stefanie Mühlsteph

blutschwur Stefanie Mühlsteph
Blutschwur – Die Söhne des Drachen
Verlag: Thorsten Low
382 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3940036234
ISBN-13: 978-3940036230
13,90 €

Sowohl das Cover als auch der Titel des Buches sind ziemlich blutig: Ich zumindest habe mit den roten Schlieren, die das Cover durchziehen und das darauf befindliche Schwert bedecken, eindeutig mit selbigem assoziiert. Auf Liebhaber düsterer und blutiger Geschichten wirkt das sicher einladend, mich hätte das Cover eher von einer näheren Betrachtung des Buches abgehalten.

Mit dem brutalen Tod ihres Hundes endet Catherines bis dahin recht überschaubares Leben als pazifistische Geschichtsstudentin. Verfolgt von düsteren Gestalten wird sie in eine Welt hineingestoßen, an die sie vor dem kürzlich Erlebten niemals geglaubt hätte. Als Schlüssel zu der Erweckung von Graf Dracula bleibt ihr allerdings nicht viel Zeit, sich an diese neue Welt zu gewöhnen.

Mit dem Prolog hat mich Stefanie Mühlsteph schnell in den Bann ihrer Geschichte gezogen: Wer ist der Fremde, dessen Gedanken man lauschen kann, und wer die dunkle Schönheit, die er beobachtet? Die Antwort kann man auch mit dem Ende des Buches nur vermuten.

Mit der Einführung der Hauptperson wird der Leser allerdings abrupt aus dieser fantastisch-melancholischen Stimmung gerissen, denn fantastisch ist das Leben der mit ihrem Studium und dessen Finanzierung ausgelasteten Studentin definitiv nicht zu nennen. Mit der brutalen Ermordung ihres Hundes wird ihr Studentenalltag jedoch jäh unterbrochen. Und damit beginnt der düstere Teil der Geschichte, der Kampf von Kresnik und Kudlak, in dessen Mitte Catherine unfreiwillig steht: Eine Bluttransfusion hat sie zur letzten Hoffnung für die Erweckung von Graf Dracula – für die historisch bewandte Studentin besser bekannt als Vlad, der Pfähler – gemacht, eine Erweckung, die von seinen Anhängern, den Kudklaks, sehnlichst gewünscht wird, während die ihnen gegenüberstehenden Kresniks sie mit aller Macht verhindert wollen.

Während Catherine die Ereignisse erst nicht wahrhaben will, lassen Kresnik und Kudlaks sie nicht aus den Augen. Tatsächlich kommen ihr einige sogar sehr nah – eine Nähe, die Catherine nicht unbedingt unangenehm ist. Die klassische Dreiecksbeziehung ist damit auch in dieser Geschichte untergebracht. Meine Sympathie war hier schnell vergeben – allerdings wohl nicht an den Richtigen, zumindest wenn es nach dem Ende des Buches geht. Da mir Catherine selbst auch nicht übermäßig sympathisch war, vermutlich kein Verlust. Schon ihre Persönlichkeit hat mir nicht zugesagt – ihre Freundin Jessie wäre da schon eher auf meiner Wellenlänge – und spätestens mit ihrer radikalen und blutdürstigen Abkehr vom Pazifismus hatte Catherine bei mir alle Sympathiepunkte verloren. Und damit hatte dann auch die Geschichte schnell einiges von ihrem Reiz eingebüßt.

Eigentlich schade, der Hintergrund der Geschichte hat mir nämlich durchaus gefallen: Die Spaltung von Kresnik und Kudlaks (vereinfacht gesagt gute und böse Vampire) und ihre Geschichte, die die Autorin gekonnt in einen historischen Kontext gesetzt hat. In Kombination mit einer Protagonistin, mit der ich einfach nicht warm werden konnte – die einzigen Figuren, die ich tatsächlich mochte, waren Catherines Freundin Jessie und mein Sympathieträger aus der Dreiecksbeziehung – hatte dieser allerdings keine Chance, mich vom Gesamtwerk zu überzeugen.

Zum Glück gab es keine langatmigen Durststrecken: In diesem Buch überschlagen sich die Ereignisse, gelingt der Protagonisten in wenigen Wochen, wofür andere Helden Jahre brauchen (das Meistern von uralter Kampftechnik zum Beispiel). So kommt es dann auch schnell zum finalen Showdown, bevor die Geschichte durch die Benotung von Catherines historischen Recherchen und einen kleinen Blick hinter den Schleier von Kresnik und Kudlak abgerundet wird.

Da es letztendlich nur Rahmen und Hintergrund waren, die mich bei diesem Buch überzeugen konnten, kann ich das Buch nicht wirklich weiterempfehlen – wer mag, kann es trotzdem gerne mit dem Buch versuchen, ich geb‘ es im Austausch für eine Rezension gerne an einen anderen Fantasyleser weiter.

Published in: on September 26, 2014 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Missverstandene Monster von Ingrid Pointecker (Hrsg.)

missverstandenemonster Ingrid Pointecker
Missverstandene Monster
Verlag ohneohren
207 Seiten
E-Book
ASIN: B00N7CFSDC
4,99 €

Ich muss gestehen, dass mich schon der Titel der Anthologie zum Schmunzeln gebracht hat – und das kleine Monsterchen auf dem Cover sieht tatsächlich eher bemitleidenswert als gruselig oder gar monsterlich aus: Winzig klein, mit der Leine eines zerstörten Luftballons in den Klauen, dazu der starre Blick aus dem roten und gelben Auge. Nicht gerade zum Knuddeln, aber auch ganz sicher nicht zum Davonlaufen, im Gegenteil: Es verleitet den Betrachter dazu, das Buch aufzuschlagen und mehr über dieses und die anderen missverstandenen Monster zu erfahren.

Dazu bekommt man auch sehr schnell die Gelegenheit, denn in ihrem „Protestbrief“ an Herrn König (Ludwig der VII., König von Frankreich), nimmt die Drachin Tarasque kein Blatt vor dem Mund und zählt jedes der unlängst passierten „Missverständnisse“ auf – bevor sie sehr desillusioniert das Land verlässt.

Danach geht es über kleine und niedliche Monsterchen (je nach Gemütsfassung), Todesfeen und berufliche Schreckgespenster bis hin zum „Großen Grausamen Tod“. Letzterer ist mit seinem Namen nicht wirklich glücklich, führt er doch dazu, dass er sich stets allein in den Ruinen schleunigst verlassener Städte herum treiben muss.

