Der Feenturm von Aileen P. Roberts

Aileen P. Roberts
Der Feenturm
Verlag: Goldmann
640 Seiten
ISBN-10: 3442477115
ISBN-13: 978-3442477111
12,99 €

Das Cover des Buches zeigt eine junge Frau vor einem steinernen Portal. Das Portal ist alt verwachsen und wird vom Licht des am Himmel scheinenden Vollmondes erhellt. Und obwohl die Szenerie so im Buch nicht vorkommt passt sie dennoch zur Geschichte: Eine junge Frau, ein Portal in die Vergangenheit und der Vollmond, der für das Portal ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Bei einer Rucksacktour durch Schottland lässt sich Dana zu einer Wette hinreißen – und verbringt eine Nacht in den alten Gemäuern des Broch Dun Telve. Am Morgen erscheint ihr der Geist der Keltenkriegerin Rionach und bittet Dana um ihre Hilfe: Mit Hilfe von Magie soll Dana in der Zeit zurück reisen, Rionachs Tochter retten und Rionachs Mann die Informationen zuspielen, die er benötigt, um Rionachs Tod zu rächen.

Dana flieht zunächst und beschließt, dem Broch keinen weiteren Besuch abzustatten. Dunkle Träume und der Gedanke an die Hilfe, die sie verweigert hat, verfolgen Dana, sodass sie die Bitte der Kriegerin überdenkt und zum Broch zurückkehrt.

Schon mit den ersten Seiten hat mich die Geschichte in ihren Bann geschlagen. Die Vorstellung von der resoluten Dana an der Seite ihrer quengeligen Freundin Marita mitten auf einer schottischen Straße hat mich schon zum Grinsen gebracht. Die Fahrt in dem Auto des hilfsbereiten Schotten Bobby und seine amüsanten Erzählungen waren für mich der nächste Grund zum Schmunzeln. Aileen P. Roberts schafft es wirklich, die schottische Mentalität und Eigenheiten, wie man sie sich so vorstellt, in ihrer Geschichte einzufangen. Nebenher lässt sie Beschreibungen der Landschaft und der Örtlichkeiten einfließen – und lässt in dem Leser die Sehnsucht erwachen, einen eigenen Blick auf die beschriebenen Szenerien werfen zu können.

Ebenso liebevoll wie die Szenerie beschreibt Aileen P. Roberts auch die Figuren (bis hin zu den Nebenfiguren). So gut, dass man von manchen Figuren weit mehr erfahren möchte als man es tatsächlich kann: Sie sind eben doch nur Nebenfiguren, auch wenn man sie als Leser noch so lieb gewonnen hat oder sich eben einfach noch ein bisschen mehr über die eher nicht naturverbundene Marita bei der gemeinsamen Schottlandtour amüsieren möchte. Die Figuren sind so lebendig beschrieben, dass man fast das Gefühl hat, sie wirklich kennen zu lernen – und sie durchweg auch verstehen kann. So ist Dana eben keine wagemutige Heldin, die sich ohne zu zögern und unvorbereitet auf eine Zeitreise einlässt, sondern lehnt das erste Hilfegesuch von Rionach erst einmal rigoros ab. Erst nach einigem Nachdenken zieht sie die Zeitreise überhaupt in Erwägung. Und sowohl Rionach als auch Dana wissen, dass man nicht unvorbereitet um die 2000 Jahre zurück in die Zeit reisen kann – die Lösung, die sich Aileen P. Roberts für ihre Problem hat einfallen lassen, ist übrigens wirklich gelungen.

Und die Figuren sind nicht nur lebendig beschrieben, sie verhalten sich auch lebendig. Sie entwickeln sich im Verlauf der Geschichte weiter – langsamer oder schneller, je nach Figur – und entwickeln dabei auch Beziehungen zueinander – ebenso schnell oder langsam wie es zu der jeweiligen Figur passt. Ich hatte selten Figuren einer Geschichte so gut vor Augen, wie es beim Lesen von „Der Feenturm“ der Fall war.

Da ich bisher weder in den Genuss einer Schottlandreise noch eines Ausfluges in die Vergangenheit gekommen bin kann ich nicht sagen, ob die von der Autorin geschilderten Szenerien tatsächlich richtig sind, aber eines sind sie auf jeden Fall: absolut stimmig.

„Der Feenturm“ beschreibt allerdings nicht nur den Ausflug einer jungen Frau in das frühe Schottland: Dana hat in der Vergangenheit eine Mission zu erfüllen. Eine Mission, die längst nicht so leicht ist wie gedacht. Und die Hintergründe, die Rionach Dana geschildert hat, sind deutlich vielschichtiger, als es Dana oder der Leser erwartet haben. Das führt Dana und den Leser zu einigen unerwarteten Ereignissen und ist damit durchweg weit von vorhersehbaren Erzählsträngen entfernt.

