Wie Monde so silbern von Marissa Meyer

wiemondesosilbern Marissa Meyer
Wie Monde so silbern
Verlag: Carlsen
416 Seiten
Hardcover
ISBN-10: 3551582866
ISBN-13: 978-3551582867
18,90 €

„Wie Monde so silbern“ ist der erste Teil von Marissa Meyers Luna-Chroniken, die alte Märchen in eine andere Welt und eine andere Zeit versetzt und sie wirklich anders neu erzählen.

Das Cover des Buches ist komplett in schwarz gehalten und dann mit Unmegen von silbernen Schuhen bedruckt. Ein echter Hinkucker, der zumindest mir gleich klar gemacht hat, welches Märchen Marissa Meyer in diesem Buch neu erzählt: Aschenputtel.

Seit dem Tod ihres Adoptivvaters lebt Cinder bei ihrer Stiefmutter, die nie verstanden hat, warum ihr Mann einen Cyborg bei sich aufgenommen hat – und Cinder die Schuld am Tod ihres Mannes gibt. Notgedrungen hat sie Cinder bei sich aufgenommen, lässt sie aber stets spüren, dass sie nicht zur Familie gehört. Während ihre Schwestern auf dem Ball beim Prinzen vorbereitet werden, geht Cinder ihrer Arbeit als Mechanikerin nach – irgendwie müssen die Ausgaben der Familie ja bezahlt werden. Als der Prinz selbst sie an ihrem Stand besucht könnte sich das alles ändern, aber dann erkrankt ihre Schwester an der tödlichen blauen Pest.

Wie ich werden sicherlich einige bei dem Namen der Hauptperson an Cinderella (dem englischen Namen für Aschenputtel) gedacht haben. Und tatsächlich gibt es einige Parallelen zu dem Märchen, auch wenn Cinder in dieser modernen Welt nicht gerade in Lumpen und Asche lebt, eher mit und zwischen ausgesorgten Schrott, befleckt von Motoröl. Ihre mechanischen Teile sind alt und ihre Arbeit schmutzig, dennoch wirkt Cinder einigermaßen zufrieden. Ihre kleine Schwester Peony mag sie und die ziemlich menschlich wirkende Hausdroidin Iko ist ihr eine gute Freundin. Ihre Stiefmutter hingegen macht ihr das Leben zur Hölle. Und die Tatsache, dass die restliche Gesellschaft Cyborgs abfällig betrachtet und sie grundsätzlich nicht für voll genommen werden, grenzt Cinder trotz ihres guten Rufs als Mechanikerin auch am Markplatz richtiggehend aus. Kein Wunder, dass Cinder ihre „Andersartigkeit“ so gut wie möglich verbirgt – vor allem gegenüber dem Prinzen, der für eine Reparatur seiner Lehrdroidin bei ihr vorbeischaut. Eine Droidin, die Daten von höchster Wichtigkeit enthält und die die im richtigen Märchen so wichtige Brautschau völlig in den Hintergrund drängt. In „Wie Monde so silbern“ geht es nicht darum, den Prinzen zu heiraten – auch wenn das Knistern zwischen Cinder und ihm deutlich zu spüren ist – sondern darum, eine Verschwörung aufzudecken und die böse Königin von Luna (dem Mond) davon abzuhalten, durch Heirat die Macht über das Reich zu erlangen. Ihren lunaischen Kräfte (früher hätte man sie vermutlich als Hexe bezeichnet, jetzt werden ihre Fähigkeiten mit Begriffen wie Telepathie beschrieben) gibt es dabei nicht viel entgegenzusetzten. Und auch ihrer finsteren Armee möchte sich keiner der Staaten auf der Erde entgegenstellen. Die einzige Hoffnung ist die rechtmäßige Erbin des Thrones von Luna, die seit Jahren als verschollen oder tot gilt. Nebenher gilt es auch ein Mittel gegen die tödlichen blauen Pocken zu finden, denn nicht nur Cinders Schwester, auch der Kaiser ist an ihnen erkrankt. Ein Kampf, an dem Cinder gegen ihren Willen stärker beteiligt wird als ihr lieb ist, schließlich sollen die Daten auf der Droidin des Prinzen den Durchbruch in der Suche nach der verschollenen Prinzessin bringen.

Damit ist das eigentlich Märchen nicht mehr als der Aufhänger der ganzen Geschichte; eine böse Königin würde man eher Schneewittchen als Aschenputtel zuordnen, eine tödliche Krankheit ist mir aus keinem Märchen bekannt und Droiden, Cyborgs und Raumschiffe wirken auf den ersten Gedanken völlig abwegig – auch wenn sie sich in dieser Geschichte perfekt in das Geschehen einpassen. Marissa Meyer schafft es tatsächlich, Märchen und Science Fiction gekonnt zu etwas Neuem zu verweben, moderne Technik und Magie (oder auch Parapsychologie) mit althergebrachtem zu verbinden. In manchen Ecken der Geschichte findet man Verweise auf das ursprüngliche Märchen, die man vielleicht erst auf den zweiten Blick erkennt (nicht alle sind so offensichtlich wie der Name der Protagonistin), die Geschichte selbst ist aber eine eigene. Eine, die mit „Wie Monde so silbern“ erst beginnt. Zu einer Auflösung kommt es in diesem Buch nämlich nicht – im Gegenteil, gegen Ende sieht es sogar ziemlich schlecht für die Protagonisten auf. Ein kleiner Hoffnungsschimmer und das Wissen darum, dass Märchen eigentlich immer gut ausgehen, sind es, die den Leser mit der letzten Seite nicht aufgeben lassen, sondern auf die gerade erschienene Fortsetzung „Wie Blut so rot“ hoffen lassen. Ich werde sicher sehr bald danach greifen.

Ihr könnt ja derweil hier einen Blick in dieses Buch werfen.

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Published in: on Januar 25, 2014 at 6:00 pm  Schreibe einen Kommentar  
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