Und während einige Monster nur ein kleines, ruhiges, menschen- und vor allem kinderfreies Eckchen suchen und dafür sogar an Monstertherapien, einem Treffen der „Anonymen Pädophobiker“ oder einem einfachen „Monster helfen Monster“-Workshop teilnehmen, hoffen andere wie „Willo, das Irrlicht“ aus der Feder von Nina C. Egli, sehnlichst auf Besuch. Ein Ereignis, das trotz allen Einsatzes von Willo wohl nie eintreten wird. Ihn habe ich gegen Ende seiner Geschichte tatsächlich sehr bedauert – trotz der Folgen für die Menschen, die einen Besuch tatsächlich in Erwägung zogen.

Das Zusammentreffen mit Menschen ist in den wenigsten Fällen erfreulich zu nennen: Krux aus „Grässlich bleibt grässlich, da helfen keine Pillen“ Zusammentreffen mit einem Menschen endet trotz eines guten Starts in einem Desaster – ihm hätte die nähere Betrachtung eines Pornos vermutlich weitaus mehr gebracht als die Filmromanze, die er zufällig mit anschauen konnte. Dem Leser bringt sein Versuch allerdings ein höchst vergnügliches Leseerlebnis. Und auch die „Arachne organophilia“ würde die regelmäßigen Zusammenstöße mit der Putzfrau (und ihrem spinnenwebenzerstörenden Staubwedel) sicherlich nur zu gern vermeiden – und das, obwohl man diese Spinne im weitesten Sinne sogar als nützlich erachten muss.

Wenig monströs ist dahingegen Claire aus Sophia Bergs „Ein Katzenschwanz zum Verzweifeln“, tatsächlich ist sie wohl eher süß als monströs zu nennen – und so ist es kein Wunder, dass sie das Verständnis, das sie sucht, sehr zur Verzweiflung ihrer Eltern nicht unter den Monstern findet. Eine wirklich süße (vielleicht auch ein klein wenig kitschige) Geschichte.

Mein absolutes Lieblingsmonster ist allerdings das kleine Monsterchen aus Tanja Rasts „Das aus dem Keller“. Wenn man ihm nicht gerade im Dunkeln begegnet, oder nur sein Scharren und Schnaufen hört, muss man sich einfach in das Kleine verlieben – mein Herz hat es jedenfalls im Sturm erobert.

Und mit der letzten Seite haben zumindest ein paar der Monster ihr Image merklich aufpoliert. Mit dem Streikberater aus Helen B. Krafts Geschichte würde ich allerdings trotzdem nicht tauschen wollen – wer würde schon gerne an einem Monsterstreik teilnehmen, wenn einige der Monster noch von den schönen Zeiten mit den Dörflern und ihren Mistgabeln träumen? Diese Zeiten sind ebenso vorbei, wie das Image des klassischen Monsters passe` ist – spätestens nach der Lektüre dieser Anthologie. Und mit der letzten Seite wird jeder der Leser mit einem leichten Schmunzeln auch sein Monsterbild überdenken. Dafür ist es auch höchste Zeit!

Hier könnt ihr selbst einen ersten Schritt auf die „Missverstandenen Monster“ zugehen.

Published in: on September 10, 2014 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Unsterblich – Tor der Dämmerung von Julie Kagawa

unsterblich Julie Kagawa
Unserblich – Tor der Dämmerung
Verlag: Heyne fliegt
068 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3453268571
ISBN-13: 978-3453268579
16,99 €

Das Cover des Buches sagt mir nicht wirklich zu, auch wenn das mit dem japanischen Schwert bewaffnete Mädchen durchaus zum Inhalt des Buches passt. Die roten Wellen könnten auch passen, dann müssten es allerdings Wellen von Blut sein – und darüber will ich lieber gar nicht erst nachdenken. Was mir überhaupt nicht gefällt ist die Mischung von Schwarz-Weiß-Fotografie und Zeichnung – das Mädchen wirkt wie fotografiert, während die sie umgebenden Wellen mit roter Farbe gezeichnet sind – eine ziemlich skurrile Mischung, die einem vermutlich einfach liegen muss.

In Allisons Welt sind die Vampire die Herrscher und die Menschen nicht viel mehr als ihre Sklaven – auch wenn es weitaus eloquenter formuliert wird. Die registrierten Menschen tauschen Blut gegen Schutz und Nahrung, während die Unregistrierten sehen müssen, wie sie zurecht kommen. Allison ist eine Unregistrierte und stolz darauf – sie würde eher sterben, als sich den Vampiren zu unterwerfen. Damit, dass sie selbst einmal ein Vampir werden könnte, hätte sie jedoch niemals gerechnet.

Schon die Hintergründe von Julie Kagawas Dystopie gefallen mir: Sie hat die klassischen Vampirgestalten wie die von Anne Rice mit Menschen zusammenarbeiten lassen, um einen menschentötenden Virus zu stoppen – letztendlich würde das Aussterben der Menschen ja auch das der Vampire bedeuten. Die Zusammenarbeit lief nicht wie geplant und führte letztendlich zu der Welt, die Allison kennt: Von in Vampirstädten lebenden Menschen, die von den Vampiren beherrscht und zu einem gewissen Grad auch beschützt, aber eben auch dumm gehalten und ausgenutzt werden. Eine typische Dystopie, der Julie Kagawa einfach nur den klassischen Vampirmythos hinzugefügt und damit etwas Neues geschaffen hat. Die detaillierten Hintergründe erfahren Allison und der Leser erst im Verlauf der Geschichte, während der Istzustand schon mit den ersten Seiten überdeutlich wird.

Allison ist jedoch weder dumm noch bereit, sich von den Vampiren ausnutzen zu lassen – und im Gegensatz zu den meisten Menschen hat sie die Fähigkeit zu lesen und den Willen, etwas zu verändern. Die radikale Änderung, die ihrem Leben eine Wende gibt, hätte sie jedoch vermutlich niemals planen können. Die Verwandlung in einen Vampir löst alle Bande und Allison muss lernen neue Wege zu gehen, als erstes jedoch begreifen, dass sie nun kein Mensch mehr ist. Ein harter Schnitt, der für den Leser ebenso hart ist wie für Allison, hat er doch auf den ersten Seiten nur durch sie das Menschenleben in ihrer Welt kennen gelernt – und nun wird alles auf den Kopf gestellt.