Aileen P. Roberts ist so ein Zeitreise-Roman der Extraklasse gelungen. Ein Buch, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann – und das sich einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal definitiv verdient hat.

Hier könnt ihr selbst einen Blick auf die ersten Seiten des Buches werfen.

Published in: on Oktober 23, 2012 at 6:00 am  Kommentar verfassen  
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Hourglass von Myra McEntire

Myra McEntire
Hourglass
Verlag: Goldmann
384 Seiten
ISBN-10: 3442475635
ISBN-13: 978-3442475636
12,99 €

Das Cover des Buches gefällt mir richtig gut. Es ist in hellen Farben gehalten und zeigt eine Küstenlinie, vor der eine junge Frau eine Vielzahl blauer Schmetterlinge aus einem Einmachglas in die Freiheit entlässt. Den Bezug zum Buch müsste man hinein interpretieren – alternativ kann man auch einfach das schöne Bild genießen.

Die 17-jährige Emerson Cole hat die Fähigkeit, Menschen aus vergangenen Zeiten zu sehen. Eine Fähigkeit, die ihr bisher jedoch nicht mehr als eine psychiatrische Behandlung und das Wissen um die Kleidung der vergangenen Jahrhunderte eingebracht hat.

Das ändert sich, als sie Michael Weaver kennen lernt. Von ihrem Bruder angeheuert, Emerson bei ihrem „Problem“ zu helfen, offenbart er Emerson sein Geheimnis: Er kann diese Menschen ebenso sehen wie sie. Gemeinsam sind sie jedoch noch zu weit mehr fähig. Vielleicht sogar dazu in der Lage, die Vergangenheit zu verändern.

Emerson ist eine ziemlich sympathische Persönlichkeit – und für eine Person mit ihren Fähigkeiten und ihrer Vergangenheit ziemlich normal. Es ist überraschend, wie gut sie mit allem klar kommt – unter anderem auch der Tatsache, dass sie wegen der Arbeit ihres Bruders, er restauriert alte Häuser, immer wieder an Orten ist, an denen ihre Gabe zu Tage tritt. Und auch wenn für einen Leser die Vorstellung, dass Emerson ein Glas auf ein nichtexistentes Klavier abstellt, ziemlich amüsant ist, für Emerson ist sie es sicher nicht.

Die Anziehungskraft zwischen Emerson und Michael und die daraus resultierende Verbundenheit trotz des mangelnden Vertrauens, dass sich die beiden entgegen bringen, war für mich etwas zu viel des Guten, auch wenn die Erklärung für diese Anziehungskraft durchaus nicht schlecht war. Die Gefühle der beiden konnten mich nicht über das Papier hinaus erreichen, selbst in den dramatischsten Situationen nicht. Da diese Gefühle einen Großteil der Geschichte ausgemacht haben, konnte mich leider auch das Buch nicht ganz überzeugen.

Der leichte und flüssige Schreibstil der Autorin haben mich am Buch gehalten. Und trotz der Tatsache, dass mich das Buch nicht mitreißen konnte, hat es mich durchaus nicht gelangweilt. Die Geschichte bietet einige interessante Ansätze, die jede für sich zwar nicht wirklich neu sind, in der Mischung aber durchaus Potential haben. Menschen, die die Zeit manipulieren können, eine Organisation, in der sie Zuflucht und Wissen finden und ein Bösewicht, der sich das alles zu Nutze machen möchte. Klingt wie X-Men, ganz so einfach ist das ganze jedoch nicht. Die Zeitreise ist niemandem alleine möglich und die Auswirkungen, die ein Eingriff in die Zeit haben könnte, werden durchaus bedacht (zumindest theoretisch). Allein die Handlungen der Hauptpersonen richten sich nicht ganz nach dem, was sie selber predigen, wenn sie von ihren Gefühlen mitgerissen werden.

Die Organisation „Hourglass“ und die Zeitreise, die Michael und Emerson unternehmen – der eigentliche Grund für ihr Zusammentreffen – nehmen trotz ihrer ständigen Präsenz nur einen kleinen Teil der Geschichte ein. Der Schwerpunkt liegt eben auf der Liebesgeschichte zwischen den beiden, nebst den typischen kleinen Eifersuchtsszenen.