Was dieser Schnitt genau bedeutet, macht Julie Kagawa den Lesern und Allison durch Allisons Lehrmeister, Kanin, deutlich. Und der ist ebenso wenig wie Allison ein moderner Kuschelvampir. Julie Kagawas Vampire können Gewissen und Moral haben, aber letztendlich müssen sie sich von Menschen ernähren und werden von der Sonne verbrannt – menschliche Bindungen sind damit nicht wirklich empfehlenswert. Die Verbindungen zur Vergangenheit lassen sich jedoch nicht einfach kappen – und wer möchte schon alleine leben, insbesondere, wenn es für die Ewigkeit ist?

Allison muss ihren eigenen Weg in dieser neuen Welt und ihrer neuen Existenz finden. Und genau davon handelt diese Geschichte: Von einem jungen Mädchen auf dem Weg zu sich selbst. Der Leser lernt während der Seiten Allison und ihre Welt immer besser kennen – ihre Welt kann man fürchten, Allison gewinnt man jedoch mit jeder Seite lieber und hofft, dass sie den richtigen Weg wählt. Die letztendliche Entscheidung ist aber auch mit der letzten Seite nicht getroffen – und während die Heldin einsam in der Nacht verschwindet, bleibt dem zurückbleibenden Leser nur eines: Auf ein Wiedersehen zu hoffen.

Mir hat damit bis auf das Cover eigentlich alles gefallen: Das dystopisch-düstere Setting, die charismatische Hauptperson, ihr geheimnisvoller Lehrmeister und Allisons Suche nach ihrem Platz in der Welt. Eine Suche, die von Kämpfen, neuen Erkenntnissen, aber auch starken Gefühlen (guten wie schlechten) geprägt ist. Tatsächlich hat mir sogar das recht offene Ende gefallen – irgendwie passte es zu der Geschichte. „Unsterblich – Tor der Dämmerung“ ist keine klassische Dystopie, düster, melancholisch und nachdenklich gleicht sie Allisons tödlichem Tanz mit ihrer Katana – mir hat er gefallen.

Und hier könnt ihr euch selbst einen Eindruck verschaffen.

Published in: on Mai 4, 2014 at 9:00 am  Comments (2)  
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Vorübergehend tot von Charlaine Harris

vorübergehendtot Charlaine Harris
Vorübergehend tot
Verlag: Feder & Schwert
328 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3937255141
ISBN-13: 978-3937255149
9,95 €

„Vorübergehend tot“ ist der erste Band der „Sookie Stackhouse“-Reihe von Charlaine Harris. Mich hat die Reihe spätestens nach ein paar Kurzgeschichten in diversen Anthologien interessiert – und als ich das Buch in einer Ausgabe mit ansprechenden Cover entdeckte, habe ich zugeschlagen.

Das Cover meine Ausgabe zeigt im Gegensatz zu den meisten anderen Covern einfach eine Szene aus dem Buch: Vor dem schlichten schwarzen Hintergrund kann man im Comicstil Sookie Stackhouse ihrer Arbeit als Kellnerin nachgehen sehen. Sie selbst ist dabei im schlichten Kellnerinnen-Outfit zu sehen, während man im Hintergrund an einem der Tische eine blasse Gestalt sitzten sieht – vielleicht den Vampir Bill? Mir gefallen jedenfalls sowohl der Stil des Covers als auch der eindeutige Bezug zum Buch.

Sookie Stackhouse ist eine einfache Kellnerin, ihre Fähigkeit, Gedanken zu lesen, macht sie zu etwas Besonderem, aber auch einsam. Vampir Bill zieht sie aus dieser Einsamkeit mitten ins Leben und in völliges Chaos: Seit seinem Eintreffen werden immer wieder tote Frauen aufgefunden. Die Vampirbisse, die diese Frauen zieren, machen auch Bill verdächtig. Und das Umfeld in denen sie sich bewegten lässt vermuten, dass Sookie bald das nächste Opfer sein könnte.

Die kurze Inhaltszusammenfassung könnte vermuten lassen, dass es sich bei „Vorübergehend tot“ um einen Krimi handelt. Damit würde man allerdings nur einen winzig kleinen Teil des Buches beschreiben, auch wenn Sookie im weiteren Verlauf immer näher an den Mörder heranrückt und sich die Morde schlussendlich aufklären. Die Mordserie an sich ist allerdings nur ein Nebenstrang. Wenn man das Buch in eine Schublade stecken wollte, was tatsächlich nicht einfach ist, würde ich es am ehesten als literarische Umsetzung einer Soap mit fantastischen und mörderischen Anteilen beschreiben.

Erzählt wird die Geschichte aus Sookies Sicht. Eine sympathische Person, die den Leser mit einem Hauch von Ironie an ihrem Leben teilhaben lässt. Sie selbst sieht ihre Fähigkeit Gedanken zu lesen als Behinderung an und lässt sie eine unsichtbare Mauer zwischen sich und anderen aufbauen. Bill, eher gesagt Sookie selbst, durchschlägt diese Mauer mit einer Motorradkette, als sie Bill davor bewahrt, von geldgierigen Menschen ausgeblutet zu werden. Die Tatsache, dass Bill ebenso anders ist wie Sookie (und sie nicht in der Lage ist, seine Gedanken zu lesen) lässt sie schnell Freude, später sogar ein Paar werden. Eine Beziehung, die Charlaine Harris zwar schnell, aber dennoch überaus glaubhaft entstehen lässt. Durch Sookies Interaktionen mit Bill ändern sich allerdings auch ihre Beziehungen zu anderen Menschen. Die Reaktionen reichen über Abneigungen gegenüber einer Vampirfreundin bis hin zu plötzlicher Bewunderung oder gar Eifersucht. Reaktionen, die die Geschichte – ebenso wie Sookies Art, sie zu erzählen – überaus lesenswert machen, auch wenn ich zumindest zu keiner Zeit in Sookies Schuhen hätte stecken wollen.

Charlaine Harris beschreibt in „Vorübergehend tot“ allerdings beileibe nicht nur das Kennenlernen von Bill und Sookie und die Aufklärung eines Serienmordes, sie entführt den Leser auch in eine Welt, die trotz ihrer Ähnlichkeit ganz anders ist als unsere. Vampire sind real – und ein interessanter Teil der Gesellschaft. Es sind aber auch Wesen, die ihre eigenen Gesetze und Moralvorstellungen haben. Der Einblick, den Sookie erst über Bill, später selbst über direkten Kontakt mit anderen Vampiren bekommt, ist ziemlich düster und brutal. Vampire sind aber längst nicht die einzigen paranormalen Wesen, die Charlaine Harris Welt bevölkern. In diesem Buch stößt man zumindest auf eine weitere Wesenart – und ich würde mich nicht wundern, wenn in den Folgebänden noch mehr auftauchen würden.

Mich hat vor allem Sookie fasziniert, aber auch die Menschen, die sie umgeben, sind mehr als nur einen Blick wert. Die Blicke, die man hinter ihre Fassaden werfen kann, haben zumindest mich ziemlich neugierig gemacht – und zeigen, dass die Autorin sich selbst um die kleinste Nebenfigur einige Gedanken gemacht haben muss. „Vorübergehend tot“ lebt vor allen von den Beziehungen und Interaktionen der Protagonisten, aber auch von der Welt in der sie interagieren und von den Geheimnissen, die jede einzelne Figur behütet.

Mich hat das Buch trotz des runden Abschlusses – die Beziehungen sind erst einmal klar, die Mordreihe aufgeklärt – voller Neugier auf die Folgebände zurückgelassen. Die Fortsetzung ist schon so gut wie auf dem Weg.

Hier könnt ihr selbst einen Blick ins Buch werfen.

Published in: on Februar 15, 2014 at 2:30 pm  Comments (2)  
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Blutbank von Tanya Huff

blutbank Tanya Huff
Blutbank
Verlag: Feder & Schwert
320 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3867620415
ISBN-13: 978-3867620413
9,95 €

Nach dem Abschluss der Vicky-Nelson-Reihe, „Blutschuld„, haben sich für den Leser noch längst nicht alle Fragen geklärt. Jedes der Bücher ist abgeschlossen, aber offene Fragen über die Protagonisten gibt es noch genug. In der Kurzgeschichtensammlung „Blutbank“ beantwortet Tanya Huff einige dieser Fragen.

Die Gestaltung des Buches orientiert sich an den Vorgängerbänden: Vor dem dunklen blutroten Hintergrund kann man den Mond und eine düstere Wolfsgestalt – vermutlich einen Werwolf – erkennen. Damit ist dieses Cover genauso schaurig und genau so entfernt von meinem Geschmack wie die anderen Cover. Den Geschichten tut das aber zum Glück keinen Abbruch.

Die Kurzgeschichten spielen entweder vor Beginn oder nach Ende der Reihe. In Henrys Vergangenheit geht der Leser mit ihm in „Was für ein Mann“ auf die Jagd nach einem englischen Spion und beginnt in „Frevelhaft“ an seiner Seite ein Rachefeldzug gegen die Inquisition. In „Bettgesellen“ ist er nach den jüngsten Ereignissen auf der Suche nach einem neuen „Bettgefährten“ – eine Suche, die nicht unbedingt von Erfolg gekrönt ist. Vicky hingegen hat mit den Tücken ihres neuen Lebens zu kämpfen: Revierstreitigkeiten, der Austausch von Gefälligkeiten mit Zigeunern, seltsame Kreaturen in der Londoner U-Bahn, aber auch fast typische Jobs, wie zum Beispiel die Aufgabe zu enthüllen, wer wirklich hinter dem „rächenden Geist des Lake Nepeakea“ steckt.

Für Neueinsteiger ist „Blutbank“ definitiv nicht zu empfehlen, da viel zu viel aus der eigentlichen Reihe vorweg genommen würde. Leser, die wie ich die Reihe verschlungen haben, werden allerdings ihre Freude daran haben – schlussendlich ist es die letzte Gelegenheit, noch einmal in die Reihe einzutauchen. Und auch, wenn Henry und Vicky keineswegs zusammen unterwegs sind, behält Tanya Huff in den Kurzgeschichten den typischen Charme der Reihe bei. Vicky und Henry haben sich verändert, aber sie sind trotzdem noch dieselben. Damit geht Vicky bei neuen Problemen gewohnt kreativ an mögliche Lösungen heran, während Celluci noch immer versucht, mit der Situation klar zu kommen. Ihre Ermittlungen beschreiten sie aber wie gewohnt gemeinsam, auch wenn sich die Arbeitsteilung etwas verlagert hat. Und die Auflösung von „Der rächende Geist des Lake Nepeakea“ ist definitiv so ungewöhnlich wie die bisherigen Fälle des Ermittlerduos (oder –trios). In „Schöne Bescherung“ (die letzte Geschichte im Buch) zeigt sich dann, dass auch Vicky bereit ist, für Celluci zurückzustehen – eine Geschichte mit ungewohnt romantischem Anteil.
Henrys Vergangenheit hingegen ist eher düster, auch wenn die Jagd auf den französischen Spion noch ziemlich normal verläuft. In „Frevelhaft“ zeigt sich dann, was Henry in seine Vergangenheit alles mitmachen musste – und was das aus ihm gemacht hat. Zum Glück wird es in „Bettgesellen“ wieder gewohnt humorvoll, wenn auch eher für den Leser als für Henry.

Mir hat der erneute Ausflug in Vickys und Henrys Welt gefallen – und ich kann das Buch damit ohne Bedenken jedem Fan der Reihe empfehlen. Neueinsteiger verweise ich allerdings lieber auf Band eins der Reihe, „Blutzoll„.

Eine Leseprobe habe ich leider nicht gefunden, aber wir Leser der Reihe wissen ja, was uns erwartet ;-).

Published in: on Februar 8, 2014 at 12:00 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Düstere Schatten von Stefanie Hasse

duestereschatten Stefanie Hasse
Düstere Schatten
291 Seiten
Ebook
ASIN: B00HCM27QO

„Düstere Schatten“ ist der zweite Band der Geschichte um die Mondkinder Darian und Victoria, die Rezension zu Band eins findet ihr hier.

Wie das Cover zu „Schwarzer Rauch“ wirkt auch dieses wie eine Aquarellzeichnung. Es zeigt eine von tosendem Wasser umgebene Festung, die einzig vom Licht des Vollmonds erhellt wird. Eine schmale Brücke führt über die Wassermassen – und wer genau hinschaut, kann eine kleine Gruppe erkennen, die den Weg zur Festung wagt. Die Szenerie lässt sich meiner Meinung nicht wirklich einer der Buchszenen zuordnen, die Stimmung des Buches fängt es allerdings gut ein – und wie auch bei Band eins nimmt der Mond sowohl in der Geschichte als auch auf dem Cover eine zentrale Rolle ein.