Das Ende des Buches hat mich dann doch überraschen können – es ist keinesfalls so schlecht wie erwartet – und bringt die Geschichte zu einem schlüssigen Ende. Nicht alle Handlungsstränge werden aufgelöst – die Autorin arbeitet auch schon an einer Fortsetzung – aber zumindest Emerson und Michaels Geschichte ist zu Ende und der zweite Band muss damit nicht zwingend gelesen werden, um mit „Hourglass“ abschließen zu können. Ich bin mir jedenfalls noch nicht sicher, ob ich es mit dem Nachfolger versuchen werde.

Mehr Infos zum Buch (u.a. auch ein Leseprobe) findet ihr hier.

Published in: on Juli 25, 2012 at 2:00 pm  Kommentar verfassen  
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Tempus von Maud Schwarz

Maud Schwarz
Tempus
Verlag: Südwestbuch
292 Seiten
ISBN-10: 394266190X
ISBN-13: 978-3942661904
12,50 €

Das Cover des Buches zeigt die Silhouette einer Frau, überdeckt von einer transparenten Mechanik – ich vermute, die einer Uhr. Wenn man genau hinschaut, kann man auf der Mechanik zwei Worte erkennen: „Arance“ (ital. Orange) und „Relard“ (dieses Wort hat mir einige Grübeleien beschwert – und ich weiß immer noch nicht, was es bedeutet). Ein Cover, das definitiv mehr als einen Blick wert ist – und mit dessen Betrachtung man einiges an Zeit verbringen kann.

Die siebzehnjährige Elina hat ein Großteil ihres Lebens in Kenia verbracht, aber das Berufsleben ihrer Elter (beides Ärzte) führt sie nach Schweden, weit weg von Kenia und ihrem besten Freund, Harry. Aus räumlicher Entfernung wird bald auch persönliche und Elina fühlt sich weit mehr als nur allein.

Um sie aufzumuntern – und ihr die Möglichkeit zu geben, für ein Schulreferat vor Ort zu recherchieren – nimmt ihr Vater sie zu einem Ärztekongress mit nach Rom. Und dort entfernt sich Eina noch weit mehr von allem, was sie kennt. Viele Jahre weit, bis in die Zeit von Julias Caesar.

„Die Zeit wird es zeigen, die Zeit.“ Damit endet der sehr melancholische Prolog und der Leser wird nachdenklich in Elinas Geschichte hineingestoßen.

Es ist eine traurige Geschichte. Die Geschichte eines Mädchens, das aus seiner gewohnten Umgebung gerissen wird. Dessen einzige Verbindung dorthin langsam zu verschwinden droht und das keinen Fuß in der neuen Welt fasst. Kleine Impulse stoßen sie langsam in eine fröhlichere Richtung. Der ungeplante Ausflug ins alte Rom jedoch schafft das, was in der „jetzigen“ Zeit niemand geschafft hat: Schon beim ersten Kontakt zu den „alten“ Römern kann Elina ihren Wert beweisen und findet etwas, was sie lange vermisst hat: einen Platz, an den sie gehört; neue Freunde und vielleicht die große Liebe.

Als Leser begleitet man Elina von Beginn auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt. Auf der Suche nach einer Person, von der jeder hofft, dass er sie irgendwann findet. Mit einer Hoffnung, die sicher jeden begleitet: „Irgendwo da draußen wartete jemand auf mich. Jemand, den ich noch nicht kannte; den ich aber erkennen würde, sobald er meine Hand nahm.“ Elinas Worte sind ein gutes Beispiel für die Stimmung, die Maud Schwarz in ihrem Buch erzeugt. Eine Mischung aus Melancholie und Romantik, angesiedelt in einem historischen Setting. Ich bin nicht historisch bewandet genug, um die im Buch erwähnten Fakten zu verifizieren – sie passen jedenfalls perfekt zu der Atmosphäre des Buches.

Es sind Atmosphäre und Hauptperson, die den Leser am Buch halten. Über die Buchseiten transportiert Maud Schwarz Elinas Gefühle direkt in das Herz des Lesers. Elinas Ziel ist einfach und wirkt doch unerreichbar. Einmal erreicht wärt ihr Glück nicht lange – denn nicht nur die Zeit ist gegen sie. Ob ihr Ausflug die Zeit wert war? Da kann ich nur aus dem Prolog zitieren: „Die Zeit wird es zeigen, die Zeit.“

Mit dem Schluss von Elinas Geschichte ist das Buch jedoch noch nicht ganz beendet. Mit dem Epilog „Leise Melodien“ wird noch ein anderes Licht auf die Geschichte geworfen. Und damit bleibt es dem Leser überlassen, seine eigenen Schlüsse zu ziehen – und berührt vermutlich noch lange über das Buch und seine Figuren nachzudenken.