Die dunkle Seite wurde enttarnt und der Rat damit um einen Großteil dezimiert. Den übrig gebliebenen bleibt nicht viel Zeit, sich vom letzten „Sieg“ zu erholen. Eine Unbekannte zieht die Werwölfe in ihren Bann und plant an ihrer Seite die „Herrschaft des Rates“ zu beenden. Einzig die Umkehrung des Zaubers, der die Menschen einst zu Werwölfen machte, könnte die Rettung bringen – dafür fehlt es allerdings an einer wichtigen Zutat. Um sie zu bekommen muss eine kleine Gruppe in die gefährlichen „Ebenen“ überwechseln.

Stefanie Hasse beginnt ihre Geschichte mit dem Schwur, der einer Fee den Namen ihres Schützlings verrät, ein Schwur, der im weiteren Verlauf der Geschichte noch eine wichtige Rolle spielen wird. Anschließend ruft der erste Eintrag in Victorias geheimem Tagebuch dem Leser die Geschehnisse des letzten Bandes kurz in Erinnerung. Mit dem letzten Satz fasst Victoria den Entschluss, nichts zu vergessen. Und dass ihre Erinnerung nur temporär verschwand, weiß der geneigte Leser ja schon seit dem letzten Band. Aber ob Victoria alle Erinnerungen zurück erlangen wird, weiß wohl nur der Mond.

Im Prolog befindet sich Victoria wieder an der Seite ihres Lebensgefährten Alex, ein Blick hinter seine telepathischen Barrieren ruft erneut ihre Erinnerungen wach und entführt den Leser in den nächsten Teil von Victorias Vergangenheit, der direkt an den in „Schwarzer Rauch“ beschriebenen Flashback anschließt. Wieder einmal gilt es dunkle Pläne zu vereiteln.

Die Planung von Gegenmaßnahmen gestaltet sich vergleichsweise einfach. Der Zusammenschluss von Vampiren, Werwölfen und Mondkindern findet schnell eine Lösung. Die Umsetzung hat es allerdings in sich: Eine Reise in tödlichen Ebenen jenseits unserer Welt und die Umsetzung einer Petition, die den Einsatz jeglicher Zauberkraft in der Menschenwelt verhindert. Die meisten Akteure der Mission sind dem Leser bereits aus dem ersten Band bekannt: Victoria und Darian; Victorias beste Freundin, die Fee Sina, das Mondkind Elric und Victorias Mentorin Aurelia. Eine starke Truppe, die im Verlauf der Geschichte noch weit enger zusammenwächst als zuvor – sei es durch Magie oder persönliche Bande. An ihrer Seite befinden sich der Elf Miros, der die Ebenen bereits einmal durchquerte, und die Vampirzwillinge Samantha und Jonah, deren magische Gabe die Sicherheit der Gruppe garantieren soll.

Aber allen guten Wünschen zum Trotz steht die Mission unter keinem guten Stern. Ein düsterer Schatten, genährt von Wut und falscher Hoffnung, liegt über ihr. Wieder einmal sind es einzig Liebe, Vertrauen und Freundschaft, die einen Ausweg zeigen. Und das, obwohl das Vertrauen an manchen Stellen geradezu fehl am Platz ist. Die finsteren Gegenspieler sind mächtiger als zuvor; im weiteren Verlauf der Geschichte scheint es sogar so, als ob einzig und allein sie die Fäden in den Händen halten. Und auch, wenn die Truppe schlussendlich den Ausweg finden, geht zumindest Darian und Victorias Geschichte längst nicht so gut aus wie beim letzten Mal. Mit dem Ende könnte man sogar meinen, dass die Hoffnung für die beiden ebenso verloren ist wie Victorias vollständige Erinnerung.

Die Geschichte ist insgesamt – bis hin zum wirklich gemeinen Abschluss – rundum gelungen: Spannend, mitreißend und absolut schlüssig. Trotzdem beinhaltet das Ende einen bösen Cliffhanger. Happy-End-Leser hoffen diesmal vergeblich – zumindest für die zwei Hauptakteure. Und selbst das Zusammenfinden eines zweiten so süßen Pärchens wie Darian und Victoria kann den Leser dafür nicht entschädigen. Jetzt bleibt wohl nur zu hoffen, dass die Geschichte bald weitergeht, denn so darf es einfach nicht enden.

Published in: on Dezember 22, 2013 at 6:00 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Spinnenkuss von Jennifer Estep

spinnenkuss Jennifer Estep
Spinnenkuss
Verlag: Piper
448 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3492269400
ISBN-13: 978-3492269407
12,99 €

Spinnenkuss ist der erste Band der momentan mit zwölf Bänden geplanten „Elemental Assassin“-Reihe. Die Wahl des deutschen Titels hat mich allerdings schmunzeln lassen, wurde doch aus dem englischen Titel „Spider’s Bite“ (zu deutsch: Spinnenbiss) „Spinnenkuss“. Was sich die Übersetzerin hier wohl gedacht hat?

Das Cover des Buches finde ich im Gegensatz zum Titel allerdings ziemlich stimmig. Mir gefällt vor allem die deutlich hervorstechende orange Rune, das Symbol der weiblichen Hauptperson: Die Spinne. Das dahinter befindliche Frauengesicht soll vermutlich selbige darstellen, zumindest wirkt die Frau auf dem Bild ähnlich kalt und hart wie die Spinne während ihrer Aufträge.

Die Spinne ist eine kaltblütige Killerin, jemand, der für Geld über Leichen geht. Fünf Millionen soll der nächste Auftrag bringen, der sich bald als gefährliche Falle entpuppt. Eine Falle, aus der ihr keine andere Möglichkeit als die Flucht bleibt – und die Gewissheit, dass die Person, die hinter dem Ganzen steckt, nicht ungeschorenen bleiben wird. Ein Ziel, für das die Spinne sogar bereit ist, mit der Polizei zusammen zu arbeiten.

Die Welt in der Gin Blanco, auch bekannt als die Spinne, lebt, unterscheidet sich in einigen wesentlichen Aspekten von unserer eigenen: Ein wichtiger Unterschied ist die Magie, die weit verbreitet ist. Vampire und Elementare (wie Gin) bevölkern die Erde neben den Menschen, aber auch die die Schere zwischen Arm und Reich klafft deutlich stärker auseinander als in unserer Welt. Korruption und Bestechung sind an der Tagesordnung, ebenso wie Gewalt und Tod. Gins Arbeit bringt letzteres, allerdings ist sie eine „gute“ Attentäterin. Ihre Aufträge sind sorgfältig gewählt und keines ihrer Opfer ist unschuldig. Eine Tatsache, die sie dem Leser ebenso schnell sympathisch macht wie ihre sarkastische Art, die Welt um sich herum zu betrachten.

Als die Falle, die man ihr stellt, jemanden das Leben kostet dem sie nahe steht, will Gin nur noch eines: Rache. Und so webt sie langsam ein Netz, das die Hintermänner in die Falle locken soll. Ein Netz, das ebenso wie Korruption und Gier bis in die Reihe der Polizei reicht. Die Zusammenarbeit mit selbiger gestaltet sich allerdings anders als man es auf den ersten Gedanken vermutet. Es ist nicht die Polizei, die mit Gin zusammenarbeit, sondern ein einzelner Cop, Donovan Caine. Jemand, der tatsächlich die Gerichtigkeit im Blick hat, nicht den eigenen Geldbeutel. Und jemand, der Gin schon längst für den Mord an seinen Partner belangen möchte. Etwas, das er zurücksteckt, um das aktuelle Verbrechen aufzuklären – und sich bei Gin zu revanchieren. Diese hat mit dem Cop jedoch weit mehr vor als nur eng mit ihm zusammen zu arbeiten. Seine Sturrheit, mit der er sie verfolgt, hat sie schon lange beeindruckt und auch sonst ist der gutaussehende Cop weit mehr als nur einen kurzen Blick oder Gedanken wert. Wenn die Situation es zulässt, sprühen daher in manchen Szenen mehr als nur leichte Funken.

Der kriminalistische Anteil der Geschichte hält sich hingegen im Rahmen. Zwar ist es die Suche nach den Hintermännern, die den Plot vorantreibt, sie gestaltet sich allerdings nicht übermäßig schwierig. Gins Kontakte in die Unterwelt – Heiler, Huren & Banker – erweisen sich hier als überaus hilfreich. Donovan Caine ist damit eigentlich nicht viel mehr als eine gutausehende und sexy Nebenfigur. Richtig zur Sache geht es mit ihm (und Gin) eigentlich nur bei einem. Für Kämpfe und magischen Einsatz sind allein Gins Geschick und ihre (elementaren) Kräfte gefragt. Und mit jeder Seite werden die Kämpfe schwieriger, bis es mit dem letzten Abschnitt zum finalen Show-Down kommt, zum rohen Einsatz von Elementarmagie.

Mit den letzten Seiten sind dann nicht nur die „wahren“ Bösewicht besiegt, sondern auch der Gin angehängte Mord samt Hintergründe aufgeklärt. Damit bringt Jennifer Estep den Hauptplot der Geschichte zu einem Ende, es sind allerdings längst nicht alle Fäden entwirrt. Die Fronten zwischen Gin und Donovan sind vermutlich nur vorläufig geklärt, als nahezu allwissender Leser kann man sich durchaus ein Wiedersehen vorstellen. Einige der im Laufe der Geschichte eingefügten Hinweise zu Gins Vergangenheit verdichten sich mit dem Ende zu einem Netz, dass noch einige weitere Bände füllen könnte. Weitere Ziele, die Gin anstreben könnte, gibt es mit dem Ende reichlich. Und auch die Geschichte der ein oder anderen Nebenfigur könnte den Leser in den Folgebänden sicherlich ebenso gut unterhalten.

Mich hat Jennifer Estep mit der Mischung aus Erotik und Fantasy, versehen mit einer leichten Prise Krimi, überzeugen können und meine Neugier auf Gins weiteren Lebensweg erfolgreich geschürt. Einen Blick in die im April erscheinende Fortsetzung, „Spinnentanz“, werde ich daher ganz sicher werfen.

Eine kleine Kostprobe findet ihr hier.

Published in: on Dezember 19, 2013 at 9:00 am  Comments (2)  
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Blutschuld von Tanya Huff

blutschuld Tanya Huff
Blutschuld
Verlag: Feder & Schwert
368 Seiten
Taschenbuch
ISBN-10: 3867620245
ISBN-13: 978-3867620246

„Blutschuld“ ist der fünfte und – wenn man von der Anthologie „Blutbank“ absieht – der letzte Band der Reihe um die Privatdetektivin Vicky Nelson und den Vampir und Liebesromanautor Henry Fitzroy.

Nett anzusehen ist das Cover des Buches ebenso wenig wie seine Vorgänger: Es zeigt einen schmalen Jungen, dessen abgehackte Hände auf einem Metalltablett vor ihm schweben. In der Luft schweben außerdem noch diverse Arztinstrumen wie Verbandschere und Skalpell. Aber auch diesmal kam man den deutlichen Bezug zur Geschichte nicht absprechen.

Nach ihrer Wandlung und Ausbildung zur Vampirin sind Vicky und Henry getrennte Wege gegangen. Alte Tradition und vampirische Instinkte lassen nun mal keine zwei Vampire innerhalb eines Territoriums zu. Vicky hält nichts davon, sich ihr (Un-)leben von Tradition und Instikten bestimmen zu lassen – und so folgt sie ohne zu Zögern Henrys Hilferuf nach Vancouver. Fest entschlossen Henry zu beweisen, dass ihre Freundschaft noch immer Bestand hat – und natürlich Henry dabei zu helfen, den Mord an dem Geist, der ihm erscheint aufzuklären.

Wiedermal ist es ein Mord, der Vicky auf den Plan ruft. Auch wenn dieser (indirekte) Auftraggeber erst einmal Henry „ins Vertrauen“ zieht: Durch abendliches Erscheinen bei Henrys Erwachen und ungewöhnliche Reaktionen als Antwort auf Henrys Fragen – kreischendes (und tödliches) Geschrei bei einem „Nein“, Verschwinden bei einem „Ja“. Da seine Ermittlungsfähigkeiten trotz seiner Zusammenarbeit mit Vicky relativ beschränkt sind bittet Henry sie um Hilfe – mit dem Plan sie und den Geist in Vancouver allein zu lassen. Damit wären Revierstreitigkeiten vermieden, der Fall in guten Händen und der Tradition genüge getan. Schon mit ihren ersten Aufeinandertreffen beweist Henry Vicky, wie er Recht er damit hat sich auf die Traditionen zu berufen – und reist ab. Blöd nur, dass der Geist mit ihm reist – und das letzte Wort bei einer wohlbekannten Person verbleibt.