Weitere Infos zum Buch (unter anderem auch eine Leseprobe) findet ihr hier.

Published in: on Juli 5, 2012 at 6:00 am  Comments (1)  
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Ein Highlander zu Weihnachten von Sandy Blair

Auch wenn Weihnachten schon vorbei ist, als dieses Tauschbuch im Briefkasten lag und ich erst einmal hineingelesen hatte konnte ich einfach nicht mehr widerstehen …

Sandy Blair
Ein Highlander zu Weihnachten
Verlag: Weltbild
ISBN-10: 3868002235
ISBN-13: 978-3868002232

Das Cover des Buches ist ein typisches Liebesroman-Cover: Es zeigt einen Mann mit bloßen Oberkörper – da es sich um einen Highlander handelt, im Kilt – vor einem Fenster, hinter dem man Schneeflocken erkennen kann. Diese und die Kerzen vor dem Fenster machen das Cover weihnachtlich – und ein bisschen romantisch.

Der Beginn der Geschichte spielt in Schottland, kurz vor der Schlacht vor Culloden. Die magiebegabte Mutter des Schotten Cameron MacLeod fleht diesen an, sich nicht an der Schlacht zu beteiligen, da sie in ihren Visionen die verheerende Niederlage der Schotten gesehen hat. Als ihr Sohn sich nicht erweichen lässt, verzaubert sie ihn kurzerhand – mit dem Ziel, den Zauber nach der Schlacht wieder zu lösen.

262 Jahre später: Die Antiquitätenhändlerin Claire MacGregor öffnet die alte Truhe, die ihr ein alter Freund vermacht hat. Neben einem echten schottischen Schwert und einem Dolch findet sie auch ein verstaubtes Geheimfach. Nachdem sie die alten, auf der Truhe befindlichen Worte gemurmelt hat, befindet sich plötzlich ein waschechter Schotte aus dem 18. Jahrhundert – Cameron – in ihrem Zimmer.

Natürlich ist die Geschichte zu einem gewissen Grad vorhersehbar – nicht umsonst das eindeutige Cover ;-), das hindert sie aber nicht im geringsten daran, den Leser gut zu unterhalten – im Gegenteil.

Die Ursache der „Zeitreise“ des Schotten Cameron MacLeod klingt plausibel: Eine Art magischer Schlaf, der bis zum Öffnen der Truhe angehalten hat. Und auch seine Reaktion auf die „neue“ Welt ist glaubhaft – und manchmal ziemlich lustig. Aber woher sollte Cameron auch wissen, dass das Muschelsammeln im örtlichen Naturschutzgebiet ebenso wenig gestattet ist wie das Tragen eines Schwertes in der Öffenlichkeit? – Den Leser erwarten hier noch einige mehr dieser humorvoll geschilderten Missverständnisse.

Nach den ersten Schwierigkeiten – Claire hält Cameron für einen Einbrecher, Cameron Claire für eine Hexe, die ihn verzaubert hat – erklärt sich Claire schnell bereit, Cameron zu helfen: Sowohl dabei, sich in ihrer Zeit zurecht zu finden, was sie nicht nur Mühe, sondern auch eine Menge Geld kostet, sondern auch dabei, eine Möglichkeit zu finden, ihn in seine Zeit zurückzuschicken – auch wenn sie sich eigentlich wünscht, dass er bleibt.

Aber auch Cameron bemüht sich, Claire zu helfen, gewinnt sie langsam lieb und macht sich Sorgen um sie. Wenn er geht, möchte er, dass sie gut versorgt ist und gibt sich alle Mühe – mehr oder weniger erfolgreich – dies zu erreichen.

Die Geschichte lebt von den humorvollen Einlagen, die durch Camerons Unverständnis – oder auch Missverständnisse – gegenüber der modernen Welt entstehen, aber auch von der zarten Beziehung, die zwischen Cameron und Claire entsteht. Beide sind mehr als nur liebenswert – und als Leser gönnt man es ihnen, dass sie ihren Partner gefunden haben.

Wie es sich gehört, gibt es auch für diese beiden Helden ein Happy End – für einen Liebesroman, der in der Weihnachtszeit spielt, ist das ja auch quasi ein Muss ;-).

Eine süße, humorvolle Liebesgeschichte für die Weihnachtszeit, von der man sich aber durchaus auch noch im Januar verzaubern lassen kann.

Published in: on Januar 20, 2012 at 7:19 pm  Comments (3)  
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