Natürlich sind auch Tony Foster und Mike Celluci wieder von der Partie. Nach anfänglichen Widerwillen genießt letzter sogar die gemeinsame Fahrt mit Vicky nach Vancouver – sogar dann, als ihm das Auto während seines Abendessen (kurz vor Sonnenuntergang) vom Parkplatz geklaut wird. Der Gedanke an den Mitfahrer, den der Dieb unabsichtlich mitgeklaut hat zaubert nicht nur ihm ein Lächeln ins Gesicht.

Die Ermittlungsarbeit läuft wie eh‘ und jeh‘, nur das diesmal Celucci die Tagschichten übernimmt und sich diesmal Vicky und Henry gegenseitig in die Quere kommen. Tony spielt diesmal tatsächlich nur eine kleine Nebenrolle – aber zwei Vampire in einem Buch sind nun einmal ziemlich dominant. Gut, dass zumindest Celluci willens (oder dumm genug ist) ist sich auch mal zwischen die zwei zu werfen. Die Revierstreitigkeiten werden gegklärt, während gleichzeitig Erinnerungen an alte Ereignisse hervorgeholt werden. Zum Beispiel Vickys Beihilfe an der Verschrottung von Henrys letzten Auto (sie saß auf dem Beifahrersitz). Das ist für den Leser nicht nur amüsant, sondern lässt ihn auch darüber nachdenken die anderen Bände noch mal aus dem Regal zu holen.

Die Suche nach dem Mörder hält den Plot zusammen – für mich war sie, wie auch bei den anderen Bänden der Reihe eigentlich Nebensache. Der amüsante Schreibstil und die Hauptpersonen sind es auch hier, die das Gros‘ der Geschichte ausmachen und es verstehen den Leser stets ein Schmunzeln auf die Lippen zu zaubern. Mit dem Ende hat Vicky nicht nur den Mord aufgeklärt, sondern wieder einmal gekonnt ihren Kopf durchgesetzt – sehr zur Freude (auch wenn es einige niemals zugeben würden) aller Beteiligten (abgesehen von den Bösewichten natürlich).

Der abschließende Band der Reihe hat mir damit wie erwartet richtig gut gefallen. Und mit dem Ende bin ich tatsächlich rundum zufrieden – abgesehen davon, dass ich es jetzt wohl keine weiteren Bücher von den zweien lesen kann. Da mich aber noch eine Anthologie zur Reihe und ein Spin-Off mit Henry und Tony in der Hauptrolle erwartet ist das allerdings etwas, das ich verkraften kann.

Eine Leseprobe (in der gewohnten Ausgabe ;-)) findet ihr hier.

Published in: on Oktober 11, 2013 at 12:30 pm  Comments (1)  
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Wo die Nacht beginnt von Deborah Harkness

wodienachtbeginnt Deborah Harkness
Wo die Nacht beginnt
Verlag: Blanvalet
800 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3764504676
ISBN-13: 978-3764504670
19,99 €

„Wo die Nacht beginnt“ ist der zweite Teil der „All Souls“-Trilogie von Deborah Harkness.

Die Zusammengehörigkeit zwischen Band eins und zwei ist schon am Cover ersichtlich, trotz der doch sehr unterschiedlichen Darstellung: Während das Cover zu „Die Seele der Nacht“ fast schwarz ist, ist das Cover zu „Wo die Nacht beginnt“ in Grüntönen gehalten. Allerdings sind auf beiden Covern mehrere große Blüten zu erkennen, bei „Die Seele der Nacht“ in Violett, bei „Wo die Nacht beginnt“ in Weiß und Gelb. Und auch wenn sich mir der Sinn der Blüten noch nicht erschlossen hat, passen die Bücher damit wirklich gut zusammen – und sehen definitiv nicht schlecht aus.

Um das Manuskript Ashmole 782 wiederzufinden und Dianas Hexenkräfte zu schulen, haben Matthew und Diana den Sprung in die Vergangenheit gewagt. Ein Sprung in eine Welt, die Matthew wohlbekannt ist – und ihn auf längst vergangene Freunde und Familienmitglieder treffen lässt. Ein Wiedersehen, das leider nicht ganz so läuft wie geplant und ein Ziel, das auch durch den Sprung in die Vergangenheit nicht wirklich in greifbare Nähe gerückt ist.

Beginnend mit einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse setzt Deborah Harkness die Geschichte um Diana und Matthew fort -allerdings längst nicht so gekonnt wie mit dem Gedicht zu Beginn des ersten Bandes. Diesmal purzelt der Leser zusammen mit Matthew und Diana einfach in die Vergangenheit (und die neue Geschichte) hinein.

Trotz der magischen Elemente wirkt „Wo die Nacht beginnt“ eher historisch als fantastisch: Hexenverbrennungen, politische Intrigen (auch auf der magischen Seite) das Treffen mit bekannten historischen Persönlichkeiten und die alchemistischen Forschungen (die auch die Suche nach dem Stein der Weisen beinhalten) lassen das 16. Jahrhundert lebendig werden und vermitteln dem Leser weitere Hintergrundinformationen zu den Protagonisten.

Die Suche nach einem Lehrmeister für Diana und dem Manuskript Ashmole 782 läuft hier allerdings deutlich gemäßigter ab. Diesmal sind es politische Spielchen und Intrigen, die Matthew und Diana zu meistern haben. Themen, die, was die Spannung betrifft, definitiv nicht mit dem ersten Band mithalten können.

In Band zwei widmet sich Deborah Harkness neben dem historischen Schauplatz auch der Weiterentwicklung ihrer Figuren. Ebenfalls kein Feld für großartige Spannung, allerdings ein Aspekt, der den Figuren ebenso wie ihren Beziehungen zueinander deutlich an Tiefe verleiht. Der Ausflug in die Vergangenheit schweißt Diana und Matthew damit weit mehr zusammen, als es die Ereignisse in Band eins taten. Das Treffen mit den „alten“ Hexen bringt außerdem Dianas besondere Gabe ans Licht. Die Entwicklung selbiger nimmt ebenfalls einen Großteil der Geschichte ein – und lässt einige eindrucksvolle Bilder im Kopf des Lesers entstehen. Das Wiedersehen mit längst verloren geglaubten Familienmitgliedern – die auch der Leser seit dem ersten Band wirklich gerne treffen würde – sowie die Begegnung mit einigen neuen und wirklich liebenswerten Nebenfiguren (weit entfernt von bedeutenden Persönlichkeiten wie etwa Kaiser Rudolf oder Königin Elisabeth) wie die Junghexe Annie oder dem klein Jack runden die Geschichte gelungen ab – und machen es dem Leser schon etwas schwer, mit dem Ende der Geschichte das 16. Jahrhundert wieder zu verlassen. Die kleinen Auswirkungen auf die Gegenwart, die Deborah Harkness schon im Verlauf der Geschichte beschreibt, lassen einen aber hoffen, zumindest Spuren dieser Figuren auch im dritten Band noch entdecken zu können.

Insgesamt hat mir das Buch nicht ganz so gut gefallen wie der erste Band, dafür hat es mir doch etwas an Tempo gefehlt. Dennoch hat er mir an Diana und Matthews Seiten einige vergnügliche Lesestunden und einen Ausflug in das Zeitalter von Elizabeth I. beschert. Und da der dritte Band der Trilogie mit den nun vorliegenden Erkenntnissen deutlich an Fahrt aufnehmen sollte, wird auch dieser (sobald er denn erschienen ist) nicht allzu lange auf der Wunschliste verweilen.

Die ersten Seiten (und damit den Beginn von Matthew und Dianas Reise) findet ihr hier.

Published in: on Juli 13, 2013 at 9:00 am  Comments (1)  
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Stolen Mortality von Jennifer Benkau

stolenmortality Jennifer Benkau
Stolen Mortality
360 Seiten
Sieben Verlag
ISBN-10: 3864431115
ISBN-13: 978-3864431111
14,90 €

Auf den ersten Blick fand ich das Cover mit dem Gesicht der jung wirkenden und blassen Frau – deren Blässe durch ihre dunklen Haare noch weiter betont wird – etwas merkwürdig, schließlich sollten die Hauptpersonen der Geschichte zwei Brüder sein. Im Nachhinein finde ich es jedoch wirklich passend, denn wenn die junge Frau auf dem Cover die Vampirin Laine darstellen soll, hat sie den Fokus wirklich verdient.

Wächter und Vampire: Wesen, die ähnlicher nicht sein könnten – und sich doch unterscheiden wie Tag und Nacht. Wie die Vampire sind auch die Wächter auf Menschen als Nahrungsquelle angewiesen – und doch sind sie die einzigen, die zwischen den Menschen und den Vampiren stehen. Jamian ist einer dieser Wächter, ebenso wie sein junger Bruder, den er um jeden Preis schützen will -auch, wenn er dadurch seine Sterblichkeit verliert.

Jennifer Benkau hat fast schon Routine darin, ihre Leser zu überraschen. Diesmal erschafft sie um die Vampire herum ein weiteres düsteres Volk, das Volk der Kienshi. Ein Volk, das – aus den Vampiren entstanden – die Aufgabe auf sich genommen hat, die Menschen vor eben diesen zu schützen. Man könnte meinen, sie seien die Guten, Jamian zu Folge sind sie jedoch „einfach etwas anderes Böses“ – und damit hat er leider recht, auch wenn man es als Leser, nachdem man Jamian und seinen jüngeren Bruder kennen gelernt hat, nicht wirklich glauben möchte. Schon um die zwei besser zu verstehen zu können, taucht man schnell tief in die Geschichte der Kienshin ein.

Die Vampirin Laine hingegen bleibt auch dem Leser gegenüber geheimnisvoll, düster und faszinierend. Eine Vamprin, wie sie im Buche steht (in einem sehr alten Buche) und doch auch jemand, dem man langsam verfällt, trotz ihrer gefährlichen und auch blutrünstigen Aura. Aber nicht nur von ihr geht Gefahr aus.

Vor dem Hintergrund der Geschichte um Kienshin und Vampire erzählt Jennifer Benkau das Schicksal zweier Brüder (anders als der Klappentext vermuten lässt, stehen in „Stolen Mortality“ nicht nur Jamian und Laine im Vordergrund). Ein Schicksal, das sowohl Vampire als auch Kienshin bewegt und in ihnen den Wunsch weckt, das Schicksal der zwei zu steuern – ohne dabei vor irgendetwas zurück zu schrecken. Die Gründe für ihre Taten bleiben auch für den Leser im Dunklen, bis sie von Laine langsam enthüllt werden.

Vor der ständig im dunklen lauernden Bedrohung wirken die Emotionen der Protagonisten nur noch stärker – und machen, neben der geheimnisvollen Aura und der die Protagonisten ständig begleitenden Gefahr, einen Großteil der Geschichte aus. Es sind Gefühle, die Jamian und Junias leiten und sie menschlicher wirken lassen als so manchen Menschen. Gerade Junias wirkt trotz seiner frühen Berufung überaus menschlich, besonders während seiner ersten Erfahrungen mit „Keksen“ auf einer Studentenparty und seinen Streichen an der Seite einer Freundin – Erlebnisse, die das Buch mit einer guten Portion Humor noch lesenswerter machen.

Nichtsdestotrotz ist „Stolen Mortality“ eine dunkle und auch tragische Geschichte, wenn sie auch von hellen Funken wie der Bruderliebe zwischen Jamian und Junias durchzogen wird. Eine Geschichte, die den Leser kaum Zeit zum Atmen lässt – zwischen den Entdeckungen, die er macht, und den Geschehnissen, die ihn an Junias und Jamians Seite überrollen. Gefahren und Geheimnisse schlagen den Leser in den Bann und lassen ihn bis zur letzten Seite nicht mehr aus ihren Fängen – und selbst dann nicht.

Mit „Stolen Mortality“ legt Jennifer Benkau damit eine düstere und geheimnisvolle Geschichte vor, eine Geschichte, die von einem stets spürbaren Hauch von Gefahr, aber auch von starken Emotionen durchzogen wird. Eine Geschichte, die zumindest für mich auch mit der letzten Seite noch nicht zu Ende sein kann. Wie Junias werde ich mir den Hoffnungsschimmer auf ein Wiedersehen bewahren.

Währenddessen könnt ihr hier selbst einen Blick ins Buch werfen.

Published in: on Juni 19, 2013 at 12:30 pm  Schreibe einen Kommentar  
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